{"id":8867,"date":"2022-09-19T10:30:00","date_gmt":"2022-09-19T08:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=8867"},"modified":"2025-06-23T13:19:36","modified_gmt":"2025-06-23T11:19:36","slug":"fruktosemalabsorption","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/fruktosemalabsorption\/","title":{"rendered":"Fruktosemalabsorption &#8211; die Fruchtzucker-Unvertr\u00e4glichkeit"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-ist-fruktosemalabsorption\">Was ist Fruktosemalabsorption?<\/h2>\n\n\n\n<p>Unter Fruktosemalabsorption versteht man eine weit verbreitete Nahrungsmittelunvertr\u00e4glichkeit, genauer eine Kohlehydratverwertungsst\u00f6rung, die oft mit der angeborenen <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/hereditaere-fruktoseintoleranz\/\">Fruktoseintoleranz<\/a> (heredit\u00e4re Fruktoseintoleranz, HFI) verwechselt wird, aber bei weitem nicht so dramatisch ist wie die HFI. Bei der Fruktosemalabsorption rebelliert der Darm insbesondere nach dem Konsum von Obst und S\u00e4ften, also auf den darin enthaltenen Fruchtzucker (Fruktose, Fructose), der in unterschiedlicher Konzentration in den meisten Obst- und Gem\u00fcsesorten vorkommt. Normalerweise wird der Zucker von den D\u00fcnndarmzellen vollst\u00e4ndig aufgenommen und mit einer Art \u201eTransporter\u201c, dem GLUT-5 ins Blut gebracht. Das funktioniert folgenderma\u00dfen: GLUT-5 hat zun\u00e4chst die Funktion, die Fruktose aus dem Nahrungsbrei aufzunehmen und in die D\u00fcnndarmzellen einzubringen. Von dort aus kommt die Fruktose \u00fcber den GLUT-5-Transporter in die Blutbahn. Bei einer Fruktosemalabsorption aber findet eine unvollst\u00e4ndige Aufnahme von Fruktose im Verdauungstrakt statt, weil die Funktion des so genannten GLUT-5-Transporters zeitweise eingeschr\u00e4nkt oder nicht vorhanden ist. Deshalb kommt es dazu, dass ein Teil der verzehrten Fruktose in den Dickdarm gelangt, was vor allem dann, wenn man st\u00e4ndig mehr Fruchtzucker isst, als der K\u00f6rper aufnehmen kann, dazu f\u00fchrt, dass sich die Bakterienflora im Dickdarm ver\u00e4ndert. Es kommt unter anderem zu einer Verg\u00e4rung der Fruktose zu Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan. Das wiederum verursacht Bl\u00e4hungen, Stuhlauflockerung und die Bildung von zu gro\u00dfen Mengen an kurzkettigen Fetts\u00e4uren. Kurzkettige Fetts\u00e4uren lockern den Stuhl ebenfalls auf und regen den Darm an. Die Folge sind Symptome wie Bl\u00e4hungen, Durchfall und Bauchschmerzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig zu wissen ist auch, dass GLUT-5 keine gro\u00dfen Mengen an Fruktose transportieren kann, und dass der D\u00fcnndarm nur eine Aufnahmekapazit\u00e4t von rund 35 bis 50 Gramm Fruktose auf einmal hat. Wenn man dann bedenkt, dass schon ein halber Liter Apfelsaft 32 Gramm Fruktose enth\u00e4lt, wird klar, dass es hier eine nat\u00fcrliche Grenze gibt. Deshalb k\u00f6nnen auch gesunde Menschen Bauchschmerzen, Bl\u00e4hungen oder Durchfall bekommen. Diese typischen Beschwerden sind zwar unangenehm, aber nicht gesundheitssch\u00e4digend f\u00fcr den Darm. Doch wenn man schon bei weniger als 25 Gramm Fruktose Symptome bekommt, spricht man eben von Fruktosemalabsorption. Rund ein Drittel der Bev\u00f6lkerung hierzulande ist davon betroffen, wobei Kleinkinder noch h\u00e4ufiger unter diesbez\u00fcglichen Problemen leiden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wo findet sich Fruchtzucker?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie schon der Name sagt, kommt Fruchtzucker vor allem in Fr\u00fcchten vor. Doch es ist nicht nur Obst, das Fruktose enth\u00e4lt, sondern naturgem\u00e4\u00df auch Fruchts\u00e4fte, Most, Wein, Marmelade und alle Lebensmittel, die haupts\u00e4chlich aus Fr\u00fcchten bestehen. Auch Trockenfr\u00fcchte haben einen hohen Anteil an Fruktose.