Priv.Doz. Dr. Stefan Pfaffenberger - Internist Wien 1080

Priv.Doz. Dr. Stefan Pfaffenberger

Lange Gasse 67/9, 1080 Wien

Was Sie schon immer über hohen Blutdruck wissen wollten

Was Sie schon immer über hohen Blutdruck wissen wollten - Priv.Doz. Dr. Stefan Pfaffenberger - Internist Wien 1080
1/1

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) ist eine weit verbreitete Erkrankung und betrifft laut Schätzungen fast ein Viertel aller Erwachsenen in Österreich. Aufgrund der Häufigkeit und auch der Bedeutung von hohem Blutdruck als Auslöser für Erkrankungen wie Herzinfarkt, Vorhofflimmern oder Schlaganfall, möchte ich Ihnen einige häufig gestellte Fragen zu diesem Thema beantworten:


Ab welchem Wert spricht man von hohem Blutdruck?
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ein Patient Bluthochdruck, wenn der obere sog. "systolische" Blutdruck über 140 mmHg und/oder der untere sog. "diastolische" Blutdruck über 90 mmHg liegt. Um sicherzustellen, dass der Blutdruck nicht dauerhaft zu hoch ist, wird derzeit 135/85 mmHg als Grenzwert angenommen. Neue Studienergebnisse deuten aber darauf hin, dass ein noch niedrigerer Blutdruck günstig für die Vermeidung von Folgeerkrankungen ist (siehe Studie im seitlichen Fenster).

Ist ein zu niedriger Blutdruck gefährlich?
Niedrige Blutdruckwerte sind günstig für unser Herzkreislaufsystem. Natürlich sollte bei der Blutdruck-Medikation nicht übertrieben werden, wenn bei niedrigen Werten Abgeschlagenheit oder Schwindel auftritt, ist die Medikation dementsprechend zu senken. Dies kann z.B. auch der Fall sein, wenn ein auslösendes Ereignis wie z.B. Streß oder Übergewicht erfolgreich beseitigt wurden. In den meisten Fällen ist aber eine dauerhafte tägliche Medikation notwendig.

Dürfen ältere Menschen einen höheren Blutdruck haben?
Die Antwort ist nein. Auch hier werden natürlich die Gefäße und das Herz durch den hohen Blutdruck belastet, sodass auch bei älteren und alten Menschen eine Blutdrucksenkung sinnvoll ist.

Wie kann ich hohen Blutdruck bei mir feststellen?
Der Blutdruck keine stabile Größe und schwankt - abhängig vom Aktivitätslevel und anderen Faktoren - im Laufe des Tages. Wenn man die Stiegen hinaufgeht oder sich über etwas ärgert, dann steigt physiologischerweise der Blutdruck, das ist also normal. Sind die Blutdruckwerte jedoch wiederholt auch in Ruhe über 135 mmHg und/oder über 85 mmHg, dann leidet der Patient an Bluthochdruck. Um dies genau zu ermitteln, ist es am besten wenn Sie 2x täglich (einmal morgens und einmal abends) Ihren Blutdruck in einer sitzenden Ruheposition mit ausgestrecktem Arm messen. Da der Blutdruck physiologischerweise ständig etwas schwankt (auch zwischen beiden Armen) sind kurzfristig wiederholte Messungen nicht sinnvoll. Das Ergebnis zeigt sich erst in Summe aller Messungen.
Ein Oberarm-Messer ist einem Handgelenks-Messer aufgrund der höheren Genauigkeit vorzuziehen. Blutdruckmesser können in der Apotheke, im Elektromarkt oder im Internet gekauft werden). Nach insgesamt 30 Messungen (also nach 15 Tagen), hat man einen ausreichende Datenmenge gesammelt um aussagekräftige Durchschnittswerte ermitteln zu können. Kärtchen für diese Messungen liegen in unserer Ordination auf. Laut Guidelines dürfen bis zu 6 von 30 Messungen erhöht sein. Sollten aber 7 oder mehr Messungen darüber liegen, dann besteht definitionsgemäß ein hoher Blutdruck. Weiters kann eine 24-Stunden-Blutdruckmessungen sinnvoll sein.

Mein Blutdruck ist in der Nacht oder in der Früh erhöht
Normalerweise sinkt der Blutdruck nachts ab. Bei manchen Patienten kann diese Regulation aber gestört sein, der Blutdruck sinkt nicht ab oder steigt sogar an. Schlafstörungen und fehlende Erholung können die Folge sein. Dies kann mit der 24-Stunden-Blutdruckmessung nachgewiesen werden. Als Konsequenz ist eine abendliche Gabe der Blutdruck-Medikation sinnvoll.

