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Digital Detox
Foto: Tatiana Diuvbanova/shutterstock

Digital Detox: So reduzieren Sie Bildschirmzeit und Handystress

Unser Gehirn ist nicht für die ständige Flut digitaler Reize ausgelegt. Die Folgen können Stress, Schlafmangel und eine nachlassende Aufmerksamkeitsspanne sein. Doch wie lässt sich der Kreislauf aus ständiger Bildschirmnutzung und kurzfristigen Belohnungsreizen durchbrechen? Wir blicken hinter die Mechanismen und zeigen Ihnen praxistaugliche Strategien für einen Digital Detox, der sich nachhaltig in den Alltag integrieren lässt.

Zusammenfassung

Digital Detox

Definition: bewusster Verzicht auf die Nutzung digitaler Geräte wie Smartphones, Computer und Tablets sowie den Konsum von sozialen Medien

Zeichen digitaler Abhängigkeit: Kontrollverlust, Toleranzentwicklung, Entzugserscheinungen, Interessenverlust, sozialer Rückzug

Vorteile von Digital Detox: Gesteigerte Konzentration, besseres Gedächtnis, gesteigerte Kreativität, weniger Stress, mehr emotionale Stabilität, körperliche Erholung (Schlaf, Nacken, Schultern, Augen), soziale Vorteile

Methoden: Komplettverzicht vs Reduktion (Parallele Fasten: kurzfristige Diät vs langfristige Ernährungsumstellung)

Professionelle Hilfe notwendig bei: Erfolgloser Entzug, Entzugserscheinungen, wenn man offline ist, Vernachlässigung, Isolation und Flucht

Was ist Digital Detox?

Digital Detox (digitales Entgiften) bezeichnet den bewussten Verzicht auf digitale Geräte wie Smartphones, Computer oder Tablets sowie auf soziale Medien – entweder für einen bestimmten Zeitraum oder in festgelegten Situationen. Ziel ist es, den Stresspegel zu senken, die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und die Aufmerksamkeit wieder stärker auf das reale Leben zu richten.

Wann ist Digital Detox sinnvoll?

Digital Detox ist immer dann sinnvoll, wenn die Nutzung digitaler Medien nicht mehr als bereichernd empfunden wird, sondern zur Belastung wird. Hinweise darauf können etwa Gereiztheit bei fehlender Internetverbindung oder leerem Akku, Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme sein. Da wir digitale Technologien häufig unbewusst nutzen, werden solche negativen Auswirkungen jedoch oft erst zeitverzögert bemerkt.

Wann ist die Handynutzung problematisch? Zeichen digitaler Abhängigkeit

Die Grenze zwischen intensiver Nutzung und einer problematischen Abhängigkeit (oft als Smartphone-Addiction bezeichnet) ist fließend. Kritisch wird es vor allem dann, wenn die Kontrolle über das Nutzungsverhalten verloren geht und negative Konsequenzen im Alltag zunehmend ignoriert werden.

Zu den psychologischen Warnzeichen einer beginnenden oder bestehenden Abhängigkeit zählen:

  • Kontrollverlust: Eigentlich möchte man nur kurz eine Nachricht checken – zwei Stunden später scrollt man immer noch. Wenn das regelmäßig passiert, kann das ein Warnsignal sein.
  • Toleranzentwicklung: Es braucht immer mehr Zeit am Handy oder immer stärkere Reize (mehr Likes, schnellere Spiele, neue Inhalte), um dieselbe Befriedigung zu erleben.
  • Entzugsähnliche Reaktionen: Ist das Handy nicht verfügbar (kein Akku, kein Netz oder bewusster Verzicht), können Unruhe, Nervosität oder Gereiztheit auftreten.
  • Interessenverlust: Hobbys, Sport oder soziale Treffen werden vernachlässigt oder nur noch dann als interessant erlebt, wenn das Smartphone dabei ist.

Was bringt Digital Detox?

Digital Detox wirkt wie eine „Diät für den Geist“: Anfangs kann der Verzicht herausfordernd sein, oft verbunden mit einem starken Informationsdrang. Bereits nach kurzer Zeit berichten viele jedoch, dass sie sich klarer, wacher und selbstbestimmter fühlen. Hintergrund ist ein Entlastungs- und Erholungsprozess des Gehirns, der sich positiv auf Wahrnehmung und Wohlbefinden auswirken kann.

