Aktinische Keratose

Aktinische Keratose

Stand: April 2021

Die Aktinische Keratose ist eine Vorstufe eines Plattenepithelkarzinoms, einer Form von Hautkrebs. Kennzeichen sind rötliche, manchmal auch hautfarbene, häufig leicht erhabene raue Stellen an der Hautoberfläche, die durch zu viel Sonnenbestrahlung entstehen. Auch wenn es eine Reihe von Therapieverfahren gibt, um diese wieder loszuwerden, empfiehlt es sich weitere Lichtschäden der Haut zu vermeiden.

Factbox

Aktinische Keratose: aktinische Präkanzerosesolare Keratose, Licht-Keratose 

Definition: Eine aktinische Keratose gilt als häufigste Vorstufe eines Plattenepithelkarzinoms, einer Form von Hautkrebs

Kennzeichen: rötliche, manchmal auch hautfarbene, häufig leicht erhabene raue Stellen an der Hautoberfläche, die durch zu viel Sonnenbestrahlung entstehen

Risikofaktoren: langjährige Strahlenbelastung durch UV-Licht; Hauttyp I und II; geschwächtes Immunsystem

Behandlung: Chirurgische Entfernung der betroffenen Haustellen mit dem Skalpell oder Löffel; Kryotherapie; Laserbehandlung; Photodynamische Therapie; lokale Chemo- und Immuntherapien mit Cremes und Salben

Alle genannten Therapieverfahren können nur dann zu einer dauerhaften Abheilung der aktinischen Keratosen führen, wenn die Betroffenen weitere Lichtschädigungen der Haut vermeiden. Wichtig ist zudem die regelmäßige Kontrolluntersuchung der Haut beim Dermatologen.

Was ist eine aktinische Keratose?

Zu viel Sonnenbestrahlung hat ihre Auswirkungen – ganz besonders auf Menschen mit heller Haut und hellem Haar, aber auch bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Wenn dann rötliche, manchmal auch hautfarbene, häufig leicht erhabene raue Stellen an der Hautoberfläche entstehen, spricht man von aktinischer Keratose. Die krankhaften Hautveränderungen finden sich vor allem im Gesicht, an den Handrücken, Unterarmen, am Dekolleté oder bei Männern auf der Glatze, also überall dort, wo die Sonne ungehindert hinstrahlen kann. Im Anfangsstadium sind sie mit dem Auge oft nicht gut zu erkennen, sie lassen sich aber als Rauigkeiten leicht ertasten: Die Haut fühlt sich an den betroffenen Stellen wie Schmirgelpapier an. Was die Größe der jeweiligen Hautveränderung betrifft, so kann der Durchmesser von wenigen Millimetern bis zu etwa zwei bis drei Zentimetern reichen. Im Lauf der Zeit verfärbet sich die Hautveränderung aufgrund einer Vermehrung von Hornzellen weißlich, und im Spätstadium kommt es zu Hautwucherungen, die deutlich über das Niveau der Umgebung erhaben sind. Aktinische Keratosen können einzeln oder mehrfach auftreten, manchmal verursachen sie Juckreiz, häufig sind aber keine Beschwerden damit verbunden.

Die Erkrankung gilt als Vorstufe zu einem Plattenepithelkarzinom, dem weißen (hellen) Hautkrebs, und entwickelt sich, weil die UV-Strahlung in den Hautzellen eine Mutation im tumorunterdrückenden Gen p53 hervorruft. Bei rund zehn Prozent der Betroffenen kommt es zu einem Übergang in ein invasiv wachsendes Plattenepithelkarzinom, das unbehandelt wächst, dabei benachbartes Gewebe zerstört und die Gefahr birgt, dass sich der Krebs weiter im Körper ausbreitet. Nicht zuletzt deshalb ist es wichtig, diese Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms, also die aktinische Keratose rechtzeitig behandeln zu lassen.

A,Case,Of,Actinic,Keratosis,(solar,Keratosis).

Abbildung: Aktinische Keratose der Kopfhaut

Welche Risikofaktoren begünstigen die Hautschäden?

