Prostatitis – Prostataentzündung

Prostatitis – Prostataentzündung

Stand: April 2021

Eine Prostatitis (Entzündung der Prostata) kann akut oder chronisch verlaufen und verschiedene Ursachen haben. Bei einer akuten Prostatitis kommt es zumeist zu Fieber, Schüttelfrost und Beschwerden beim Wasserlassen. Für die Behandlung stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Welche das sind, wie sich die verschiedenen Formen von Prostatitis unterscheiden und wie eine Entzündung der Prostata abgeklärt wird, lesen Sie hier.

Fact-Box Prostatitis

Prostatitis, Prostataentzündung: Entzündung der Prostata

Formen: Akute bakterielle Prostatitis, chronische bakterielle Prostatitis, chronisches Beckenschmerzsyndrom (”chronische abakterielle Prostatitis”; mit/ohne Entzündungszeichen), asymptomatische entzündliche Prostatitis

Ursachen/Risikofaktoren: Bakterielle Infektion, Blasenentleerungsstörungen, Erkrankungen des Immunsystems, Verengung der ableitenden Harnwege, psychische Faktoren, bestimmte Grunderkrankungen, Blasenkatheter u. a.

Symptome: Abhängig von der Form; Fieber und Schüttelfrost (akute bakterielle Prostatitis), erschwertes Wasserlassen (Dysurie), schmerzhaftes brennendes Wasserlassen (Algurie), häufiger Harndrang/häufiges Wasserlassen (Pollakisurie), Schmerzen im Bereich von Blase und Rücken, Schmerzen beim Stuhlgang, Schmerzen während und nach der Ejakulation, Druckgefühl im Unterbauch, bräunliche Färbung des Ejakulats, Libido- und Potenzstörungen u. a.

Mögliche Komplikationen: Prostataabszess, Behinderungen des Harnabflusses u. a.

Diagnose: Anamnese, digital-rektale Untersuchung, Harnuntersuchung, Blutuntersuchung, Ultraschalluntersuchung u. a.

Behandlung: Je nach Ursache und Form; Antibiotikatherapie, medikamentöse Therapie, schmerzstillende Medikamente, physikalische Therapiemaßnahmen, Bewegungstherapie, Beckenbodentraining u. a.

Was ist Prostatitis?

Bei einer Prostatitis handelt es sich um eine Entzündung der männlichen Vorsteherdrüse (Prostata). Die Prostata ist eine unterhalb der Harnblase gelegene Drüse, welche den ersten Abschnitt der Harnröhre umschließt. Aufgrund der engen Lagebeziehung zum Rektum ist es möglich, die Prostata bei einer digital-rektalen Untersuchung (Tastuntersuchung des Rektums und der angrenzenden Organe) zu ertasten. Die Geschlechtsdrüse produziert ein dünnflüssiges Sekret, welches dem Ejakulat beigemischt wird und verschiedene Bestandteile enthält, darunter u. a. das prostataspezifische Antigen (PSA). Dieses macht in erster Linie das Ejakulat dünnflüssiger, weiters ist das PSA ein organspezifischer Marker (Tumormarker), welcher im Blut bestimmt werden kann und eine Rolle bei der Abklärung von Prostatakrebs spielt.

Die Prostata ist relativ häufig von Entzündungen betroffen. Schätzungen zufolge erkranken etwa zehn bis 15 Prozent aller Männer mindestens einmal im Leben an einer Prostatitis*. Die Entzündung kann akut oder chronisch verlaufen und verschiedene Ursachen haben.

Formen und Ursachen

Die Prostataentzündung wird unterteilt in:

• Akute bakterielle Prostatitis
• Chronische bakterielle Prostatitis
• Chronisches Beckenschmerzsyndrom (”chronische abakterielle Prostatitis”; mit/ohne Entzündungszeichen)
• Asymptomatische entzündliche Prostatitis

Akute und chronische bakterielle Prostatitis
Eine akute bakterielle Prostatitis wird, wie die Bezeichnung bereits verrät, durch Bakterien verursacht (z. B. E. coli). Die Erreger können u. a. über die Harnröhre in die Prostata gelangen, Ausgangspunkte können beispielsweise eine Entzündung der Harnröhre oder Harnblase sein. Faktoren, welche das Eindringen von Bakterien begünstigen sind u. a. harnstauende Veränderungen im Bereich der Harnröhre (z. B. Stenose) und Vorhautverengung (Phimose). Eine chronische Prostatitis kann sich aus einer akuten Prostatitis entwickeln und liegt dann vor, wenn eine Entzündung der Prostata über einen Zeitraum von über drei Monaten besteht und wiederholt Keime nachgewiesen werden können.

