Karies

Karies

Stand: Dezember 2020

Karies gilt als häufigste Zahnerkrankung weltweit. Fast jeder Mensch leidet irgendwann im Leben an Karies, auch Kleinkinder sind betroffen. Die Erkrankung ist zumeist auf ein Zusammenspiel von kariesauslösenden Bakterien, zu häufigem Zuckerkonsum und mangelhafter Mundhygiene zurückzuführen und führt zu den bekannten “Löchern“ im Zahn. Lesen Sie hier, wie Karies genau entsteht, welche Anzeichen typisch sind, wie Karies behandelt wird und was man täglich tun kann, um das Kariesrisiko zu reduzieren.

Was ist Karies?

Karies (Zahnfäule) ist eine Zahnerkrankung, bei welcher die Zahnhartsubstanz (Zahnschmelz) angegriffen und demineralisiert  wird (Mineralherauslösung).  Unter “demineralisiert” versteht man eine Verarmung des Zahnes an Mineralien (Mineralverlust), was den Zahnschmelz porös werden lässt. Vielen Menschen ist Karies als “Loch im Zahn“ bekannt, welches durch eine Plombe beim Zahnarzt geschlossen wird. In Folge der Erkrankung werden die Struktur und Funktion des betroffenen Zahnes/der betroffenen Zähne zerstört. Unbehandelt kann sich Karies kontinuierlich fortsetzen und schließlich zu Zahnverlust führen.

Karies gilt als die häufigste Zahnerkrankung weltweit. Fast jeder Mensch ist im Laufe seines Lebens mindestens einmal von Karies betroffen; die Erkrankung kommt oft auch schon im Kindesalter vor.

Wie kommt es dazu und was sind die Risikofaktoren?

Karies ist eine durch viele Faktoren beeinflusste Erkrankung. Eine wichtige Rolle im Entstehungsgeschehen spielen vor allem der mikrobielle Biofilm (kariesauslösende Bakterien im Biofilm), ungesunde Ernährung (zu häufiger Zuckerkonsum) und mangelhafte Mundhygiene.

Kariesbakterien: Im Mundraum befindet sich eine Vielzahl an unterschiedlichen Bakterienarten. Die Gesamtheit der in der Mundhöhle angesiedelten Mikroorganismen wird als Mundflora bezeichnet. Viele der Mikroorganismen schützen vor Erkrankungen und sind wichtig für die Zahngesundheit. Es gibt allerdings auch Erreger, welche die Mundgesundheit schädigen und u. a. zu Karies führen können. Bakterien in der Mundflora, die für die Entstehung von Karies verantwortlich sind werden als kariogene Mikroorganismen bezeichnet; einer ihrer wichtigsten Vertreter ist Streptokokkus mutans. Kariogene Mikroorganismen bauen Kohlenhydrate zu organischen Säuren ab, wodurch die Zahnhartsubstanz demineralisiert wird. Zusammengefasst entsteht Karies u. a. dadurch, dass sich die Bakterien vorwiegend von Zucker ernähren und als Abfallprodukte bestimmte Säuren ausscheiden, welche wiederum Mineralien aus dem Zahn herauslösen, wodurch der Zahnschmelz geschädigt wird und schließlich irgendwann das Loch im Zahn entsteht.

Eine gesunde Mundflora ist wichtig für den Erhalt der Mundgesundheit. Bestimmte Faktoren, darunter u. a. mangelhafte Mundhygiene, ungesunde Ernährungsgewohnheiten (z. B. sehr zuckerhaltige Ernährung), Stress und Rauchen, können dazu führen, dass das Gleichgewicht der Mikroorganismen der Mundflora gestört wird. Gerät die Zusammensetzung des Biofilms zugunsten von Erregern, welche die Mundgesundheit schädigen aus der Balance, kann es zu Karies und anderen Erkrankungen kommen. Bekommen also krankheitsverursachende Erreger die Überhand und sind im Biofilm zu viele Säuren enthalten, kommt es zur Demineralisierung an der Zahnoberfläche und es entsteht Karies, welche den Zahn zunehmend schädigt.

