Nabelbruch – Nabelhernie

Nabelbruch – Nabelhernie

Stand: Dezember 2020

Obwohl es die Bezeichnung vermuten lassen würde, kommt es bei einem Nabelbruch nicht zu einem Bruch des Nabels, sondern zu einer Lücke (Hernie) in den Bindegewebsstrukturen im Bereich in der Nabelgegend, durch welche der Bruchsack hindurchtreten kann. Nabelhernien können Säuglinge, Kinder und Erwachsene betreffen. Typisch ist eine Schwellung oder Vorwölbung in der Nabelgegend, daneben kann es zu Schmerzen und anderen Beschwerden kommen. Manchmal verursacht ein Nabelbruch auch keine Beschwerden, allerdings besteht die Gefahr einer Einklemmung von Darmanteilen, was zu schweren Komplikationen führen kann. Ursachen, Risikofaktoren, Symptome, Diagnose, Behandlung – wir haben alles Wichtige zum Thema Nabelbruch hier für Sie zusammengefasst.

Fact-Box Nabelhernie

Nabelbruch (Nabelhernie, Umbilikalhernie): Hernie im Bereich des Nabels/ Faszienlücke in der Nabelgegend/Lücke in den Bindegewebsstrukturen im Bereich des Nabels, durch welche der Bruchsack samt Inhalt hindurchtreten kann

Risiko/Gefahr: Einklemmung von Bauchorganen (z. B. Darmanteilen), was zu einer Abschnürung der Durchblutung, Darmverschluss und anderen gefährlichen Komplikationen führen kann und eine umgehende operative Versorgung erfordert

Ursachen: Angeboren oder erworben; Schwachstelle im Bereich des Bindegewebes, erhöhter Innendruck im Bauchraum

Risikofaktoren: Stärkeres Übergewicht, Adipositas, starker Gewichtsverlust, Bauchwassersucht, intensive körperliche Anstrengung, (falsches) Heben und Tragen von schweren Lasten, Schwangerschaften, weibliches Geschlecht u. a.

Symptome: Vorwölbung oder Schwellung im Nabelbereich, ziehende oder stechende Schmerzen u. a.; bei Einklemmung plötzlich auftretende starke Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Stuhlverhalt u. a.; ein Nabelbruch kann auch beschwerdefrei verlaufen.

Diagnose: Anamnese, Inspektion, Tastuntersuchung, Ultraschalluntersuchung u. a.

Behandlung: Abhängig von Ausmaß der Nabelhernie, Alter des Patienten und anderen Faktoren; Säuglinge/Babys: Zumeist spontane Rückbildung, zumeist keine Behandlung erforderlich; Erwachsene: Operation

Was ist ein Nabelbruch?

Ein Nabelbruch (Nabelhernie, Umbilikalhernie) ist eine im Säuglings- oder Erwachsenenalter auftretende Hernie in der Nabelgegend. Diese Lücke in den Bindegewebsstrukturen im Bereich der Bauchwand bzw. des Nabels kann sich durch eine Vorwölbung im Bereich der Nabelgegend bemerkbar machen und verursacht oftmals keine Beschwerden.

Bei Hernien (Weichteilbrüchen) handelt es sich um angeborene oder erworbene Lücken (Bruchpforten), durch welche Baucheingeweide hindurchtreten können. Sie können an verschiedenen Stellen im Körper vorkommen. Je nach Lokalisation der Hernie werden u. a. Leistenhernien, Schenkelhernien, Narbenhernien, epigastrische Hernien, Nabelhernien und andere Arten von Hernien unterschieden. Hernien können verschiedene Symptome verursachen oder auch ohne Beschwerden auftreten. Die größte von Hernien ausgehende Gefahr besteht in einer Einklemmung der Hernie und des Bruchsackinhalts (z. B. Darmgewebe), was zu verschiedenen Komplikationen führen kann und eine umgehende operative Versorgung erfordert. Mehr zum Thema Hernien lesen Sie hier.

Ein Nabelbruch ist also eine von mehreren Hernienarten. Obwohl es die Bezeichnung vermuten lassen würde, bricht bei einem Nabelbruch nicht der Nabel wie etwa das Bein bei einem Beinbruch, sondern es bildet sich eine Faszienlücke in der Nabelgegend, welche gegebenenfalls zur Vorwölbung von Baucheingeweiden durch die Bauchwand führen kann. Nabelhernien zählen zu den äußeren Hernien (Hernien im Bereich der Bauchwand).

Wer ist betroffen?

Ein Nabelbruch kann angeboren oder erworben sein, wobei ein erworbener Nabelbruch Säuglinge wie auch Erwachsene betreffen kann.

