Cellulite (Orangenhaut)

Cellulite (Orangenhaut)

Stand: Juli 2020

Cellulite ist weit verbreitet, fast jede Frau hat es irgendwann mit den Dellen und Grübchen am Gesäß, an den Oberschenkeln und an anderen Körperstellen zu tun. Cellulite ist an sich ganz normal, ihre Entstehung hängt eng mit den Besonderheiten der weiblichen Haut zusammen. Wie und wieso sie entsteht, welche Behandlungsoptionen es gibt und wieso es sich lohnen kann, Cellulite ein bisschen mehr zu akzeptieren anstatt fortwährend gegen sie zu kämpfen, lesen Sie hier.

Was ist Cellulite?

Cellulite ist eine Veränderung der Hauttopographie bzw. des Erscheinungsbildes der Haut. Sie ist durch Ausstülpungen von Fettgewebe und die Bildung von Dellen und Grübchen gekennzeichnet. Die Dellenbildung führt dazu, dass das Hautbild so aussieht wie die Schale von Citrusfrüchten, weswegen Cellulite umgangssprachlich auch als “Orangenhaut“ bezeichnet wird. Hauptsächlich tritt Cellulite im Bereich der Oberschenkel, der Hüften, des Gesäßes und der Oberarme auf, auch der Bauch und andere Körperstellen können betroffen sein. Cellulite kommt fast ausschließlich bei Frauen vor und betrifft, wenn auch in teils sehr unterschiedlichem Ausmaß, fast alle Frauen.

Ursachen

Wie und wieso es bei Frauen zur Entstehung von Cellulite kommt, ist bislang nicht gänzlich verstanden. Fest steht, dass den Dellen verschiedene Veränderungen zugrunde liegen, die Entwicklung von Cellulite auf mehrere Ursachen zurückzuführen ist und durch verschiedene Faktoren zusätzlich begünstigt werden kann.

Die Grundlagen und Ursachen für die Entwicklung von Cellulite sind prinzipiell in der Unterhaut zu finden. Die Haut setzt sich aus verschiedenen Schichten zusammen, von oben nach unten unterschieden werden die Epidermis (Oberhaut), die Dermis (Lederhaut) und die Subcutis (Unterhaut). Die Unterhaut besteht u. a. aus lockerem Bindegewebe und Fettgewebe, das Fettgewebe wird durch Bindegewebssepten (Bindegewebsstränge) strukturiert. Außerdem finden sich in der Unterhaut u. a. Blut- und Lymphgefäße und Drüsen.

Lockeres Bindegewebe

Dass Frauen im Gegensatz zu Männern für Orangenhaut “prädisponiert“ sind, liegt u. a. daran, dass die Haut von Frauen teils über andere anatomische Gegebenheiten verfügt – die Haut und das subdermale kollagene Bindegewebe sind bei Frauen etwas anders aufgebaut. Bei Männern verlaufen die Bindegewebssepten, welche die Fettkammern bilden, diagonal bzw. kreuzartig, wodurch die Fettzellen klammerartig umschlossen werden und nicht in die Dermis durchdrücken. Bei Frauen zeigt sich hingegen eine parallele/senkrechte Anordnung der Bindegewebssepten, die sich bei Bedarf (während der Schwangerschaft) besser dehnen können. Zwischen den Bindegewebssepten können sich Fettgewebsläppchen ablagern, irgendwann werden dann Vorwölbungen sichtbar – ähnlich wie bei einem Steppmantel, dessen Bereiche zwischen den Nähten dicht gefüllt sind oder bei einer abgesteppten Matratze.

Vergrößerte Fettzellen

Ein weiterer für die Entstehung von Cellulite wichtiger Faktor ist die Störung des Gleichgewichts zwischen Fettaufbau (Lipogenese; Fettsäuresynthese/Anlage und Aufbau von Depotfett in Form von Triglyceriden im Fettgewebe) und Fettabbau (Lipolyse). Hormonelle Schwankungen (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre) und andere Faktoren können zu einer Störung dieses Gleichgewichts in Richtung einer Fetteinlagerung führen. Die Fettzellen (Adipozyten) können sich dabei um ein Vielfaches vergrößern. Die vergrößerten Fettzellen drücken das Bindegewebe dann bis zur Dellenbildung. Wird es also “zu voll“, dehnen sich die Bindegewebsfasern aus, die Fettdepots drücken gegen die Haut und Cellulite zeichnet sich ab.

