Psychose

Psychose

Stand: Januar 2021

Unter dem Begriff „Psychose“ werden verschiedene schwerwiegende psychische Störungen zusammengefasst, denen gemeinsam ist, dass die Betroffenen die Realität verändert wahrnehmen oder verarbeiten. Lesen Sie hier alles über Ursachen, Diagnose, Symptome und Therapie der Psychose.

Factbox

Was ist eine Psychose?

Der Begriff Psychose versammelt eine Reihe von psychischen Störungen, bei denen die Betroffenen die Realität verändert wahrnehmen oder verarbeiten. Typische Symptome sind Halluzinationen oder Wahnvorstellungen sowie schwerwiegende Denkstörungen, und die Patienten leiden zudem oft begleitend unter starken Ängsten, Störungen des Antriebs oder so genannten Ich-Störungen. Psychosen sind in vielen Fällen vorübergehender Natur, doch sie stellen schwere Krankheitsbilder dar.

Formen der Psychose

Man unterscheidet primäre und sekundäre Psychosen.

Erstere sind Krankheitsformen, bei denen keine Ursache feststellbar ist. Formen sind:

- Schizophrenie, – schizoaffektive Psychosen, – schizotype Störungen, – anhaltende wahnhafte Störungen, – akute vorübergehende psychotische Störungen, – affektive Psychosen, – induzierte wahnhafte Störungen

Sekundäre Psychosen haben eine feststellbare Ursache, durch die das Gehirn entweder unmittelbar oder indirekt beeinträchtigt wird

- infolge von organischen Erkrankungen, – als Nebenwirkungen von Medikamenten, – aufgrund von Alkohol- oder Drogenkonsum

Ursachen einer Psychose

- Primäre Psychosen: die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Derzeit geht man von einem multifaktoriellen Geschehen aus.

- Sekundäre Psychosen: Eine äußere Ursache ist feststellbar:

- z.B. Hirnschädigung im Rahmen einer Demenzerkrankung oder einem Schädel-Hirn-Trauma

- im Rahmen von neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie, Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson

- Infektionen, Stoffwechselentgleisungen, Vergiftungen

- Medikamente und Psychostimulanzien wie LSD, Cannabis oder Alkohol

- Flüssigkeitsmangel, hohes Fieber, Narkosen

Symptome einer Psychose

- Wahnsymptome: z.B. Verfolgungswahn, Beziehungswahn

- Halluzinationen: akustische (Stimmen hören), aber auch Geruchs-, Geschmacks-, Tast- und optische Halluzinationen.

- Denkstörungen

Psychotische Symptome werden häufig von Stimmungsschwankungen begleitet.

Zudem kommt es oft auch zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit und affektiven Störungen wie Depressionen und Ängsten.

Diagnose der Psychose

Anamnese, körperliche Untersuchung, Labormedizinische Untersuchung (Blutbild), apparative Untersuchungen (EEG, EKG, Kernspintomographie des Schädels)

Therapie einer Psychose

Behandlung der Grunderkrankung bei sekundären Psychosen, Psychotherapie: stützende therapeutische Gespräche und kognitive Psychotherapieverfahren, Psychoedukation, Selbsthilfe, Medikamente: typische und atypische Antipsychotika (z.B. Haloperidol, Risperidon, Aripiprazol)

Verlauf einer Psychose

Eine Psychose ist – auch wenn sie primär ist – keine unheilbare Erkrankung, und bei vielen Betroffenen nimmt sie einen günstigen Verlauf. Sekundäre Psychosen haben vor allem dann eine gute Prognose, wenn die Grunderkrankung behandelt wird oder wenn beispielsweise ein Drogenmissbrauch, der zur Psychose geführt hat, eingestellt wird. Auch bei chronischen Psychosen sind bei adäquater Therapie Besserungen möglich.

Welcher Arzt behandelt eine Psychose?

Ansprechpartner für die Behandlung einer Psychose sind Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapeutinnen.

Was ist eine Psychose?

Der Begriff Psychose versammelt eine Reihe von psychischen Störungen, bei denen die Betroffenen die Realität verändert wahrnehmen oder verarbeiten. Typische Symptome sind Halluzinationen oder Wahnvorstellungen sowie schwerwiegende Denkstörungen, und die Patienten leiden zudem oft begleitend unter starken Ängsten. Zusätzlich können auch Störungen des Antriebs oder so genannte Ich-Störungen auftreten.

