Magengeschwür – Ulcus ventriculi

Magengeschwür – Ulcus ventriculi

Stand: November 2021

Ein Magengeschwür ist eine Wunde in der Magenschleimhaut, die meist durch ein Übermaß an Magensäure oder durch die Besiedlung mit dem Bakterium Helicobacter pylori entsteht. Die Therapie erfolgt fast immer medikamentös und zeigt eine gute Prognose. In schweren Fällen muss ein Magengeschwür jedoch chirurgisch versorgt werden.

Factbox – Magengeschwür

Synonym: Magengeschwür, Ulcus ventriculi, peptisches Ulcus

Definition: Wunde in der Magenschleimhaut, bedingt durch eine vorhergehende Schädigung

Ursachen und Risikofaktoren: Besiedelung der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori, Medikamenteneinnahme (vor allem Schmerz- und Rheumamedikamente), Alkohol- und Tabakkonsum, genetische Faktoren, psychosoziale Faktoren

Symptome: Oberbauchschmerz, Druck- und Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit und Abneigung gegen bestimmte Speisen, Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten, saures Aufstoßen, Sodbrennen, vegetative Störungen

Komplikationen: Blutungen, Magen- oder Darmdurchbruch, Verengung des Magenausgangs

Diagnostik: körperliche Untersuchung, Ultraschalluntersuchung, Röntgen, endoskopische Untersuchung

Behandlung: meist Medikamente (Säureblocker, Antibiotika); Operation bei Magendurchbruch, oft auch bei Verengung des Magenausgangs

Bei akuten Beschwerden suchen Sie bitte sofort einen Arzt oder eine medizinische Einrichtung auf!

Was ist ein Magengeschwür?

Bei einem Magengeschwür handelt es sich um einen Defekt bzw. eine Wunde in der Magenschleimhaut, die das Innere des Magens auskleidet und ihn normalerweise vor der aggressiven Magensäure schützt. Dieses Geschwür, das Mediziner auch Ulcus ventriculi nennen, entsteht, wenn ebendies nicht gegeben ist und die Magensäure eine Wunde in das Gewebe schlägt. Relativ häufig passiert dies, wenn zum Beispiel die Schutzschicht der Magenschleimhaut durch eine Medikamenteneinnahme geschwächt wurde, zu viel Magensäure vorhanden ist oder wenn eine Besiedelung der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori-Bakterien vorliegt (siehe auch: Gastritis).

Was den Sitz eines Magengeschwürs betrifft, so befindet es sich oft im unteren Bereich des Magens, während das Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni), das ganz ähnliche Beschwerden wie ein Ulcus ventriculi verursacht, hinter dem Magenausgang liegt.

Wird ein Magengeschwür nicht behandelt, so kann es über die Schleimhaut hinaus in tiefere Gewebe- und Muskelschichten vordringen und manchmal zu einer lebensbedrohlichen Komplikation wie einer Blutung oder einem Magendurchbruch führen. Behandelt aber hat ein Ulcus ventriculi eine gute Prognose wobei die Therapie meist auf Medikamente begrenzt ist.

Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre gehören zu den häufigsten Magen- Darmerkrankungen. In aller Regel betrifft die Erkrankung Frauen und Männer gleichermaßen.

Ursachen und Risikofaktoren

Lange Zeit galt das Magengeschwür als klassische Stresskrankheit und psychosomatische Erkrankung. Heute weiß man, dass das Bakterium Helicobacter pylori einer der häufigsten Verursacher von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren ist. Trotzdem scheinen psychosoziale Faktoren auch eine Rolle bei der Entstehung des Ulcus ventriculi zu spielen. Man geht aktuell davon aus, dass psychische Belastungen bei einem großen Anteil der Betroffenen zur Ulkusentstehung beitragen und dass Angst, Stress und Depression auch die Heilung von bestehenden Geschwüren behindern können.
Weiters scheint es eine genetische Belastung zu geben, da Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre in manchen Familien gehäuft auftreten. Außerdem können Magengeschwüre auch durch Schmerzmittel oder andere Medikamente hervorgerufen werden. Dazu zählen insbesondere Azetylsalizylsäure (z.B. Aspirin) und Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac, aber auch Kortison, antithrombotische Mittel sowie bestimmte Chemotherapeutika. Weitere Risikofaktoren sind Alkohol- und Tabakkonsum sowie der Rückfluss von Gallensaft in den Magen.

