Skip to main content
Kommunikation von Nervenzellen
Foto: Billion Photos/shutterstock

Die (geheime) Kommunikation von Nervenzellen

Wie viele „Mithörer“ eine Nervenzelle im Gehirn hat, wird streng reguliert, zeigt eine internationale Studie. Auch Nervenzellen im Gehirn kommunizieren also hinter vorgehaltener Hand miteinander. 

Die Informationsübertragung zwischen Neuronen erfolgt meist auf chemischem Wege: Auf ein elektrisches Signal hin schüttet die „Sender-Zelle“ einen Neurotransmitter aus; häufig Glutamat-Moleküle. Diese wandern durch den synaptischen Spalt zur Empfänger-Zelle. Dort docken sie an und erzeugen im Empfänger-Neuron eine elektrische Reaktion.

Doch die Nervenzellen im Gehirn sind sehr dicht gepackt. Es besteht also die Gefahr, dass die Moleküle nicht nur bestimmte Neuron erreichen, sondern auch andere Neuronen in der Nachbarschaft reizen. Hier kommt die „vorgehaltene Hand“ ins Spiel: Spezialisierte Zellen im Gehirn, die Astrozyten, nehmen nämlich das ausgeschüttete Glutamat rasch wieder auf und schirmen die Kommunikation ab. Dazu entsenden sie Fortsätze in die Nähe von Synapsen, die sogenannten perisynaptischen Astrozytenfortsätze (PAPs). PAPs verfügen über spezialisierte Transporter, die wie kleine Staubsauger das Glutamat um die Synapsen entfernen. 

Wie effektiv dieser Mechanismus funktioniert, wird streng reguliert: PAPs ziehen sich bei gewissen Lernprozess zurück. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass benachbarte Zellen ebenfalls angeregt werden: die Signalübertragung wird weniger exklusiv. An manchen Synapsen scheint die Kommunikation per se weniger diskret zu sein. In einer weiteren Studie wurde gezeigt, dass Senderzellen ihr Glutamat oft in der Nähe bestimmter Strukturen aussenden, die lückenhafter kontrolliert werden, so dass es in deren Nachbarschaft häufiger zur Erregung weiterer Nervenzellen kommt. 

Referenzen:
UCL; Universität Bonn; Universität Bordeaux; Universität Milton Keynes, UK; 

LTP induction boosts glutamate spillover by driving withdrawal of perisynaptic astroglia; Neuron; DOI: https://doi.org/10.1016/j.neuron.2020.08.030; Local efficacy of glutamate uptake decreases with synapse size; Cell Reports; DOI: https://doi.org/10.1016/j.celrep.2020.108182

  • Autor

    Dr. Rosalia Rutter

    Medizinjournalistin

    Dr. Rosalia Rutter ist eine freie Medizinjournalistin mit einem Studium der Ernährungswissenschaften und Biochemie an der Universität Wien. Sie verfügt über langjährige Expertise im Verfassen medizinischer Inhalte.

Zum Artikel: Kind hüpft im Bett

ADHS - Ursachen, Risikofaktoren und Behandlung

Die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, betrifft Menschen jeden Alters. Die Hauptsymptome von ADHS sind Unaufmerksamkeit, übermäßige Aktivität und Impulsivität. Diese Symptome können sich in verschiedenen Lebensbereichen wie der Schule oder dem Beruf negativ auswirken.

Zum Artikel: Silent Inflammation: Frau liegt erschöpft auf der Couch

Stille Entzündungen im Körper: Symptome, Ursachen und Behandlung

Stille Entzündungen verursachen keine Schmerzen und zeigen sich auch nicht durch Rötungen oder Schmerzen. Deshalb bleiben sie oft unbemerkt. Welche Rolle Ernährung, Stress und Lebensstil dabei spielen und was Sie selbst tun können, um chronischen Entzündungen vorzubeugen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Zum Artikel: Schlaflosigkeit: schlaflose Frau mit Uhr in der Nacht im Bett

Schlafmangel: Warum zu wenig Schlaf krank machen kann

Eine kurze Nacht macht sich schnell bemerkbar: Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Reizbarkeit sind typische Folgen. Doch Schlafmangel beeinflusst auch Herz, Stoffwechsel, Immunsystem und Hormonhaushalt. Hält er länger an, kann das Risiko für verschiedene Erkrankungen steigen.

Zum Artikel: Schlaftracking: Mann schläft mit Smartwatch und Smartphone

Schlaftracker im Check: Können Smartwatch, Ring und Apps den Schlaf verbessern?

Schlaftracker gehören heute für viele Menschen zum Alltag und versprechen detaillierte Einblicke in den eigenen Schlaf.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie Schlaftracker funktionieren, welche Messwerte tatsächlich aussagekräftig sind, wo die Grenzen der Geräte liegen und für wen Schlaftracking sinnvoll sein kann.