Konkrete Vorteile eines Digital Detox können sein:

  • Gesteigerte Konzentration: Ohne ständige Ablenkungen fällt es leichter, in einen „Flow-Zustand“ zu gelangen und sich länger und tiefer auf Aufgaben zu konzentrieren.
  • Besseres Gedächtnis: Ein bewussterer Umgang mit digitalen Medien kann dazu beitragen, Informationen wieder stärker selbst zu verarbeiten und zu speichern.
  • Mehr Kreativität: Wenn weniger Zeit mit Scrollen verbracht wird, entsteht Raum für Tagträume und kreative Problemlösungen.
  • Weniger Stress: Ohne permanente Reizüberflutung und Erwartungsdruck kann das Stressempfinden sinken.
  • Emotionale Stabilität: Der ständige (oft unbewusste) Vergleich mit idealisierten Darstellungen in sozialen Medien nimmt ab – das kann das Selbstwertgefühl stärken.
  • Bessere Erholung: Viele Menschen schlafen leichter ein und berichten von einer verbesserten Schlafqualität. Auch Nacken, Schultern und Augen werden entlastet.
  • Soziale Vorteile: Gespräche werden präsenter erlebt, und Erlebnisse rücken wieder stärker in den Moment statt in die digitale Dokumentation.
Digital Detox: Frau liest ein Buch und Smartphone ist in einem Korb weit weg
Foto: Syda Productions/shutterstock

Komplett verzichten oder reduzieren?

Ob ein kompletter Verzicht oder eine Reduktion sinnvoller ist, hängt davon ab, ob ein akutes Problem gelöst oder langfristig das Nutzungsverhalten verändert werden soll. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung und lassen sich gut mit dem Vergleich von „Fasten“ und „Ernährungsumstellung“ erklären.

  • Komplettverzicht (Reset): Gewohnheiten werden bewusst und radikal unterbrochen, wodurch ein starker Erholungseffekt entstehen kann. Diese Methode eignet sich besonders bei hohem Stress oder starkem Kontrollverlust im Umgang mit digitalen Medien. Allerdings ist sie im Alltag schwerer umzusetzen und kann mit einem erhöhten Rückfallrisiko (JoJo-Effekt) verbunden sein.
  • Reduktion: Hier wird ein langfristig nachhaltiger Umgang mit digitalen Medien aufgebaut. Durch klare Regeln – etwa handyfreie Abende – lässt sich der Alltag stabil gestalten. Gleichzeitig erfordert dieser Ansatz kontinuierliche Selbstregulation, da digitale Reize weiterhin verfügbar bleiben.

Viele Expert:innen empfehlen, mit einem 48-stündigen Digital-Reset zu beginnen, um Abstand zu gewinnen, und darauf aufbauend individuelle Regeln für eine dauerhafte Reduktion zu entwickeln.

Digital Detox vorbereiten: Bildschirmzeit überprüfen

Ein effektiver Digital Detox beginnt mit einer ehrlichen Analyse der eigenen Bildschirmzeit.

  • Rufen Sie zunächst Ihre Nutzungsdaten ab und prüfen Sie, wie viel Zeit Sie tatsächlich am Bildschirm verbringen. Beide großen Betriebssysteme bieten dafür integrierte Funktionen:
    • iOS (iPhone): Einstellungen → Bildschirmzeit
    • Android: Einstellungen → Digitales Wohlbefinden & Kindersicherung
  • Gehen Sie anschließend über die Gesamtzeit hinaus ins Detail:
    • Top-Apps: Welche drei Anwendungen beanspruchen die meiste Zeit? Handelt es sich um produktive Nutzung oder eher um Zeitvertreib (z. B. TikTok, Instagram)?
    • Geräteaktivierungen (Pickups): Wie oft greifen Sie pro Tag zum Smartphone? Werte über 50–80 können auf sehr häufige, teilweise unbewusste Check-Impulse hinweisen.
    • Benachrichtigungen: Welche Apps senden die meisten Push-Mitteilungen? Diese sind häufig zentrale Auslöser für Ablenkung.
  • Ergänzend kann ein analoges Medientagebuch über drei bis fünf Tage hilfreich sein. Notieren Sie dabei jede Nutzung:
    • Wann? (Uhrzeit)
    • Was? (App oder Website)
    • Warum? (Langeweile, Stress oder konkrete Aufgabe?)
    • Gefühl danach? (Zufrieden, leer, gestresst?)