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung eines Geschwürs spielt zudem die Magensäure, ohne deren Beteiligung praktisch nie ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür auftritt. Sie ist aber nur der Auslöser und nicht die eigentliche Ursache des Geschwürs, denn wie weiter oben beschrieben wird die Magenwand normalerweise durch eine Schleimschicht vor der Säure geschützt, und erst wenn das nicht gegeben ist, kann die Säure die Magenschleimhaut und die darunter liegenden Gewebeschichten angreifen und zerstören.

Erste Anzeichen und Symptome

Was Symptome betrifft, so entwickeln sie sich schleichend und werden im Lauf von mehreren Wochen oder Monaten heftiger, und viele Betroffene (rund 30 Prozent) sind auch beschwerdefrei. Die meisten Patienten verspüren aber einen dumpfen, bohrenden Schmerz im Oberbauch, der manchmal in den Rücken ausstrahlt. Dieser Schmerz ist punktuell, stimmt aber nicht immer mit dem tatsächlichen Ort des Ulcus ventriculi überein.

Mögliche Warnzeichen im Anfangsstadium sind:

  • ein Druck- und Völlegefühl
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit und Abneigung gegen bestimmte Speisen
  • Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten
  • saures Aufstoßen, Sodbrennen
  • vegetative Störungen wie Kreislaufprobleme oder Herzstechen

Die Beschwerden können unmittelbar nach dem Essen oder nahrungsunabhängig auftreten. Der so genannte Nüchternschmerz, der nach der Nahrungsaufnahme nachlässt, ist hingegen typisch für ein Zwölffingerdarmgeschwür. Oft verstärken sich die Schmerzen in der Nacht, und die Patienten vertragen stark gewürzte Speisen, Süßigkeiten, Alkohol und Kaffee schlecht.

Komplikationen der Erkrankung

Magengeschwüre können zu lang anhaltenden Beschwerden führen, aber auch zu anfallsartigen Komplikationen. Bei jedem fünften Patienten kommt es zu Blutungen im Magen oder Zwölffingerdarm. Sind die Blutungen schwach ausgeprägt, führt dies zunächst nur zu Müdigkeit, bei starken Blutungen hingegen zu Schweißausbrüchen, erhöhtem Puls, erniedrigtem Blutdruck, Erbrechen von Blut sowie starkem Durst und bei starkem Blutverlust zu einem Schockzustand. Auch schwarzer Mageninhalt oder Stuhl kann auf ein Magengeschwür hindeuten. Zudem kann es zu einem Magen- oder Darmdurchbruch kommen. Diese äußern sich durch plötzliche heftige Schmerzen im Oberbauch, der Bauch ist extrem angespannt und wird bretthart.In einigen Fällen erleiden die Betroffenen einen Schock.

Durch immer wiederkehrende Geschwüre am Magenausgang, können sich Narben in der Darmwand bilden, die den Magenausgang weiter verengen. In diesem Fall kann der Mageninhalt nicht mehr in den Darm weitertransportiert werden und wird stattdessen erbrochen. Ein typisches Anzeichen für diese Komplikation ist plötzlicher Gewichtsverlust, der sich auch dadurch erklären lässt, dass der Wasser- und Salzhaushalt des Körpers gestört wird.

Bei akuten Beschwerden suchen Sie bitte sofort ein Arzt oder eine medizinische Einrichtung auf!

Wie erfolgt die Diagnose eines Magengeschwürs?

Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf ein Magengeschwür ist der Internist, idealerweise ein Gastroenterologe. Bei der Anamnese sind Informationen über die Beschaffenheit des Stuhls und wenn vorhanden des erbrochenen Mageninhalts wichtig. Wenn der Stuhl schwarz gefärbt ist oder der Mageninhalt wie Kaffeesatz aussieht, so ist das ein signifikanter Hinweis auf eine Blutung im Magen oder Darm.

