{"id":8771,"date":"2022-09-28T06:00:00","date_gmt":"2022-09-28T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=8771"},"modified":"2022-12-01T10:01:38","modified_gmt":"2022-12-01T09:01:38","slug":"pilzvergiftung","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/pilzvergiftung\/","title":{"rendered":"Pilzvergiftung"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-ist-eine-pilzvergiftung\"><strong>Was ist eine Pilzvergiftung?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ob Speisepilz oder Giftpilz ist f\u00fcr den Laien oft nicht einfach zu unterscheiden. Verwechslungen in diesem Bereich kommen h\u00e4ufig vor, denn die Regeln zur Unterscheidung von giftigen und nichtgiftigen Pilzen sind oft nicht eindeutig bzw. zuverl\u00e4ssig. Die Crux an der Sache ist allerdings, dass Pilzgifte schon in kleinsten Mengen schwere Vergiftungserscheinungen ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Alle Giftpilze verursachen Erbrechen und Bauchschmerzen, die weiteren Beschwerden variieren von Art zu Art.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den h\u00e4ufigsten Giftpilzen z\u00e4hlen Knollenbl\u00e4tterpilze, \u201eMagic Mushrooms\u201c, Karbol-Champignons, Hallimasche, Pantherpilze, Fliegenpilze, Gallenr\u00f6hrlinge, D\u00fcngerlinge, Kahle Kremplinge und Satanspilze. Grunds\u00e4tzlich sind Pilze, die fr\u00fchzeitig Symptome hervorrufen, weniger gef\u00e4hrlich als jene, die erst sp\u00e4ter Beschwerden verursachen. Pilzvergiftungen k\u00f6nnen t\u00f6dlich enden, daher geht es in diesen F\u00e4llen um schnelle Erste Hilfe und eine umgehende \u00e4rztliche Behandlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem k\u00f6nnen auch an sich ungiftige Pilze, wenn sie roh, verdorben oder aufgew\u00e4rmt verzehrt werden, Vergiftungserscheinungen wie Bl\u00e4hungen, \u00dcbelkeit und Brechdurchfall hervorrufen. In diesem Fall spricht man von einem Pilzunvertr\u00e4glichkeitssyndrom oder einer unechten bzw. sekund\u00e4ren Pilzintoxikation, die keine Vergiftung im eigentlichen Sinn und in der Regel nicht lebensbedrohlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Risikoabsch\u00e4tzung, die bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung getroffen werden muss, ist oft nicht einfach. Denn sowohl echte als auch unechte Pilzvergiftungen \u00e4u\u00dfern sich zun\u00e4chst meist mit relativ unspezifischen Magen-Darm-Beschwerden. Die Beurteilung der Erstsymptomatik hilft hier nicht immer. Zudem m\u00fcssen die die Vergiftung hervorrufenden Pilze identifiziert werden, um eine ad\u00e4quate Behandlung einleiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Symptome bei einer Pilzvergiftung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Bei vielen Pilzarten kommt es schon nach wenigen Stunden zu den ersten Symptomen, bei manchen aber auch erst deutlich sp\u00e4ter. Setzen die Beschwerden rasch ein, so kann zumindest auch schnell der Zusammenhang zum Pilzverzehr hergestellt werden. Je sp\u00e4ter die Symptome auftreten, desto l\u00e4nger haben die Giftstoffe Zeit, im K\u00f6rper aufgenommen zu werden und sich systemisch zu verteilen. Deshalb sind Pilzvergiftungen mit einer l\u00e4ngeren Latenzzeit (der Zeit bis zum Auftreten der ersten Symptome) gef\u00e4hrlicher als solche, bei denen die Symptomatik relativ rasch einsetzt. Es gilt die Faustregel, dass Pilzvergiftungen mit einer Latenzzeit von weniger als sechs Stunden meist nur zu funktionellen Syndromen f\u00fchren und mild verlaufen. Pilzvergiftungen mit einer Latenzzeit von mehr als sechs Stunden f\u00fchren hingegen zu organsch\u00e4digende Syndromen mit oft lebensbedrohlichem Verlauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich sind die Symptome recht unspezifisch und vielf\u00e4ltig. Dazu z\u00e4hlen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Bauchschmerzen, \u00dcbelkeit, Erbrechen<\/li><li>Benommenheit und Schwindel<\/li><li>Bewusstseinsst\u00f6rungen bis hin zur Bewusstlosigkeit<\/li><li>Sehst\u00f6rungen, Tr\u00e4nen- und Speichelfluss sowie eine starke Schwei\u00dfsekretion<\/li><li>Herzrhythmusst\u00f6rungen<\/li><li>Halluzinationen, Angstattacken und euphorische Zust\u00e4nde (bei halluzinogenen Pilzen)<\/li><li>Muskelzuckungen und Muskelkr\u00e4mpfe<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Achtung<\/strong>: Bei einer Knollenbl\u00e4tterpilzvergiftung kann es zu einem so genannten Phalloides- oder Amatoxin-Syndrom kommen. Die Symptomatik umfasst w\u00e4ssrigen, teils cholera\u00e4hnliche Durchf\u00e4lle, heftiges Erbrechen und Bauchkr\u00e4mpfe, die bis zu 36 Stunden