Vitiligo (Weißfleckenkrankheit)

Vitiligo (Weißfleckenkrankheit)

Stand: Juli 2020
Vitiligo an den Händen eines Patienten

Bei Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) entwickeln sich in Folge einer mangelhaften Pigmentierung weiße (pigmentlose) Stellen auf der Haut. Es handelt sich um eine harmlose Hauterkrankung, aufgrund der mit ihr einhergehenden auffälligen Veränderungen kann sie für Betroffene jedoch eine große emotionale Belastung darstellen. Vitiligo kann bislang nicht geheilt werden, es stehen jedoch verschiedene Behandlungen zur Verfügung, um das Fortschreiten zu hemmen. Ursachen, Ausprägung, Verlauf und Behandlung – lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema Vitiligo.

Was ist Vitiligo?

Bei Vitiligo handelt es sich um eine chronische Hautkrankheit, die durch mangelhafte Pigmentierung/Depigmentierung (“Weißfärbung“) der Haut gekennzeichnet ist. Bei Menschen mit Vitiligo bilden sich im Laufe des Lebens in bestimmten Hautarealen weiße Flecken bzw. Stellen, die nur schwach oder gar nicht pigmentiert sind. Aufgrund des mit der Hautkrankheit einhergehenden Hautbildes wird Vitiligo auch als “Weißfleckenkrankheit“ oder “Scheckhaut“ bezeichnet.

Vitiligo ist weder gefährlich noch ansteckend und geht nicht mit körperlichen Beschwerden einher. Die Hauterkrankung ist somit eigentlich harmlos, kann für Betroffene aufgrund des auffälligen Hautbildes jedoch, je nach Ausprägung, eine große psychische Belastung darstellen und zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. Vitiligo kann bei Frauen und Männern auftreten und betrifft vor allem jüngere Menschen – in vielen Fällen tritt die Erkrankung bereits im Jugend- und frühen Erwachsenenalter in Erscheinung. Nicht selten zeigt sich eine familiäre Häufung.

Typen und Formen

Es werden verschiedene Typen und Formen unterschieden.

Typ 1 und Typ 2 Vitiligo

Abhängig vom Beginn der Erkrankung wird die Weißfleckenkrankheit unterteilt in Typ 1 und Typ 2 Vitiligo. Typ 1 Vitiligo, auch als präpubertäre Vitiligo bezeichnet, tritt bereits vor Beginn der Pubertät in Erscheinung und ist eher selten. Viele Betroffene leiden zusätzlich auch an Neurodermitis und stellenweiser Grauhaarigkeit und haben zudem häufig viele Muttermale (Halo-Naevi). Typ 2 Vitiligo macht den größten Teil aller Fälle aus, beginnt nach der Pubertät und wird im Gegensatz zu Typ 1 Vitiligo nicht von verstärkter Muttermalbildung, verstärkter Grauhaarigkeit und Neurodermitis begleitet.

Lokalisierte und generalisierte Verlaufsform

Je nach Ausprägung der Weißfleckenkrankheit werden eine lokalisierte und generalisierte Verlaufsform unterschieden. Bei der lokalen Form treten die weißen Flecken vereinzelt am Körper auf, bei der generalisierten Vitiligo sind mehrere Körperpartien betroffen, zumeist großflächiger. Zudem gibt es, je nach Ausprägung und Lokalisation der Flecken, verschiedene Unterformen, darunter u. a. Vitiligo vulgaris (Unterform der generalisierten Vitiligo, tritt am häufigsten auf), bei welcher sich an verschiedenen Körperstellen großflächig weiße Flecken bilden, und Vitiligo acrofacialis, bei welcher die Hautveränderungen auf das Gesicht, die Hände und die Füße beschränkt sind. Sind beide Körperseiten parallel betroffen, ist von nicht-segmentaler Vitiligo die Rede, beschränken sich die Flecken auf eine Körperseite, dann handelt es sich um eine segmentale Vitiligo.

