{"id":8591,"date":"2022-08-18T06:00:00","date_gmt":"2022-08-18T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=8591"},"modified":"2023-02-24T11:13:46","modified_gmt":"2023-02-24T10:13:46","slug":"angina-pectoris-brustenge","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/angina-pectoris-brustenge\/","title":{"rendered":"Angina pectoris &#8211; Brustenge"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Was ist Angina pectoris? <\/strong><\/h2>\n<p>Wenn man unter Angina pectoris (bekannt auch als Brustenge, Herzenge oder Stenokardie) leidet, treten anfangs nur unter starker k\u00f6rperlicher Belastung, sp\u00e4ter auch unter leichter Belastung und schlie\u00dflich sogar in Ruhe anfallsartige Schmerzen und ein Enge-\/Druckgef\u00fchl im Brustkorb auf. Verantwortlich daf\u00fcr ist meist eine <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/koronare-herzkrankheit\/\">Koronare Herzkrankheit<\/a> (KHK). Sie wiederum entsteht aufgrund vielf\u00e4ltiger Faktoren, die hohen <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/bluthochdruck\/\">Blutdruck<\/a>, einen hohen Spiegel an \u201eschlechtem\u201c <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/cholesterin\/\">HDL-Cholesterin<\/a>, Nikotinkonsum, <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/diabetes-mellitus\/\">Diabetes mellitus<\/a>, wenig Bewegung und starkes <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/adipositas-fettleibigkeit\/\">\u00dcbergewicht<\/a> umfassen. All das schadet den Blutgef\u00e4\u00dfen. Mittelfristig bilden sich <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/arteriosklerose-was-ist-das-eigentlich\/\">Ablagerungen<\/a> (Plaques) aus Fetten, Kalk und Bindegewebe in den Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nden. Schlie\u00dflich verengen die betroffenen Gef\u00e4\u00dfe.<\/p>\n<p>Bei der KHK sind die\u00a0 Koronararterien (Herzkranzgef\u00e4\u00dfe) von diesen Ablagerungen betroffen. Diese Gef\u00e4\u00dfe verengen sich in einem schleichenden Prozess. Dadurch wird der Herzmuskel zu wenig mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Das wiederum f\u00fchrt zu Beschwerden wie Schmerzen im Brustkorb. Die meisten Patienten beschreiben diese Schmerzen als brennend, einengend oder dr\u00fcckend. Die Angina pectoris ist \u201enur\u201c ein Symptom der dahinterliegende Erkrankung.<\/p>\n<p>Experten unterscheiden eine stabile und eine instabile Angina pectoris:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Stabile Angina pectoris:<\/strong> Dabei treten die Beschwerden nur unter Belastung auf, zum Beispiel beim Treppensteigen, in <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/stress\/\">Stress<\/a>-Situationen, nach einer \u00fcppigen Mahlzeit oder in der K\u00e4lte. Die Beschwerden \u00e4ndern sich zun\u00e4chst nicht in ihrer Intensit\u00e4t, und kurze Ruhepausen oder Medikamente wie ein gef\u00e4\u00dferweiterndes Nitrospray bringen rasch Linderung. Die stabile Angina pectoris muss zwar \u00e4rztlich abgekl\u00e4rt, \u00fcberwacht und behandelt werden, ist aber nicht lebensbedrohlich.<\/li>\n<li><strong>Instabile Angina pectoris:<\/strong> Bei der instabilen Angina pectoris hingegen treten die Beschwerden schon bei der kleinsten Belastung oder in Ruhe auf und sind auch l\u00e4nger anhaltend. Betroffene ben\u00f6tigen rasche \u00e4rztliche Hilfe, denn die instabile Angina pectoris deutet auf einen bevorstehenden <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/herzinfarkt\/\">Herzinfarkt<\/a> hin: Wenn etwa Plaques einrei\u00dfen, k\u00f6nnen Blutgerinnsel entstehen, welche die Koronararterie innerhalb von Sekunden vollst\u00e4ndig verschlie\u00dfen, und ohne Blutzufuhr gehen Zellen im Herzmuskel sehr rasch zugrunde.