Die unsichtbare Zahnspange
Foto: 1989studio/ shutterstock

Die unsichtbare Zahnspange

Die unsichtbare Zahnspange ist eine effektive und sehr unauffällige Methode der Kieferorthopädie. Sie ist bei fast allen Zahnfehlstellungen einsetzbar und bei Patienten sehr beliebt. Erhalten Sie einen Überblick über die unterschiedlichen Methoden, Anwendungsmöglichkeiten sowie Vor- und Nachteile.

Unsichtbare Zahnspange, Aligner-Therapie, innenliegende Zahnspange, linguale Zahnspange

Definition: nahezu unsichtbare Methode, mit der Kieferfehlstellungen korrigiert werden können

Behandlungsmethoden: innenliegende Zahnspange, Aligner-Therapie

Vor- und Nachteile innenliegende Zahnspange: Ästhetik, exakte Zahnbewegungen, geringeres Karies-Risiko, kürzere Behandlung; Zungenverletzungen, Lispeln, schwierige Mundhygiene, hohe Kosten

Vor- und Nachteile Aligner-Therapie: Ästhetik, weitgehend schmerzfrei, problemlose Mundhygiene; nicht für alle schweren Zahnfehlstellungen geeignet, umfangreiche Planung, hohe Kosten

Was ist eine unsichtbare Zahnspange? 

Eine unsichtbare Zahnspange (auch Aligner-Therapie, innenliegende Zahnspange, linguale Zahnspange) ist eine nahezu unsichtbare Methode, mit der Zahn- und Kieferfehlstellungen korrigiert werden können. Man unterscheidet zwischen zwei Behandlungsmethoden: 

Innenliegende (linguale) Zahnspange:

Das ist eine festsitzende, unsichtbare Zahnspange, die lingual, also zungenseitig, befestigt wird. Dazu braucht es zunächst Gipsmodelle der Zähne. Diese werden dann vom Zahnarzt in einen Wachsabdruck modelliert, um die gewünschte Zahnstellung darzustellen. Anschließend wird das Zahnmodell in 3D gescannt. Danach werden individuelle Brackets (Verankerungspunkte) angefertigt und an der Innenseite der Zähne befestigt. Durch sie wird ein Bogen aus Draht gelegt. So können die Zähne durch Spannung in die gewünschte Position bewegt werden.  Die innenliegende Zahnspange ist für Erwachsene, Jugendliche und Kinder geeignet. 

Aligner-Therapie:

Das ist eine herausnehmbare Zahnspange, die als Alternative zur klassischen Zahnspange mit Brackets immer beliebter wird. Zum Einsatz kommen dabei transparente Kunststoffschienen (Aligner-Sets), die man ungefähr 22 Stunden täglich tragen muss. Jedes Aligner-Set ist individuell für den jeweiligen Patienten angepasst und wird etwa alle acht bis zwölf Wochen gegen ein neues Set ausgetauscht. Im Laufe einer Aligner-Therapie sind, je nach Schwere der Zahnfehlstellung, 14 bis 50 Aligner zu tragen. 

Bei Anwendung dieser Methode können die Zähne nicht nur bewegt werden, sondern der Zahnarzt kann auch den richtigen Bewegungszeitpunkt bestimmen und festlegen, welcher Zahn gerade bewegt werden soll. Dadurch kommt es zu einer sehr effektiven Kraftübertragung auf die Zähne. 

Die Aligner-Therapie ist vor allem für Erwachsene und Jugendliche geeignet. Seit kurzem gibt es aber auch Aligner-Therapien für Kinder ab sechs Jahren. 

Der große Vorteil beider Methoden besteht darin, dass man die unsichtbare Zahnspange – wie der Name schon sagt – kaum sieht. 

Für welche Zahnfehlstellungen ist die unsichtbare Zahnspange geeignet? 

Beide Methoden der unsichtbaren Zahnspange sind bei fast allen Problemen mit Zahnfehlstellungen geeignet. Allerdings hat die Aligner-Therapie einige wenige Einschränkungen, die sich zum Beispiel durch ihren begrenzten Kraftansatz erklären. Das bedeutet, dass bestimmten Zahnbewegungen Grenzen gesetzt sind. Aber wenn man zusätzliche Hilfsmittel (zum Beispiel Kompositaufbauten, Knöpfe oder andere, zum Teil festsitzende Apparaturen) einsetzt, können Aligner laut Experten ebenfalls bei fast allen kieferorthopädischen Anomalien verwendet werden. Dabei muss man aber auch sagen, dass es manchmal nur Teilaufgaben sind, die durch eine Aligner-Therapie gelöst werden können. Konkrete Kontraindikationen für die Aligner-Therapie gibt es aber nicht.  

Beide Systeme können bei folgenden Zahnfehlstellungen zum Einsatz kommen: 

  • Zahn-Engstand: Zähne sind verdreht oder gekippt und stehen nicht im idealen Zahnbogen.
  • Vergrößerter Überbiss: Obere Schneidezähne stehen weit vor den unteren. Bei sehr starker Ausprägung kommt es nicht zum Lippenschluss. 
  • Tiefbiss: Obere Schneidezähne reichen zu weit nach unten und bedecken die unteren Schneidezähne. Obere Schneidezähne können das untere Zahnfleisch berühren und ggf. verletzen. 
  • Offener Biss: Bei geschlossenen Zahnreihen bleibt ein Spalt zwischen oberen und unteren Zähnen. Das kann zu Problemen beim Sprechen, Abbeißen und Kauen führen. 
  • Vorbiss: Zähne des Unterkiefers ragen über Zähne des Oberkiefers hinaus.
  • Kreuzbiss: Einzelne Zähne oder Zahngruppen des Unterkiefers ragen beim Zubeißen seitlich über die oberen Zähne hinaus. Zähne im Oberkiefer stehen zu weit nach innen und/oder Seitenzähne im Unterkiefer stehen zu weit nach außen.

Vorteile und Nachteile der lingualen Zahnspange 

VorteileNachteile
Ästhetisch ansprechendVerletzungen der Zunge sind möglich 
Exakte Zahnbewegungen durch individuell hergestellte Brackets und Bögen Sprachbildungsstörungen (Lispeln) können auftreten
Geringes Karies-RisikoSchwierige Mundhygiene
Kürzere Behandlungszeit Hohe Kosten 

Vorteile und Nachteile der Aligner-Therapie 

VorteileNachteile
Transparente Schienen sind für andere kaum sichtbar Kann nicht alle schweren Zahnfehlstellungen korrigieren 
Weitgehend schmerzfreie Behandlung Umfangreiche Planung und viele Kontrollen erforderlich
Problemlose MundhygieneHohe Kosten 

FAQ

Der richtige Ansprechpartner für eine Behandlung mit einer unsichtbaren Zahnspange ist der Kieferorthopäde. Vor allem Aligner-Therapien sollte man nur bei gut ausgebildeten Behandlern, die in Diagnostik und Therapie das gesamte kieferorthopädische Spektrum beherrschen, durchführen lassen.

Es gibt verschiedene Arten von durchsichtigen Apparaturen. Die auf den Zahninnenseiten angebrachte Variante mit Brackets und Bögen heißt innenliegende oder linguale Zahnspange. Die Therapie mit individuell angefertigten transparenten Schienen hingegen nennt sich Aligner-Therapie.

Die Tragedauer ist auch bei der unsichtbaren Zahnspange von Art und Grad der Fehlstellung abhängig. Grundsätzlich können geringfügige Fehlstellungen oft schon innerhalb von sieben bis neun Monaten korrigiert werden. Liegt eine höhergradige, schwere Zahnfehlstellung vor, so beträgt die Behandlungszeit im Schnitt 18 Monate. Bei Kindern und Jugendlichen kann das gewünschte Ergebnis oft schneller erzielt werden.

Neben der Notwendigkeit oder dem Wunsch nach einer Zahnkorrektur spielen bei der unsichtbaren Zahnspange für viele Patienten auch ästhetische Überlegungen eine Rolle. Vor allem für Menschen, die etwa häufigen Kundenkontakt haben, einen exponierten Beruf ausüben oder allgemein auf ästhetische Lösungen konzentriert sind, ist die unsichtbare Zahnspange eine sehr gute Möglichkeit, die Zeit der Therapie optisch möglichst unauffällig hinter sich zu bringen.

  • Autor

    Mag. Gabriele Vasak

    Medizinjournalistin

    Gabriele Vasak ist seit 2019 freie Journalistin in der DocFinder-Redaktion. Ihr besonderes Interesse liegt schon lange im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Im Jahr 2006 wurde sie mit dem Medienpreis für Gesundheitsförderung & Prävention des Fonds Gesundes Österreich ausgezeichnet, und im Jahr 2010 erhielt sie den Pressepreis der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie.

Gänzer H: Aligner-Systeme in der Kieferorthopädie: ein aktueller Überblick, Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie 2021; 53(04): 261-267

DOI: 10.1055/a-1653-3796

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1653-3796, Abruf Dezember 2022

Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie: „Stellungnahme der DGKFO zur Behandlung mit Alignern“ (Stand Januar 2010), https://www.dgkfo-vorstand.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/Stellungnahme_Aligner.pdf Abruf Dezember 2022

https://www.gzfa.de/diagnostik-therapie/kieferorthopaedie/zahnspangen/aligner/, Abruf Dezember 2022

https://www.zahnspangensuche.at/unsichtbare-zahnspange/, Abruf Dezember 2022

https://www.ottonova.de/gesund-leben/zahngesundheit/unsichtbare-zahnspange, Abruf Dezember 2022

Das könnte Sie auch interessieren
Baby erhält die Meningokokken-Impfung von einer Ärztin

Meningokokken-Impfung

Die Meningokokken-Impfung schützt vor einer Infektion durch bestimmte Untergruppen der Meningokokken-Bakterien, die schwere Krankheiten wie Gehirnhautentzündung und Blutvergiftung auslösen können. Diese Erkrankungen können mit ernsthaften Komplikationen verbunden sein.

Baby bekommt eine Rotavirus Schluckimpfung

Rotavirus-Impfung

Die Rotavirus-Impfung ist eine Schluckimpfung, die gegen eine Infektion mit Rotaviren schützt. Rotaviren sind die häufigste Ursache für virale Durchfallerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern.

RSV-Impfung für eine schwangere Frau

RSV-Impfung

Die RSV-Impfung schützt vor einer Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), welches vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Erwachsenen zu mitunter schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Symptomen im Bereich der Atemwege führt.