Nach einigen Tagen wird meist deutlich, welche digitalen Anwendungen unbewusst viel Zeit binden und welche tatsächlich einen Mehrwert bieten. Das erleichtert den anschließenden Digital Detox spürbar.

7-Tage-Challenge für weniger Handyzeit

So könnte ein einwöchiger Plan aussehen, mit dem Sie Ihre Smartphone-Nutzung Schritt für Schritt deutlich reduzieren:

Tag 1: Aufräumen

  • Push-Benachrichtigungen deaktivieren (außer Anrufe und SMS).
  • Nicht genutzte Apps löschen (Faustregel: seit einem Monat ungenutzt).
  • Social-Media-Apps vom Startbildschirm entfernen und in einen Ordner verschieben.

Tag 2: Handyfreie Zonen schaffen

  • Smartphone beim Essen und im Schlafzimmer konsequent weglassen.
  • Einen analogen Wecker nutzen, damit das Handy nicht als Wecker neben dem Bett liegt.

Tag 3: Morgenroutine verändern

  • Erste 60 Minuten nach dem Aufstehen ohne Smartphone (oder im Flugmodus).
  • Die Zeit bewusst für Frühstück, Lesen oder Tagesplanung nutzen.

Tag 4: Bewusst offline sein

  • In Wartezeiten (Bus, Supermarkt, Arzt) das Handy in der Tasche lassen.
  • Stattdessen die Umgebung aktiv wahrnehmen.

Tag 5: Digitale Abendpause

  • Eine Stunde vor dem Schlafengehen kein Smartphone mehr nutzen oder ausschalten.

Tag 6: Kommunikation bewusst gestalten

  • Bei längeren Chats lieber kurz anrufen statt schreiben.
  • Bei Treffen mit anderen das Smartphone konsequent weglegen.

Tag 7: 24-Stunden-Reset

  • Das Smartphone für einen ganzen Tag ausschalten.
  • Bewusst beobachten, in welchen Momenten der Griff zum Handy automatisch erfolgt.
Frau mit ihre Notizen
Foto: we.bond.creations/shutterstock

5 konkrete Tipps für Digital Detox im Alltag

  • Graustufen-Modus aktivieren: Stellen Sie Ihr Smartphone auf Schwarz-Weiß um. Ohne kräftige Farben verlieren Apps wie Instagram oder TikTok einen Teil ihrer visuellen Reize – das Scrollen wirkt deutlich weniger attraktiv.
  • 20-Sekunden-Regel: Schaffen Sie bewusste Distanz zum Gerät. Legen Sie das Handy in einen anderen Raum oder außer Reichweite. Schon die kleine Hürde von 20 Sekunden unterbricht oft den automatischen Griff zum Smartphone.
  • Flugmodus gezielt einsetzen: Nutzen Sie den Flugmodus nicht nur im Flugzeug, sondern auch bei konzentrierter Arbeit oder am Abend. So bestimmen Sie selbst, wann Sie erreichbar sind.
  • Analoges Notfall-Set: Halten Sie bewusst analoge Alternativen bereit, etwa ein Notizbuch oder ein Buch. Das hilft, kurze Wartezeiten ohne Smartphone zu überbrücken.
  • Feste Handy-Parkplätze: Definieren Sie einen festen Ablageort in der Wohnung, an dem das Smartphone nach dem Nachhausekommen bleibt – statt es ständig mit sich zu führen.