Gibt es andere Untersuchungen die zur Abklärung sinnvoll sind?
Weitere Untersuchungen mit Herzultraschall, Carotis-Duplex, EKG, Ergometrie und Laboruntersuchungen sind ebenfalls hilfreich für eine exakte Diagnosestellung.

Wie macht sich hoher Blutdruck bemerkbar, welche Beschwerden können auftreten?
Das Gefährliche an Bluthochdruck ist, dass die Erkrankung bei einigen Patienten über einen längeren Zeitraum unbemerkt bleibt und keine Beschwerdern verursacht. Einige Patienten haben allerdings Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Abgeschlagenheit, Druckgefühl auf der Brust, Wattegefühl oder Dröhnen im Kopf, Nervosität, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen, aber auch Erektionsstörungen. Auch jüngere Patienten sind nicht so selten betroffen. Je länger der hohe Blutdruck unbehandelt bleibt, desto höher ist das Risiko für Schädigung von Herz, Gefäßen, Gehirn, Nieren, Augen und anderen Organen und letztlich für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Welche Ursachen sind für hohen Blutdruck verantwortlich?
Arterielle Hypertonie kann auf viele verschiedene Ursachen zurückzuführen sein: Bewegungsmangel, chronischer Stress, zu viel Salz Konsum, ungesunde Ernährung, Übergewicht, Rauchen, familiäres Risiko. Weiters muss eine Fehlfunktion von Nieren oder Schilddrüse unbedingt ausgeschlossen werden, da diese Ursachen anders zu behandeln sind.
All diese Ursachen führen über ein komplexes System dazu, dass sich die Arterien - also die Gefäße, die das Blut vom Herzen zu den anderen Organen transportieren - verengen. Das Herz muss also gegen verengte Arterien (mehr Widerstand) pumpen: der Blutdruck steigt. Medikamente zielen darauf ab, diese Gefäßengstellungen wieder weiter zu machen. Dies gelingt aber nur für 12 bis 24 Stunden. Dann würden sich die Gefäße erneut verengen. Daher ist eine regelmäßige Tabletteneinnahme so sinnvoll. Die eigentliche Ursache wird durch die Medikamente leider nicht behoben.

Wie kann man hohen Blutdruck behandeln?
Für die Behandlung von arterieller Hypertonie stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung. Um den Bluthochdruck dauerhaft zu senken und so das Risiko für weitere Erkrankungen zu reduzieren, ist zusätzlich zur medikamentösen Therapie mit Tabletten meistens auch eine Lebensstiländerung seitens des Patienten erforderlich; die genaue Therapie ist von Patient zu Patient unterschiedlich und orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen und Lebensgewohnheiten. Leider ist aber in den meisten Fällen eine Dauerbehandlung, also lebenslang, notwendig. Ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung; gemeinsam versuchen wir herauszufinden welche Lebensstiländerungen realistisch und für Sie gut umsetzbar sind.

Wie funktioniert eine Blutdruckeinstellung mit Medikamenten?
Am Beginn wählt der Arzt das am besten für Ihre Situation geeignetes Medikament aus. Je nach Höhe des Blutdrucks kann mit einer niedrigen oder mittleren Dosis begonnen werden. Der Blutdruck soll nicht sofort auf normale Werte gesenkt werden, da dies zu Bescherden wie Schwindel oder Abgeschlagenheit führen könnte. Ihr Kreislauf soll sich langsam über Wochen wieder an einen "normalen" Blutdruck gewöhnen. Falls notwendig, kann die Dosis im Verlauf angepaßt bzw. erhöht werden.
Manchmal sind auch Kombinationen von mehreren Medikamenten sinnvoll, wenn der Blutdruck sich nur schwierig senken läßt oder spezielle Zusatzeffekte wie z.B. Entwässerung bei geschwollenen Beinen oder eine Senkung der Herzfrequenz erwünscht sind. Wichtig ist, dass Sie wissen, dass dieser Vorgang einige Wochen dauern kann und soll. Um die Einstellung optimal anpassen zu können ist es in dieser Zeit wichtig regelmäßig den Blutdruck weiter zu messen (sinnvoll ist 2x täglich). Ist der Blutdruck gut eingestellt, reichen gelegentliche Messungen aus (sinnvoll ist 2x wöchentlich).