Der Bauchnabel ist eine Art ”Schwachstelle” im Bereich der Bauchwand. Während der Schwangerschaft setzt an dieser Stelle die Nabelschnur an, der Nabel kann also als eine Art Relikt des Ansatzes der Nabelschnur betrachtet werden. Mit der Geburt bildet sich nach Absetzen der Nabelschnur eine aus festerem Bindegewebe bestehende Nabelplatte aus, die von Haut überwachsen wird und für einen Verschluss des Nabels sorgt. Zusammengefasst ist der Nabel also eine mit Gewebe überlagerte Narbe und als solche folglich bruchanfälliger als andere Bereiche der Bauchwand.

Bei erhöhtem Innendruck im Bauchraum kann sich an dieser Bindegewebsschwachstelle eine Lücke bilden, sodass eine Nabelhernie entsteht. Die Druckerhöhung kann verschiedene Ursachen haben, darunter z. B. starkes Husten, Pressen, Übergewicht, Schwangerschaft und das (falsche) Heben von schweren Lasten.

Bei Neugeborenen kann es sein, dass die ehemalige Durchtrittsstelle der Nabelschnur nicht wie sonst normalerweise nach der Geburt vernarbt, die Nabelplatte einen größeren Defekt aufweist und eine Lücke im Nabelbereich bestehen bleibt, durch welche sich der Bruchsack (Bauchfell, innere Auskleidung der Hernie) hervorstülpen kann. Beim Pressen, häufigen Husten, Schreien oder in anderen Situationen, welche zu einer Druckerhöhung führen, wölbt sich der Bruchsack dann hervor. Zumeist sind Frühgeborene von einem angeborenen Nabelbruch betroffen, mit steigendem Gewicht nimmt die Häufigkeit des Nabelbruches ab.

Faktoren, die bei Erwachsenen das Risiko für einen Nabelbruch erhöhen sind stärkeres Übergewicht und Adipositas, Bauchwassersucht (aufgrund chronischer Druckbelastung), starke körperliche Anstrengung, starker Gewichtsverlust und Schwangerschaften. Frauen sind häufiger von einer Nabelhernie betroffen als Männer.

Woran erkennt man eine Nabelhernie?

Manche Nabelbrüche, vor allem kleinere, sind nicht sichtbar und verursachen keine Beschwerden. In so einem Fall ist von einem asymptomatischen Nabelbruch die Rede. Typisches Anzeichen für einen Nabelbruch ist eine Vorwölbung oder Schwellung im Bereich des Nabels, die von Betroffenen als kosmetisch störend empfunden werden kann; manchmal zeigt sich diese erst bei steigendem Bauchdruck, etwa beim Husten, Pressen, Heben und Tragen schwerer Lasten und in anderen körperlich anstrengenden Situationen. In manchen Fällen leiden Betroffene unter ziehenden oder stechenden Schmerzen im Bereich der Bruchpforte.

Lässt sich der Bruchsackinhalt zurückschieben (reponieren), ist von einer reponiblen Hernie die Rede. Ist ein Zurückschieben des Bruchinhalts nicht möglich, dann liegt ein nicht reponibler Nabelbruch vor. Ist der Bruchsackinhalt eingeklemmt (inkarzerierte Hernie) können Symptome wie Druckempfindlichkeit im Bereich der Bauchdecke, plötzlich auftretende heftige und kolikartige Schmerzen hinzukommen. Weitere mögliche Beschwerden sind gerötete Haut im Bereich des Nabelbruchs, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Schweißausbrüche und Stuhlverhalt.

Ein Nabelbruch birgt die Gefahr, dass der Bruchsackinhalt eingeklemmt wird. Werden Bauchorgane wie beispielsweise eine Darmschlinge in der Bruchpforte eingeklemmt, kommt es also zu einer sogenannten Inkarzeration, muss rasch operiert werden, da sich ansonsten gefährliche Komplikationen entwickeln können. So kann es zu einer Abschnürung der Durchblutung, einem Darmverschluss und damit einhergehenden Folgen kommen, wenn Darmanteile, die sich im Bruchsack befinden, eingeklemmt werden.

Die Auflistung der hier angeführten Symptome dient dem Überblick und kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom Anzeichen für andere Erkrankungen sein. Auch muss nicht jedes hier angeführte Symptom bei einem Nabelbruch auftreten. Im Zweifelsfall sollte stets das Gespräch mit dem Arzt gesucht werden.

An wen kann ich mich wenden?

Ansprechpartner bei Anzeichen eines Nabelbruches sind u. a. der Arzt für Allgemeinmedizin, welcher den Patienten bei Bedarf an einen Facharzt zuweist, und der Facharzt für allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie.

