Covid-19: Sollten sich Schwangere impfen lassen?

Covid-19: Sollten sich Schwangere impfen lassen?

Stand: Mai 2021

In Österreich hat das Nationale Impfgremium Ende April Schwangere als Priorisierungsgruppe in den Impfplan aufgenommen. In der Schweiz gilt eine Impf-Empfehlung für Schwangere, die chronisch krank sind oder im Alltag riskanten Kontakten ausgesetzt sind. Die deutsche Ständige Impfkommission empfiehlt Schwangeren mit Vorerkrankungen oder einem "erhöhten Expositionsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände" eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff ab dem 2. Trimenon anzubieten. Was für bzw. was gegen eine Impfung von Schwangeren spricht, erfahren Sie hier.

Bisher zählten nur enge Haushaltskontakte aufgrund eines potentiell schweren Krankheitsverlaufes bei Schwangeren zur Risikogruppe. Laut den aktualisierten Impfempfehlungen werden nun auch Schwangere als Risikogruppe eingestuft und bei den Corona-Impfungen priorisiert. Damit ist es nun möglich, Frauen ab der 13. Schwangerschaftswoche mit Schutzimpfungen gegen Covid-19 versorgen zu können.

Was spricht für die Impfung?

Für das nationale Impfgremium liegt eine Empfehlung zur Schutzimpfung auf der Hand: Die derzeitige Studienlage zeigt keine schädlichen Auswirkungen auf Mutter und Kind. Nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt wird die Corona-Schutzimpfung bei Schwangeren deshalb empfohlen.
Dies auch deshalb, da WissenschaftlerInnen mittlerweile nachgewiesen haben, dass Schwangere häufiger als vergleichbare Frauengruppen auf Intensivstationen behandelt wurden.

Schwangere zeigen nach bisherigen Beobachtungen zwar seltener Symptome, haben aber sowohl ein höheres Risiko, nach einer Infektion mit dem Coronavirus auf der Intensivstation zu landen, als auch, invasiv beatmet zu werden.
Je nach Fortschritt oder Stadium der Schwangerschaft kann eine Infektion mit Viren wie dem neuen Coronavirus auch Einfluss auf den Erfolg der Schwangerschaft und die Entwicklung des Kindes nehmen. Das gilt im Übrigen auch für andere Erreger.
Solange keine Antikörper gegen die Erreger im Blut der werdenden Mutter vorhanden sind, können Viren über die Nabelschnur bis zum Fötus vordringen. Gerade in den ersten Schwangerschaftsmonaten führen solche Infektionen häufig zu Fehlgeburten.

Dass heißt aber nicht, dass eine Infektion zwangsläufig zu einer schweren Infektion führen muss. Ein Großteil der Infektionen verläuft bei Schwangeren sowie in der Allgemeinbevölkerung symptomlos bzw. mit lediglich milder Symptomatik (70-89% aller infizierten Schwangeren).
In Bezug auf die Risikofaktoren gelten die gleichen Bedingungen wie für Nicht-Schwangere. Gefährdet sind Personen, die älter als 35 Jahre alt sind, Übergewicht haben, einen chronischen Bluthochdruck aufweisen oder an Diabetes erkrankt sind.

Wie verläuft eine schwere Infektion während einer Schwangerschaft?

Mittlerweile häufen sich die Daten, dass eine Infektion in der Schwangerschaft häufiger als bei nichtschwangeren Frauen schwere Verläufe zeigt. Ein schwerer Erkrankungsverlauf mit Lungenentzündung, stationärer sowie intensivmedizinscher Betreuung war im Durchschnitt bei ungefähr 15 Prozent der erkrankten Schwangeren notwendig. Im Vergleich zeigten nicht-schwangere Frauen mit COVID-19 Erkrankung lediglich in ca. 5,8 Prozent einen schweren Verlauf mit der Notwendigkeit einer stationären Betreuung. Weiters benötigen 5,7 Prozent aller wegen COVID-19 stationär aufgenommenen Schwangeren eine intensivmedizinische Behandlung (in manchen Kohorten sogar noch mehr).
Für die mit Coronaviren infizierten Schwangeren besteht auch ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt, das Risiko liegt bei etwa 17 Prozent. Diese Rate ist damit um das das Dreifache gegenüber Schwangeren ohne Covid-19-Infektion erhöht. Aufgrund von Veränderungen der Blutgefäße scheinen Personen mit durchgemachter Infektion auch ein höheres Risiko für eine Präeklampsie zu haben.
Eine Infektion während der Schwangerschaft führt auch dazu, dass Kinder ein doppelt so häufiges Risiko für ein geringes Geburtsgewicht haben und dreimal so häufig nach der Geburt auf einer Intensivstation betreut werden.