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem kommt Fruktose in Haushaltszucker vor, denn dieser wird aus Zuckerr\u00fcben oder Zuckerrohr gemacht. Auch Honig und Ahornsirup enthalten Fruchtzucker, aber wenn man Haushaltszucker,&nbsp;Honig und Ahornsirup in Ma\u00dfen genie\u00dft, so wird dies gut vertragen. Anders ist das bei anderen S\u00fc\u00dfungsmitteln wie Dicks\u00e4ften, die sehr viel Fruchtzucker enthalten. Besonders problematisch ist Agavendicksaft. Nur Traubenzucker und Reissirup werden in der Regel gut vertragen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben findet sich Fruktose auch als S\u00fc\u00dfungsmittel in vielen Limonaden und Softdrinks sowie in Fertigprodukten. ExpertInnen warnen auch vor \u201ezahnfreundlichen\u201c S\u00fc\u00dfigkeiten, Kaugummis und kalorienreduzierten Getr\u00e4nken, denn sie enthalten oft Zuckeralkohole.<\/p>\n\n\n\n<p>Unbedenklich hinsichtlich Fruktosemalabsorption scheinen hingegen kalorienfreie Getr\u00e4nke zu sein, die unges\u00fc\u00dft sind oder S\u00fc\u00dfstoffe enthalten. Der Gehalt von Fruchtzucker in Gem\u00fcse ist zu gering, um Symptome einer Fruktosemalabsorption ausl\u00f6sen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ursachen der Unvertr\u00e4glichkeit von Fruktose<\/h2>\n\n\n\n<p>In westlichen Industriel\u00e4ndern wird die Fruktosemalabsorption immer h\u00e4ufiger. Der Grund f\u00fcr die massive Zunahme dieser Kohlehydratverwertungsst\u00f6rung ist eine dauerhaft ung\u00fcnstige Ern\u00e4hrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele von uns nehmen zu viel Zucker und Fruchtzucker zu sich, andere wiederum setzen auf vermeintlich bewusst gesunde Nahrungsmittel und Ern\u00e4hrungstrends wie Low carb, Low fat, laktosefreie Produkte oder Alternativen f\u00fcr Zucker. Auch das aber ist aus ern\u00e4hrungsmedizinischer Sicht nicht gesund. So haben etwa j\u00fcngste wissenschaftliche Erkenntnisse gezeigt, dass Maissirup besonders schlecht ist, da sich dieses hochfruktosehaltige S\u00fc\u00dfungsmittel negativ auf die Darmmikrobiota auswirkt und sogar die Entstehung eines kolorektalen Karzinoms oder einer Fettleber beg\u00fcnstigen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Symptome der Fruktosemalabsorption<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Symptome der heredit\u00e4ren Fruktoseintoleranz und jene der Fruktosemalabsorption unterscheiden sich deutlich voneinander. Die Symptome der Fruktosemalabsorption sind folgende:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/was-tun-bei-blaehungen\/\">Bl\u00e4hungen<\/a><\/li><li>Schmerzen<\/li><li>Kr\u00e4mpfe<\/li><li>V\u00f6llegef\u00fchl<\/li><li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/hilfe-bei-durchfall\/\">Durchfall<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die Symptomatik ist unangenehm, aber nicht gesundheitsgef\u00e4hrdend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie diagnostiziert man eine Fruktosemalabsorption?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ebenso wie die Symptomatik unterscheidet sich auch die Diagnostik der angeborenen <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/hereditaere-fruktoseintoleranz\/\">Fruktoseintoleranz<\/a> und Fruktosemalabsorption grundlegend.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Diagnostik der <meta charset=\"utf-8\">Fruktosemalabsorption betrifft, so kann, wenn das Vorliegen dieser Nahrungsmittelunvertr\u00e4glichkeit vermutet wird, ein H2-Atemtest durchgef\u00fchrt werden. Denn bei der Verstoffwechselung der Fruktose kommt es durch Darmbakterien zur Bildung von Wasserstoff (H2). Die Menge dieses abgeatmeten Wasserstoffs l\u00e4sst sich mit speziellen Ger\u00e4ten messen. Vor dem Test muss man zw\u00f6lf Stunden lang n\u00fcchtern bleiben, darf nicht Z\u00e4hne putzen und muss Fruktose gel\u00f6st in Wasser trinken. Der gesamte Test dauert zwei bis drei Stunden, denn es m\u00fcssen mehrere Messungen des Wasserstoffgehalts in der Ausatemluft durchgef\u00fchrt werden. Manche ExpertInnen empfehlen weiters, zuvor ein Ern\u00e4hrungs-Symptom-Tagebuch Tagebuch zu f\u00fchren, das idealerweise von einer auf Nahrungsmittelunvertr\u00e4glichkeiten spezialisierten Ern\u00e4hrungsfachkraft begleitet wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Behandlung \u00fcber Ern\u00e4hrung<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei der Behandlung der Fruktosemalabsorption geht es um Ern\u00e4hrungsbewusstsein und richtige Ern\u00e4hrung. Es wird empfohlen, zuerst zwei Wochen lang den Fruktosegehalt in der Nahrung zu reduzieren. Danach sollte man sechs Wochen lang testen, wie viel Fruktose man vertr\u00e4gt, denn die Vertr\u00e4glichkeit ist individuell unterschiedlich. Hier wird ein  Ern\u00e4hrungsberatung, aber das strikte Meiden aller Fruchtzucker ist bei der Fruchtzuckerunvertr\u00e4glichkeit nicht notwendig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ern\u00e4hrungsumstellung bei Fruktosemalabsorption<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Ern\u00e4hrungsumstellung wird ein dreistufiges Schema empfohlen. In der ersten Stufe geht es um eine deutliche Einschr\u00e4nkung von Obst, Zucker, Zuckeralkoholen, s\u00fc\u00dfen Lebensmitteln und Getr\u00e4nken. Das Ziel dieser Phase ist das Erreichen von weitgehender Beschwerdefreiheit. Noch bessere Ergebnisse erzielt man, wenn man gleichzeitig die Lebensmittelauswahl und das Essverhalten verbessert. Das kann man zum Beispiel mit \u2013 am besten regelm\u00e4\u00dfigen &#8211; Mahlzeiten mit viel Gem\u00fcse und einem hohen Anteil an Fett und Eiwei\u00df in der Nahrung erzielen, denn dadurch verbessern sich die Voraussetzungen der Verdauung, weil diese Lebensmittel l\u00e4nger im Magen verweilen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der zweiten Stufe kann man dann Kostaufbau machen, indem man Schritt f\u00fcr Schritt immer wieder kleine Mengen an fruktosehaltigen Lebensmitteln ins sonst optimierte Essen integriert und dies langsam steigert. So kann man auch gut herausfinden, was man individuell gut vertr\u00e4gt und was nicht. Dabei kann man durchaus eigene Vorlieben ber\u00fccksichtigen, wenn man gleichzeitig eine gute Ern\u00e4hrung sichert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dritte Stufe des Schemas sieht dann die langfristige gute Dauerern\u00e4hrung vor. Alle Ma\u00dfnahmen haben das Ziel, dass Betroffene symptomfrei werden, auch wenn sie Fruktose in Ma\u00dfen zu sich nehmen. Was die Fachleute noch anmerken ist, dass man gelegentlich durchaus bewusst von der Di\u00e4t abweichen kann. Der Erfolg der Gesamttherapie wird dadurch nicht gef\u00e4hrdet, allerdings muss man in diesen F\u00e4llen auch wieder mit vor\u00fcbergehenden Beschwerden rechnen.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,78,2457,3115],"tags":[488,2202,373,3046,3121,3047],"class_list":["post-8867","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gastroenterologie","category-krankheit","category-reizdarmsyndrom","tag-bauchschmerzen","tag-blahungen","tag-durchfall","tag-fruktose","tag-fruktosemalabsorption","tag-hereditaere-fruktoseintoleranz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8867","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8867\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17418,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8867\/revisions\/17418"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8870"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8867"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8867"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8867"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}