Ursachen

Die genauen Ursachen von Vitiligo sind bislang nicht vollständig geklärt. Angenommen wird, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Unter einer Autoimmunerkrankung versteht man eine Erkrankung, bei welcher sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen richtet. Im Fall der Weißfleckenkrankheit sind die Pigmentzellen (Melanozyten) der Haut betroffen, welche das Pigment Melanin produzieren. Melanin schützt die Haut vor UV-Strahlung; die Haut ist umso dunkler, je mehr Melanin vorhanden ist. Bei Vitiligo kommt es zu einer morphologischen und funktionellen Schädigung von Melanozyten, wodurch die Melanin-Bildung beeinträchtigt wird bzw. unterbleibt, was in weiterer Folge zur Entstehung der für Vitiligo typischen pigmentfreien Flecken führt. Erbliche Veranlagung dürfte eine wichtige Rolle in Zusammenhang mit der Erkrankung spielen.
Es werden verschiedene Faktoren diskutiert, welche die Auslösung der Erkrankung fördern können (Triggerfaktoren). Hierzu zählen psychische Belastung/psychischer Stress, physischer Stress, intensive Sonnenbestrahlung, Sonnenbrände, lokale Hautreizungen und Verletzungen der Haut. Weiters tritt Vitiligo häufig in Zusammenhang mit bestimmten anderen Autoimmunerkrankungen auf, darunter Hashimoto-Thyreoiditis, Diabetes mellitus Typ 1 und Neurodermitis. Bei Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Hashimoto-Thyreoiditis kann sich ein etwas progressiverer (voranschreitend) Verlauf zeigen.

Symptome und Verlauf

Vitiligo äußert sich durch Flecken auf der Haut, die schwach bzw. nicht pigmentiert und damit weiß sind. Die Flecken variieren hinsichtlich ihrer Größe, haben unregelmäßige Ränder und grenzen sich scharf von der umgebenden Haut ab, manche gehen auch ineinander über. Die Flecken können sich langsam ausweiten und zunehmend mehr Hautareale betreffen. Sie können an den Händen, Finger- und Handgelenken, Ellenbogen, Unterarmen, Knien, Füßen, am Hals, im Bereich des Gesichts, im Anogenitalbereich und an vielen anderen Stellen auftreten. Grundsätzlich kann jede Körperstelle betroffen sein, neben behaarter Haut auch die Schleimhäute und die Augen. Im Bereich der depigmentierten Haut besteht praktisch kein Eigenschutz vor UV-Strahlen.

Der Verlauf kann bei jedem Menschen unterschiedlich sein. Treten erstmals weiße Flecken auf, können sie sich allmählich oder aber auch relativ schnell ausbreiten, eine Ausbreitung ist aber nicht zwingend. Die Ausprägungen und Verläufe reichen von einzelnen kleinen Flecken, die über lange Zeit stabil bleiben bis hin zu einer beinahe vollständigen Depigmentierung der Haut. Prinzipiell verläuft Vitiligo in Schüben, wobei es zu teilweise langen Phasen des Stillstandes kommen kann, in welchen auch spontane Repigmentierungen einzelner Stellen möglich sind.

Abseits von den Hautveränderungen sind Patienten mit Vitiligo in der Regel beschwerdefrei. Die Hautkrankheit verursacht also keine weiteren körperlichen Symptome. Nichtsdestotrotz ist die Weißfleckenkrankheit kein reines kosmetisches Problem oder eine Hauterkrankung, die ohne Weiteres als harmlos bezeichnet werden kann, denn für Betroffene stellt sie häufig eine große psychische Belastung dar. Vitiligo und andere Hauterkrankungen, die nach außen für andere Menschen sichtbar sind (z. B. Psoriasis, starke Akne) können – in Zeiten, in welchen Schönheitsideale vorherrschen, die sich u. a. durch makellose Haut auszeichnen und in welchen das äußere Erscheinungsbild für das körperliche und psychische Wohlbefinden eine bedeutende Rolle spielt – mit einem hohen Leidensdruck einhergehen. Sie können sich auf das Selbstbewusstsein auswirken und dazu führen, dass sich Betroffene in ihrer Haut sprichwörtlich nicht wohlfühlen, sich schämen und unter Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung zu leiden haben.