Typische Problemfelder bei zu viel Zeit am Smartphone und was hilft

Es gibt einige typische Muster, die bei intensiver Smartphone-Nutzung auftreten. Die folgenden Strategien helfen dabei, wieder mehr Kontrolle über das eigene Nutzungsverhalten zu gewinnen:

  • Social Media verursacht Stress: Häufig entsteht Stress durch ständigen Vergleich mit idealisierten Darstellungen anderer oder den Druck, selbst perfekt auftreten zu müssen. Das kann zu Minderwertigkeitsgefühlen und innerer Anspannung führen. Was hilft:
    • Bewusstes Entfolgen von Accounts, die ein negatives Gefühl auslösen.
    • Social Media nur in klar definierten Zeitfenstern nutzen.
    • Aktive Interaktion statt passivem Konsum (z. B. kommentieren statt nur scrollen).
  • Scrollen aus Langeweile: Wird das Smartphone als ständiger Lückenfüller genutzt, kann dies die Fähigkeit beeinträchtigen, Langeweile auszuhalten. Das kann die Kreativität beeinträchtigen. Was hilft:
    • 3-Atemzüge-Regel: Vor dem Entsperren des Handys kurz innehalten und sich fragen: „Was brauche ich gerade wirklich?“
    • Analoge Alternativen bewusst platzieren, etwa Bücher oder Rätselhefte.
    • Mikro-Abenteuer: Wartezeiten nutzen, um die Umgebung bewusst wahrzunehmen (sehen, hören, riechen).
  • Ständige berufliche Erreichbarkeit: Wenn Arbeit und Freizeit verschwimmen, bleibt das Nervensystem dauerhaft in Aktivierung, was Erholung erschwert. Was hilft:
    • Klare Trennung von Arbeits- und Privatgerät, wenn möglich.
    • Klare Kommunikation der eigenen Erreichbarkeitszeiten.
    • Nutzung von Fokus- oder Nicht-stören-Modi außerhalb der Arbeitszeit.
  • Abendliche Nutzungsspirale: Intensive Smartphone-Nutzung am Abend kann die Schlafqualität beeinträchtigen. Was hilft:
    • Smartphone außerhalb des Schlafzimmers laden.
    • Feste Abendroutine ohne Bildschirm: Ersetzen Sie das Handy durch eine beruhigende Tätigkeit (z. B. Dehnübungen, Journaling oder Hörbücher).
    • Schlafenszeit-Modus: Stellen Sie Ihr Handy so ein, dass das Display ab 21:00 Uhr automatisch auf Schwarz-Weiß schaltet. Das macht Inhalte weniger reizvoll.

Digital Detox bei Kindern und Jugendlichen

Digital Detox ist bei Kindern und Jugendlichen besonders sensibel, da sich ihr Gehirn noch in der Entwicklung befindet und das Belohnungssystem stark auf digitale Reize reagiert. Ein zu strenger oder plötzlicher Verzicht führt häufig zu Widerstand. Nachhaltiger ist ein Ansatz, der Begleitung statt Verbote in den Mittelpunkt stellt.

Mögliche Strategien für Eltern und Erzieher:innen:

  • Vorbildfunktion: Kinder orientieren sich stark am Verhalten der Eltern. Wer selbst beim Essen am Smartphone ist, verliert an Glaubwürdigkeit. Hilfreich ist ein gemeinsamer „Handy-Parkplatz“ für die ganze Familie.
  • Gemeinsame Regeln statt Verbote: Mediennutzungsvereinbarungen sollten gemeinsam erarbeitet werden. Dabei werden Nutzungszeiten, erlaubte Inhalte und mögliche Konsequenzen gemeinsam festgelegt.
  • Begleiteter Digital Detox: Statt reiner Verbote helfen „analoge Inseln“ im Alltag – also Aktivitäten ohne Bildschirm, die positiv erlebt werden, sodass Verzicht nicht als Verlust wahrgenommen wird.
  • Technische Unterstützung mit Transparenz: Kindersicherungen können sinnvoll eingesetzt werden, etwa über iOS „Familienfreigabe“ und App-Limits oder Android „Google Family Link“. Wichtig ist, dies offen zu kommunizieren.
Smartphone-Sucht: Frau abens im Bett mit Smartphone
Foto: New Africa/shutterstock.com

Wann sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen?