Das größte Risiko für die Entstehung aktinischer Keratosen ist langjährige Strahlenbelastung durch Sonnenlicht (UV-Strahlung). Daneben spielen andere Faktoren wie der Hauttyp eines Menschen eine Rolle: Besonders hellhäutige Menschen mit dem Hauttyp I und II haben ein erhöhtes Risiko, weil ihre Haut nur gering pigmentiert ist und wenig Eigenschutz hat. Ganz besonders hoch ist das Risiko für Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Dazu zählen etwa organtransplantierte Patienten, Menschen mit HIV oder Patienten mit anderen Tumorerkrankungen. Bei ersteren besteht ein bis zu 100-fach erhöhtes Risiko für die Entstehung von Plattenepithelkarzinomen.

Verlauf und Häufigkeit

Aktinische Keratosen können sich spontan zurückbilden, aber in der Regel bleibt die Erkrankung jahrelang bestehen. Sie können wiederkehrend sein, und der Verlauf ist meist gutartig, vor allem dann, wenn die Therapie rechtzeitig eingeleitet wird. Wichtig, um ein Wiederauftreten zu verhindern, ist die Abdeckung der Haut mit langärmeliger Kleidung und breitkrempigem Hut sowie die Verwendung von Sonnenschutzpräparaten mit hohem Lichtschutzfaktor.

Die aktinische Keratose ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild, das immer mehr Menschen betrifft – am häufigsten jene, die direkten Einflüssen der UV-Strahlung über einen längeren Zeitraum ausgesetzt waren und sind. Bei den über 60-Jährigen liegt die Krankheitshäufigkeit bei über 50 Prozent.

Behandlung aktinischer Keratosen

Zur Behandlung aktinischer Keratosen steht ein breites Spektrum an Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Die Therapie richtet sich nach Größe, Ausbreitung und Ort der Entstehung der Keratose. Grundsätzlich gibt es zwei Therapievarianten: die läsionsgerichtete Therapie fokussiert auf die Entfernung der Hautveränderung, und die feldgerichtete Therapie bezieht neben den sichtbaren Hautveränderungen auch Hautabschnitte mit ein, die bereits UV-Schäden aufweisen, aber noch nicht als aktinische Keratose zu bewerten sind. Beide Verfahren können auch kombiniert eingesetzt werden.

Behandlungsmöglichkeiten im Überblick:

  • Chirurgische Entfernung der betroffenen Haustellen mit dem Skalpell
  • Abtragen mit einem scharfen Löffel
  • Vereisen mit flüssigem Stickstoff (Kryotherapie)
  • Abtragen mittels Laser
  • Photodynamische Therapie (PDT)
  • lokale Chemotherapie mit Cremes (Salben)
  • lokale Immuntherapie mit Cremes (Salben)

Chirurgische Entfernung mit dem Skalpell oder Löffel: Dabei werden großflächige Stellen unter örtlicher Betäubung mit dem Skalpell, kleinere Wucherungen mit dem so genannten scharfen Löffel, einem kleinen löffelartigen Skalpell mit scharfen Rändern entfernt. Mit dieser Methode können die aktinischen Keratosen vollständig abgetragen werden, und die Diagnose kann gesichert werden, da das herausgeschnittene Gewebe zur histologischen Untersuchung ins Labor geschickt wird. Nachteile sind etwaige Blutungen und die möglicherweise narbige Abheilung.

Kryotherapie: Dabei handelt es sich um eine Kältebehandlung mit flüssigem Stickstoff, der entweder aufgesprüht oder mit einem Wattestäbchen auf die betroffenen Stellen aufgebracht wird. Durch die Eisbildung werden die Zellen im behandelten Bereich vollständig zerstört. Die Behandlung kommt bei nur einer oder wenigen betroffenen Stellen in Frage. Nachteile sind die mögliche Bildung kleiner Blasen, Rötungen, Schwellungen oder Narben.

Laserbehandlung: Dabei werden meist einzelne aktinische Keratosen mit einem ablativen Laser abgetragen. Die Laserbehandlung wird dann eingesetzt, wenn besonders sensible Stellen wie Lippen oder Ohrrand, wo wenig Gewebe vorhanden ist und Narben unbedingt vermieden werden sollen, betroffen sind.

Photodynamische Therapie: Dabei wird eine spezielle, lichtempfindlich machende Creme auf die befallenen Stellen aufgebracht und die Haut anschließend mit Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt. Dadurch wird das erkrankte Gewebe zerstört. Die Methode kommt zum Einsatz, wenn die aktinische Keratose sich über große Hautareale ausbreitet, aber noch nicht tief in die Haut eingedrungen ist. Vorteil sind sehr gute kosmetische Ergebnisse.

