Skip to main content
Herzinsuffizienz: Papierherz auf Hand
Foto: JoeyLaffort/shutterstock.com

Neuer Antrieb für schwache Herzen

Eine Herzinsuffizienz hat viele Ursachen. Eine davon ist die Beeinträchtigung der Pumpfunktion, die sich medikamentös verbessern lässt. Bei einer zweiten Form pumpt das Herz zwar ausreichend stark, doch die Herzkammern füllen sich nicht mehr richtig, weil die Ventrikelwände im Alter versteifen oder verdicken. Einem Forschungsteam gelang es nun erstmals, die Herzfunktion bei Patienten mit versteiften Herzwänden mittels synthetischer Nukleinsäuren zu verbessern.

Kontrolliert wird die Mechanik des Herzens von einem Riesenprotein namens Titin, das in mehreren Formen vorliegt und die sich hinsichtlich ihrer Elastizität voneinander unterscheiden. Titin wird im Alter stark beansprucht und schnell abgebaut, so dass Herzwände zunehmend verhärten. An diesem Punkt setzt nun ein neues Konzept an. Forschenden ist es gelungen, den Regulator dieses Proteins (RBM20) auszutricksen, indem sie dessen Herstellung durch die Verwendung von Antisense Oligonukleotiden (ASOs) blockieren. Durch diese Blockade mittels syntethischer Nukleinsäuren können Herzmuskelzellen wieder mehr Titin produzieren, vor allem jene Isoformen, die die elastischen, kontraktilen und elektrischen Eigenschaften der Herzkammern verbessern.

Erfolgreich eingesetzt wurde der RBM20-Blocker bei Mäusen mit versteiften Herzwänden, bei denen sich anhaltende Behandlungseffekte einstellten. Das neue „Medikament“ verursachte keine störenden Effekte im Körper und erreichte tatsächlich die quergestreifte Muskulatur des Herzens. Erste Untersuchungen am menschlichen Herzgewebe belegen, dass auch von einer Wirksamkeit am Menschen ausgegangen werden kann. Jetzt hofft man, eine wirksame orale Therapieform entwickeln zu können, die den Einsatz des Medikaments erleichtern soll.

Referenz:
Max-Delbrück-Zentrum (MDC), Universität Heidelberg
Therapeutic inhibition of RBM20 improves diastolic function in a murine heart failure model und human engineered heart tissue, Science Trans Med 2021; https://www.science.org/doi/abs/10.1126/scitranslmed.abe8952?af=R

#herzschwaeche #kardiologie #genetik #herzinsuffizienz #geriatrie #herzmuskel #herzerkrankung #medizin #medimpressions

  • Autor

    Dr. Rosalia Rutter

    Medizinjournalistin

    Dr. Rosalia Rutter ist eine freie Medizinjournalistin mit einem Studium der Ernährungswissenschaften und Biochemie an der Universität Wien. Sie verfügt über langjährige Expertise im Verfassen medizinischer Inhalte.

Zum Artikel: CRP-Wert

CRP-Wert: Was der Blutwert über Entzündungen verrät

Ihr CRP-Wert ist erhöht und Sie fragen sich, was das bedeutet? Das sogenannte C-reaktive Protein (CRP) ist ein wichtiger Entzündungswert im Blut.

Zum Artikel: Was Ihre Blutwerte über Ihre Gesundheit verraten

Was Ihre Blutwerte über Ihre Gesundheit verraten

Viele Menschen lassen regelmäßig Blut abnehmen und verstehen die Ergebnisse danach kaum. Die Zahlen, Abkürzungen und Referenzwerte am Befund sind ohne ärztliche Erklärung oft schwer zu verstehen.
Oft bleibt unklar, was die einzelnen Werte wirklich über die eigene Gesundheit aussagen.

Zum Artikel: Smartphone-Sucht: Famile auf der Couch; jeder mit seinem Smartphone

Smartphone-Sucht: Anzeichen erkennen und Konzentration zurückgewinnen

Smartphones sind aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Gleichzeitig kann die ständige Verfügbarkeit von Nachrichten, Reizen und neuen Inhalten dazu führen, dass das Gehirn immer wieder nach schneller Ablenkung sucht.

Zum Artikel: Kieferorthopädische Behandlungen

Kieferorthopädische Behandlungen

Univ.-Prof. DDr. med. Erwin Jonke beantwortet in dieser Experten-Sprechstunde Fragen zum Thema kieferorthopädische Behandlungen.