Professionelle Hilfe ist notwendig, wenn die Selbstkontrolle nicht mehr funktioniert und der Alltag zunehmend beeinträchtigt wird. Die wichtigsten Warnsignale sind:

  • Erfolgloser Entzug: Man schafft es trotz massiver Probleme (z. B. im Job oder in Beziehungen) nicht, die Nutzungszeit zu reduzieren.
  • Entzugsähnliche Reaktionen: Aggression, Panik oder starke Niedergeschlagenheit, wenn man offline ist.
  • Vernachlässigung: Man schläft kaum noch, isst unregelmäßig oder vernachlässigt die Körperhygiene.
  • Isolation: Reale Kontakte werden zunehmend durch digitale ersetzt; Schule oder Arbeit werden geschwänzt.
  • Fluchtverhalten: Das Smartphone ist die einzige Strategie, um mit negativen Gefühlen umzugehen.

Anlaufstellen in diesen Fällen sind Suchtberatungsstellen (Spezialgebiet Mediensucht), Hausärzt:innen oder Psychotherapeut:innen sowie Fachportale oder spezialisierte Universitätskliniken.

Hilfreiche Apps und Einstellungen

Neben Verhaltensänderungen können auch digitale Werkzeuge helfen, die eigene Smartphone-Nutzung zu reduzieren. Besonders wirksam sind dabei bestehende Systemfunktionen und gezielt eingesetzte Apps:

  • Systemeinstellungen zuerst nutzen: Bevor zusätzliche Apps installiert werden, lohnt sich der Blick auf die integrierten Funktionen des Smartphones.
  • Fokus-Modi (iOS & Android):
    • Erstellen Sie Profile wie „Arbeit“ oder „Zeit für mich“ und legen Sie fest, welche Personen und Apps erreichbar sind.
    • App-Limits: Begrenzen Sie in „Bildschirmzeit“ (iOS) oder im „Digitalen Wohlbefinden“ (Android) die Nutzungsdauer für besonders zeitintensive Apps wie TikTok oder Instagram (z. B. 30 Minuten pro Tag).
    • Schlafenszeit-Modus: Aktivieren Sie abends automatisch den Fokusmodus und – wenn gewünscht – Graustufen, um die Reizwirkung des Displays zu reduzieren.
  • Motivations-Apps als Unterstützung: Einige Apps nutzen verhaltenspsychologische Ansätze, um die Nutzung zu reduzieren:
    • Forest (Fokus-Timer): Wenn Sie sich konzentrieren wollen, pflanzen Sie einen digitalen Baum. Verlassen Sie die App, um zu scrollen, stirbt der Baum. Über die Zeit erschafft man einen ganzen Wald.
    • OneSec: Baut eine kurze Verzögerung (1–5 Sekunden) vor dem Öffnen von Social Media ein und hilft so, impulsives Verhalten zu unterbrechen.
    • StayFree / Quality Time: Analysieren die Nutzung detailliert und ermöglichen harte App-Limits.
    • Minimalist Phone: Reduziert die Benutzeroberfläche auf eine stark vereinfachte, textbasierte Darstellung und senkt so den visuellen Reiz.
  • „Der Notfall-Hack“:
    • Beschränken Sie Mitteilungen auf echte soziale Kommunikation (Anrufe, persönliche Nachrichten).
    • Deaktivieren Sie konsequent automatische Pushs von News, Shops oder Apps, die nur Aufmerksamkeit erzeugen sollen.

FAQ

Digital Detox bewirkt vor allem eine Neuverdrahtung des Belohnungssystems und gibt einem die Kontrolle über die Aufmerksamkeit zurück. Die wichtigsten Effekte sind eine bessere Konzentrationsfähigkeit, besserer Schlaf, weniger Stress, mehr Zeit und mentale Freiheit.

Ja, denn Digital Detox gibt der Psyche den nötigen Raum, um Reize zu verarbeiten, statt sie nur zu konsumieren. Das Sinken des Cortisolspiegels reduziert das Gefühl der Daueranspannung und die Angst, etwas zu verpassen (FOMO). Studien zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen reduzierter Bildschirmzeit und einer Abnahme von depressiven Symptomen. Man wird unabhängiger von externer Bestätigung (Likes/Kommentare) und findet zu innerer Ruhe zurück. Man nimmt den gegenwärtigen Moment und die eigenen Bedürfnisse wieder klarer wahr.