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Neben der stabilen und der instabilen Angina pectoris gibt es noch einige Sonderformen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Prinzmetal-Angina:<\/strong> Dabei l\u00f6st ein Krampf in Blutgef\u00e4\u00dfen Durchblutungsst\u00f6rungen des Herzmuskels aus. Charakteristisch ist ein starker Schmerz, der f\u00fcr wenige Sekunden bis Minuten in der Brustregion in Ruhe auftritt. Die Erkrankung ist selten, aber gef\u00e4hrlich, denn sie kann zu einem Herzinfarkt f\u00fchren.<\/li>\n<li><strong>Walk-Through-Angina:<\/strong> Dabei klingen die typischen Angina-pectoris-Symptome unter Belastung wieder ab, wenn man den K\u00f6rper weiter beansprucht.<\/li>\n<li><strong>Mikrovaskul\u00e4re Angina pectoris<\/strong> (Syndrom X): Dabei sind zwar keine gro\u00dfen Herzkranzgef\u00e4\u00dfe auff\u00e4llig, aber feine Gef\u00e4\u00dfe im Herzmuskel sind verengt (Mikrovaskulatur).<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Was sind die Ursachen einer Angina pectoris?<\/strong><\/h2>\n<p>Lebensstilfaktoren und andere, nicht beeinflussbare Faktoren k\u00f6nnen eine Koronare Herzkrankheit entstehen lassen. Dann verengen sich Herzkranzgef\u00e4\u00dfe, und der Herzmuskel wird schlechter durchblutet. Das f\u00fchrt letztlich zur KHK und zur Angina pectoris.<\/p>\n<p>Nicht beeinflussbare Risikofaktoren:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\"><strong>Arteriosklerose<\/strong>: Im Laufe des Lebens verlieren die Blutgef\u00e4\u00dfe an Elastizit\u00e4t. Ihr Durchmesser verringert sich, und der Blutfluss wird erschwert. Das bedeutet auch, dass die Arterien verkalken.<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\"><strong>famili\u00e4re Disposition<\/strong>: Bei der KHK gibt es auch genetische Einfl\u00fcsse. Man spricht von einer genetischen Veranlagung, wenn Familienmitglieder an der Koronaren Herzkrankheit leiden oder sogar einen Herzinfarkt hatten, und das individuelle Risiko dadurch h\u00f6her ist.<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Unabh\u00e4ngig davon sind M\u00e4nner schon ab dem 45. Lebensjahr, Frauen erst ab dem 55. Lebensjahr gef\u00e4hrdet. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied l\u00e4sst sich durch hormonelle Unterschiede erkl\u00e4ren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Beeinflussbare Risikofaktoren:<\/p>\n<ul>\n<li>Rauchen<\/li>\n<li>hoher Blutdruck (\u00fcber 140\/90 mmHg)<\/li>\n<li>Bewegungsmangel<\/li>\n<li>Stress<\/li>\n<li>\u00dcbergewicht<\/li>\n<li>Cholesterin: Obergrenze beim \u201esch\u00e4dlichen\u201c LDL-Cholesterin sollte bei ansonsten gesunden Menschen &lt; 115 mg\/dl (3,0 mmol\/l) sein<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Wie macht sich Angina pectoris bemerkbar?<\/strong><\/h2>\n<p>Patientinnen und Patienten, die unter Angina pectoris leiden, empfinden Schmerzen und ein Engegef\u00fchl im Brustkorb. Zudem qu\u00e4lt viele Betroffene Atemnot. Davon abgesehen gibt es noch weitere Symptome der Angina pectoris bzw. KHK.<\/p>\n<p>Die Symptome im Einzelnen:<\/p>\n<ul>\n<li>Schmerzen im Brustkorb: brennend, einengend, dumpf, ziehend, teilweise bis in den Oberbauch, die Arme, den Unterkiefer, den Nacken, den Hals oder die Schultern ausstrahlend<\/li>\n<li>Atemnot bei Anstrengung<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Achtung:<\/strong><\/p>\n<p>Bei Frauen und Menschen \u00fcber 75 Jahre treten die typischen Beschwerden in den Hintergrund, und sie berichten eher \u00fcber Atemnot und eine schnelle Ersch\u00f6pfung bei k\u00f6rperlichen Arbeiten.<\/p>\n<p>Bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus kann es sein, dass die typische Angina-pectoris-Symptomatik aufgrund einer eventuell bestehenden Neuropathie (gesch\u00e4digte Nerven) deutlich schw\u00e4cher wahrgenommen wird.