{"id":8934,"date":"2022-10-03T09:00:00","date_gmt":"2022-10-03T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=8934"},"modified":"2022-11-24T12:51:09","modified_gmt":"2022-11-24T11:51:09","slug":"neuroleptika","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/neuroleptika\/","title":{"rendered":"Neuroleptika"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-sind-neuroleptika\"><strong>Was sind Neuroleptika?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Neuroleptika (auch Antipsychotika) sind Psychopharmaka, die antipsychotisch wirken und <strong>gegen schwere St\u00f6rungen des menschlichen Erlebens und Verhaltens eingesetzt<\/strong> werden. Solche St\u00f6rungen sind zum Beispiel Erregungszust\u00e4nde, Halluzinationen und Wahnideen, die bei psychischen St\u00f6rungen und akuten Psychosen wie schizophrenen Sch\u00fcben, manischen Episoden, psychotisch-depressiven St\u00f6rungen und Erregungszust\u00e4nden im Rahmen eines Delirs oder einer Alzheimer-Demenz auftreten. Antipsychotika sind hoch wirksame Medikamente, die oft nur \u00fcber einen kurzen Zeitraum bei akuten Problemen zur Anwendung kommen. Die Langzeitanwendung mit einem solchen Wirkstoff betrifft chronische psychotische St\u00f6rungen wie Schizophrenie, schizoaffektive St\u00f6rungen und Wahnerkrankungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt verschiedene Arten von Neuroleptika. Die <strong>stark wirkenden<\/strong> so genannten <strong>hochpotenten Neuroleptika<\/strong> haben die Eigenschaft, die Intensit\u00e4t der Wahrnehmung zu verringern. Das betrifft Sinneswahrnehmungen, die Wahrnehmung des eigenen K\u00f6rpers, der eigenen Gedanken und Gef\u00fchle. Die Wirkung von Antipsychotika kann dabei so ausgepr\u00e4gt sein, dass man sich benommen und wie von der Welt getrennt f\u00fchlt. Diese antipsychotische Wirkung kann oft hilfreich sein, weil sie die akute \u00dcberlastung und \u00dcberforderung, mit der akute Psychosen einhergehen, unterbricht, und es wird f\u00fcr Betroffene leichter, ihr psychotisches Erleben mit der Realit\u00e4t abzugleichen und langsam wieder in die Wirklichkeit der Welt zur\u00fcckzufinden. <strong>Aber<\/strong>: Hochpotente Neuroleptika haben auch zahlreiche unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen wie etwa Fr\u00fchdyskinesien, Sp\u00e4tdyskinesien, Akathesie und Symptome, die der Parkinson-Krankheit \u00e4hnlich sind, und diese Nebenwirkungen werden von vielen Patienten als sehr unangenehm empfunden. Auch die abschirmende Wirkung dieser Substanzen wird oft nicht unbedingt als angenehm erlebt und so behandelte Patienten nehmen sie nur in Kauf, weil es ihnen damit besser geht als in der akuten Psychose ohne Medikamente. Andere wiederum lehnen die Nebenwirkung der Abschirmung ihrer gesamten Wahrnehmung ab, und so gibt es nicht wenige Patienten, die Neuroleptika nicht oder nur sehr ungern einnehmen \u2013 auch dann, wenn sie damit riskieren, eine neuerliche Psychose zu erleben. <\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist deshalb f\u00fcr Betroffene ein gutes Verh\u00e4ltnis mit dem behandelnden Psychiater. Dieser sollte die \u00c4ngste seiner Patienten ernst nehmen und sie so aufkl\u00e4ren und informieren, dass sie die Verordnung eines Antipsychotikums akzeptieren k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist auch deshalb von Bedeutung, weil Neuroleptika auch zur langfristigen Behandlung oder Prophylaxe eingesetzt werden und in dieser Anwendung sehr n\u00fctzlich und oft auch unentbehrlich sein k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neuroleptika haben \u2013 wie Antidepressiva \u2013 kein Abh\u00e4ngigkeits- oder Suchtpotenzial.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-wie-wirken-neuroleptika\"><strong>Wie wirken Neuroleptika?&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Neuroleptika sind Dopamin-Rezeptor-Antagonisten. Die Verbindungen hemmen den G-Protein-gekoppelten D2-Rezeptor. Das bedeutet, dass der Wirkstoff dieser Medikamente den Stoffwechsel des Botenstoffs Dopamin beeinflusst. Es kommt zu einer Blockade der Rezeptoren f\u00fcr den Botenstoff Dopamin im Gehirn, sodass das Dopamin an der synaptischen Nervenzelle, welche die Empf\u00e4ngerzelle ist, keine Wirkung entfalten kann. Hintergrund daf\u00fcr ist, dass man annimmt, dass es etwa im Gehirn schizophrener Patienten mit schweren psychotischen Zust\u00e4nden zu einer Dysregulation des dopaminergen Systems kommt. Die Negativ-Symptomatik (Affektverflachung, Interessensverlust, kognitive Dysfunktionen, Antriebsarmut, soziales R\u00fcckzugsverhalten), die dabei auftritt, erkl\u00e4ren sich Wissenschaftler mit einer verminderten Aktivit\u00e4t im frontalen Bereich, die Positiv-Symptomatik (neue Denk-, Erlebens- und Verhaltensweisen wie Wahn, Halluzinationen und Ich-St\u00f6rung) mit einer verst\u00e4rkten Aktivit\u00e4t im mesolimbischen System.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Problematik bei Antipsychotika besteht darin, dass sie nicht besonders selektiv wirken und daher auch Dopamin-Rezeptoren in anderen Bereichen des Gehirns blockieren. Das f\u00fchrt zu der umfassenden blockierenden Nebenwirkung. Zudem beeinflussen sie auch Serotonin-Rezeptoren sowie Histamin-, Muscarin- und adrenerge Rezeptoren, was ebenfalls zu zahlreichen unerw\u00fcnschten Nebenwirkungen f\u00fchren kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wichtig<\/strong> zu wissen ist auch, dass hochpotente Neuroleptika stark antipsychotisch und wenig sedierend wirken, w\u00e4hrend niedrigpotente Neuroleptika wenig antipsychotisch und stark sedierend wirken. Mittelpotente Neuroleptika haben eine mittelstarke antipsychotische und eine mittelstark sedierende Wirkung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich wirken Antipsychotika nur symptomatisch. Das hei\u00dft, dass sie psychische Krankheiten nicht heilen k\u00f6nnen, aber sie k\u00f6nnen Symptome wie Wahn oder Halluzinationen meist beseitigen, sodass die Patienten sich von ihrer Erkrankung distanzieren und ihren Zustand selbst als krankhaft erkennen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/shutterstock_1923103079-1024x683.jpg\" alt=\"Neuroleptika\" class=\"wp-image-8948\" srcset=\"https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/shutterstock_1923103079-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/shutterstock_1923103079-300x200.jpg 300w, https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/shutterstock_1923103079-768x512.jpg 768w, https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/shutterstock_1923103079-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/shutterstock_1923103079-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Foto: shutterstock\/monte_a<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-welche-arten-von-neuroleptika-gibt-es\"><strong>Welche Arten von Neuroleptika gibt es?&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Experten unterscheiden grunds\u00e4tzlich zwischen Antipsychotika der ersten Generation (klassische Neuroleptika) und Antipsychotika der zweiten Generation (atypische Neuroleptika).&nbsp;Antipsychotika der ersten Generation leiten sich von der im Jahr 1950 entwickelten Substanz Chlopromazin ab und verursachen h\u00e4ufig extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen. Innerhalb dieser Gruppe von Neuroleptika unterscheidet man nach Wirkstoff:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Antipsychotika der ersten Generation<\/strong> leiten sich von der im Jahr 1950 entwickelten Substanz Chlopromazin ab und verursachen h\u00e4ufig extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen. Innerhalb dieser Gruppe von Neuroleptika unterscheidet man nach Wirkstoff:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Butyrophenone und Diphenylbutylpiperidine: Das am h\u00e4ufigsten angewendete Neuroleptikum dieser Substanzklasse ist Haloperidol. Andere Beispiele f\u00fcr Medikamente dieser Substanzklasse sind Benperidol, Bromperidol, Fluspirilen, Melperon, Pimozid, Pipamperon und Trifluperidol.&nbsp;<\/li><li>Phenotiazine: Sie wirken im Vergleich mit Butyrophenonen weniger selektiv auf D2-Rezeptoren und blockieren Muscarin- und Histamin-Rezeptoren, was zu entsprechenden Nebenwirkungen f\u00fchrt. Beispiele f\u00fcr Substanzen dieser Medikamentenklasse sind Chlorpromazin, Fluphenazin, Perazin, Perphenazin und Thioridazin.<\/li><li>Thioxanthen-Derivate: Dabei handelt es sich um trizyklische Verbindungen. Beispiele f\u00fcr Thioxanthen-Derivate sind Chlorprothixen, Clopenthixol, Flupentixol, Zuclopenthixol&nbsp;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Des Weiteren gibt es auch eine Einteilung nach der Potenz dieser Medikamente:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Hochpotente Antipsychotika: Dies sind in absteigender Potenz Benperidol, Trifluperidol, Haloperidol, Bromperidol, Flupentixol, Fluspirilen, Olanzapin, Pimozid, Risperidon, Fluphenazin, Perphenazin, Zuclopenthixol, Clopenthixol<\/li><li>Mittelpotente Antipsychotika: Diese sind Zotepin, Chlorpromazin, Clozapin, Melperon, Perazin, Quetiapin, Thioridazin<\/li><li>Niedrigpotente Antipsychotika: Diese sind Pipamperon, Chlorprothixen, Prothipendyl, Levomepromazin, Amisulprid, Sulpirid<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Antipsychotika der zweiten Generation<\/strong> (atypische Neuroleptika) sind von ihrer chemischen Struktur her sehr heterogen. Sie verursachen im Vergleich mit typischen Antipsychotika keine bzw. weniger extrapyramidal-motorische Symptome und wirken besser auf die Minus-Symptomatik der Schizophrenie. Beispiele f\u00fcr diese Medikamente sind Aripiprazol, Asenapin, Sulpirid, Amisulprid, Brexpiprazol, Cariprazin, Clozapin, Iloperidon, Lurasidon, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon, Sertindol, Ziprasidon, Zotepin.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-welche-nebenwirkungen-haben-neuroleptika\"><strong>Welche Nebenwirkungen haben Neuroleptika?&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Antipsychotika sind sehr wirksame Medikamente, aber sie haben tats\u00e4chlich mehr als eine Nebenwirkung. Das betrifft vor allem \u00e4ltere Substanzen, die so genannten typischen Neuroleptika. Sie verursachen oft auch extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen. Das sind vom Zentralnervensystem ausgehende Bewegungsst\u00f6rungen, die umso h\u00e4ufiger auftreten, je st\u00e4rker die antipsychotische Wirkung der Substanz ist. Experten nennen hier Fr\u00fchdyskinesien, Sp\u00e4tdyskinesien, die Akathesie und Symptome, die der Parkinson-Krankheit \u00e4hnlich sind, als m\u00f6gliche Nebenwirkungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die m\u00f6glichen Nebenwirkungen im Einzelnen sind:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Fr\u00fchdyskinesien: Sie \u00e4u\u00dfern sich als unwillk\u00fcrliche Bewegungen und krampfhaftes Anspannen der Muskeln (Zungen-, Schlund,-, Blickkr\u00e4mpfe, Schiefhals) und treten schon relativ bald nach dem Beginn der Behandlung auf.<\/li><li>Sp\u00e4tdyskinesien: Auch dabei handelt es sich um Bewegungsst\u00f6rungen, die vor allem im Gesicht auftreten (etwa Zucken, Schmatzen, Kaubewegungen), aber auch die Arme und Beine k\u00f6nnen betroffen sein und unwillk\u00fcrliche Bewegungen vollziehen. Sp\u00e4tdyskinesien zeigen sich erst nach einer l\u00e4ngeren Behandlung mit Neuroleptika, und sie sind dann meist nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen.<\/li><li>Akathesie: Diese Nebenwirkung ist eine qu\u00e4lende Bewegungsunruhe. Betroffene Patienten k\u00f6nnen dann nicht mehr still sitzen.<\/li><li>Parkinson-\u00e4hnliche Symptome: Unter diese Nebenwirkung fallen Muskelstarre, Zittern sowie verlangsamte Bewegungen bis zur Unf\u00e4higkeit, sich \u00fcberhaupt zu bewegen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Andere Nebenwirkungen, die unter einer Behandlung mit Antipsychotika auftreten k\u00f6nnen sind:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>M\u00fcdigkeit<\/li><li>verlangsamte Reaktionsf\u00e4higkeit<\/li><li>Gewichtszunahme<\/li><li>sexuelle Funktionsst\u00f6rungen<\/li><li>St\u00f6rungen am Herzen<\/li><li>St\u00f6rungen der Leber- oder Nierenfunktion<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Achtung<\/strong>: Es ist wichtig, unter einer Behandlung mit Neuroleptika regelm\u00e4\u00dfige Blut- und Leberwertkontrollen durchf\u00fchren zu lassen.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[2457,2444],"tags":[574,453,456,831,188,413,457,1518,458],"class_list":["post-8934","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-krankheit","category-psychiatrie","tag-antidepressiva","tag-antipsychotika","tag-halluzination","tag-neuroleptika","tag-neurologie","tag-psychologie","tag-psychose","tag-schizophrenie","tag-wahn"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8934","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8934\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9035,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8934\/revisions\/9035"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8947"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8934"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8934"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8934"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}