anhalten k\u00f6nnen. Nach einer Phase der tr\u00fcgerischen Besserung kommt es zu einem Anstieg der Leberwerte und ggf. zu Leberversagen. Die Knollenbl\u00e4tterpilzvergiftung ist die am h\u00e4ufigsten t\u00f6dlich verlaufende Pilzvergiftung. F\u00fcr Kleinkinder kann schon ein Bissen von diesem Pilz t\u00f6dlich sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Therapien bei einer Pilzvergiftung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Jeder Giftpilz l\u00f6st eine individuelle Vergiftung aus. Die Therapie muss sich nach den Symptomen bzw. den entstandenen Sch\u00e4den richten. BehandlerInnen m\u00fcssen wissen, welche Art von Giftpilz konsumiert wurde und wie viel Zeit vom Verzehr der Pilze bis zum Auftreten der ersten Symptome vergangen ist, denn es gilt die grobe Faustregel: Je l\u00e4nger die Latenzzeit, desto lebensbedrohlicher die Vergiftung. Allerdings kann es auch beim t\u00f6dlich giftigen Knollenbl\u00e4tterpilz und anderen hochgiftigen Pilzen manchmal rasch zu den ersten Erscheinungen kommen. Wichtig ist, die Therapie so fr\u00fchzeitig wie m\u00f6glich zu starten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Pilzvergiftungstherapien orientieren sich an der Symptomatik. Je nach Pilzgift kommen folgende Behandlungen zum Einsatz:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Fl\u00fcssigkeits- und Elektrolytsubstitution<\/li><li>Antiemetika (Wirkstoffe zur Vorbeugung und Behandlung von \u00dcbelkeit und Erbrechen)<\/li><li>Aktivkohle<\/li><li>Atropin (pflanzliches Gegengift)<\/li><li>Betablockern<\/li><li>Benzodiazepinen oder Neuroleptika<\/li><li>ggf. H\u00e4modialyse (Blutw\u00e4sche) oder Plasmapherese (Entnahmeverfahren f\u00fcr Blutplasma)<\/li><li>ggf. Lebertransplantation<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Erste Schritte bei einer Pilzvergiftung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung ist der Notarzt oder die Vergiftungsinformationszentrale (Notruf: 01 406 43 43) zu rufen. Wichtig sind folgende Angaben:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Name und Alter des Betroffenen, bei Kindern auch Gewicht und Gr\u00f6\u00dfe<\/li><li>Vorerkrankungen und Dauermedikamente<\/li><li>Zeitpunkt des Verzehrs<\/li><li>Art und Menge der verzehrten Pilze<\/li><li>Herkunft der Pilze<\/li><li>Zeitpunkt des Auftretens der Symptome<\/li><li>Art der Symptome<\/li><li>weitere Personen, die das Pilzgericht gegessen haben<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Ratsam ist zudem, Pilzreste, Reste der Mahlzeit bzw. Erbrochenes einzusammeln. Das gibt den Pilzsachverst\u00e4ndigen und Behandlern wichtige Hinweise zur weiteren Therapie der Pilzvergiftung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wovor die Experten hingegen warnen, ist die Anwendung von \u201eHausmitteln\u201cbei einer Pilzvergiftung. Milch oder Salzwasser zu trinken, um ein Erbrechen zu f\u00f6rdern, oder die Einnahme von Kohletabletten, um Durchf\u00e4lle zu lindern, k\u00f6nnen schwere Nachteile mit sich bringen und die Prognose bis hin zum Tod verschlechtern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pr\u00e4vention von Pilzvergiftungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den sicheren Pilzgenuss gibt es einige Grundregeln, die man beachten sollte:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Sammeln Sie nur Pilze, die Sie sicher kennen.<\/li><li>Essen Sie keine Pilze, die Sie erstmals bestimmt haben.<\/li><li>Verwenden Sie beim Sammeln einen Korb oder andere luftige Gef\u00e4\u00dfe.<\/li><li>Lassen Sie zu alte und zu kleine Pilze stehen.<\/li><li>Lassen Sie Ihre Pilze von gepr\u00fcften Pilzsachverst\u00e4ndigen auf Essbarkeit hin \u00fcberpr\u00fcfen.<\/li><li>Fragen Sie bei Wildpilzen auf M\u00e4rkten und in Restaurants gegebenenfalls, ob die Pilze kontrolliert wurden.<\/li><li>Achten Sie auch bei Zuchtpilzen auf Frische und appetitliches Aussehen.<\/li><li>Sichern Sie Ihre Kenntnisse mit qualitativ guten Bestimmungsb\u00fcchern.&nbsp;<\/li><\/ul>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,78,2449,2457],"tags":[488,2577,3112,522,2576],"class_list":["post-8771","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gastroenterologie","category-intensivmedizin","category-krankheit","tag-bauchschmerzen","tag-erbrechen","tag-giftpilz","tag-knollenblatterpilzvergiftung","tag-vergiftung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8771\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9022,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8771\/revisions\/9022"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}