Wie lange muss ich die Medikamente einnehmen?
In den allermeisten Fällen ist es leider notwendig, dass Sie die Tabletten lebenslang einnehmen. Das ist dadurch zu erklären, dass die Tabletten eben nicht die Ursache beseitigen, sondern nur 12 bis 24 Stunden die zugrundeliegende Gefäßverengung aufheben. Danach würde der Blutdruck wieder steigen. Manchmal gelingt es aber tatsächlich eine gewichtige Ursache zu beseitigen (z.B. durch Beendigung von starkem Stress oder durch eine sehr deutliche Gewichtsreduktion bei Übergewicht), sodass die Tabletten danach abgesetzt oder zumindest reduziert werden können.

Soll ich die Tabletten regelmäßig einnehmen?
Ja, unbedingt! Ein Teil der Tablettenwirkung liegt zwar schon nach einigen Minuten vor, hält aber andererseits auch nur maximal 12 bis 24 Stunden an. Danach geht die Wirkung wieder verloren. Der zweite wichtige Teil der Tablettenwirkung entfaltet sich erst nach Wochen und wirkt eher mittel bis langfristig. Dabei stellt sich Ihr Kreislauf auf die neue Blutdrucksituation ein und Sie beginnen sich wohler zu fühlen. Blutdruckspitzen und Ausreisser werden seltener. Dafür ist die regelmäßige Einnahme entscheidend.

Kann sich mein Blutdruck wieder verändern, auch wenn er jetzt gut eingestellt ist?
Ja. Es kommt häufig vor, dass Patienten einen über Jahre gut eingestellten Blutdruck haben und dieser dann durch ein Ereignis (z.B. beruflicher oder privater Stress oder chronischer fieberhafter Infekt) ansteigt. Manche Patienten berichten auch über einen Anstieg ohne dass sich irgendeine Veränderung in Ihrem Leben ergeben hat. Wie auch immer sollte man dann den Arzt aufsuchen und die Tablettendosis anpassen lassen. Daher ist es auch wichtig bei gut eingestelltem Blutdruck gelegentliche Kontrollmessungen durchzuführen.

Ich fühle mich zu gesund bzw. zu jung um regelmäßig Tabletten einzunehmen!
Diesen Satz hört man häufig von jüngeren Patienten. Ich verstehe das, v.a. wenn die Patienten zu jener Gruppe gehören, die durch den hohen Blutdruck keine Beschwerden hatten. Trotzdem ist die regelmäßige und dauerhafte Einnahme der Tabletten wichtig, um die Folge- (und Volks-) Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu vermeiden. Wir müssen hier Jahre und sogar Jahrzehnte vorausdenken, damit sie solange wie möglich gesund bleiben! Täglich ein bis zwei Tabletten einzunehmen ist nicht angenehmen und erinnert einen immer wieder an die Erkrankung. Aber es ist ein Klacks gegen die oben erwähnten Erkrankungen. Sie sind außerdem in bester Gesellschaft. Sie treffen täglich viele Menschen, die zwar vielleicht wegen einer anderen Erkrankung regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, die Wenigsten werden es Ihnen aber mitteilen.

Was bedeutet schwankender Blutdruck?
Ein schwankender Blutdruck ist ein hoher Blutdruck. Dies gilt auch dann, wenn dazwischen immer wieder niedrige Blutdruckwerte auftreten. Eine regelmäßige und dauerhafte Medikation ist hier genauso die richtige Therapie. Nur dadurch kann sich der Blutdruck einpendeln und der Kreislauf langfristig einstellen, Blutdruckspitzen und Ausreisser werden immer seltener werden und Sie werden sich dauerhaft wohler fühlen.

Ich hatte immer niedrigen Blutdruck!
Ein Satz den ich oft von Frauen höre. Oder auch von sehr schlanken Patienten. Das ist sicher wahr, aber nach der Menopause und mit zunehmendem Alter kann dies umschlagen und ist tatsächlich nicht selten. Diese Patienten sind zurecht überrascht und können es oft nicht glauben, dass Sie nun selber betroffen sind. Oft sind die Blutdruckwerte dann auch nicht sehr stark erhöht. Wie auch immer, es ist möglich, die Diagnose wird genauso mit Blutdruckselbstmessungen gestellt, auch die Therapie ist in solchen Fällen nicht anders. Ziel ist wie immer die Verhinderung von Folge-Erkrankungen.


Bei weiteren Fragen zum Thema Bluthochdruck bin ich gerne persönlich für Sie da.

Erweitertes Profil (entgeltlich). Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der Daten ohne Gewähr.