Nierensteine
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Nierensteine

Nierensteine (Harnsteine) sind auskristallisierte Bestandteile des Urins, die sich in Nieren, Nierenbecken und ableitenden Harnwegen bilden. Größere Steine können heftige Schmerzen bis hin zur Nierenkolik auslösen. Heute gibt es verschiedene Methoden der schonenden minimalinvasiven Steinentfernung.

Factbox – Nierensteine

Synonym: Nierenstein, Harnleiterstein, Harnblasenstein, Harnröhrenstein, Harnstein

Definition: auskristallisierte Bestandteile des Urins, die sich in Nieren, Nierenbecken und ableitenden Harnwegen bilden

Ursachen und Risikofaktoren: Störungen des Harnsäurestoffwechsels, bestimmte Erkrankungen der Nebenschilddrüse, übermäßiger Fleisch- und Wurstkonsum, keine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, häufige Harnwegs- und Nierenbeckeninfektionen u.a.m.

Symptome: kleine Steine: oft symptomlos, größere: heftige Schmerzen im Bereich der Nieren, die ausstrahlen, Nierenkolik!

Behandlung: konservative Schmerzbehandlung, vermehrte Flüssigkeitszufuhr; aktive Steinentfernung, extrakorporale Stoßwellenlithotripsie, minimalinvasive Steinbehandlung, chirurgische Steinentfernung

Was sind Nierensteine?

Der menschliche Urin enthält gelöste Abfallstoffe wie Harnstoff, Kreatinin, Harnsäure oder Fremdstoffe, die zum Beispiel aus Medikamenten stammen. Diese Substanzen können unter bestimmten Umständen Kristalle bilden und sich schließlich als Steine im Nierensystem ablagern.

Meistens bestehen die Ablagerungen aus calcium- oder phosphathaltigen Stoffen, und oft durchwandert ein Nierenstein die Harnwege und wird dann nach seiner jeweiligen Position Harnleiterstein, Harnblasenstein oder Harnröhrenstein genannt. Der Oberbegriff für alle diese Steine lautet Harnsteine.

Manche Steine sind nur stecknadelkopfgroß, andere füllen das gesamte Nierenbecken aus. Kleine Kristalle können oft unbemerkt mit dem Harn ausgeschieden werden, ohne ein Symptom zu verursachen, und zu Beschwerden kommt es meist erst dann, wenn die Steine in die Gänge der Niere oder in den Harnleiter wandern. Ab einer bestimmten Größe können die Steine die ableitenden Harnwege nicht mehr passieren und blockieren den Harnfluss. In diesem Fall kann aufgrund der Gewebedehnung eine Nierenkolik mit heftigen, krampfartigen Schmerzen entstehen.

Nierensteine gelten in Industrieländern als Wohlstandskrankheit, die vor allem durch eiweißreiche Ernährung, Überernährung, Adipositas und Bewegungsmangel gefördert wird. Laut Schätzungen leiden fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung hierzulande mindestens einmal im Leben an einem Nierenstein. Das Rückfallrisiko ist hoch, und Männer sind dreimal so häufig wie Frauen betroffen.

Welche Zusammensetzung haben Nierensteine?

Nierensteine bestehen aus verschiedenen Arten von kristallinen Materialien, die jeweils durch die Anhäufung von bestimmten Chemikalien im Urin gebildet werden. Die häufigsten Arten von Nierensteinen sind:

  • Kalziumoxalat-Steine: Diese sind die am weitesten verbreiteten (ca 80% haben diese Steinart) und bestehen hauptsächlich aus Kalziumoxalat, manchmal auch aus Kalziumphosphat. Die Farbe der Steine ist gelblich bis schwarz.
  • Struvit-Steine: Diese bilden sich oft als Reaktion auf eine Infektion der Harnwege und bestehen aus Struvit, einem Mineral. Diese Steine sind deutlich seltener.
  • Harnsäure-Steine: Sie entstehen, wenn der Urin zu sauer ist, was oft durch eine hohe Aufnahme von tierischen Proteinen oder bestimmte metabolische Störungen verursacht wird. Männer haben diese Form öfter als Frauen.
  • Cystin-Steine: Diese sind sehr selten und entstehen aufgrund einer angeborenen Sotffwechselerkrankung. Die Steine bestehen aus der Aminosäure Cystin.

Welche Ursachen und Risikofaktoren haben Nierensteine?

