Richtig handeln bei Grillunfällen

Richtig handeln bei Grillunfällen

Stand: Juli 2021

Egal ob Holzkohle-, Gas- oder Elektrogrill: ein achtsamer Umgang mit dem Grillgerät lohnt sich. Denn: Grillunfälle sind häufiger als man denkt. Die meisten Unfälle passieren samstags, betreffen den Grillmeister selbst und umfassen Verbrennungen, Schnittwunden, Knochenbrüche und Prellungen. Wie sie im Ernstfall reagieren sollten und sich vor Unfällen dieser Art schützen können, erfahren sie hier.

Was kann beim Grillen schon passieren – denken sich wohl die meisten, die den Grill jetzt endlich wieder aus der Garage holen und zum ersten Grillfest laden. Tatsächlich ist die Gefahr eines Grill-Unfalles aber relativ hoch. Die Daten des Kuratoriums für Verkehrssicherheit belegen, dass etwa 500-700 Menschen sich allein in Österreich pro Jahr beim Grillen so schwer verletzen, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. An erster Stelle stehen dabei Verbrennungen, gefolgt von Schnittverletzungen und Stürzen.

Hände und Finger besonders gefährdet

Die häufigsten Verletzungen betreffen Verbrennungen und Verbrühungen an Fingern oder Händen. Heißes Öl, ein heißer Grillrost oder Stichflammen sowie ein unachtsamer Gebrauch von Messern sind die häufigsten Gründe für Verletzungen. Gefolgt von Knochenbrüchen durch Stolpern über Grillzubehör oder sogar über den Grill selbst.

Grillen – die unterschätzte Gefahr

Leichtsinn und mangelnde Vorsicht im Umgang mit dem Grill ist häufig die Ursache von Bränden und Brandverletzungen. Auch wenn viele Grillunfälle halbwegs glimpflich ausgehen, kommt es immer wieder zu gefährlichen Zwischenfällen. Besonders hoch ist die Gefahr bei Verwendung von flüssigen Brandbeschleunigern. Gerade wenn es schnell gehen soll, wird oft zur Spiritusflasche oder noch schlimmer, zum Benzinkanister gegriffen. Auch Terpentin, Bioethanol oder Petroleum kommen zum Einsatz. Bei all diesen Produkten handelt es sich um flüchtige Stoffe, die innerhalb kurzer Zeit zu verdunsten beginnen und dabei hochexplosive Dämpfe bilden. Beim Anzünden kommt es dann zum explosionsartigen Abbrand und durch die Stichflamme wird nicht selten die Kleidung umstehender Personen entzündet.

Genauso gefährlich sind sogenannte Rückzündungen, die beim Nachschütten brennbarer Flüssigkeiten auf Grillkohle auftreten können. Die dabei auftretenden Stichflammen breiten sich blitzartig aus und entzünden dabei auch die Dämpfe des in der Flasche verbleibenden Brandbeschleunigers.

Bei Verwendung von Benzin breiten sich Benzindämpfe schnell rund um den Grill am Boden aus, da sie schwerer als die Luft sind. Da braucht es nur mehr einen Zündfunken und schon kann es zu einer Explosion kommen.

Die Gefahren des Grillens erklären sich auch anhand der im und um den Grill entstehenden Temperaturen: unmittelbar über der Glut herrschen rund 700, rund um den Grill immer noch 300 Grad Celsius. Da kann es schnell zu Brandverletzungen kommen. Am häufigsten betroffen sind hier naturgemäß die Grillmeister selbst, in zwei von drei Fällen betreffen Grillunfälle Männer.

Erste Hilfe bei Brandverletzungen

Bei großflächigen Verbrennungen, besonders an Händen, im Gesicht oder den Genitalien sollte umgehend der Rettungsdienst gerufen werden. Bis zum Eintreffen der Retter sollten Brandwunden nicht gekühlt werden. Es besteht die Gefahr der Unterkühlung und somit eine weitere starke Belastung des Kreislaufs. Deshalb sollten Personen mit größeren Verbrennungen auch mit einer Wärmefolie aus dem Verbandkasten vor einer Unterkühlung geschützt werden. Damit offene Wunden sich nicht entzünden, sollten diese steril abgedeckt werden. Geeignete sterile Verbandtücher sind in jedem Erste-Hilfe-Kasten zu finden.

Darüber hinaus kann schnelles Handeln Leben retten, wenn Kleidungsstücke grillender Personen Feuer gefangen haben. Mit einer (Lösch)-Decke lassen sich die Flammen ersticken. Helfer sollten die Person auf dem Boden hin und her wälzen und diese gegebenenfalls mit Wasser übergießen. Ersthelfer sollten auch Atmung und Kreislauf der verletzten Person beobachten, da es infolge schwerer Verbrennungen zu Atem- und Kreislaufstörungen kommen kann.

Notrufnummer Rettung: 144

Kleinere Brandverletzungen (zum Beispiel an den Fingern) können zur Schmerzlinderung mit lauwarmem Wasser kurz gekühlt werden.

