Bindehautentzündung – Definition, Symptome, Diagnose, Behandlung

Bindehautentzündung – Definition, Symptome, Diagnose, Behandlung

Stand: Oktober 2017
Augen bei Bindehautentzündung rot und empfindlich

Die Bindehautentzündung ist eine häufige Augenerkrankung, die mit teils sehr unangenehmen Beschwerden einhergeht. Durch Bakterien oder Viren verursachte Entzündungen der Bindehaut sind ansteckend, weswegen Betroffene bestimmte Hygienemaßnahmen einhalten müssen um Mitmenschen nicht anzustecken. Mehr über die Ursachen und Symptome der Bindehautentzündung sowie über Behandlungsmöglichkeiten und vorbeugende Maßnahmen erfahren Sie hier.

Die Bindehaut ist eine dünne Schleimhautschicht. Sie liegt dem Augapfel in der vorderen Augenhöhle auf, ist durchsichtig, glatt und gut durchblutet. Die Bindehaut ist eine Art äußere Schutzhülle des Auges und schützt dieses vor Erregern und anderen Reizen, außerdem ist sie an der Bildung des Tränenfilms beteiligt und trägt zur reibungsfreien Bewegung des Augapfels und der Lider bei. Die Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist ein häufiges Krankheitsbild der Bindehaut, das verschiedene Ursachen haben kann.

Bindehautentzündung – Ursachen

Eine Konjunktivitis kann nicht-infektiöser und infektiöser Ursache sein.

Infektiöse Bindehautentzündung (ansteckend)

Infektiöse Bindehautentzündungen werden durch verschiedene Bakterien und Viren verursacht und sind ansteckend, weswegen das Einhalten bestimmter Hygienemaßnahmen besonders wichtig ist. Auch Pilze und Parasiten können eine Entzündung verursachen.

Der Übertragungsweg ist häufig eine Schmierinfektion. Hierbei handelt es sich um eine indirekte Übertragung von Krankheitserregern – während der Berührung eines Gegenstands werden die Erreger abgestreift und gelangen so auf die Haut oder Schleimhaut. Keime finden sich u.a. an öffentlichen Plätzen, in angebrochenen Kosmetika und Kontaktlinsenlösungen.

  • Viren: Eine besonders infektiöse Form der Bindehautentzündung ist die Keratoconjunctivitis epidemica, die durch Adenoviren verursacht wird. Weitere virale Erreger, die eine Entzündung der Bindehaut verursachen können sind u.a. das Herpes-simplex-Virus und das Varizella-Zoster-Virus (Erreger der Gürtelrose), weiters kommt es bei Grippe, Masern, Röteln und Windpocken immer wieder zu einer Entzündung der Bindehaut.
  • Bakterien: Häufige bakterielle Erreger der Konjunktivitis sind Streptokokken, Staphylokokken und Pneumokokken (häufige Erreger der Lungenentzündung). Neugeborene können sich während der Geburt mit Chlamydien oder Gonokokken infizieren, welche nach kurzer Zeit eine Bindehautentzündung hervorrufen.

Nicht-infektiöse Bindehautentzündung (nicht ansteckend)

  • Allergische Konjunktivitis: Allergisch bedingte Bindehautentzündungen sind häufig. Sie können z.B. durch Pollen, Hausstaub oder Tierhaare verursacht werden und treten häufig in Zusammenhang mit Heuschnupfen auf.
  • Äußere Reize als Ursache: Fremdkörper, Staub, Rauch, diverse Chemikalien, trockene Luft und zu starkes UV-Licht können die Bindehaut reizen und das Auge irritieren.
  • Weitere mögliche Ursachen sind u.a.: Trockenes Auge (Sicca-Syndrom), unkorrigierte Sehstörungen, zu lang getragene bzw. schlecht angepasste Kontaktlinsen, Überanstrengung (anstrengende Augenarbeit), Konjunktivitis in Verbindung mit anderen Erkrankungen (z.B. Psoriasis)

Symptome – Wie äußert sich eine Bindehautentzündung?

Bindehautentzündungen können teils starke Beschwerden verursachen. Besonders bei bestimmen Formen wie der epidemischen Bindehautentzündung sind diese sehr unangenehm und ausgeprägt.

