Skip to main content
verbrannter Toast auf dem sich eine Gesicht zeigt
shutterstock

Unser Gehirn reagiert auch auf „falsche“ Gesichter

Unser Gehirn reagiert emotional auf Gesichter, die wir in unbelebten Objekten finden, zeigt eine australische Studie. Ob in einer Wolke, dem Gully-Deckel oder auf einem gerösteten Sandwich: Gesichter in unbelebten Objekten zu sehen ist eine alltägliche Erfahrung und kein Symptom einer Psychose, wie früher angenommen.

Laut Forschern der Universität Sydney ist unser Gehirn nicht nur auf die Erkennung von Gesichtern getrimmt, sondern reagiert auf „fake faces“ auch emotional auf die gleiche Weise wie auf echte menschliche Gesichter. Sogenannte Gesichts-Pareidolien sind im menschlichen Gehirn evolutionär fest verdrahtet und falsche Gesichter werden auch unglaublich schnell erkannt. 

In einer Versuchsanordnung zeigten die Forscher Versuchsteilnehmern eine Reihe von Gesichtern – ein Durcheinander von echten Gesichtern und Pareidolie-Bildern – und ließen die Teilnehmer jeden Gesichtsausdruck auf einer Skala zwischen wütend bis glücklich bewerten. Das Ergebnis: unbelebte Objekte lösten einen ähnlichen emotionalen Priming-Effekt aus wie echte Gesichter. Und ebenso wie bei Fotos von echten Gesichtern zeigten diese einen Einfluss auf die Bewertung nachfolgender Bilder. Wird nämlich ein Bild als attraktiv oder der Gesichtsausdruck als glücklich eingeschätzt, wird auch das nachfolgende Bild als attraktiver bewertet. Dies war auch bei den Pareidolie-Bildern der Fall.

Die Ergebnisse der Studie könnten eventuell dazu beitragen, kognitive Störungen des Gehirns bei der Gesichtserkennung besser zu erklären. Etwa der Prosopagnosie, die es Betroffenen nicht erlaubt, Menschen anhand ihres Gesichts zu erkennen bzw. zu unterscheiden.

Referenz:
University of Sydney
A shared mechanism for facial expression in human faces and face pareidolia, Proceedings of the royal society B, 2021; https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rspb.2021.0966

#gesichtserkennung #gehirn #pareidolie #emotion #fakeface #kognitivestoerung #prosopagnosie #medizin #medimpressions

  • Autor

    Dr. Rosalia Rutter

    Medizinjournalistin

    Dr. Rosalia Rutter ist eine freie Medizinjournalistin mit einem Studium der Ernährungswissenschaften und Biochemie an der Universität Wien. Sie verfügt über langjährige Expertise im Verfassen medizinischer Inhalte.

Zum Artikel:  Triglyceride: Was bedeuten erhöhte Werte?

Triglyceride: Was bedeuten erhöhte Werte?

Welche Ursachen erhöhte Triglyceridwerte haben können, was sie bedeuten und was man tun kann, um die Werte günstig zu beeinflussen, lesen Sie hier.

Zum Artikel: personalisierte Medizin

Personalisierte Medizin: Wie Präzisionsmedizin Behandlungen individueller macht

Kein Mensch gleicht dem anderen und Krankheiten sind so individuell wie ein Fingerabdruck. Genau hier setzt die personalisierte Medizin an: Sie nutzt moderne diagnostische Methoden und berücksichtigt individuelle Merkmale, um Diagnosen zu präzisieren und Behandlungen gezielter auf den einzelnen Menschen abzustimmen.

Zum Artikel: Bluthochdruck - Definition, Symptome, Diagnose und Behandlung

Bluthochdruck - Definition, Symptome, Diagnose und Behandlung

In Österreich gilt Bluthochdruck, wie in vielen anderen Industrieländern auch, als Volkskrankheit, Schätzungen zufolge ist hierzulande etwa ein Viertel aller Erwachsenen betroffen.

Zum Artikel: Darm-Hirn-Achse

Die Darm-Hirn-Achse: Wie der Darm die mentale Gesundheit beeinflusst

Stress schlägt auf den Magen, Aufregung sorgt für Schmetterlinge im Bauch: Darm und Gehirn stehen ständig miteinander in Verbindung. Wie die Darm-Hirn-Achse funktioniert und welche Rolle Ernährung, Mikrobiom und Psyche dabei spielen, erfahren Sie hier.