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Alzheimer Herpesviren
Foto: SewCream/shutterstock

Gängige Viren könnten Alzheimer auslösen

Alzheimer bleibt anfangs oft lange unerkannt. Was die Erkrankung auslöst, bleibt oftmals ein Rätsel. Nun haben ForscherInnen herausgefunden, dass Herpesviren die Entstehung von Alzheimer anstoßen können.

WissenschafterInnen der der Tufts University (USA) und der University of Oxford (UK) haben in einem 3-D-Modell des menschlichen Gehirns gezeigt, dass die weit verbreiteten Varizella-zoster-Viren (VZV) Herpes-simplex-Viren (HSV) aktivieren können, die in Folge Alzheimer anstoßen können.

VZV, die zu den Herpesviren zählen, lösen im Menschen Windpocken und Gürtelrose (Herpes zoster) aus. HSV, hier vor allem Typ 1, sind Auslöser für Fieberbläschen. Beide Viren bleiben nach einer Infektion latent im Körper. Das heißt, dass sie in einer Art Ruhezustand im Körper verharren, bis sie sich wieder aktivieren, wenn das Immunsystem gerade geschwächt ist. Wird HSV-1, das in den Neuronen des Gehirns schlummert, nun reaktiviert, führt das zu einer Anhäufung der Proteine Tau und Beta-Amyloid sowie zu einem Verlust der neuronalen Funktion – typische Vorgänge bei PatientInnen mit Alzheimer.

Dass HSV-1 eine Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielt war schon länger bekannt. Ein Zusammenhang zwischen Alzheimer und VZV wurde bisher vermutet. Man wusste allerdings nicht, welche Vorgänge die Viren im Körper auslösen, um die Krankheit anzustoßen.

Im 3-D-Modell zeigte sich nun, dass eine Infektion allein mit VZV nicht zur Bildung der für Alzheimer typischen Proteine führt. Sind die Zellen allerdings bereits mit HSV-1 infiziert, können sie durch VZV reaktiviert werden und so die Produktion von Tau- und Beta-Amyloid-Proteinen dramatisch erhöhen.

„Das ist ein Doppelschlag von sehr häufigen und für gewöhnlich harmlosen Viren. Die Laboruntersuchungen zeigen aber, dass die Reaktivierung von HSV-1 durch VZV große Probleme hervorrufen kann“, fasst Dana Cairns von der Tufts University zusammen. Die Studie wurde im Journal of Alzheimer’s Disease veröffentlicht.

Auch andere Infektionen und Risikofaktoren wie Hirntraumen, Übergewicht und Alkoholkonsum stehen unter Verdacht, mit der Reaktivierung von HSV im Gehirn in Zusammenhang zu stehen.

In den jetzigen Untersuchungen haben die ForscherInnen beobachtet, dass Proben, die mit VZV infiziert waren, mehr Zytokine produzieren. Das sind Proteine, die häufig zu Entzündungen führen. David Kaplan, Tufts University, erklärt, dass Varizella-zoster-Viren dafür bekannt sind, Entzündungen im Gehirn hervorzurufen, die möglicherweise zu der Aktivierung von dort schlummernden HSV führen. Wiederholte HSV-Reaktivierungen führen zu mehr Entzündungen im Gehirn, einer erhöhten Produktion von Plaques und zu höheren neuronalen und kognitiven Schäden.

Großer Nutzen der Impfung gegen Windpocken

Eine Impfung gegen Varizella-zoster-Viren, um Windpocken und Gürtelrose zu vermeiden, verringert auch das Demenzrisiko deutlich. Es könnte sein, dass die Impfung hilft, die Spirale aus Reaktivierung der Viren, Entzündung und neuronalem Schaden zu stoppen.

Die WissenschafterInnen weisen auch auf die Langzeitfolgen einer Covid-Infektion auf das Nervensystem hin. Sowohl VZV als auch HSV können nach einer derartigen Infektion reaktiviert werden. Es wäre ratsam, kognitive Folgeschäden und neurodegenerative Erkrankungen im Auge zu behalten, so die ForscherInnen.

Viren in der Warteschleife

Laut Zahlen der WHO sind etwa 3,9 Milliarden Menschen unter 50 Jahren weltweit mit HSV-1 infiziert. In den meisten Fällen bleibt es asymptomatisch und schlummert in den Nervenzellen. Wird es aktiviert, wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann es Entzündungen der Nerven und der Haut hervorrufen. Dies löst die schmerzhaften Fieberbläschen aus.

VZV ist ebenfalls ein extrem weit verbreitetes Virus. Rund 95 Prozent der unter-20-Jährigen sind infiziert und hatten Windpocken. Auch dieses Virus schlummert in den Nervenzellen. Eine/r von drei Infizierten bekommt im späteren Leben eine Gürtelrose, wenn sich das Virus wieder reaktiviert.

  • Autor

    Mag. Simone Peter-Ivkic

    Medizinjournalistin

    Simone Peter-Ivkic ist seit 2011 als freie Medizinjournalistin tätig. Sie hat Anglistik und Publizistik an der Universität Wien studiert und fand anschließend ihre Leidenschaft für medizinische Themen.

Cairns DM et al., Potential Involvement of Varicella Zoster Virus in Alzheimer’s Disease via Reactivation of Quiescent Herpes Simplex Virus Type 1, J Alzheimers Dis. 2022 Jun 20. doi: 10.3233/JAD-220287. Online ahead of print.

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