Skip to main content
Mensche warten auf die Grippeimpfung
Foto:Gvardgraph/shutterstock.com

Das Ende der jährlichen Grippeimpfung?

Impfstoffe gegen das Grippe-Virus bringen das Immunsystem in der Regel dazu, Antikörper zu bilden, die einen bestimmten Teils des Virus erkennen, typischerweise den Kopf des Hämagglutinins (HA).  Dieses Protein, das sich von der Oberfläche des Virus nach außen erstreckt, ist der am besten zugängliche Bereich des HA und damit ein gutes Ziel für das Immunsystem. Der Nachteil: diese Stelle ist auch eine der variabelsten und mutiert von Jahr zu Jahr, so dass jährlich angepasste Impfstoffe gegen das Grippe-Virus erforderlich sind.

Ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung hat jetzt experimentelle Grippeimpfstoffe entwickelt, die universeller einsetzbar sind und den Körper dazu anregen, Antikörper gegen eine weniger variable Region (Stielregion des HA) zu bilden. In der Studie wurden 358 verschiedene Antikörper im Blut von Personen analysiert, die entweder einen saisonalen Grippeimpfstoff erhalten haben, an einer Phase-I-Studie für einen experimentellen universellen Grippeimpfstoff teilnahmen oder sich auf natürliche Weise mit Influenza infiziert hatten. Dabei stach eine Gruppe von 50 neuen Antikörpern heraus, die an den unteren Teil des Stiels, den die Wissenschaftler als Anker bezeichnen, andocken. Einem Bereich, der sich glücklicherweise nicht von Saison zu Saison verändert.

Vier Antikörper, die sich sowohl in Computer-Simulationen als auch im Labor als zuverlässig erwiesen, wurden weiter untersucht und lieferten wichtige Erkenntnisse über ihr Verhalten und ihre Bindungseigenschaften. Geplant sind nun weitere Studien zur Entwicklung eines Impfstoffes, der sich direkt gegen diese konservierte Region, die in allen Grippestämmen vorhanden ist, richtet. Die Antikörper selbst wiederum könnten auch als Heilmittel bei einer bestehenden Infektion eingesetzt werden.

Referenz:
Universität Innsbruck, University of Chicago, Scripps Research Institute, Icahn School of Medicine
Broadly neutralizing antibodies target a hemagglutinin anchor epitope, Nature 2021; https://doi.org/10.1038/s41586-021-04356-8

#grippe #impfung #infektion #antikörper #grippeimpfstoff #immunologie #grippewelle #medizin #medimpressions

  • Autor

    Dr. Rosalia Rutter

    Medizinjournalistin

    Dr. Rosalia Rutter ist eine freie Medizinjournalistin mit einem Studium der Ernährungswissenschaften und Biochemie an der Universität Wien. Sie verfügt über langjährige Expertise im Verfassen medizinischer Inhalte.

Zum Artikel: Frau krank auf dem Sofa mit Medikamenten

Schon wieder krank? Was hinter häufigen Erkältungen steckt.

Wenn Schnupfen und Husten zu ständigen Begleitern werden, steckt oft mehr dahinter als bloßes Pech. Der Körper sendet Signale, dass das Immunsystem Unterstützung braucht. In diesem Artikel erfahren Sie, was die Abwehrkräfte schwächt und mit welchen gezielten Strategien Sie den Kreislauf endlich durchbrechen können

Zum Artikel: Frau liegt krank im Bett

Grippe, Erkältung oder COVID-19: So erkennen Sie den Unterschied

Ob es sich um Grippe, eine Erkältung oder COVID-19 handelt, ist oft nicht leicht zu sagen, denn die Symptome sind sehr ähnlich. Dennoch gibt es entscheidende Unterschiede im Verlauf, in der Intensität und in den Risiken.

Zum Artikel: Großaufnahme: Nasenspray

Grippeimpfung via Nasenspray: Für wen ist sie geeignet?

Die Grippeimpfung per Nasenspray ist eine nadellose Alternative für Kinder und Jugendliche. Sie enthält abgeschwächte Influenzaviren und wird direkt über die Nasenschleimhaut verabreicht, wo sie eine lokale Immunantwort in den Atemwegen auslöst.

Zum Artikel: Frau macht sich einen Shake mit Kreatin-Pulver

Kreatin – Wirkung, Nutzen und Anwendung im Überblick

Kreatin zählt zu den am besten erforschten Nahrungsergänzungsmitteln. Lange Zeit galt es als typisches Supplement für Kraftsportler und Bodybuilder. In diesem Artikel erfahren Sie, für wen Kreatin sinnvoll sein kann, wie es im Körper wirkt und worauf Sie bei der Einnahme achten sollten.