Grundsätzlich bilden sich Harnsteine, wenn bestimmte Mineralsalze im Urin so hoch konzentriert sind, dass sie auskristallisieren und sich als Steine ablagern. Dies geschieht beispielsweise, wenn der Körper zu wenig Flüssigkeit durch ausreichendes Trinken bekommt oder zu viel Flüssigkeit durch Schwitzen verliert. Dann konzentrieren sich die Salze im Urin und können sich nicht mehr lösen. Die Ursachen dafür sind vielfältig und liegen häufig in lebensstilbedingten Faktoren.

Weitere Risikofaktoren:

  • Störungen des Harnsäurestoffwechsels (z.B. Gicht)
  • Erkrankungen der Nebenschilddrüse, die zu einem gesteigerten Ausscheiden von Kalzium über den Urin führen
  • übermäßiger Fleisch- und Wurstkonsum
  • übermäßiger Konsum von Nahrungsmitteln, die viel Oxalsäure enthalten (z.B. Spinat, Kakao, Schokolade, schwarzer und grüner Tee)
  • schnelle Gewichtsreduktion ohne ausreichend Flüssigkeitszufuhr
  • Bettlägerigkeit (Abbau von Kalzium aus den Knochen)
  • häufige Harnwegs- und Nierenbeckeninfektionen
  • vermindertes Ausscheiden von die Steinbildung hemmenden Substanzen wie Zink, Magnesium, Zitrat,…
  • Erkrankungen, die den Harnabfluss behindern (z.B. Nierenfehlbildungen)

Welche Symptome verursachen Nierensteine?

Grundsätzlich sind die Symptome von Lage, Größe, Form und Beweglichkeit der Harnsteine abhängig. Kleine Steine oder grießartige Körner verursachen meist keine oder nur leichte Beschwerden und können wieder aus den Harnwegen herausgespült werden, wenn der Patient seine Trinkmenge erhöht. Auch Steine, die ruhig in der Niere liegen, sind in der Regel symptomlos und werden oft nur zufällig, etwa im Rahmen einer Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung entdeckt. Manchmal kann auch ein Ziehen oder Drücken in der Flankengegend oder eine kleine Menge Blut im Urin auf einen Nierenstein hindeuten.

Gräßere Nierensteine, die den Harnfluss in den Harnwegen blockieren, können sie sehr heftige Schmerzen verursachen, denn wenn das Nierenbecken oder der Harnleiter versperrt ist oder die Steine in Bewegung kommen und in den Harnleiter rutschen, kann es zu einer Nierenkolik kommen. Diese beginnt meist ganz plötzlich und verursacht folgende Symptome:

  • krampf- und anfallsartige Schmerzen im Bereich der Nieren, die bis zu Genitalien, Oberschenkeln und Leistenregion ausstrahlen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Angst und Unruhe

Eine Nierenkolik kann einige Minuten, aber auch Stunden andauern und muss so rasch wie möglich ärztlich behandelt werden, damit eine bleibende Schädigung der Nieren und Harnwege verhindert werden kann.

Eine weitere Komplikation in diesem Zusammenhang ist der komplette Harnleiterverschluss. Dabei produziert die Niere zwar vorerst weiter Urin, aber die gefilterten Giftstoffe sammeln sich im angestauten Urin innerhalb der Niere an und schädigen das Nierengewebe. Zudem können aufgrund des aufgestauten Urins Bakterien in die Harnwege eindringen und sich dort festsetzen. Im schlimmsten Fall gelangen durch Urinstau und Infektion Bakterien in den Blutkreislauf, was zu einer lebensbedrohlichen Urosepsis (akute Infektion mit Bakterien aus dem Urogenitaltrakt) führen kann. In manchen Fällen kommt es auch zu Schrumpfnieren (verkleinerte Nieren), wobei Nierengewebe zerstört wird.

Wie wird die Diagnose von Nierensteinen gestellt? 

Die Diagnose eines Nierensteins kann oft aufgrund des Krankheitsverlaufs, der Schmerzen und der Klopfempfindlichkeit des Nierenbereichs gestellt werden. Weiters wird der Urin untersucht, um Blut im Harn, eventuelle Infektionen oder Anzeichen von Nierenschäden nachweisen zu können. Ein Blutbild erlaubt  die Bestimmung der Werte für Kalzium, Harnsäure und andere Substanzen und die Beurteilung der Nierenfunktion.
Zudem können eine Ultraschalluntersuchung bzw. eine Computertomografie die Diagnose sichern, und ein Röntgen von Niere, Harnleiter, Blase und Prostata kann zur Steindiagnostik herangezogen werden. Gegebenenfalls kommt auch eine Röntgenuntersuchung von Harnleiter und Nierenbecken mithilfe eines Kontrastmittels zum Einsatz. Eine Analyse der chemischen Zusammensetzung des Steins sollte immer durchgeführt werden.