Das Verhalten eines Menschen in einer Psychose verändert sich für seine Umwelt stark, und auch der psychotische Mensch selbst nimmt die Realität anders wahr als sein Umfeld. Er oder sie sieht möglicherweise Bedrohungen, wo keine sind, glaubt, im Besitz übermenschlicher Kräfte zu sein, oder fühlt sich an jedem Unglück schuldig. Für Außenstehende lässt sich die Psychose am ehesten als ein Zustand extremer Dünnhäutigkeit beschreiben. Innere und äußere Vorgänge sind kaum zu unterscheiden, und die Nähe zu geliebten Menschen kann bedrohlich wirken. Psychosen sind in vielen Fällen vorübergehender Natur, doch sie stellen schwere Krankheitsbilder dar.

Weltweit erkranken rund drei bis vier Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens an einer Psychose. Viele Formen beginnen zwischen der Pubertät und dem 35. Lebensjahr, und es gibt einen zweiten Gipfel im höheren Lebensalter. Zudem können psychotische Zustände auch bei Depressionen und bei manischen und bipolaren Zustandsbildern auftreten.

Formen der Psychose

Man unterscheidet primäre und sekundäre Psychosen. Erstere sind Krankheitsformen, bei denen keine Ursache feststellbar ist. Die häufigste Form der primären Psychose ist die Schizophrenie. Weiters gibt es:

  • schizoaffektive Psychosen, bei denen sich Symptome der schizophrenen und der affektiven (depressive, manische Zustände) mischen,
  • schizotype Störungen, die der Schizophrenie ähnlich, aber nicht so ausgeprägt sind,
  • anhaltende wahnhafte Störungen, bei denen eine einzelne Wahnidee oder mehrere aufeinander bezogene Wahninhalte auftreten,
  • akute vorübergehende psychotische Störungen, die maximal drei Monate andauern,
  • affektive Psychosen, bei denen vor allem Stimmung, Motivation und Antrieb beeinträchtigt sind, und
  • induzierte wahnhafte Störungen, bei denen die Wahnvorstellungen einer Person auf eine nahestehende ansonsten gesunde Person übertragen werden.

Sekundäre Psychosen haben eine feststellbare Ursache, durch die das Gehirn entweder unmittelbar oder indirekt beeinträchtigt wird. Diese Krankheitsformen können infolge von organischen Erkrankungen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder aufgrund von Alkohol- oder Drogenkonsum auftreten.

Ursachen

  • Primäre Psychosen: die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Derzeit geht man von einem multifaktoriellen Geschehen aus. Das heißt, dass verschiedene – sowohl biologische als auch psychosoziale – Faktoren zusammenwirken. Als gesichert gilt, dass manche Menschen anfälliger sind als andere, und oft gibt es in der Familie von Betroffenen gehäuft Fälle von Psychosen. Zudem zeigen genetische Untersuchungen, dass es einige Risikogene für das Auftreten von Psychosen wie der Schizophrenie gibt, doch ihr Beitrag für die Entstehung einer Psychose ist in der Regel gering. Weiters können Umwelteinflüsse, virale – auch vorgeburtliche – Infekte und belastende Lebensereignisse das Erkrankungsrisiko erhöhen.
  • Sekundäre Psychosen: Eine äußere Ursache ist feststellbar. Das kann eine Hirnschädigung sein, wie sie etwa im Rahmen einer Demenzerkrankung oder einem Schädel-Hirn-Trauma auftritt. Außerdem können sekundäre Psychosen im Rahmen von neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie, Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson auftreten. Weitere mögliche Ursachen sind Infektionen und Stoffwechselentgleisungen oder Vergiftungen. Auch Medikamente (zum Beispiel Kortikosteroide) und Psychostimulanzien wie Alkohol, LSD oder Cannabis sowie Flüssigkeitsmangel, hohes Fieber oder Narkosen gelten als mögliche Auslöser der sekundären Psychose.

Symptome

Das Krankheitsbild bei Psychosen ist sehr vielfältig, aber es gibt einige Symptome, die häufig auftreten. Das sind vor allem Störungen des Denkens und der Wahrnehmung. Besonders charakteristisch sind Wahnvorstellungen und Halluzinationen.