Diagnose

Ansprechpartner bei Vitiligo ist der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Zu Beginn der Abklärung steht das ausführliche Anamnesegespräch, bei welchem Informationen zur Krankengeschichte eingeholt (z. B. hinsichtlich möglicher Grunderkrankungen, anderer Hauterkrankungen, eingenommener Medikamente etc.) und Patienten zu den Hautveränderungen befragt werden (z. B. Fragen danach, seit wann die Hautveränderungen bestehen bzw. wann diese erstmals aufgefallen sind, ob es im Laufe der Zeit hinsichtlich der Anzahl und Größe der Flecken Veränderungen gegeben hat, ob andere Familienmitglieder ebenfalls Flecken aufweisen, ob es bereits Behandlungsversuche gegeben hat etc.). Im Anschluss erfolgt die körperliche Untersuchung, bei welcher die Haut am ganzen Körper begutachtet wird. Die betroffenen Hautpartien werden zumeist auch fotografiert, um Veränderungen und den Verlauf gut nachvollziehen zu können (Fotodokumentation des Ausgangsbefunds zur weiteren Verlaufskontrolle). Außerdem werden die betroffenen Hautstellen mit Hilfe einer speziellen Lampe (Wood-Licht, langwelliges ultraviolettes Licht), in welcher die Flecken weiß-gelblich erscheinen, untersucht. Häufig wird auch eine Blutuntersuchung veranlasst, um das Blut auf spezielle Antikörper zu untersuchen und mögliche Begleiterkrankungen (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis, Diabetes) auszuschließen bzw. festzustellen.

Behandlung

Vitiligo ist bislang nicht heilbar, es stehen jedoch verschiedene Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung, die helfen das Voranschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und weiteren Schüben vorzubeugen. Durch eine individuell angepasste Behandlung und eine entsprechend lange Therapiedauer kann es in bestimmten Fällen auch möglich sein, eine Repigmentierung von einzelnen weißen Stellen zu erreichen.

Zu den Behandlungsmaßnahmen zählen u. a. Medikamente, die lokal (als Creme) auf die Haut aufgetragen werden (Kortikosteroide, Calcineurininhibitoren), die orale Gabe von Steroiden, verschiedene Phototherapie-Verfahren und Pigmentzelltransplantation (Transplantation von Melanozyten, chirurgische Therapie). Bei einer Phototherapie werden die weißen Hautflecken gezielt mit UV-Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt, die Therapie kann auch mit verschiedenen Wirkstoffen kombiniert werden. Welche Therapiemaßnahmen geeignet sind und wie sich die Behandlung gestaltet hängt von der Lage und Ausdehnung der weißen Stellen, vom Verlauf der Erkrankung, vom Alter des Patienten und von anderen Faktoren ab. Da es im Bereich der depigmentierten Haut keinen Schutz vor UV-Strahlen gibt, ist es besonders wichtig, dass Betroffene die jeweiligen Hautpartien konsequent vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden.

Daneben kann es helfen, verschiedene Maßnahmen auszuprobieren, mittels welcher die betroffenen Stellen farblich an die normal pigmentierte Haut angepasst oder kaschiert werden. Hierzu zählen u. a. die Reduktion von Bräunung der normal pigmentierten Haut und damit des Kontrasts zwischen pigmentierter und nicht-pigmentierter Haut und deckende Kosmetika, die in verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung stehen (z. B. Camouflage-Make-up, Puder mit Mineralpigmenten, Selbstbräuner).

Weiters ist Stressabbau sehr wichtig. Betroffene, die psychisch unter der Erkrankung leiden, können auch von psychologischer Unterstützung und einem Austausch mit anderen Vitiligo-Patienten (z. B. in Selbsthilfegruppen, Online-Foren) profitieren. Nicht zuletzt können auch das Arbeiten an der eigenen Einstellung sich selbst gegenüber und ein Perspektivenwechsel helfen, besser mit der Erkrankung zurecht zu kommen und das eigene Selbstwertgefühl nicht von Flecken beherrschen zu lassen – in Zeiten von Medien, die zeigen, wie man auszusehen hat, um Anerkennung zu erfahren und dazu verleiten, dass man sich ständig vergleicht ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass hinter perfekten Bildern zumeist viel Make-up auf einer “unperfekten“ Haut steckt und, dass Schönheit stets im Auge des Betrachters liegt. Flecken machen Haut nicht hässlich, sondern einfach zu etwas Besonderem.

