Krätze (Scabies) – Ansteckung, Symptome, Behandlung

Krätze (Scabies) – Ansteckung, Symptome, Behandlung

Stand: August 2019
Kleines Mädchen kratzt sich am linken Oberarm

"Ich habe die Krätze" ist eine Aussage, die schnell mal fällt, wenn die Haut stärker juckt. Juckreiz ist ein klassisches Symptom von Krätze, einer ansteckenden Hauterkrankung, die durch Krätzmilben hervorgerufen wird. Wie man sich anstecken kann, welche Symptome sonst noch auftreten, wie Krätze behandelt wird und was man tun kann, um andere vor einer Ansteckung zu schützen und weiteren Ansteckungen vorzubeugen, lesen Sie hier.

Was ist Krätze?

Bei Krätze (Scabies) handelt es sich um eine ansteckende Hauterkrankung. Sie geht u. a. mit starkem Juckreiz einher. Krätze kommt weltweit vor und betrifft Menschen jedes Alters.

Erreger der Krankheit ist die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei var. hominis), ein auf den Menschen spezialisierter Parasit. Die Ansteckung erfolgt von Mensch zu Mensch; im Gegensatz zu vielen anderen durch Parasiten hervorgerufenen Erkrankungen gibt es bei Scabies in der Regel keinen tierischen Zwischenwirt. Die Krätzmilbe zählt zu den Spinnentieren. Die weibliche Milbe wird ca. 0,3 bis 0,5 Millimeter groß und ist damit mit dem Auge gerade noch als Punkt erkennbar, männliche Krätzmilben werden ca. 0,21 bis 0,29 Millimeter groß.

Die Begattung der Milben erfolgt auf der Hautoberfläche. Die männlichen Milben sterben danach. Die befruchteten Milbenweibchen graben tunnelförmige Gänge im Stratum corneum (oberste Schicht der Epidermis) und legen ihre Eier ab. Die weibliche Milbe kann dann noch bis zu 60 Tage lebensfähig bleiben. Aus den Eiern schlüpfen nach zwei bis drei Tagen Larven, die sich in Richtung Hautoberfläche bewegen, wo sie sich in Vertiefungen, Falten und Haarfollikeln zu Nymphen und schließlich nach etwa zwei bis drei Wochen zu geschlechtsreifen Krätzmilben entwickeln. Damit ist eine neue Milbengeneration in der Lage sich zu vermehren.

Ansteckung

Die Ansteckung erfolgt durch engen körperlichen Kontakt/direkten Hautkontakt mit infizierten Personen. Dabei “wandern” die Milben von einer Person zur nächsten (von einem Wirt zum nächsten). Mögliche Übertragungswege sind z. B. gemeinsames Schlafen, längere enge Umarmungen, Kuscheln, gemeinsames Spielen und Körperpflege durch eine andere Person (z. B. Kinder durch die Eltern, kranke oder ältere Menschen durch Pfleger). Die Ansteckung kann auch beim Geschlechtsverkehr erfolgen, weshalb Krätze auch zu den sexuell übertragbaren Krankheiten zählt. Ein weiterer Übertragungsweg sind kontaminierte Gegenstände, darunter z. B. Bettwäsche, Kleidung, Handtücher, Polstermöbel und Teppiche.

Das Risiko einer Ansteckung besteht besonders an Orten, an welchen viele Menschen zusammenkommen. Hierzu zählen z. B. Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime, Altersheime und Hotels mit schlechten Hygienestandards. Bei Einzelfällen besteht grundsätzlich keine Meldepflicht, bei Ausbruch ist Gemeinschaftseinrichtungen ist Krätze meldepflichtig.

Bei einer Umgebungstemperatur von 34 Grad überleben die Milben weniger als 24 Stunden, bei 50 Grad kaum länger als zehn Minuten. Verlängert wird die Überlebenszeit der Milbe durch niedrigere Temperaturen und eine höhere relative Luftfeuchtigkeit.

Symptome

Die Inkubationszeit kann mehrere Wochen betragen. Bei erstmaliger Infestation (Befall eines Körpers mit Parasiten) kommt es nach etwa zwei bis fünf Wochen zum Auftreten der ersten Symptome. Im Fall einer Reinfestation (erneuter Befall) zeigen sich bereits nach wenigen Tagen Hautveränderungen. Die Milben graben kleine “Tunnel” in die obere Schicht der Haut, um ihre Eier ablegen zu können. Hierfür bevorzugen sie Stellen, an welchen die Haut dünner und verhältnismäßig wärmer ist. Prädilektionsstellen (Körperstellen, an welchen eine Krankheit bzw. Krankheitserscheinung bevorzugt auftritt) der gewöhnlichen Scabies sind u. a.: Finger- und Zehenzwischenräume (Interdigitalfalten), Handgelenke, Ellbogenstreckseiten, Knöchelregion, vordere Axillarfalten/Achselregion, Brustwarzenvorhöfe, Nabelregion, Gürtellinie, Gesäß, Leisten, Analfalte/Analregion und Penisschaft. Bei Säuglingen und Kleinkindern finden sich die typischen Hauterscheinungen auch am behaarten Kopf, im Gesicht und an den Handflächen und Fußsohlen.

Es entstehen Milbengänge, die sich als zumeist unregelmäßig gewundene (“kommaartige”) feine bräunlich-rötliche Linien zeigen, an deren Ende sich manchmal ein kleines Bläschen ausbildet. Die Zahl dieser Milbengänge, die mit bloßem Auge oft kaum zu erkennen sind, kann variieren. Klassisches Symptom ist der starke Juckreiz (Pruritus), auch ein leichtes Brennen der Haut kann vorkommen. Der Juckreiz nimmt in der Nacht zu. Es entstehen Ekzeme mit disseminierten (ausgestreuten) milbenfreien und teils krustösen Papeln, Bläschen und Papulovesikeln (Knötchen mit flüssigkeitsgefülltem Bläschen). Betroffene kratzen sich an den juckenden Stellen, was zu kleinen oberflächlichen Hautverletzungen führen kann.

Die Auflistung der Symptome dient dem Überblick und kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen für eine andere Krankheit sein. Auch muss nicht jedes hier angeführte Symptom bei gewöhnlicher Scabies auftreten bzw. erkennbar sein. So sind etwa die Milbengänge nicht immer mit bloßem Auge sichtbar, beispielsweise weil sie von anderen Hauterscheinungen überdeckt werden. Auch gibt es neben der gewöhnlichen Scabies noch andere Krankheitsformen wie Scabies crustosa (Borkenkrätze), Scabies im Säuglings- und Kleinkindalter, Scabies nodosa und die sogenannte gepflegte Scabies. Bei diesen Krankheitsformen können die Symptome variieren bzw. können sich auch noch andere Symptome zeigen. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Krankheit sollte stets das Gespräch mit dem Arzt gesucht werden.

Diagnose

Ansprechpartner sind der Arzt für Allgemeinmedizin und Dermatologe. Die Diagnose sollte prinzipiell durch einen Dermatologen gestellt bzw. abgesichert werden. Die Verdachtsdiagnose, die aufgrund der Symptome (quälender Juckreiz, Milbengänge, Hauterscheinungen u. a.) gestellt wird, kann durch den mikroskopischen Nachweis von Milben oder Eiern im Hautmaterial (aus einem Hautgeschabsel) gesichert werden. Alternativen sind der Klebebandtest, bei welchem ein Klebestreifen fest auf die betroffene Hautstelle gedrückt, ruckartig abgezogen und anschließend mikroskopisch untersucht wird, und die direkte Betrachtung der Herde mit dem Dermatoskop.