Erste Hilfe bei Schnittwunden

Beim Hantieren mit den zur Vorbereitung des Grillgutes benutzten scharfen Messern kommt es nicht selten dazu, dass sich Grillmeister ins eigene Fleisch schneiden. In einigen Fällen so tief, dass ein Pflaster zur Wundstillung nicht mehr reicht. Kommt es zu starken Blutungen müssen diese gestoppt und der Notruf gewählt werden.

Um die Blutung zu stoppen, muss ein Druckverband (findet sich in jedem Erste-Hilfe-Kasten) angelegt und dieser mit manuellem Druck stabilisiert werden. Achten Sie darauf, den Verband nicht zu stark anzulegen, die Blutung soll gestoppt,  die Blutversorgung zum restlichen Arm und Bein aber nicht komplett unterbrochen werden. Der verletzte Körperteil sollte auch etwas höher gelagert werden.

Erste Hilfe bei Brüchen

Herumliegendes Gartenwerkzeug oder sogar das Grillgerät selbst entpuppen sich oft als echte Stolperfallen. Beim Grillen kommt es daher auch häufig zu Verrenkungen, Zerrungen und sogar zu Knochenbrüchen. Diese äußern sich durch eine nachfolgende Bewegungsunfähigkeit, dem Auftreten starker Schmerzen oder einer Fehlstellung von Gliedmaßen. Im Fall des Falles gilt es, nicht selbst Hand anzulegen, sondern die betroffene Stelle ruhig zu stellen und den nächsten Arzt oder ein Spital aufzusuchen.

Vorbeugen, besser als heilen

Besondere Aufmerksamkeit sollte den kleinsten Grillern gelten. Kinder gehören weg vom Grill, da sie Hitzegefahr nicht einschätzen können. Sie sind auch besonders gefährdet, da sich der Grillrost meist auf Kleinkind-Kopfhöhe befindet. Kommt es zu einem Unfall mit Kindern, sollte sofort die Rettung alarmiert und das Kind in Spitalsbehandlung gebracht werden.

Hände weg von flüssigen Brandbeschleunigern – Wer sicher grillen möchte, sollte zum Anzünden der Grillkohle ausschließlich Sicherheitsbrennpasten oder feste Anzündhilfen wie z.B. Anzündriegel und Trockenspiritus verwenden.
Sicheres Grillen beginnt bereits beim Aufstellen des Grillgeräts: der Grill selbst muss stabil bzw. standsicher sein und mit ausreichendem Abstand zu brennbaren Materialien aufgestellt werden. Der Grill sollte stabil auf einer ebenen Fläche stehen und nicht mehr bewegt werden, sobald er in Betrieb genommen wurde.

Ein windgeschützter Platz vermeidet Funkenflug und Asche-Regen.
Halten Sie immer einen Kübel Wasser oder einen Feuerlöscher bereit.

Nach dem Grillen sollte die Kohle gänzlich mit Wasser geflutet werden, weil sich selbst in einem scheinbar ausgekühlten Grill ohne weiteres bis zu 72 Stunden lang noch Glutreste darin halten können.

Vorsicht auch bei Grillen mit Gas

Um Gasunfälle zu vermeiden sollte der Gasschlauch nach jeder Saison auf Risse und Sprödigkeit und die Anschlüsse auf ihre Dichtheit hin kontrolliert werden. Verbinden Sie die Gasflasche stabil mit dem Grillwagen und verwenden Sie diese niemals liegend. Zünden Sie den Gasgrill grundsätzlich mit geöffnetem Deckel an.

Bei Gasgeruch muss das Grillgerät sofort abgestellt werden.
Da Flüssiggas schwerer als Luft ist sollten Gasflaschen in gut belüfteten Räumen und niemals unter Erdniveau (z.B. im Keller) gelagert werden.

 

Autor:
Quellen:
Grillunfälle – das sind die gefährlichsten Fehler der Österreicher, 19.6.2017; Kuratorium für Verkehrssicherheit; https://www.kfv.at/grillunfaelle-das-sind-die-gefaehrlichsten-fehler-der-oesterreicher/; Zugriff 5.5.2021

Cuttle L et al.: A review of first aid treatments for burn injuries, Burns 2009, 35(6):768-75; doi: 10.1016/j.burns.2008.10.011

Schriek K, Sinnig, M: Thermische Verletzungen, Klinik und Akutmanagement in der pädiatrischen Praxis, Der Hautarzt 68:784-789 (2017)

Grillunfall: Was tun? 15.6.2021, Johanniter-Unfall-Hilfe; https://www.johanniter.de/juh/lv-ndsbr/aktuelles/newsdetail/?tx_johnews_show%5Baction%5D=show&tx_johnews_show%5Bcontroller%5D=News&tx_johnews_show%5Bnews_id%5D=3723&cHash=e31846e2a59388c70202faffd2a0caca#