Im Rahmen der Abklärung erkundigt sich der Arzt zunächst u. a. nach möglichen akutellen Beschwerden (Art, Dauer des Bestehens etc.). Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wird der Patient zumeist in Rückenlage untersucht. In einem großen Teil aller Fälle ist die Nabelhernie gut von außen sichtbar und lässt sich zumeist gut ertasten. Der Arzt wird zumeist auch versuchen den Bruchsack zu reponieren (zurückzudrücken), was in vielen Fällen auch problemlos möglich ist. Ist dies nicht der Fall, dann liegt ein nicht reponierbarer Nabelbruch vor, was ein Zeichen dafür sein kann, dass sich Bauchorgane in der Ausstülpung befinden und eingeklemmt werden. Weiters kann eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, um die Diagnose zu sichern. Unter Umständen können weitere Untersuchungen erforderlich sein.

Ist eine OP die einzige Lösung?

Ob ein Nabelbruch behandelt werden muss und wie sich die Behandlung gestaltet hängt von der Größe und vom Schweregrad der Nabelhernie, vom Alter des Patienten und von anderen Faktoren ab.

So ist beispielsweise eine Nabelhernie bei Säuglingen kein Grund für den dringlichen Einsatz einer operativen Maßnahme, da sich Nabelhernien bei Säuglingen und Babys häufig selbst zurückbilden. Liegen verhältnismäßig großen Nabelhernien mit Bauchorganen im Bruchsack vor, was das Risiko einer Einklemmung birgt, kann eine Operation erforderlich sein. Liegt bei einem Erwachsenen ein eher kleiner Nabelbruch vor, der keine Beschwerden verursacht, kann unter regelmäßigen Kontrollen abgewartet warten. Ansonsten wird ein Nabelbruch bei Erwachsenen zumeist operiert, da eine spontane Ausheilung nicht möglich ist, der Bruchsack zumeist an Größe zunimmt und es prinzipiell jederzeit zu einer Einklemmung kommen kann, die wiederum zu schweren Komplikationen führen kann.

Im Rahmen der Operation wird der Bruchsack zusammengefasst abgetragen/zurückgeschoben und die Bruchlücke wird verschlossen. Für den Eingriff stehen verschiedene Operationsmethoden zur Verfügung: Bei einer laparoskopischen Nabelbruch-Operation werden nur sehr kleine Schnitte im Bereich der Bauchdecke gesetzt, über welche die feinen Instrumente eingeführt werden, um den Inhalt des Bruchsacks zurück in die Bauchhöhle zu verlagern und die Bruchpforte zu verschließen. Bei einer offenen Operation wird ein Schnitt um den Nabel gesetzt; zusammengefasst wird der Bruchsack abgelöst und zurückgeschoben, die Nabelbruchpforte wird verschlossen und der Hautschnitt wird vernäht. In manchen Fällen wird auch ein spezielles Kunststoffnetz eingesetzt, um die Bauchwand zusätzlich zu stabilisieren.

Operationen von Hernien zählen zu sehr häufig durchgeführten Eingriffen im Bereich der allgemeinen Chirurgie. Welche Operationsmethode zum Einsatz kommt hängt von der Größe des Nabelbruchs und anderen Faktoren ab und wird individuell entschieden. Unter Umständen kann ein Nabelbruch wiederholt auftreten, erhöhtes Risiko besteht bei besonders stark übergewichtigen Patienten und Lücken mit großem Durchmesser.

Autor:
Quellen:
Madsen L. J. et al.; Mesh versus suture in elective repair of umbilical hernia: systematic review and meta‐analysis, BJS Open 2020; 4(3): 369-397

Lenzen-Schulte M.; Hernienchirurgie: Nicht ohne Netz, Register und Studien, Deutsches Ärzteblatt 19/2016, Deutscher Ärzteverlag

Ab wann werden Nabelhernien operiert?, MMW. – Fortschritte der Medizin 2016; 158:24, Springer Nature

Angele M.K.; Hernien, In: Jauch K.W., Mutschler W., Hoffmann J.N., Kanz K.G. (Hrsg.), Chirurgie Basisweiterbildung, 2013, 2. Auflage, Springer Berlin Heidelberg

Schumpelick V. et al.; Hernienchirurgie: Versorgung von Nabelhernie und Narbenhernie, Deutsches Ärzteblatt 51-52/1997, Deutscher Ärzteverlag

Hernien, Steckbrief, Thieme via medici, URL: https://viamedici.thieme.de/lernmodul/5191731/subject/chirurgie/viszeralchirurgie/peritoneum+und+retroperitoneum/hernien
ICD-10: K42

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