Typische Symptome einer Konjunktivitis sind rote Augen, Fremdkörpergefühl, Tränen und Sekretion (wässrige, schleimige oder eitrige Absonderungen, die ein morgendliches Verkleben der Lider bewirken). Weitere mögliche Symptome sind u.a. Augenbrennen, Jucken, Kratzen, Lichtscheue und Blendeempfindlichkeit.

Bindehautentzündung ist nicht gleich Bindehautentzündung – je nach Ursache der Entzündung können unterschiedliche Beschwerden auftreten. Durch das Reiben der Augen werden Erreger schnell von einem Auge auf das andere übertragen, weswegen bei einer infektiösen Bindehautentzündung häufig beide Augen betroffen sind.

Diagnose

Rote und tränende Augen sollten von einem Augenarzt untersucht werden. Einerseits gilt es eine passende Behandlung zu finden, andererseits kann eine Bindehautentzündung ansteckend sein, weswegen Betroffene darüber Bescheid wissen und bestimmte Maßnahmen ergreifen müssen, um eine Ansteckung ihrer Mitmenschen zu verhindern.

Es erfolgt eine Anamnese, bei welcher sich der Augenarzt nach den Beschwerden, der Krankengeschichte, Allergien, dem Einsatz von Kontaktlinsen und anderen Dingen erkundigt, die für eine genaue Diagnose und spätere Behandlung wichtig sein können. Die anschließende Untersuchung durch den Augenarzt umfasst u.a. eine Inspektion der Augen und eine Untersuchung mit der Spaltlampe. Das klinische Bild einer Bindehautentzündung ist nicht immer spezifisch; nicht immer kann eine korrekte Diagnose aufgrund der jeweiligen Symptome gestellt werden und oft ist es nicht einfach, zwischen einer viralen und einer bakteriellen Entzündung zu unterscheiden, weswegen eine detaillierte Untersuchung wichtig ist. Sobald die Diagnose der Bindehautentzündung feststeht, setzt der Augenarzt die Abklärung fort, um die Ursache zu ermitteln. Im Fall einer infektiösen Bindehautentzündung lässt sich der Erreger mithilfe eines Abstrichs bestimmen.

Behandlung

Die Behandlung orientiert sich an der Form und Ursache der Bindehautentzündung. Durch Bakterien verursachte Bindehautentzündungen werden mit antibiotikahaltigen Augentropfen behandelt. Ist ein Virus die Ursache, erfolgt eine abschwellende Behandlung; bei einer durch Herpes oder das Varizella-Zoster-Virus ausgelösten Bindehautentzündung wird mit Medikamenten behandelt, ansonsten wird bei viralen Bindehautentzündungen nicht medikamentös therapiert, da es keine effektive Behandlung gibt. Allergische Bindehautentzündungen klingen ab, sobald die auslösenden Reize wegfallen, auch spezielle antiallergische Augentropfen können zum Einsatz kommen. Sind äußere Reize die Ursache (z.B. Fremdkörper, Kontaktlinsen, Sonneneinstrahlung) gilt es, den jeweiligen Auslöser zu beseitigen bzw. zu meiden, im Regelfall klingt die Entzündung dann nach wenigen Tagen ab. Bei trockenen Augen können Tränenersatzmittel helfen. 

Weitere wichtige Maßnahmen sind:

  • Das Reiben der Augen sollte vermieden werden.
  • Das Einhalten bestimmter Hygienemaßnahmen ist sehr wichtig, um das Risiko einer Ansteckung zu reduzieren. Dazu zählen z.B.: Benutzen eigener Handtücher, Benutzen von Einwegtaschentüchern, um die Augen zu trocknen, häufiges Waschen und Desinfizieren der Hände, Vermeiden von Händeschütteln.
  • Bei Anzeichen einer Verschlimmerung (zunehmende Schmerzen, Lichtempfindlichkeit, zunehmender Eiter) sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Dies gilt auch dann, wenn bereits eine Behandlung begonnen wurde.

Wie lange dauert eine Bindehautentzündung und wann ist die Ansteckungsgefahr vorbei?

