Skip to main content
CT-Scan des Gehirns
Foto:Markov.Sergei/Shutterstock

Schlaganfall: Kombinationstherapie besser als Monotherapie

Häufigste Ursache eines Schlaganfalls ist ein Blutgerinnsel, welches ein Hirngefäß verschließt (ischämischen Schlaganfall). Durch das Gerinnsel werden Gehirnzellen ungenügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und sterben ab. Um bleibende Schäden oder im schlimmsten Fall den Tod der betroffenen Person zu verhindern, muss ein Thrombus so schnell wie möglich entfernt werden.
Die Akutbehandlung besteht derzeit aus zwei Maßnahmen: der Thrombolyse (Lyse-Therapie) und der Thrombektomie. Bei ersterer wird Schlaganfall-Patienten eine Substanz verabreicht, die das Blutgerinnsel auflösen soll, bei zweiterer erfolgt die Entfernung des Gerinnsels auf mechanischem Weg mit sogenannten Kathetern.

Meist erhalten Patienten bei denen eine Thrombektomie durchgeführt wird, zuvor eine Lyse-Therapie, die aber ein erhöhtes Blutungsrisiko mit sich bringt. Ob das kombinierte Vorgehen bessere Ergebnisse zeitigt als eine alleinige Thrombektomie ist nicht eindeutig geklärt – jüngst durchgeführte internationale Studien kommen hier zu widersprüchlichen Schlüssen. Jetzt wurden die Ergebnisse einer neuen internationalen Studie präsentiert. Diese zeigt eindeutig, dass sich mit der alleinigen Thrombektomie weniger gute Ergebnisse erzielen lassen als mit dem kombinierten Vorgehen.

Für die Studie wurden von 2017 bis 2021 an 48 verschiedenen Schlaganfallzentren in Europa und Kanada 408 PatientInnen mit einem akuten Hirnschlag rekrutiert. Die Hälfte der Studienteilnehmer erhielt eine alleinige Thrombektomie und die andere Hälfte eine Kombinationstherapie. Mit der Kombinationstherapie konnte bei 96 Prozent der Betroffenen die Durchblutung wiederhergestellt werden, mit der Monotherapie dagegen nur bei 91 Prozent. Die Rate der PatientInnen, die drei Monate nach dem Hirnschlag wieder unabhängig leben konnten, betrug unter der Kombinationstherapie 65 Prozent, bei Studienteilnehmenden mit alleiniger Thrombektomie 57 Prozent. Das befürchtete Risiko einer Hirnblutung war unter der Kombinationstherapie nicht signifikant höher als bei der alleinigen Thrombektomie (3 Prozent vs. 2 Prozent).

Als nächsten Schritt planen die Forschenden ein Therapieverfahren zu testen, bei dem kleine Dosen eines thrombolytisch wirksamen Medikaments nach einer Thrombektomie verabreicht werden. Möglicherweise lässt sich damit der Grad der Beeinträchtigung nach einem Schlaganfall weiter reduzieren.

Referenz:
Universität Bern
Thrombectomy alone versus intravenous alteplase plus thrombectomy in patients with stroke: an open-label, blinded-outcome, randomised non-inferiority trial, Lancet 2022; https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(22)00537-2/fulltext?s=08

#schlaganfall #lyse #thrombektomie #hirninfarkt #kombinationstherapie #thrombolyse #chirurgie #medizin #forschung #wissenschaft #gesundheit

  • Autor

    Dr. Rosalia Rutter

    Medizinjournalistin

    Dr. Rosalia Rutter ist eine freie Medizinjournalistin mit einem Studium der Ernährungswissenschaften und Biochemie an der Universität Wien. Sie verfügt über langjährige Expertise im Verfassen medizinischer Inhalte.

Zum Artikel: HPV-FAQ-Seite

HPV-FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Infektionen mit HPV (Humane Papillomviren) sind weltweit sehr häufig. Viele Infektionen bleiben unbemerkt oder es kommt erst Jahre später zu Symptomen. Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zur Übertragung von HPV, der HPV-Impfung und Symptomen.

Zum Artikel: HPV-Diagnose: Welche Tests es gibt und wie HPV festgestellt wird

HPV-Diagnose: Welche Tests es gibt und wie HPV festgestellt wird

Lange Zeit war der klassische Pap-Abstrich das wichtigste Werkzeug der HPV-Vorsorge. Heute gibt es zusätzlich hochpräzise HPV-Tests, die das Virus direkt auf DNA-Ebene nachweisen, sowie moderne Kombinationsverfahren.

Zum Artikel: Halsschmerzen - Ursachen, Symptome und Behandlung

Halsschmerzen - Ursachen, Symptome und Behandlung

Halsschmerzen können viele Ursachen haben und treten häufig zusammen mit Schluckbeschwerden, Heiserkeit oder Kopfschmerzen auf. In vielen Fällen werden sie durch Virusinfektionen wie eine Erkältung oder Grippe ausgelöst, aber auch bakterielle Infekte oder reizende Stoffe können dahinterstecken.

Zum Artikel: HPV beim Mann: Arzt erklärt einem männlichen Patienten den Befund

HPV bei Männern

HPV betrifft nicht nur Frauen - auch Männer infizieren sich häufig, meist ohne es zu bemerken. Schätzungen zufolge infizieren sich bis zu 80 % aller sexuell aktiven Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit HPV. Die Infektion verläuft meist unbemerkt und bleibt oft lange unentdeckt.