Wie werden Nierensteine behandelt?

Viele Nierensteine werden spontan mit dem Urin ausgeschieden. Das kann unter Umständen mit ärztlicher Unterstützung sogar nach einer Nierenkolik der Fall sein. Zur Schmerzbehandlung kommen lokale Wärme (Vollbäder, Wärmeflaschen, feucht-warme Umschläge), körperliche Bewegung (Treppensteigen, Hüpfen,…) und vermehrte Flüssigkeitszufuhr in Betracht.

Auch Schmerzmittel oder entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente (NSAR) können zum Einsatz kommen. Eine solche konservative Therapie ist aber nicht angezeigt bzw. muss abgebrochen werden, wenn:

  • währenddessen Koliken oder Infektionen auftreten
  • der Durchmesser der Steine mehr als acht Millimeter beträgt
  • starke Koliken durch Medikamente nicht kontrollierbar sind
  • ein Harnstau auftritt
  • ein fiebriger Harnwegsinfekt auftritt

In diesen Fällen gibt es unterschiedliche Methoden der aktiven Steinentfernung:

Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie: Dabei werden die Nierensteine ohne operativen Eingriff durch Anwendung von Stoßwellen  zertrümmert und die Trümmer auf natürlichem Weg ausgeschieden.

Minimalinvasive Steinbehandlung: Hier gibt es verschiedene Methoden, die perkutan, endoskopisch oder laparoskopisch sein können und sehr schonende Techniken darstellen. Wenn weder Stoßwellentherapie noch die endoskopische Steinentfernung erfolgreich sind, wird die laparoskopische Methode angewendet. Dabei werden die Operationsinstrumente über die Bauchhöhle eingeführt.

Chirurgische Steinentfernung: Diese Methode über eine offene Operation kommt heute nur sehr selten zum Einsatz, zum Beispiel bei sehr großen Steinen, die etwa das Nierenhohlsystem komplett ausfüllen.

Wie kann man Nierensteine vorbeugen?

Da Nierensteine immer wieder neu auftreten können, ist die Vorsorge besonders wichtig. Folgende Maßnahmen helfen, Nierensteinen vorzubeugen bzw. Rückfälle zu verhindern:

  • Vermeiden Sie Übergewicht
  • Nehmen Sie wenig tierische Eiweiße zu sich
  • Trinken Sie ausreichend (vor allem auch nach starkem Schwitzen)
  • Verwenden Sie Salz sparsam
  • Treiben Sie regelmäßig Sport

An welchen Arzt kann ich mich bei Verdacht auf Nierensteine wenden?

Sie können sich zur Abklärung Ihrer Beschwerden entweder an einen Arzt oder Ärztin für Allgemeinmedizin, oder an einen Facharzt oder eine Fachärztin für Urologie wenden.

FAQ

Manche Steine sind nur so groß wie ein Stecknadelkopf, einige können einen Durchmesser von vier Zentimetern bekommen, manche sogar mehr.

Wenn Nierensteine nicht behandelt werden, steigt das Risiko für Infektionen und es kann zu verschiedenen Komplikationen führen, einschließlich:

  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schmerzen an den Seiten und im unteren Rücken

Bei schweren Komplikationen kann es auch zu einer Urosepsis kommen, einer lebengsgefährlichen Art von Blutvergiftung. Durch frühzeitige Diagnose und angemessene Behandlung lassen sich die meisten Komplikationen aber vermeiden.

Nierensteine können eine breite Palette von Farben aufweisen, je nach ihrer chemischen Zusammensetzung. Die verbreiteste Art von Nierensteinen sind Kalziumoxalat-Steine und diese sind meist gelblich bis schwarz.

Nierensteine können wiederholt auftreten. Bei konsequenten Vorbeugungsmaßnahmen, lässt sich das Rsikio aber reduzieren.

  • Autor

    Mag. Gabriele Vasak

    Medizinjournalistin

    Gabriele Vasak ist seit 2019 freie Journalistin in der DocFinder-Redaktion. Ihr besonderes Interesse liegt schon lange im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Im Jahr 2006 wurde sie mit dem Medienpreis für Gesundheitsförderung & Prävention des Fonds Gesundes Österreich ausgezeichnet, und im Jahr 2010 erhielt sie den Pressepreis der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie.

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