  • Wahnsymptome: Typische Wahnsymptome sind Verfolgungswahn und Beziehungswahn, bei denen die Betroffenen Wahrnehmungen fälschlicherweise auf sich beziehen. Manche Patienten glauben, dass die Umwelt nicht mehr real ist oder sie selbst nicht mehr die Person sind, die sie zu sein scheinen. Häufig ist zudem der Eindruck, dass die eigenen Gedanken auch von anderen wahrgenommen oder beeinflusst werden können. Experten sprechen hier von Ich-Störungen.
  • Halluzinationen: Was Halluzinationen betrifft, so sind sie meist akustisch (Stimmen hören), aber auch Geruchs-, Geschmacks-, Tast- und optische Halluzinationen können auftreten.
  • Denkstörungen: Sie betreffen Probleme im formalen Denkablauf und erscheinen Außenstehenden am ehesten als Unkonzentriertheit oder Verwirrtheit.

Psychotische Symptome werden häufig von Stimmungsschwankungen begleitet.
Zudem kommt es oft auch zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit und affektiven Störungen wie Depressionen und Ängsten.

Bei primären Psychosen stehen vor allem psychotische Veränderungen wie Wahn oder Halluzinationen im Vordergrund, bei sekundären Psychosen treten häufig zusätzlich Verwirrtheitszustände wie Desorientierung, Bewusstseinsstörungen und Gedächtnisstörungen auf.

Bei primären Psychosen zeigen sich häufig schon Monate oder Jahre vor einem akuten Schub so genannte Prodromalsymptome. Das sind unspezifische Symptome wie etwa Antriebsmangel, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, gedrückte Stimmung, Anspannung, Nervosität und Rückzugsverhalten.

Diagnose

Die Diagnose einer Psychose erfolgt im Idealfall in Zusammenarbeit zwischen Betroffenem, Familie und Therapeuten bzw. Ärztin. Zunächst werden die aktuellen Beschwerden und ihr Verlauf sowie frühere Erkrankungen, soziales Umfeld, Lebensgewohnheiten und eventuelle Vorbehandlungen erhoben. Der Facharzt kann feststellen, ob es sich um eine primäre Psychose handelt oder ob die Symptome von einer körperlichen Grunderkrankung herrühren. Dazu braucht es eine körperliche und labormedizinische (z.B. Blutwerte) sowie apparative Untersuchungen (EEG, EKG, Kernspintomographie des Schädels). Die exakte Zuordnung zu einer bestimmten Erkrankungsform ist bei primären Psychosen aber oft noch nicht möglich, meist ist dafür eine Beobachtung über einen längeren Zeitraum notwendig.
Für die Patienten ist es wichtig, sich nach der Diagnose gut über die Erkrankung zu informieren, und auch die Angehörigen sollten darüber aufgeklärt werden. Viele Experten empfehlen den Besuch einer Selbsthilfegruppe, die dazu beitragen kann, die Krankheit besser zu bewältigen.

Therapie

Die Therapie einer Psychose sollte so bald wie möglich begonnen werden. Die Behandlung richtet sich nach der Entstehungsursache der Psychose. Zur Therapie stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, und sie müssen auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden. Die Basis jeder solchen Behandlung ist die therapeutische Beziehung.

Es werden psychotherapeutische Verfahren und antipsychotische Medikamente eingesetzt, und wichtig ist oft auch, die Familie miteinzubeziehen.

Manche Symptome können sich im Laufe der Therapie rasch bessern, andere sind mitunter schwer zu beeinflussen.
Bei der Therapie der sekundären Psychose geht es vor allem um die Behandlung der Grunderkrankung. Das kann zum Beispiel eine Tumoroperation oder die Behebung von Stoffwechselstörungen sein. Wenn Medikamente, Drogen oder Alkohol die Psychose ausgelöst haben, kann es wichtig sein, einen kontrollierten Entzug der jeweiligen Substanz zu machen.

Psychotherapie

Wichtig für die Krankheitsbewältigung und eine günstige Verlaufsentwicklung sind stützende psychotherapeutische Gespräche und kognitive Psychotherapieverfahren. Sie sollten schon während der akuten Krankheitsphase eingesetzt werden. Es geht zunächst darum, die Reizüberflutung, unter der psychotische Patienten leiden, einzudämmen und der damit einhergehenden tiefen Verunsicherung und den Ängsten entgegenzuwirken. Unter Umständen muss den Betroffenen auch Krankheitseinsicht vermittelt werden, denn diese ist bei Psychosen oft vermindert bzw. nicht vorhanden. Neuere psychotherapeutische Verfahren zielen speziell auf die Therapie von Wahn, Halluzination, Antriebs- und Denkstörungen ab. Dabei geht es um das Erlernen von Techniken, mit denen sich Wahnvorstellungen kontrollieren und depressive Symptome, Ängste und Stress abbauen lassen. Außerdem kann man dadurch soziale Fähigkeiten trainieren, die ebenso dabei helfen, Stress abzubauen und gelassener mit belastenden Situationen umzugehen. Das ist von entscheidender Bedeutung, denn Medikamente allein können nicht immer vor einem neuerlichen Schub schützen.

