Chlamydien – Definition, Formen, Symptome, Behandlung

Chlamydien – Definition, Formen, Symptome, Behandlung

Stand: September 2018
3D Darstellung chlamydien Bakterium

Chlamydien und Chlamydien-Infektionen werden häufig in erster Linie mit urogenitalen Erkrankungen und Geschlechtskrankheiten in Verbindung gebracht. Es gibt allerdings noch andere durch Chlamydien verursachte Krankheitsbilder. Entsprechend vielfältig sind auch die Symptome, die eine Chlamydien-Infektion nach sich ziehen kann. Welche das sind, wie man sich mit Chlamydien anstecken kann und wie die Behandlung erfolgt, lesen Sie hier.

Was sind Chlamydien?

Bei Chlamydien handelt es sich um eine Familie von Bakterien. Häufig wird mit Chlamydien bzw. einer Chlamydien-Infektion in erster Linie eine Geschlechtskrankheit assoziiert (urogenitale Chlamydien-Infektion), allerdings können Chlamydien je nach Spezies und Serotyp (Untergruppe von Mikroorganismen) beim Menschen verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen, nicht nur eine Infektion der Harn- und Geschlechtsorgane.

Erkrankungen durch Chlamydien

Insgesamt gibt es drei Spezies der Gattung Chlamydia, die beim Menschen Erkrankungen hervorrufen können, dazu zählen:

Chlamydia trachomatis

Serotypen A-C als Erreger des Trachoms (chronisch-follikuläre Bindehautentzündung), Übertragung zumeist durch eine Schmierinfektion; Serotypen D-K als Erreger von urogenitalen Infektionen, Übertragung bei sexuellen Kontakten; Serotypen L1-L3 als Erreger des Lymphogranuloma inguinale (Geschlechtskrankheit), Übertragung durch Geschlechtsverkehr

Chlamydia psittaci

Erreger der Ornithose (Infektionskrankheit, die sich als grippaler Infekt oder atypische Lungenentzündung äußern kann), Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Vögeln oder eine Tröpfcheninfektion durch das Einatmen von vogelmistlastigem Staub

Chlamydia pneumoniae

Erreger der Pneumonie, Übertragung durch Tröpfcheninfektion

Erläuterungen: “Atypisch” bedeutet so viel wie “eine Abweichung vom Normalen”. Bei einer Schmierinfektion erfolgt die Übertragung von Krankheitserregern durch die Berührung eines Lebewesens oder Objekts – beispielsweise werden die Erreger bei der gemeinsamen Nutzung von Besteck oder eines Handtuchs, welches mit infektiösen Körpersekreten kontaminiert ist abgestreift und gelangen so auf die Haut oder Schleimhaut. Bei einer Tröpfcheninfektion werden die Erreger beim Husten, Sprechen oder Niesen durch kleinste Tröpfchen übertragen.

Symptome

Bindehautentzündung, urogenitale Infektion, Lungenentzündung – Chlamydien können verschiedene Krankheitsbilder und folglich eine Vielzahl an Symptomen verursachen.

Merkmale eines Trachoms

Je nach Stadium, u. a. unspezifische Bindehautreizung, Fremdkörpergefühl, Tränenträufeln, Follikelansammlung und Vernarbungen im Bereich der Bindehaut, Wimpernscheuern, Hornhautreizung (Trichiasis), Hornhautabschürfung, unvollständiger Lidschluss und reduzierter Tränenfluss, am Ende kann die vollständige Erblindung stehen. Das Trachom ist eine der häufigsten Augenerkrankungen weltweit, findet sich in den Industriestaaten allerdings nur sehr selten.

Genitale Chlamydien-Infektion

Die Zahl der sexuell übertragbaren Erkrankungen nimmt in Europa zu und Chlamydien sind die mitunter häufigsten bakteriellen Erreger sexuell übertragbarer Infektionen. Hochrisikogruppe sind sexuell aktive junge Menschen, Frauen sind öfter betroffen als Männer. In vielen Fällen verläuft die Chlamydien-Infektion ohne erkennbare Symptome. Häufig bleibt sie unbemerkt und unbehandelt, was unter Umständen schwere Folgen haben kann.

Wenn es doch zu Beschwerden kommt, dann machen sich diese u. a. durch Schmerzen, Juckreiz und Ausfluss bemerkbar. Bei Frauen kann eine Chlamydien-Infektion zu einer Entzündung des Gebärmutterhalses und der Harnröhre führen (Zervizitis, Urethritis), mögliche Symptome sind schleimig-eitriger und intensiv riechender Ausfluss, häufiger Harndrang und Schmerzen beim Harnlassen. Unbehandelt können die Bakterien aufsteigen, die Entzündung geht dann auf die Gebärmutterschleimhaut, die Eileiter und Eierstöcke über, mögliche Folgen sind chronische Unterleibsschmerzen bis hin zu Unfruchtbarkeit, ferner gehen urogenitale Infektionen mit einem erhöhten Risiko für extrauterine Schwangerschaften einher. Ist auch die Bauchhöhle von der Infektion betroffen kann es u. a. zu Bauchfellentzündungen und Perihepatitis (Einbezug der Leberkapsel) mit Symptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber und rechtseitigen Oberbauchschmerzen kommen.

Symptome einer Urogenitalen Infektion beim Mann

Druckgefühl, Schmerzen und Brennen beim Harnlassen und eitriger Ausfluss, unbehandelt können sich die Erreger bis in die Prostata, Hoden und Nebenhoden ausbreiten und Entzündungen verursachen (Prostataentzündung, Hoden- und Nebenhodenentzündung). Abhängig von den sexuellen Gewohnheiten können die Erreger auch in den Rachen oder Enddarm gelangen (Oral-, Analverkehr). Mögliche Symptome einer Enddarmentzündung sind Juckreiz und Stuhlbeimengungen, eine Rachenentzündung kann u. a. mit Hals- und Schluckschmerzen einhergehen. Die Infektion kann sich während der Geburt auf das Kind übertragen und beim Neugeborenen zu einer Bindehaut-, Mittelohr- oder Lungenentzündung führen.