Lokale Chemo- und Immuntherapien: Bei dieser Methode stehen eine Reihe von Cremes und Salben zur Verfügung, die der Patient selbst zu Hause auftragen kann. In der Regel bewirken die Cremes eine starke lokale Enzündungsreaktion, in deren Folge die erkrankten Zellen absterben. Die topischen Salben bestehen etwa aus den Wirkstoffen Flurouracil, Imiquimod oder Diclofenac. Flurouracil ist ein Zellgift, das die Zellteilung hemmt, und bei dem die Hautveränderung einige Wochen nach der Anwendung abheilt. Imiquimod beeinflusst das Immunsystem und lässt es verstärkt Stoffe ausschütten, die das überschießende Hautzellwachstum bremsen. Diclofenac hemmt vermutlich die Zellteilung und die Bildung kleinerer Blutgefäße. All diese Cremes müssen über mehrere Wochen lang regelmäßig aufgetragen werden, teilweise reizen sie die Haut, und es gibt manchmal Nebenwirkungen wie Hautrötungen oder Blasenbildung. Trotzdem eignen sich die Salbentherapien gut für großflächige aktinische Keratosen, und sie haben den Vorteil, dass auch noch nicht sichtbar gewordene Hautveränderungen mittherapiert werden können. Zudem heilen die Stellen narbenlos ab.

Alle genannten Therapieverfahren können aber nur dann zu einer dauerhaften Abheilung der aktinischen Keratosen führen, wenn die Betroffenen weitere Lichtschädigungen der Haut vermeiden. Wichtig ist zudem die regelmäßige Kontrolluntersuchung der Haut beim Dermatologen.

Wie läßt sich die Entstehung von Hautschäden verhindern?

Sonnenlicht und UV-Strahlung tun uns gut und sind unter anderem auch wichtig für die Vitamin D-Produktion, trotzem sollte man Sonnenbäder mit Vorsicht genießen und eine verlängerte Sonnenexposition meiden. Das gilt im Prinzip für alle Menschen, besonders aber für jene, die eine helle Haut und helles Haar haben.

Beachten Sie folgende Gegenmaßnahmen:

  •  Verzichten Sie auf Solariumbesuche.
  • Setzen Sie sich vor allem mittags, zwischen 11 und 15 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht, nicht der prallen Sonne aus.
  • Auch im Schatten beträgt die Intensität der UV-Strahlung noch etwa 50 Prozent. Denken Sie daran, besonders wenn Sie in südliche Urlaubsländer oder in die Berge fahren.
  • Schützen Sie sich mit leichter Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen sowie einem Sonnenhut.
  • Tragen Sie Sonnencreme auf alle nicht von der Kleidung bedeckten Körperteile auf.
  • Verwenden Sie Sonnencremes, die zusätzlich zu einem hohen UV-B-Lichtschutzfaktor (am besten 50+) auch einen guten UV-A-Schutz bieten.
  • Überprüfen Sie Ihre Haut einmal im Monat von Kopf bis Fuß und wenden Sie sich an eine Hautärztin, wenn sie neu aufgetretene Flecken, wachsende oder blutende Läsionen entdecken.
  • Lassen Sie sich einmal jährlich vom Hautarzt professionell untersuchen.
Autor:
Quellen:
S3-Leitlinie Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut 2020
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Aktinische_Keratosen_und_PEK/LL_Aktinische_Keratosen_PEK_Kurzversion_1.1.pdf

Gutzmer, Ralf et al.: Aktinische Keratose und kutanes Plattenepithelkarzinom
Möglichkeiten der Therapie, Deutsches Ärzteblatt 2019. https://www.aerzteblatt.de/archiv/209654/Aktinische-Keratose-und-kutanes-Plattenepithelkarzinom

Margit Wickhoff: Was du über aktinische Keratose wissen musst 2020 https://www.hautinfo.at/artikel/wissenswertes/aktinische-keratosen/was-du-ueber-aktinische-keratose-wissen-musst.html

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/hautkrebs/aktinische-keratose.html

http://www.escf-network.eu/de/patienten/hautkrebs/aktinische-keratose.html

https://www.test.de/Aktinische-Keratose-Diese-Medikamente-helfen-bei-weissem-Hautkrebs-5463030-0/
ICD-10: L57.0