Experten empfehlen zudem Psychoedukation. Darunter versteht man die gezielte und umfassende Aufklärung über die Erkrankung, denn die Diagnose Psychose kann Betroffene und ihre Angehörigen stark verunsichern und ängstigen. Psychoedukation hilft dabei, solche Ängste zu bewältigen und Vorurteile, falsche Vorstellungen und Schuldgefühle abzubauen. Außerdem schult sie Patienten und Angehörige darin, erste Anzeichen einer Psychose zu erkennen und trägt damit dazu bei, auf eventuelle Rückfälle frühzeitig aufmerksam zu werden.

Antipsychotische Medikamente

Antipsychotika können die Symptome, den Verlauf und die Prognose einer Psychose bessern, und dies ist unabhängig von der Ursache der Erkrankung. Diese Medikamente wirken gegen die Hauptsymptome des Wahns und der Halluzination und können dadurch rasch zur Besserung führen.

Zum Einsatz kommen heute nur mehr teilweise die so genannten typischen Antipsychotika wie etwa Haloperidol, die starke Nebenwirkungen auf die Körpermotorik haben. Neuere, so genannte atypische Antipsychotika wie etwa Risperidon oder Aripiprazol sind in dieser Hinsicht weniger nebenwirkungsreich, aber sie können Stoffwechselnebenwirkungen entfalten und vor allem Müdigkeit und Gewichtszunahme auslösen.

Wichtig ist auch die weitere Einnahme dieser Substanzen nach Abklingen des akuten Schubs, denn so lässt sich oft das Wiederauftreten einer Psychose verhindern. In der Regel muss man die Antipsychotika mehrere Jahre einnehmen, um vor erneuter Erkrankung geschützt zu sein. Bei mehrfachen psychotischen Episoden ist eine dauerhafte Einnahme zur Prophylaxe notwendig. Ein Abhängigkeitspotenzial ist weder bei typischen noch bei atypischen Antipsychotika gegeben.

Verlauf einer Psychose

Eine Psychose ist – auch wenn sie primär ist – keine unheilbare Erkrankung, und bei vielen Betroffenen nimmt sie einen günstigen Verlauf. Sekundäre Psychosen haben vor allem dann eine gute Prognose, wenn die Grunderkrankung behandelt wird oder wenn beispielsweise ein Drogenmissbrauch, der zur Psychose geführt hat, eingestellt wird. Auch bei chronischen Psychosen sind bei adäquater Therapie Besserungen möglich. Was die Schizophrenie betrifft, so weiß man, dass sie bei rund einem Drittel der Patienten nach einem einzigen Krankheitsschub ausheilt. Bei einem weiteren Drittel kommt es zu mehreren psychotischen Schüben mit dazwischen liegenden beschwerdefreien Abschnitten. Nur etwa ein Drittel der Betroffenen entwickelt eine chronische Verlaufsform mit ständig vorhandenen Symptomen. Bei anderen psychotischen Störungen (z.B. anhaltende wahnhafte Störung, schizotype Störung) sind die Symptome eher chronisch. Einen günstigen Verlauf zeigt die akute vorübergehende psychotische Störung, die Krankheitsdauer liegt in der Regel unter drei Monaten.

Allerdings verändern alle Psychosen das Leben der Betroffenen je nach Art und Schwere der Störung in unterschiedlichem Ausmaß, und vor allem die Antriebs- und Denkstörungen können im Alltag viele Einschränkungen mit sich bringen. Deshalb sind schwer psychotisch Erkrankte häufig von längerfristiger Arbeitsunfähigkeit oder Frühpension betroffen und brauchen neben der medizinischen Behandlung auch Rehabilitationsmaßnahmen zur beruflichen Rehabilitation.

Welcher Arzt behandelt eine Psychose?

Ansprechpartner für die Behandlung einer Psychose sind Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapeutinnen.

Autor:
Quellen:
https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/psychosen

https://www.psychenet.de/de/psychische-gesundheit/informationen/psychosen.html

https://www.minimed.at/medizinische-themen/psyche/psychose/

https://www.psychisch-erkrankt.de/psychose/

https://www.psychiatrie.de/psychische-erkrankungen/psychosen.html