Durch Chlamydien verursachtes Lymphogranuloma venereum

Mit Symptomen und Anzeichen wie kleinen Bläschen und Hautgeschwüren (zumeist im Intimbereich), geschwollenen Lymphknoten in der Leistengegend, Abszessen, Eiteraustritt u. a. Auch ein Befall des Rektums und Rachens ist möglich. Chlamydia pneumoniae befällt die Atemwege und kann zu einer Nasennebenhöhlen- und Rachenentzündung (Sinusitis, Pharyngitis), Bronchitis und atypischen Lungenentzündung führen, mögliche Beschwerden sind Kopfschmerzen, Fieber, Husten, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden u. a. Risikofaktoren für sexuell übertragbare Chlamydien sind zusammengefasst u. a. Oralsex, Vaginal- und Analverkehr, v. a. ohne Kondom, und kontaminierte Sexspielzeuge.

Die Auflistung der hier angeführten Anzeichen und Symptome kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen für eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angeführte Symptom beim jeweiligen durch Chlamydien verursachten Krankheitsbild auftreten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte stets das ärztliche Gespräch gesucht werden.

Diagnose

Ansprechpartner bei entsprechenden Beschwerden sind Ärzte für Allgemeinmedizin, Gynäkologen, Urologen, Dermatologen und Augenärzte. Zu Beginn steht die genaue Anamnese. Die körperliche Untersuchung richtet sich nach der Verdachtsdiagnose (z. B. Untersuchung der Geschlechtsorgane und des Afters, Tastuntersuchung des Bauches und Untersuchung der Lymphknoten bei Verdacht auf urogenitale Infektion, Abklopfen und Abhören der Lunge bei möglicher Infektion der Atemwege, Inspektion des Rachens, Untersuchung der Augen), ebenso wie mögliche weitere Untersuchungen (z. B. Ultraschalluntersuchung bei Verdacht auf urogenitale Infektion bei Frauen). Außerdem gibt es verschiedene Chlamydien-Tests, mittels welcher die Erreger in einer Probe des Patienten (Abstrich aus der Harnröhre, von der Gebärmutterschleimhaut, aus dem Analbereich und Rachen, Augensekret, Urin, Auswurf u. a.) oder Antikörper im Blut nachgewiesen werden können (Blutuntersuchung). Ein Chlamydien-Test zur Abklärung einer möglichen sexuell übertragenen Erkrankung ist u. a. sinnvoll bei jungen sexuell aktiven Erwachsenen, bei Frauen und Männern mit mehreren oder neuen Sexualpartnern und Beschwerden unklarer Ursache (z. B. Unterbauchschmerzen, Ausfluss).

Behandlung

Chlamydien-Infektionen werden mit Antibiotika behandelt, bei urogenitalen Chlamydien-Infektionen muss/müssen der/die Sexualpartner ebenfalls behandelt werden. Weiters gibt es je nach Krankheitsbild weitere Maßnahmen, um die Behandlung zu unterstützen. Bei rechtzeitiger Abklärung und adäquater Behandlung heilt eine Chlamydien-Infektion in der Regel folgenlos aus.

Fact-Box

Chlamydien: Bakterien, die verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen können

Erkrankungen durch Chlamydien: Trachom, urogenitale Infektionen, Pneumonie u. a.

Ansteckung: Schmierinfektion, Tröpfcheninfektion u. a.

Symptome: Je nach Erkrankung

Diagnose: Je nach Verdachtsdiagnose; Anamnese, körperliche Untersuchung, Chlamydien-Test (Untersuchung von Probematerial, Blutuntersuchung)

Therapie: Antibiotika und andere Maßnahmen je nach Krankheitsbild

Quellen:
Hefler L. et al.; Stellungnahme der OEGGG zum Chlamydien-Screening, Gyn-Aktiv 03/2018, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Stary Georg, Neuer Impfansatz gegen Chlamydia trachomatis, Gyn-Aktiv 05/2017, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Heller-Vitouch C.; Sexuell übertragbare Erkrankungen in Österreich, Spectrum Dermatologie 02/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Gentinetta Schlatter C.; Der aufsteigende Genitalinfekt - aktuelle Therapiekonzepte bei der Pelvic Inflammatory Disease, Gynäkologie 03/2007, Rosenfluh Publikationen AG

Hirrle B. et al.; Chlamydieninfektion - die unbemerkte Geschlechtskrankheit - Aktuelle Prävalenzen, moderne Nachweis- und Behandlungsoptionen, Gynäkologie 04/2005, Rosenfluh Publikationen AG

Beise U.; Genitale Chlamydieninfektion - Symptomatik, Screening und Therapie, ARS Medici 06/2004, Rosenfluh Publikationen AG

Chlamydien: Infektionen bei jungen Frauen am häufigsten, 07.08.2014, URL: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59311/Chlamydien-Infektionen-bei-jungen-Frauen-am-haeufigsten

Chlamydien - die häufigste sexuell übertragene Erkrankung in Europa, 06.09.2013, URL: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55775/Chlamydien-die-haeufigste-sexuell-uebertragene-Erkrankung-in-Europa

Facts about Chlamydia, European Centre for Disease Prevention and Control, URL: https://ecdc.europa.eu/en/chlamydia/facts, Stand: 06.08.2018
ICD-10: A74.0

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