An Untersuchungen kommen eine körperliche Untersuchung des Ober- und Unterbauches, eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes und eventuell ein Röntgen zum Einsatz. Außerdem lässt sich an bestimmten Blutwerten erkennen, ob Bauchorgane entzündet sind.
Um konkret auf ein Geschwür hin zu untersuchen, ist eine endoskopische Untersuchung am besten geeignet. Dabei können auch Gewebeproben entnommen und anschließend im Labor analysiert werden. So lässt sich ein Ulkus von anderen Erkrankungen wie etwa Magenkrebs unterscheiden, mit der endoskopischen Untersuchung kann auch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori nachgewiesen werden.

Behandlung Ulcus ventriculi

Magen- und Darmgeschwüre heilen manchmal ohne Behandlung innerhalb von zwei bis drei Monaten von alleine ab, aber die Rückfallquote ist dabei hoch. Deshalb werden Medikamente zur Therapie empfohlen, die sowohl den Heilungsprozess auf ein bis drei Wochen verkürzen als auch die Rückfallquote senken können.

Bei nur leicht ausgeprägten Beschwerden können schon allgemeine Maßnahmen wie eine magenfreundliche Kost aus milden, gut verträglichen Speisen, der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten, die Einschränkung des Kaffeekonsums sowie Ruhe und Entspannung helfen. Auch sogenannte (nicht verschreibungspflichtige) Antazida wirken säurehemmend und -bindend und können Schmerzen lindern. Oft helfen auch Tees aus Kamille, Fenchel, Anis oder Süßholzwurzelextrakt, die Schleimhaut zu beruhigen und Schmerzen zu lindern. Verschwinden die Beschwerden mit diesen Maßnahmen nicht nach ein paar Tagen, so kommen Medikamente zum Einsatz. Sie sollen vor allem das Bakterium Helicobacter pylori beseitigen und die Magensäure neutralisieren.

Bei einer nachgewiesenen Infektion mit Helicobacter pylori können Säureblocker zur Verringerung der Magensäure und Antibiotika zur Abtötung des Keims im Magen gegeben werden. Gelingt das, (was mit einem Harnstoff-Atemtest überprüft werden kann), so liegt die Heilungsrate bei 95 Prozent.

Ist ein Geschwür durch Medikamenteneinnahme aufgetreten, so muss man diese Medikamente zunächst absetzen, und es wird ein säurehemmendes Präparat (z.B. Protonenpumpenhemmer) gegeben. Normalerweise heilt das Geschwür dann innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Ist es dem Patienten nicht möglich, etwa seine Schmerz- oder Rheumamedikamente abzusetzen, muss dauerhaft ein Säurehemmer gegeben werden, damit es nicht zum Fortschreiten des Geschwürs oder zu Komplikationen kommt.

Bei starken Blutungen muss eine strikte Bettruhe eingehalten werden und die Patienten werden weiterhin mit Protonenpumpenhemmern behandelt. Um einen Blutverlust auszugleichen, erfolgen Bluttransfusionen. Zudem wird der Arzt versuchen, die Blutung zu stillen. Das geschieht oft mittels Verödung oder Verschluss des geschädigten Blutgefäßes mit Strom oder einem speziellen Clip. Ist dies nicht möglich, muss operiert und das Blutgefäß zugenäht werden. Sofort operiert werden auch Magen- oder Darmdurchbrüche, die lebensbedrohlich sind. Auch bei einer Verengung des Magenausgangs hilft meist nur eine Operation.

Autor:
Quellen:
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): S2k – Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit (Stand: Februar 2016)
https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2018/08/S2k-Leitlinie_Helicobacter_pylori_und_gastroduodenale_Ulkuskrankheit.pdf_11.04.2016_Hinweis-auf-Erratum.pdf, Abruf Oktober 2021

https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/magengeschwuer-zwoelffingerdarmgeschwuer/was-ist-ein-magen-darmgeschwuer.html, Abruf Oktober 2021

https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/gastritis.pdf?__blob=publicationFile, Abruf Oktober 2021

https://dasgastroenterologieportal.de/Magengeschwuer.html, Abruf Oktober 2021
ICD-10: K25

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