Ungesunde Ernährung: In Hinblick auf Ernährung bzw. Nahrungsbestandteile und Karies ist vor allem Nahrungszucker ein Problem. Kariesbakterien vergären Nahrungszucker zu organischen Säuren, die den Zahnschmelz demineralisieren. Vor allem Einfachzucker wie Glukose und Fruktose (Fruchtzucker) und Haushaltszucker (Saccharose; besteht aus Glukose und Fruktose), welche sich in süßen Speisen und Getränken finden, können von Kariesbakterien gut verwertet werden und begünstigen die Kariesentwicklung.
Komplexe Kohlenhydrate, welche beispielsweise in Vollkornprodukten und Gemüse vorkommen, weisen hingegen das geringste kariogene Potential auf, sie tragen also nicht zur Kariesentstehung bei. Grund dafür ist, dass diese Kohlenhydrate zuerst in Zweifach- und Einfachzucker aufgespaltet werden, ehe sie zu Säure vergären; und bevor der Abbau abgeschlossen ist, befinden sich die Kohlenhydrate nicht mehr in der Mundhöhle.

Mangelhafte Mundhygiene und weitere Faktoren: Auf allen Zahnoberflächen bilden sich laufend bakterielle Beläge (Plaque). Werden diese nicht regelmäßig gründlich entfernt, wird der Belag dicker und kariesverursachende Bakterien können sich vermehren. Weiters spielt ein ausreichender Speichelfluss eine wichtige Rolle in Hinblick auf die Mundgesundheit: Speichel verflüssigt Speisen und spült Nahrungsreste aus dem Mund, neutralisiert zahnschädigende Säuren (wirkt dem schädlichen Effekt von Säuren entgegen) und wirkt remineralisierend. Ist der Speichelfluss zu gering und zu wenig Speichel vorhanden, kann sich Karies eher bilden. Weitere Faktoren, welche die Entstehung von Karies begünstigen können sind u. a. ein geschwächtes Immunsystem, die Einnahme von bestimmten Medikamenten, Stress und Rauchen.

Wie äußert sich Karies?

Die Krone eines Zahnes, also der aus dem Zahnfleisch herausragende Teil des Zahnes, besteht aus Zahnschmelz. In diesem befinden sich keine Nerven, weswegen der Angriff des Zahnes durch Säure zunächst keine Schmerzen verursacht. Anfangs ist Karies also nicht spürbar und auch kaum sichtbar. Zu Beginn des Krankheitsprozesses (Initialkaries) lösen sich Mineralien aus dem Zahn, was sich durch weiße Flecken (white spots) bemerkbar macht. Bei längerem Bestehen der Karies verfärben sich die weißen Flecken bräunlich. Bei mangelhafter Mundhygiene und ohne Behandlung setzt sich die Karies fort. Es entsteht das Loch im Zahn und es kann zu Zahnschmerzen kommen. Schließlich kann die Karies das Zahnbein (Dentin), welches unter dem Zahnschmelz liegt, und das Zahnmark (Pulpa) erreichen, welches Bindegewebe, Blutgefäße und Nerven enthält und mit einer Entzündung reagieren kann. Dies kann zu teils heftigen und anhaltenden pulsierenden Zahnschmerzen führen, weiters reagieren die Zähne in diesem Stadium besonders empfindlich auf Süßes, Kaltes und Heißes. Weitere mögliche Anzeichen von Karies sind u. a. ein Gefühl des ”Ziehens” im Zahn und Mundgeruch, im fortgeschrittenen Stadium (tiefe Zahnkaries) können Zahnteile abbrechen.

Karies kann nur einen Zahn oder mehrere Zähne betreffen und von einem Zahn auf andere Zähne übergreifen. Mit Fortschreiten der Zahnerkrankung und zunehmendem Abbau der Zahnsubstanz nehmen die Schmerzen zu. Unbehandelt kann das Entzündungsgeschehen auch auf den Kieferknochen übergehen und zu weiteren Schäden und Erkrankungen führen.