Bei Cellulite kann das Bindegewebe das Fettgewebe also nicht ausreichend straff einbetten und die Fettstrukturen können sich durch das lockere Bindegewebe bis an die Hautoberfläche drücken, wodurch sich deren Zustand/Erscheinungsbild verändert. Zusammengefasst sind die Dellen also Folge von zu schlaffem Bindegewebe und vergrößerten Fettzellen, aufgrund welcher das Kollagenfasernetz dem Druck nicht mehr “gewachsen“ ist. Faktoren, welche Cellulite begünstigen sind u. a. genetische Veranlagung, Hormone, zu wenig Bewegung und Gewichtszunahme/Übergewicht. Bei Übergewicht sind die Fettzellen vergrößert, was die Entstehung von Cellulite beeinflusst. Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv auf die Gesundheit aus. Sport hilft u. a. den Stoffwechsel anzuregen und den Fettabbau und die Durchblutung der Haut zu fördern, nicht zuletzt ist Bewegung wichtig um bei Übergewicht dauerhaft gesund abzunehmen.

Cellulite ist etwas Normales

Was hinsichtlich der Ursachen der oftmals ungeliebten Dellen nicht vergessen werden darf ist, dass Cellulite bzw. die Grundlagen für diese keine Laune oder Strafe der Natur sind. Im Gegenteil, sie sollen dem weiblichen Körper dienen: Die Fettpolster sind eine Energiereserve für die Schwangerschaft und Stillzeit, dank des lockeren Bindegewebes kann sich die Haut während der Schwangerschaft dehnen und an die Formveränderung anpassen. Ob besonders schlank, Körperbau mit vielen Rundungen oder übergewichtig – fast alle Frauen haben, unabhängig von ihrem Gewicht und ihrer Figur, Cellulite. Cellulite ist normal und sollte nicht, wie nach wie vor häufig der Fall, als optisches Tabu gesehen werden. Ein weiblicher Körper ohne Cellulite ist ein Schönheitsideal, welches viele Frauen unter Druck setzt.

Anzeichen und Hautbild

Bei Cellulite zeichnet sich das Hautbild an bestimmten Körperstellen durch Dellenbildung, wellige Unebenheiten und Grübchen aus. Vor allem betroffen sind Oberschenkel, Hüfte und Gesäß, bei manchen Frauen macht sich die Orangenhaut auch am Bauch und/oder an den Oberarmen bemerkbar. In manchen Fällen zeigen sich die Unebenheiten nur beim Zusammenkneifen der Haut. Ist die Cellulite etwas deutlicher ausgeprägt, zeigt sich im Liegen ein straffes Hautbild, im Stehen sind die Dellen allerdings deutlicher zu sehen. Bei starker Cellulite sind die Vertiefungen im Liegen, Sitzen und Stehen sichtbar. Die vergrößerten Fettzellen bzw. Fettpölsterchen können zudem auf die Blut- und Lymphgefäße drücken und die Mikrozirkulation in den Cellulitearealen vermindern, wodurch der Abtransport von Lymphflüssigkeit und anderen Stoffen beeinträchtigt wird. Mit der Zeit können sich Ödeme und Entzündungen bilden und es kann zur Verhärtung von kollagenen Fasern kommen, wodurch sich das Hautbild alles in einem weiter verschlechtert.

Was hilft bei Cellulite?

Cellulite ist in erster Linie ein kosmetisches Problem bzw. ein ästhetischer “Makel“ und ein Hautzustand, der einem Schönheitsideal, welches in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist, widerspricht. Während glatte und Cellulite-freie Haut für viele Menschen als schön gilt und einen hohen Stellenwert hat, werden Dellen häufig als lästig, unästhetisch und Makel gesehen, welcher bei prominenten Frauen in Magazinen scharf unter die Lupe genommen und kritisiert wird und im Schwimmbad möglichst verdeckt, auf Fotos bei Möglichkeit retuschiert und schließlich auch irgendwie beseitigt werden sollte.

Der Beauty Markt floriert und bietet verschiedene Behandlungen, Technologien und Produkte um gegen Cellulite vorzugehen. Zu den Methoden, die zur Anwendung kommen, um Cellulite zu mildern und das Hautbild zu verbessern zählen u. a. verschiedene Wirkstoffe bzw. Cremes, Salben und Emulsionen, Bindegewebsmassagen, Ultraschallbehandlungen, Vakuumtherapien, Laserbehandlungen und Kryolipolyse.

Allgemeine Tipps: Bei stärkerem Übergewicht sollte zunächst an eine gesunde Gewichtsreduktion gedacht werden, welche sich in vieler Hinsicht günstig auf die Gesundheit auswirkt und dazu beitragen kann, Verbesserungen in den jeweiligen Cellulitearealen herbeizuführen. Durch vermehrtes Unterhautfettgewebe können an der Hautoberfläche mehr kleine Dellen in Erscheinung treten, eine Reduktion von Fettgewebe durch Sport und gesunde Ernährung kann dazu beitragen das Hautbild zu verbessern. Sport ist bei Frauen mit und ohne Übergewicht eine wichtige Anti-Cellulite-Maßnahme. Empfehlenswert ist eine Kombination bzw. ein Wechsel aus Ausdauer- und Krafttraining, als allgemein gut geeignete Sportarten gelten Joggen, Radfahren, Schwimmen und Aquafitness sowie bestimmte Gymnastik- und Kraftübungen. Hinsichtlich der Ernährung gibt es keine konkreten Empfehlungen. Es gibt keine bestimmten Lebensmittel und keine bestimmte Ernährungsweise, die bei Cellulite hilft, allgemein sollte die Ernährung ausgewogen sein, Gemüse und Obst sollten täglich auf dem Speiseplan stehen.

Cremes

Kosmetikprodukte und spezielle Wirkstoffe, die in Form von Cremes und Fluids auf die Haut aufgetragen werden gelten allgemein als wenig effektiv, da sie nicht bis in jene Schichten vordringen, in welchen Cellulite entsteht; sie wirken oberflächlich und haben praktisch keinen Effekt auf das Binde- und Fettgewebe. Auf Basis bisheriger Erkenntnisse über Cellulite werden regelmäßig neue Produkte entwickelt. Eine seit kurzem verfügbare Creme soll die Haut glatter erscheinen lassen, indem sie u. a. die Bildung von Kollagenfasern fördert und das subkutane Netz, welches Fettzellen “zurückhält“ stärkt. Vor der Anwendung von Cremes und anderen Produkten, die auf die Haut aufgetragen werden kann es lohnenswert sein, sich hinsichtlich Wirksamkeit, Verträglichkeit und Anwendung des jeweiligen Produkts beraten zu lassen.

Ultraschall, Massagegeräte & Co

Bei fortgeschrittener Cellulite und angestauten Wassereinlagerungen im Fettgewebe kann eine Lymphdrainage hilfreich sein. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist Ultraschall. Für Ultraschallbehandlungen stehen verschiedene Geräte und Technologien zur Verfügung. Sie sollen u. a. die Mikrozirkulation der Haut anregen, das Gewebe zur Bildung von Kollagen stimulieren, einen Effekt auf die subkutane Fettschichtdicke haben und die Hautoberfläche straffen. Weiters gibt es spezielle Massagegeräte, die per Radiofrequenzstrom oder Infrarotlicht mechanische Effekte erzeugen und die gewünschte Wirkung erzielen sollen. In jedem Fall ist es wichtig, sich vorab von einem Arzt beraten zu lassen und die jeweilige Behandlung von dafür zugelassenem Fachpersonal durchführen zu lassen. Ansprechpartner sind u. a. der Arzt für Allgemeinmedizin, der Facharzt für Dermatologie und der Facharzt für ästhetische Medizin.

Weitere Behandlungen

Eine weitere Behandlungsoption ist die laserassistierte Lipolyse, bei welcher Fettgewebe mittels Laserenergie “aufgelöst“ bzw. zerstört wird. Lange Zeit wurde auch die Fettabsaugung als Behandlungsmaßnahme gesehen, mittlerweile gilt sie jedoch als weniger geeignet, u. a. aufgrund der Nutzen-Risiko-Abwägung und da neue Hautunregelmäßigkeiten entstehen können. Bei der Kryolipolyse handelt es sich um eine Behandlung, bei welcher mittels Kälte gegen Fettzellen und Dellen vorgegangen wird.

Darüber hinaus gibt es noch andere Behandlungsmethoden. Eine Behandlung, die mit Sicherheit gegen Cellulite wirkt, Dellen gänzlich verschwinden lässt und zu rundum glatter Haut verhilft gibt es nicht. Mit einigen verfügbaren Behandlungen ist es möglich, Dellen zu mildern, die Haut zu straffen und das Hautbild zu verbessern. Ob und wie gut eine bestimmte Behandlung (nachhaltig) wirkt ist von Frau zu Frau verschieden, eine professionelle Beratung bei einem Facharzt für Dermatologie oder ästhetische Medizin ist in jedem Fall sinnvoll.

Cellulite annehmen

Viele Frauen fühlen sich u. a. aufgrund ihrer Cellulite in ihrem körperlichen Wohlbefinden beeinträchtigt und haben bereits vieles probiert um die Dellen loszuwerden. Cellulite ist mitunter auf die anatomischen Besonderheiten der weiblichen Haut zurückzuführen. Sie ist weit verbreitet und normal. Unter den vielen Tipps, die sich zum Thema “Cellulitebehandlung“ finden lassen kann der mitunter wertvollste jener sein, dass man die Dellen aus einer anderen Perspektive betrachtet und sie als Teil des Körpers annimmt. Anstatt einem Beauty Wahn zu folgen und mit seinem Körper fortwährend wegen Veränderungen zu hadern, die zumeist ohnehin nur begrenzt veränderbar sind, kann es – wenn es darum geht, das Wohlbefinden in der eigenen Haut zu steigern – helfen, sich mit bestimmten als Makel empfundenen Veränderungen anzufreunden und seinem Körper dafür zu danken, wie er ist, was er ermöglicht und kann.

Fact-Box Cellulite

Cellulite: Veränderungen der Hauttopographie/des Erscheinungsbildes der Haut, die sich durch Dellenbildung auszeichnen; betrifft fast ausschließlich Frauen

Betroffene Körperbereiche: Oberschenkel, Gesäß, Hüfte, Oberarme, Bauch u. a.

Ursachen und begünstigende Faktoren: Schlaffes Bindegewebe, vergrößerte Fettzellen, genetische Faktoren, Übergewicht, Bewegungsmangel u. a.

Behandlungsmöglichkeiten: Reduktion von Übergewicht, Sport, Cremes, Salben, Lotionen, Ultraschall, Bindegewebsmassagen, Laserbehandlungen u. a.

Es gibt kein Wundermittel gegen Cellulite. Ob und wie gut eine bestimmte Behandlung (nachhaltig) wirkt ist von Frau zu Frau verschieden.

Autor:
Quellen:
Dauerhafte Hautstraffung bei Cellulite, Ästhetische Dermatologie & Kosmetologie 01/2019, Springer-Verlag

Klein F.; Neues Verfahren gegen Cellulite, Ästhetische Dermatologie & Kosmetologie 05/2018, Springer-Verlag

Kopera D.; Ästhetische Dermatologie – Notwendigkeit der Akademisierung, Spectrum Dermatologie 01/2014, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Rümmelein B., Zindel C.; Je mehr Muskulatur, desto weniger Cellulite, Ästhetische Dermatologie & Kosmetologie 01/2013, Springer-Verlag

Moderne Cellulite-Behandlung, Schweizer Zeitschrift für Dermatologie & Ästhetische Medizin 04/2009, Rosenfluh Publikationen AG

Klinisch getestet: Wirkstoffe gegen Cellulite, Deutsche Apotheker Zeitung 01/1998, Deutscher Apotheker Verlag

Meißner T.; Cellulite: Viele Therapie-Optionen, aber wenig Evidenz, Ärzte Zeitung, Springer Medizin Verlag GmbH, URL: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/haut-krankheiten/article/641005/cellulite-viele-therapie-optionen-aber-evidenz.html, Stand: 17.02.2011
ICD-10: L03