Ja, Digital Detox ist einer der effektivsten Hebel für eine bessere Schlafqualität: Ohne das blaue Licht der Displays produziert der Körper das Schlafhormon Melatonin wieder natürlich und rechtzeitig. Das Gehirn wird nicht durch neue Informationen (News, Social Media) in den Wach-Modus versetzt. Die Schlafzyklen sind stabiler, da das Unterbewusstsein weniger digitale Reize verarbeiten muss, und man vermeidet ewiges Scrollen trotz Müdigkeit und Cortisol-Ausschüttungen durch aufwühlende Inhalte.

Der Hauptunterschied liegt im Umfang des Verzichts: Während Digital Detox den Verzicht auf alle digitalen Geräte (Smartphone, Laptop, Tablet, TV, Gaming) umfasst, bedeutet Social Media Detox den gezielten Verzicht auf soziale Netzwerke (Instagram, TikTok, X, etc.). Andere Funktionen wie Navigation, Musik-Streaming oder berufliche E-Mails bleiben oft erlaubt.

Gegen das „Doomscrolling“ aus Langeweile helfen diese schnellen Strategien:

  • Die 3-Atemzüge-Pause: Atmen Sie dreimal tief durch, bevor Sie das Handy entsperren, und fragen Sie sich: „Was brauche ich gerade wirklich?“
  • Die 20-Sekunden-Hürde: Legen Sie das Handy in einen anderen Raum. Der physische Weg bricht den automatischen Reflex.
  • OneSec-App: Installieren Sie eine App, die eine Atempause erzwingt, bevor sich Instagram & Co. öffnen.
  • Analoge Alternativen: Platzieren Sie ein Buch oder ein Rätselheft dort, wo Sie oft scrollen.
  • Handy-Parkplatz: Geben Sie dem Handy einen festen Ort in der Wohnung, statt es als „Körperteil“ überallhin mitzunehmen.

Die Handynutzung wird problematisch, wenn sie zur Belastung statt zum Werkzeug wird. Typische Anzeichen dafür sind: Kontrollverlust, Vernachlässigung von Pflichten (Arbeit, Schule), Hobbys oder Körperhygiene, sozialer Rückzug, Entzugssymptome, chronischer Schlafmangel, Nackenschmerzen oder Augenprobleme.

  • Autor

    Mag. Gabriele Vasak

    Medizinjournalistin

    Gabriele Vasak ist seit 2019 freie Journalistin in der DocFinder-Redaktion. Ihr besonderes Interesse liegt schon lange im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Im Jahr 2006 wurde sie mit dem Medienpreis für Gesundheitsförderung & Prävention des Fonds Gesundes Österreich ausgezeichnet, und 2009 erhielt sie den Prälat Leopold Ungar Journalistinnen Anerkennungspreis.

Brailovskaia J et al: Less smartphone and more physical activity for a better work satisfaction, motivation, work-life balance, and mental health: An experimental intervention study (2024)
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39276445/, Abruf Mai 2026

Setia S et al: Digital Detox Strategies and Mental Health: A Comprehensive Scoping Review of Why, Where, and How. Cureus. 2025 Jan 30
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40026988/, Abruf Mai 2026

Marciano L et al: Digital Detox and Well-Being. Pediatrics. 2024 Oct 1;154(4)
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39285845/, Abruf Mai 2026

https://www.saferinternet.at/fileadmin/categorized/Materialien/Digital_Detox_Box.pdf, Abruf Mai 2026

Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und
Konsumentenschutz (BMASGPK) (Hg.): Süchtig nach digitalen Welten, Broschüre 2025. https://broschuerenservice.sozialministerium.gv.at/Home/Download?publicationId=685, Abruf Mai 2026

https://www.sozialministerium.gv.at/Themen/Gesundheit/Drogen-und-Sucht/Verhaltenssüchte/Mediensucht.html, Abruf Mai 2026

https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/sucht/internetsucht.html, Abruf Mai 2026

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