Was spricht gegen eine Impfung?

Dagegen spricht, dass es kaum eigene Daten, also klinische Studien speziell zu dieser Impfung in der Schwangerschaft gibt. Erfahrungswerte aus den Zulassungsstudien und aus Ländern, die die Impfung an Schwangeren nicht ausschließen (USA, Israel, UK) zeigen aber, dass bisher keine unerwarteten unerwünschten Nebenwirkungen aufgetreten sind (ausgenommen wurden übliche Impfreaktionen, wie Fieber oder Kopfschmerzen nach einer Immunisierung).
In den initialen klinischen Studien wurden bewusst keine schwangeren oder stillenden Frauen eingeschlossen, weshalb der Impfstoff bisher nicht für schwangere und stillende Frauen zugelassen wurde. Jedoch waren unter den Studienteilnehmerinnen vereinzelt Frauen, welche unwissentlich schwanger waren und auch hier zeigten sich keine bekannten negativen Auswirkungen.

Ich versuche schwanger zu werden, soll ich mich impfen lassen?

Frauen mit Kinderwunsch wird die Corona-Schutzimpfung in der Regel empfohlen. Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff schädliche Auswirkungen auf die Schwangerschaft, den Embryo, seine Entwicklung oder die Geburt hat. Sollten Sie Bedenken haben, sprechen Sie mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt darüber. Diese/r wird mit Ihnen Nutzen und Risiko der Impfung sorgfältig abwägen.
Dass sich mRNA-Impfungen negativ auf die Fruchtbarkeit von Frau und Mann auswirken, bezeichnen WissenschaftlerInnen übrigens als Gerücht, das sich teils jedoch hartnäckig hält. Aktuell gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass die Corona-Impfung die Fruchtbarkeit beeinflusst.

Sollen sich stillende Frauen impfen lassen?

Die Impfung soll und kann stillenden Frauen empfohlen werden und stellt keinen Grund dar, die Stillzeit vorzeitig zu beenden. Durch die Impfung gebildete Antikörper gegen eine Infektion mit SARS-CoV2, welche durch die Muttermilch auf das Neugeborene übertragen werden, sind als potentiell schützend anzusehen. Erste Daten weisen auch darauf hin, dass es zu einer Übertragung von Antikörper von der Mutter zum Kind kommt. Bisher zeigen sich keine Hinweise für potentiell negative Auswirkungen.

Was kann ich tun, wenn ich mich nicht impfen lassen kann (will)?

Schwangere sollten, wie bisher, strikt auf Hygiene- und Schutzmaßnahmen achten, um eine Infektion zu vermeiden. Außerdem ist es möglich, nahestehende Personen wie den Partner impfen zu lassen, um damit einen indirekten Schutz zu erhalten.

 

Weitere Informationen zum Thema: FAQs: Die häufigsten Fragen zur Corona-Impfung

Autor:
Quellen:
Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe; Stellungnahme der OEGGG zum Thema COVID-19 Impfung für Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere und stillende Frauen, 29.4.2021; https://www.oeggg.at/leitlinien-stellungnahmen/covid-19-sars-cov-2/

Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (AGES), Coronavirus; Zugriff 18.5.2021; https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/

Bundesministerium Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Nationales Impfgremium; Corona Schutzimpfung; https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Impfen/Nationales-Impfgremium.html

Robert Koch Institut; Infektionsschutz, Was ist bisher zur Covid-19 Impfung in Schwangerschaft und Stillzeit bekannt? Zugriff 18.5.2021
https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/FAQ_Liste_Wirksamkeit_Sicherheit.html#FAQId15315270

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe; Empfehlung der Covid-19 Impfung für schwangere und stillende Frauen, Zugriff 18.5.2021; https://www.dggg.de/leitlinien-stellungnahmen/stellungnahmen/empfehlung-der-covid-19-impfung-fuer-schwangere-und-stillende-frauen-1347/

Quarks Gesundheit; https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/sollten-sich-schwangere-impfen-lassen/; Zugriff 17.5.2021

Victoria Male: Are Covid-19 vaccines safe in pregnancy; Nature Reviews Immunology 2021; https://www.nature.com/articles/s41577-021-00525-y

Shimabukuro TT et. al., Preliminary findings of mRNA Covid-19 vaccine safety in pregnant persons; New Engl J Med 2021; https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2104983