Die Auflistung der hier angeführten Symptome dient dem Überblick und kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom Anzeichen für eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angeführte Symptom bei Karies auftreten. Im Zweifelsfall sollte stets das zahnärztliche Gespräch gesucht werden.

Zur Diagnose

Ansprechpartner bei Zahnschmerzen, überempfindlichen Zähnen und Verdacht auf Karies ist der Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Im Rahmen einer genauen Untersuchung der Zähne betrachtet der Zahnarzt jeden einzelnen Zahn mit einem kleinen Spiegel. Bei krankhaften Veränderungen an der Oberfläche der Zähne wird mittels einer kleinen Sonde überprüft, wie weit sich die Schädigung bereits ins Zahninnere ausgebreitet hat. Da Karies nicht immer direkt sichtbar und im Anfangsstadium oftmals schwer zu erkennen ist, kann bei Verdacht auf Karies eine Röntgenuntersuchung hilfreich sein. Auf dem Röntgenbild wird sichtbar, wie weit die Karies fortgeschritten ist und ob sich zwischen den Zähnen krankhafte Veränderungen befinden. Außerdem lässt sich mithilfe einer Röntgenaufnahme feststellen, ob sich Karies an Kronenrändern oder unter Füllungen befindet. Diese sogenannte Sekundärkaries kann entstehen, wenn sich im Grenzbereich zwischen Zahn und Zahnfüllung/Krone kleine Spalten bilden, in welchen sich Bakterien ansiedeln können. Je nach Situation können im Rahmen der Abklärung noch weitere Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen.

Behandlung: mehrere Optionen stehen zur Auswahl

Im Frühstadium, wenn noch kein Loch entstanden ist und keine Strukturdefekte vorliegen, können eine Entfernung des Zahnbelags beim Zahnarzt, eine optimierte konsequente Mundhygiene und eine Reduktion von zuckerreicher Ernährung ausreichend sein. Auch professionelle Fluoridierungsmaßnahmen und antibakterielle Behandlungen mit speziellen Spüllösungen oder Gelen können bei beginnender Karies zum Einsatz kommen. Ist der Zahn bereits geschädigt, ist eine entsprechende zahnärztliche Behandlung erforderlich. Im Rahmen dieser werden die kariöse Stelle am Zahn und die zerstörte Zahnsubstanz mithilfe eines Bohrers entfernt, anschließend wird das Loch gründlich gesäubert und mit einer entsprechenden Füllung verschlossen.

Für die Füllung stehen verschiedene Materialien zur Verfügung, darunter Kunststoffe (Kompositfüllung), Keramik, Metalllegierungen wie Gold und Amalgam. Die Materialien unterscheiden sich in Hinblick auf ihr äußeres Erscheinungsbild, ihre Verarbeitung, Dichtheit, Lebensdauer, Kosten und andere Faktoren. Welches Material im Einzelfall zum Einsatz kommt hängt von der Lokalisation und dem Ausmaß der Schädigung, persönlichen Präferenzen und anderen Faktoren ab.

Ist der Zahn bereits sehr stark in seiner Struktur zerstört, kann die Versorgung mit einer Krone notwendig werden, ist das Zahnmark bakteriell infiziert, ist eine Wurzelbehandlung erforderlich. Allgemein gilt: Je früher Karies erkannt und behandelt wird, desto einfacher die Behandlung und desto besser die Prognose. Bei Zahnschmerzen sollte man also nicht abwarten, sondern schnell handeln und möglichst frühzeitig einen Zahnarzt aufsuchen.