Fact-Box Vitiligo

Vitiligo (Weißfleckenkrankheit): Ungefährliche und nicht ansteckende Hauterkrankung, bei welcher sich im Laufe des Lebens weiße (pigmentlose) Hautstellen bilden

Typen und Formen:

  • Typ 1 Vitiligo: Tritt vor Beginn der Pubertät in Erscheinung; Betroffene haben häufig auch Neurodermitis, stellenweise graue Haare und viele Muttermale
  • Typ 2 Vitiligo: Beginnt nach der Pubertät
  •  Lokale Vitiligo: Weiße Flecken treten vereinzelt auf
  • Generalisierte Vitiligo: Mehrere Körperstellen sind meist großflächig betroffen
  • Vitiligo vulgaris: An verschiedenen Stellen bilden sich großflächig weiße Flecken
  • Vitiligo acrofacialis: Flecken beschränken sich auf Gesicht, Hände und Füße
  • Nicht-segmentale Vitiligo: Beide Körperseiten sind parallel betroffen
  • Segmentale Vitiligo: Flecken beschränken sich auf eine Körperseite
  • U. a.

Ursachen und Trigger: Autoimmunerkrankung, bei welcher es zur Schädigung/Zerstörung von Pigmentzellen (Melanozyten) kommt, wodurch die Bildung von Melanin unterbleibt; erbliche Veranlagung, Stress, intensive Sonnenbestrahlung, Hautverletzungen u. a.; tritt häufig in Zusammenhang mit bestimmten anderen Erkrankungen (Hashimoto-Thyreoiditis, Diabetes mellitus Typ 1, Neurodermitis) auf.

Symptome: Schwach bzw. nicht pigmentierte (weiße) sich scharf von der umgebenden Haut abgrenzende Hautflecken mit unregelmäßigen Rändern; abseits von den Hautveränderungen keine körperlichen Beschwerden

Lokalisation: Kann alle Körperstellen betreffen, neben behaarter Haut auch die Schleimhäute und die Augen

Verlauf: Individuell sehr verschieden; die Flecken können sich langsam oder schnell ausweiten und zunehmend mehr Hautareale betreffen; prinzipiell schubhafter Verlauf, bei welchem es zu teils langen Phasen des Stillstandes kommen kann

Folgen: Kein Schutz vor UV-Strahlen im Bereich der depigmentierten Haut; oftmals psychische Belastung, verringertes Selbstwertgefühl, hoher Leidensdruck, Stigmatisierung

Diagnose: Anamnese, körperliche Untersuchung (genaue Inspektion der Haut, Fotodokumentation des Ausgangsbefunds zur weiteren Verlaufskontrolle), Untersuchung mit Wood-Licht, Blutuntersuchung

Heilbar: Nein

Behandlung: Medikamente zur lokalen Anwendung (Creme), systemische Steroide (orale Gabe), Phototherapie, Transplantation von Melanozyten (chirurgische Maßnahme) u. a.

Weitere Maßnahmen/Was Betroffene selbst tun können: Konsequenter Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor; Maßnahmen zum Stressabbau, psychologische Unterstützung, Selbsthilfegruppen und Online-Foren zum Austausch mit anderen; Maßnahmen, um weiße Stellen an normal pigmentierte Haut anzupassen/zu kaschieren (Reduktion der Bräunung von normal pigmentierter Haut, deckende Kosmetika)

Autor:
Quellen:
Lienhard A.; Vitiligo: Verfügbare Behandlungen und neue Therapiehorizonte, CongressSelection 01/2020, Rosenfluh Publikationen AG

Schild M., Meurer M.; Vitiligo – Klinik und Pathogenese, Der Hautarzt 02/2016, Springer Medizin Verlag

Hofer A.; Behandlungsstrategien bei Vitiligo, Spectrum Dermatologie 02/2014, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Auböck J.; Nichtinfektiöse dermatologische Komplikationen, Diabetes Forum 03/2011, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Schallreuter K.U.; Vitiligo – Was ist neu?, Der Hautarzt 07/2010, Springer Medizin Verlag

Röcken M. et al.; Vitiligo (Weißfleckenkrankheit), Taschenatlas Dermatologie, 1. Auflage, Thieme Verlagsgruppe, Stuttgart 2010

Patscheider R.; Vitiligo – ein Stiefkind der Dermatologie?, Schweizer Zeitschrift für Dermatologie & Ästhetische Medizin [medicos] 05/2004, Rosenfluh Publikationen AG

Deutsches Ärzteblatt; Vitiligo: Wirkstoff kann Haut repigmentieren, URL: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/60152/Vitiligo-Wirkstoff-kann-Haut-repigmentieren, 18.09.2014
ICD-10: L80, F54