Chronisches Beckenschmerzsyndrom/Chronische abakterielle Prostatitis
Wenn Symptome (z. B. dauerhafte oder wiederkehrende Schmerzen im Bereich von Becken, Genitalien, Prostata) für über drei Monate bestehen, jedoch keine Bakterien nachgewiesen werden können, keine krankhaften Veränderungen im Bereich der Prostata vorliegen und Ursache und Auslöser für die Beschwerden bzw. die Prostatitis unklar bleiben, ist von einem chronischen Beckenschmerzsyndrom die Rede. Als mögliche Faktoren, welche ein solches Prostataschmerzsyndrom begünstigen können werden u. a. Erbanlagen, Blasenentleerungsstörungen, Veränderungen von Nerven und Muskeln, Erkrankungen des Immunsystems und psychische Faktoren diskutiert. Lassen sich Entzündungszeichen nachweisen, ist von einem entzündlichen chronischen Beckenschmerzsyndrom die Rede, sind weder Bakterien noch Anzeichen einer Entzündung nachweisbar, von einem nicht-entzündlichen chronischen Beckenschmerzsyndrom.

Asymptomatische Prostatitis
Bei einer asymptomatischen Prostatitis treten keine Schmerzen oder anderen Symptome auf, allerdings lassen sich Entzündungszeichen nachweisen. Eine solche asymptomatische Prostatitis wird häufig zufällig entdeckt.

Risikofaktoren

Allgemeine Risikofaktoren für eine Prostatitis sind u. a. Blasenentleerungsstörungen, harnstauende Veränderungen im Bereich der Harnröhre, Störungen des Immunsystems, bestimmte Grunderkrankungen (z. B. Diabetes mellitus) und Manipulationen im Bereich des Urogenitaltrakts (z. B. Katheter, Operationen).

Was sind die Symptome einer Prostatitis?

Eine Entzündung der Prostata kann mit verschiedenen Symptomen einhergehen.
Bei einer akuten bakteriellen Prostatitis kann es zu stark ausgeprägten Beschwerden kommen. Typisch sind Beschwerden beim Wasserlassen wie erschwertes Wasserlassen (Dysurie) und deutlich abgeschwächter Harnstrahl, Schmerzen und Brennen (schmerzhaftes Wasserlassen, Algurie) und häufiger Harndrang/häufiges Wasserlassen (Pollakisurie), Schmerzen im Bereich von Blase und Rücken, Schmerzen beim Stuhlgang sowie während und nach der Ejakulation, Fieber und Schüttelfrost.

Bei einer chronischen bakteriellen Prostatitis sind die Beschwerden im Allgemeinen weniger stark ausgeprägt und weniger spezifisch als bei einer akuten Entzündung der Prostata. Mögliche Beschwerden sind u. a. Druckgefühl im Unterbauch, Beschwerden beim Wasserlassen (z. B. häufiges, erschwertes und/oder schmerzhaftes Wasserlassen, Harnstrahlabschwächung), bräunliche Färbung des Ejakulats, Schmerzen während oder nach der Ejakulation und Libido- und Potenzstörungen. Fieber und Schüttelfrost wie bei einer akuten Prostatitis fehlen zumeist gänzlich.

Die Symptome eines chronischen Beckenschmerzsyndroms (chronisch abakterielle Prostatitis) ähneln jenen einer chronischen bakteriellen Prostatitis. Betroffene können unter Schmerzen im Bereich des Beckens, verschiedenen Beschwerden beim Wasserlassen, Stuhlunregelmäßigkeiten, vermindertem Lustempfinden, Erektionsstörungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr leiden, weiters kann es in der Folge auch zu psychischen Symptomen wie z. B. Stress und Angstgefühlen kommen, welche die genannten Beschwerden wiederum beeinflussen und die Lebensqualität weiter beeinträchtigen.

Mögliche Komplikationen einer Prostatitis sind u. a. Prostataabszess, weitere Ausbreitungen der Entzündung, Behinderungen des Harnabflusses und wiederkehrende Harnwegsinfektionen.

Die Auflistung der hier angeführten Symptome dient dem Überblick und kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom ein Anzeichen für andere Erkrankungen sein. Auch muss nicht jedes hier angeführte Symptom bei einer Prostatitis auftreten. Im Zweifelsfall sollte stets das ärztliche Gespräch gesucht werden.

Wer ist mein Ansprechpartner?

Ansprechpartner bei den oben genannten Beschwerden und bei Verdacht auf eine Entzündung der Prostata sind der Arzt für Allgemeinmedizin (Hausarzt), welcher den Patienten bei Bedarf an einen Facharzt überweist, und der Facharzt für Urologie.

Wie erfolgt die Diagnose?