Vorbeugende Maßnahmen

Folgende Maßnahmen fördern die Mundgesundheit und helfen Karies vorzubeugen:

  • Gewissenhafte Mundhygiene: Eine gründliche Mundhygiene umfasst mindestens zweimal täglich Zähneputzen, das Verwenden von Zahnseide oder Interdentalbürstchen, um die Zahnzwischenräume gründlich zu reinigen, Mundspülungen und die richtige Reinigung von Prothesen, abnehmbaren Zahnspangen und Schienen. Nicht alle Hilfsmittel sind für alle Menschen gleichermaßen gut geeignet. Ob die Zähne öfter als zweimal täglich geputzt werden sollten, welche Putztechnik am besten geeignet ist und welche Zahnbürste, Zahncreme und Hilfsmittel zur Anwendung kommen sollten, sollte mit dem Zahnarzt besprochen werden.
  • Fluoridhaltige Zahnpasta: Die Zähne sollten prinzipiell mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta geputzt werden. Welche Zahnpasta am besten geeignet ist, sollte mit dem Zahnarzt besprochen werden.
  • Nach dem Essen mit dem Putzen etwas warten: Nach dem Essen, vor allem wenn die Mahlzeit säurehaltig war, sollte etwa 30 Minuten gewartet werden, ehe die Zähne geputzt werden.
  • Professionelle Mundhygiene: Eine professionelle Mundhygiene beim Zahnarzt reduziert das Risiko für Karies, Zahnfleischentzündung und Parodontitis und trägt wesentlich zum Erhalt der Zahngesundheit bei. In der Regel sollte eine professionelle Mundhygiene ein- bis zweimal jährlich durchgeführt werden.
  • Zuckerkonsum reduzieren: Wer möglichst selten zucker- und säurehaltige Getränke trinkt und Zucker bzw. zuckerhaltige Produkte in Maßen konsumiert, nimmt Kariesbakterien die Nahrungsquelle.
  • Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen: Durch regelmäßige zahnärztliche Kontrollen können krankhafte Veränderungen im Bereich von Zähnen und Zahnfleisch frühzeitig erkannt werden. Je früher Karies erkannt und behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose.
  • Fissurenversiegelung: Fissuren und Grübchen (Einkerbungen auf der Kaufläche) durchbrechender und durchgebrochener Backenzähne gelten als stark gefährdete Stellen für Karies bei Kindern und Jugendlichen. Eine Fissurenversiegelung (Behandlung, bei welcher die Fissuren mit einer dünnen Schicht aus speziellem Füllungsmaterial aufgefüllt/verschlossen werden) kann helfen Karies im Bereich der Kauflächen zu verhindern.

Fact-Box Karies

Karies (Zahnfäule): Weit verbreitete Zahnerkrankung, bei welcher es zu einer Demineralisation und Bildung von kariösen Läsionen (Loch im Zahn) kommt.

Ursachen und Risikofaktoren: Kariesauslösende Bakterien (v. a. Streptococcus mutans; bauen Kohlenhydrate zu organischen Säuren ab, wodurch die Zahnhartsubstanz demineralisiert wird), übermäßiger Zuckerkonsum, mangelhafte Mundhygiene, zu geringer Speichelfluss, geschwächtes Immunsystem, Stress, Rauchen u. a.

Symptome: Je nach Stadium; weiße Flecken, dunkle Verfärbungen, (heftige) Zahnschmerzen, empfindliche Reaktionen auf Süßes, Kaltes und Heißes, “Ziehen“ im Zahn, abbrechende Zahnteile, Mundgeruch u. a.

Diagnose: Anamnese, gründliche Untersuchung der Zähne, Röntgenuntersuchung u. a.

Behandlung: Je nach Stadium; im Frühstadium (Kariesvorstufe) Entfernung von Plaque, Optimierung der häuslichen Mundhygiene, Reduktion des Zuckerkonsums, professionelle Fluoridierungsmaßnahmen, antibakterielle Behandlung; bei Schädigung des Zahnes Entfernung der kariösen Stellen und zerstörten Zahnsubstanz mit Bohrer, Säuberung und Füllung; weitere/andere Behandlungsmaßnahmen je nach Notwendigkeit

Vorbeugende Maßnahmen: Gewissenhafte Mundhygiene (regelmäßiges Zähneputzen, Anwendung von Zahnseide, Mundspülungen etc.), Reduktion des Zuckerkonsums, regelmäßige zahnärztliche Kontrollen, regelmäßige professionelle Mundhygiene, Fissurenversiegelung u. a.

Autor:
ICD-10: K02

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN