Skip to main content
Gehirn
Foto:Jolygon/shutterstock.com

Mentale Verarbeitungsgeschwindigkeit ändert sich kaum

Je älter wir werden, desto langsamer reagieren wir auf externe Reize. So lautet die gängige Annahme. Um diese These zu überprüfen, werteten Wissenschaftler Daten aus einer groß angelegten amerikanischen Studie neu aus. In dem Online-Experiment mit über einer Million Teilnehmern mussten die Probanden durch Drücken einer Taste Bilder den Kategorien „weiße“ oder „schwarze“ Personen sowie Wörter den Kategorien „gut“ oder „schlecht“ zuordnen. Die Forscher nutzten den großen Datensatz als Beispiel für eine Reaktionszeitaufgabe, bei der die Dauer kognitiver Entscheidungen gemessen wurde.

Bei der Auswertung der Daten wurde zwar festgestellt, dass die Reaktionszeiten der Probanden mit zunehmendem Alter durchschnittlich anstiegen, dieses Phänomen lässt sich aber nicht auf Veränderungen der mentalen Verarbeitungsgeschwindigkeit zurückführen. „Vielmehr sind ältere Probanden aus unserer Sicht vor allem deshalb langsamer, weil sie vorsichtiger antworten und sich mehr auf die Vermeidung von Fehlern konzentrieren“, erklärt Studienautorin Mischa von Krause, Universität Heidelberg. Gleichzeitig sinkt über den Verlauf des Erwachsenenlebens die motorische Reaktionsgeschwindigkeit: Ältere Teilnehmer brauchten länger, um die passende Taste zu drücken, nachdem sie die richtige Antwort gefunden hatten.

Erst bei Teilnehmern mit einem Alter von über 60 Jahren zeigte sich, dass auch die durchschnittliche Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung fortschreitend abnahm. „Es sieht so aus, als ob wir im Verlauf eines typischen Berufslebens keine wesentlichen Einbußen bei der mentalen Verarbeitungsgeschwindigkeit befürchten müssen“, so Krause. Gezeigt hat sich aber, dass es unter den Probanden in allen Altersgruppen Menschen mit hoher und niedriger mentaler Verarbeitungsgeschwindigkeit gab.

Referenz:
Universität Heidelberg
Mental speed is high until age 60 as revealed by analysis of over a million participants, Nature Human Behaviour 2022; https://www.nature.com/articles/s41562-021-01282-7

#gehirn #alter #geriatrie #neurologie #verarbeitungsgeschwindigkeit #hirnleistung #informationsverarbeitung #medizin #medimpressions

  • Autor

    Dr. Rosalia Rutter

    Medizinjournalistin

    Dr. Rosalia Rutter ist eine freie Medizinjournalistin mit einem Studium der Ernährungswissenschaften und Biochemie an der Universität Wien. Sie verfügt über langjährige Expertise im Verfassen medizinischer Inhalte.

Zum Artikel: Frau mit Petechien auf dem Oberschenkel

Thrombozytopenie: Ursachen, Symptome und wann es gefährlich wird 

Von einer Thrombozytopenie sprechen Ärzt:innen, wenn die Zahl der Thrombozyten im Blut zu niedrig ist. Dieser Artikel erklärt, ab wann Thrombozytenwerte als zu niedrig gelten, welche Ursachen möglich sind und wann eine eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

Zum Artikel: Blutproben in einem Labor

Thrombozytose: Ursachen, Symptome und Behandlung

Von einer Thrombozytose sprechen Ärzt:innen, wenn die Zahl der Thrombozyten im Blut zu hoch ist. Ein erhöhter Wert ist aber nicht automatisch gefährlich. Dieser Artikel erklärt, ab wann Thrombozytenwerte als zu hoch gelten, welche Ursachen möglich sind und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

Zum Artikel: Frau nach dem Blutspenden / Thrombozyten

Thrombozyten: Funktion, Normalwerte und was Abweichungen bedeuten

Ein auffälliger Thrombozytenwert ist zunächst ein Hinweis, keine Diagnose. Ob er medizinisch bedeutsam ist, hängt davon ab, wie stark der Wert verändert ist, ob Beschwerden bestehen und ob auch andere Blutwerte auffällig sind. Dieser Artikel erklärt welche Aufgabe Thrombozyten im Körper haben und welche Werte als normal gelten.

Zum Artikel: Bluthochdruck bei Kindern: Werte, Ursachen und Therapie

Bluthochdruck bei Kindern: Werte, Ursachen und Therapie

Bluthochdruck betrifft heute immer häufiger auch die Jüngsten. Das Tückische daran: Da chronisch erhöhte Werte meist jahrelang keine spürbaren Beschwerden verursachen, bleibt Bluthochdruck bei Kindern oft unentdeckt. Das kann schwerwiegende Folgen für das spätere Leben haben.