Im Rahmen der Abklärung werden je nach genauer Situation des Patienten verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Zunächst erfolgt eine gründliche Anamnese, bei welcher sich der Arzt u. a. nach der Krankengeschichte und den genauen Beschwerden erkundigt (Art der Beschwerden, Lokalisation, Dauer des Bestehens, Schweregrad, Verlauf etc.).

Bei einer digital-rektalen Untersuchung kann die Vorsteherdrüse ertastet und auf Größe und Schmerzempfindlichkeit untersucht werden. Eine entzündete Prostata ist zumeist stärker vergrößert und druck-/schmerzempfindlich. Weiters wird eine Laboruntersuchung des Urins durchgeführt, um mögliche für die Entzündung verantwortliche Erreger nachweisen zu können – im Rahmen einer sogenannten Viergläserprobe werden dabei der Ersturin, der Mittelstrahlurin, ein Prostataexprimat (Sekret der Prostata) und der Urin nach einer Massage der Prostata untersucht. Weitere mögliche Untersuchungen sind eine Blutuntersuchung, eine rektale Ultraschalluntersuchung, um die Entzündung genauer zu lokalisieren und andere Erkrankungen auszuschließen, Harnabflussmessung (Uroflowmetrie) und andere. Welche Untersuchungen durchgeführt werden und wie sich die Abklärung genau gestaltet richtet sich nach der individuellen Situation des Patienten.

Welche Behandlungen gibt es?

Die Behandlung einer Prostatitis hängt von der Form und Ursache ab. Bei einer akuten und chronischen bakteriellen Prostatitis werden Antibiotika eingesetzt, wobei verschiedene Medikamente zur Verfügung stehen. Wichtig ist, dass die Medikamente wie mit dem Arzt besprochen eingenommen werden. Bei einem chronischen Beckenschmerzsyndrom können verschiedene andere Medikamente und pflanzliche Präparate zum Einsatz kommen, weitere mögliche Behandlungsmaßnahmen sind u. a. physikalische Therapiemaßnahmen, Bewegungstherapie und Beckenbodengymnastik.

Gegen Schmerzen bei einer Entzündung der Prostata können u. a. schmerzstillende Medikamente (Einnahme stets nach Absprache mit dem behandelnden Arzt), Wärme (z. B. Wärmeflasche) und verschiedene Entspannungsmaßnahmen helfen. Bei chronischen Formen, bei welchen es in Folge der Beschwerden zu Libido- und Erektionsstörungen und Beeinträchtigungen der Lebensqualität kommt können psychotherapeutische Verfahren sinnvoll sein. Darüber hinaus können unter Umständen Anpassungen der Ernährung wie der Verzicht auf Alkohol und ungünstige Fette und die Reduktion des Zuckerkonsums helfen. Im Rahmen der Behandlung von Komplikationen (z. B. Behinderung des Harnabflusses, Abszess) kann eine chirurgische Behandlung notwendig sein.

Die Therapie besteht häufig aus einer Kombination von verschiedenen Methoden (Medikamente, nicht-medikamentöse Maßnahmen) und wird ganz an die Situation des Patienten angepasst. Unter einer adäquaten Therapie klingen die Beschwerden einer akuten bakteriellen Prostatitis zumeist rasch ab und es kommt zu keinem Übergang in eine chronische Form. In manchen Fällen geht die akute Form jedoch in eine chronische Prostatitis über. Nach Abschluss der Behandlung/Ausheilung der Prostatitis besteht die Möglichkeit eines Rückfalls (erneutes Auftreten der Erkrankung).

*Angaben können in der Literatur variieren.

Autor:
Quellen:
Bschleipfer T., Karl I.; Chronische Prostatitis und chronischer Beckenbodenschmerz beim Mann – unklare Ätiologie – schwierige Diagnose, Uro-News 2020; 24:36-42, Springer Nature

Rauchenwald M.; Phytotherapie bei abakterieller Prostatitis, Spectrum Urologie 03/2019, MedMedia Verlag und Mediaservice

Margreiter M., Shariat S.; Prostatitis, In: Michel M., Thüroff J., Janetschek G., Wirth M. (Hrsg.): Die Urologie, 2016: 1295–1299. Springer Berlin Heidelberg

Hochreiter W.; Prostatitis und chronisches Beckenschmerzsyndrom, ARS Medici 11/2010, Rosenfluh Publikationen

Wagenlehner F. et al.; Prostatitis und männliches Beckenschmerzsyndrom, Deutsches Ärzteblatt 11/2009, Deutscher Ärzteverlag

Prostatitissyndrom; Steckbrief, Thieme via medici, URL: https://viamedici.thieme.de/lernmodul/6393764/subject/urologie/prostata+bläschendrüsen+äußeres+männliches+genitale/entzündungen+und+infektionen/prostatitissyndrom
ICD-10: N41