Behandlung

Ziel der Behandlung ist es, die Milben, Larven und Eier abzutöten. Außerdem werden die Symptome, besonders der oft ausgeprägte Juckreiz, etwaige entzündliche Begleiterscheinungen und sekundäre Infektionen behandelt. Für die Behandlung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die direkt auf die Haut aufgetragen werden (topisch applizierte Antiscabiosa, Anti-Scabies-Mittel). Die lokal verabreichten Antiscabiosa enthalten u. a. Permethrin und Benzylbenzoat. Mittel der Wahl ist grundsätzlich Permethrin. Außerdem steht ein Medikament zur Verfügung, welches in Tablettenform eingenommen wird. Welche Medikamente zum Einsatz kommen und wie sich die Therapie genau gestaltet richtet sich nach der genauen Krankheitsform, dem Alter des Patienten, dem möglichen gleichzeitigen Vorliegen von anderen (Infektions-)Krankheiten und anderen Faktoren.

Allgemeine Maßnahmen, welche die Behandlung unterstützen und (weiteren) Ansteckungen sowie Ansteckungen anderer Personen vorbeugen können:

  • Es ist ratsam, dass sich Kontaktpersonen grundsätzlich auf Krätze untersuchen lassen. Gegebenenfalls sollten sich Kontaktpersonen zeitgleich behandeln lassen.
  • Erkrankte sollten den Kontakt mit anderen Menschen bei Möglichkeit vorübergehend einschränken. Enger Körperkontakt mit erkrankten Personen sollte gemieden werden.
  • Kontakt-/Pflegepersonen sollten Handschuhe tragen.
  • Eine umfassende Körperhygiene ist wichtig, um zu verhindern, dass sich die Milben übermäßig vermehren.
  • Betroffene und enge Kontaktpersonen sollten ihre Nägel kurz halten und diese regelmäßig gründlich reinigen/ausbürsten.
  • Während der Einwirkzeit des Medikaments sollten Patienten Baumwollhandschuhe tragen, gegebenenfalls darüber auch Plastikhandschuhe.
  • Nach Abwaschen des Medikaments sollte die Kleidung vollständig gewechselt werden (Wechsel auf frische Kleidung).
  • Textilien (z. B. Kleidung, Bettwäsche, Handtücher) sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden.

Fact-Box

Krätze (Scabies): Ansteckende Hauterkrankung

Ursache: Krätzmilbe

Ansteckung: Direkter Hautkontakt zwischen zwei Menschen (z. B. Kuscheln, Spielen, Pflege einer anderen Person, Geschlechtsverkehr), Übertragung durch kontaminierte Gegenstände (z. B. Handtücher, Bettwäsche, Kleidung, Teppiche etc.)

Symptome: Milbengänge, Juckreiz, Hautausschlag, Ekzem mit Papeln, Bläschen u. a.

Diagnose: Schilderung der Symptome, Untersuchung der Haut, mikroskopischer Nachweis von Milben und Eiern (Hautgeschabsel), Klebebandtest, Dermatoskopie u. a.

Behandlung: Medikamentöse Therapie (lokale Verabreichung, Ganzkörperbehandlung mit geeignetem Anti-Scabies-Mittel), allgemeine Maßnahmen

Ansprechpartner: Arzt für Allgemeinmedizin, Dermatologe

Quellen:
Moser R.; Skabies - auch in Europa am Vormarsch!, Ärzte Krone 05/2019, Ärztekrone VerlagsgesmbH

Haußmann A.; Skabies: Extrakutane Unabwägbarkeiten, Deutsches Ärzteblatt 27-28/2018, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Kämmerer E.; Skabies: Erfahrungen aus der Praxis, Deutsches Ärzteblatt 15/2018, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Fölster-Holst R.; Symptome den Parasiten zuordnen - Milben, Läuse, Flöhe, ARS Medici 10/2013, Rosenfluh Publikationen AG

Krätze - juckend, ansteckend und zunehmend, Deutsche Apotheker Zeitung 07/2006

Hautärzte sehen Krätze auf dem Vormarsch, Deutsches Ärzteblatt, 28.11.2016, URL: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/71688/Hautaerzte-sehen-Kraetze-auf-dem-Vormarsch

Skabies (Krätze) - Robert Koch Institut (RKI) Ratgeber, 02.06.2016, URL: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Skabies.html

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