Abhängig von der Ursache kann eine Bindehautentzündung unterschiedlich verlaufen. Bei unkomplizierten Bindehautentzündungen verschwinden die Symptome im Regelfall nach etwa zwei Wochen, manchmal auch schneller. Die Symptome einer durch Bakterien verursachten Entzündung verschwinden im Regelfall wenige Tage nach Behandlungsbeginn mit antibiotikahaltigen Augentropfen. Wichtig ist es, die Behandlung wie ärztlich verordnet durchzuführen. Eine durch einen Virus verursachte Konjunktivitis hat meistens einen langwierigeren Verlauf und kann sich über mehrere Wochen ziehen, Kompressen und andere Hausmittel können nach einer Untersuchung beim Augenarzt zur Linderung der Beschwerden beitragen. Auch mit der Dauer der Ansteckungsgefahr verhält es sich unterschiedlich, nähere Informationen erhalten Betroffene bei ihrem Augenarzt.

Welche Hausmittel helfen bei einer Bindehautentzündung?

Quarkauflagen gegen Schwellungen und zur Kühlung, Kompressen mit Augentrost, Ringelblumen-/Salbeitee und -kompressen und viele mehr – für die Behandlung von Beschwerden bei einer Bindehautentzündung gibt es viele Hausmittel. Nicht jede Konjunktivitis erfordert eine medikamentöse Behandlung und häufig können Hausmittel sehr wirkungsvoll sein. Nichtsdestotrotz sollte immer ein Arzt aufgesucht werden, um die genaue Ursache abzuklären und Komplikationen zu vermeiden.

So können Sie einer Bindehautentzündung vorbeugen

  • Vermeiden Sie es, Betroffenen die Hände zu schütteln und waschen/desinfizieren Sie sich die Hände nach Kontakt mit einem Betroffenen.
  • Benutzen Sie stets Ihr eigenes Handtuch.
  • Vermeiden Sie es, sich mit ungewaschenen Händen die Augen zu reiben.
  • Schützen Sie Ihre Augen vor Sonnenlicht, Staub, Fremdkörpern und Zugluft.
  • Achten Sie auf eine hygienische und sachgemäße Handhabung von Kontaktlinsen, Kontaktlinsenlösungen und Kosmetika.
  • Suchen Sie bei trockenen Augen und leichten Sehstörungen einen Augenarzt auf.

Fact-Box

Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Entzündung der Bindehaut des Auges, häufige Augenerkrankung

Ursachen:

  • Infektiös (ansteckend): Bakterien (z.B. Strepto-, Staphylo- und Pneumokokken), Viren (z.B. Adenoviren, Herpes-simplex- und Varizella-Zoster-Virus)
  • Nicht-infektiös (nicht ansteckend): Allergene (z.B. Pollen, Hausstaub), mechanische Reize (z.B. UV-Licht, Staub, Rauch), trockene Augen uvm.

Symptome: Rote Augen, Tränen, Sekretion, Fremdkörpergefühl, Brennen, Jucken u.a.

Behandlung: Ursachenabhängig

  • Bakterien: Antibiotikahaltige Augentropfen
  • Viren: Keine gezielte medikamentöse Therapie möglich
  • Allergische Bindehautentzündung: Vermeiden der auslösenden Reize

Hausmittel: Quarkauflagen, Kompressen mit Augentrost und Ringelblume u.a.; können helfen Beschwerden zu mildern, augenärztliche Abklärung stets ratsam

Autor:
Quellen:
Peter S.; Ophthalmologie: Neuigkeiten, soweit das Auge reicht, Apotheker Krone 14/2015, Ärztekrone VerlagsgesmbH

Wülker A.; Differenzialdiagnose und Differenzialtherapie der Konjunktivitis, ARS Medici 06/2014, Rosenfluh Publikationen AG

Janovsky A.; Augenerkrankungen an der Tara, Apotheker Krone 11/2013, Ärztekrone VerlagsgesmbH

Bakterielle Konjunktivitis; Leitlinie Nr. 12 des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA) und der Deutschen ophthalmologischen Gesellschaft, August 2011

Meyer-Rüsenberg B. et al.; Keratokonjunktivitis epidemica - Infektionslage und aktuelle Hinweise zu Prophylaxe und Therapie, Dtsch Arztebl Int 2011; 108(27): 475-80

Robert Koch Institut; Keratoconjunctivitis epidemica und andere Konjunktivitiden durch Adenoviren, URL: https://web.archive.org/web/20130303023955/http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Keratoconjunctivitis.html, Stand der Information: 08.11.2017
ICD-10: H10, H16.2, B87.2

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