<\/p>\n<h2><strong>Wie wird Angina pectoris diagnostiziert?<\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr die Diagnostik einer Angina pectoris als Hinweis auf eine zugrunde liegende KHK werden im Anamnesegespr\u00e4ch alle Beschwerden und Risikofaktoren abgefragt. Weiters wird der Blutdruck gemessen, die Patientin\/der Patient wird mit dem Stethoskop abgeh\u00f6rt und der K\u00f6rper abgetastet. Ein Blutbild gibt Aufschluss \u00fcber diverse Laborwerte wie etwa Cholesterin oder Blutfette. Auch Entz\u00fcndungsmarker oder Marker, die St\u00f6rungen der Blutgerinnung anzeigen, werden bestimmt.<\/p>\n<p>Verdichtet sich der Verdacht auf eine Koronare Herzkrankheit und damit auf Angina pectoris folgen Belastungs-EKG, Herzultraschall und Stress-MRT. Diese bildgebende Untersuchung zeigt, ob jemand an einer Minderdurchblutung des Herzmuskels leidet. Eine andere diesbez\u00fcgliche M\u00f6glichkeit ist die Myokardszintigraphie: Dabei werden geringe Mengen einer schwach radioaktiven Substanz in die Vene gespritzt. Dieser Marker reichert sich \u2013 je nach Durchblutung \u2013 im Herzmuskel unterschiedlich stark an, und der Arzt kann erkennen, ob eine Durchblutungsst\u00f6rung des Herzens vorliegt.<\/p>\n<p>Selten, aber doch kommt es vor, dass Menschen zwar typische Symptome einer Angina pectoris haben, die oben genannten Untersuchungen aber ohne Befund bleiben. In diesem Fall kann eine Prinzmetal-Angina vorliegen, f\u00fcr deren Diagnose es einen Provokationstest gibt. Dabei wird Acetylcholin direkt in die Koronararterien verabreicht. Wenn dann ein Gef\u00e4\u00dfkrampf erfolgt, ist die Diagnose gesichert.<\/p>\n<h2><strong>Angina pectoris &#8211; Behandlung<\/strong><\/h2>\n<p>Heute gibt es zahlreiche Medikamente, die es erlauben, eine Angina pectoris im Akutfall, aber auch langfristig zu behandeln. Zudem kann man stark verengte Blutgef\u00e4\u00dfe im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung erweitern oder in einer Operation Byp\u00e4sse legen.<\/p>\n<h3><strong>Medikamente bei Anf\u00e4llen:<\/strong><\/h3>\n<p>Bei erstmaligem Auftreten eines Angina-pectoris-Anfalls ist sofort der Notarzt zu verst\u00e4ndigen und Erste Hilfe muss geleistet werden. Treten die Symptome immer wieder und in \u00e4hnlichen Situationen auf, so werden bei einer stabilen Angina pectoris schnell wirksame Nitropr\u00e4parate gegeben, um die Herzkranzgef\u00e4\u00dfe zu erweitern.<\/p>\n<h3><strong>Angina-pectoris-Dauertherapie:<\/strong><\/h3>\n<p>Neben den f\u00fcr den Akutfall notwendigen Pr\u00e4paraten kommen auch folgende Medikamente zum Einsatz:<\/p>\n<ul>\n<li>Thrombozytenaggregationshemmer: Sie verringern die Verklumpungsneigung der Blutpl\u00e4ttchen. Besonders h\u00e4ufig handelt es sich dabei um Acetylsalicyls\u00e4ure oder Clopidogrel.<\/li>\n<li>Betablocker: Sie verringern die Herzfrequenz und senken den Blutdruck unter Belastung.<\/li>\n<li>Vasodilatatoren: etwa lang wirksame Nitrate. Sie erweitern die Gef\u00e4\u00dfe.<\/li>\n<li>Calciumantagonisten: Auch sie erweitern die Blutgef\u00e4\u00dfe.<\/li>\n<li>ggf. Blutdrucksenker, Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels (Statine)<\/li>\n<\/ul>\n<h3><strong>Stents und Byp\u00e4sse:<\/strong><\/h3>\n<p>Bei st\u00e4rkeren Verengungen der Herzkranzgef\u00e4\u00dfe versucht man, die Engstelle im Herzkatheterlabor mittels Stents oder Byp\u00e4ssen zu erweitern.<\/p>\n<h2><strong>Vorbeugende Ma\u00dfnahmen bei Angina pectoris<\/strong><\/h2>\n<p>Betroffenen wird geraten, nicht nur ihre Medikamente einzunehmen bzw. ggf. einen Eingriff vornehmen zu lassen sondern auch grundlegende Lebensstil-Ma\u00dfnahmen einzuhalten. Dazu z\u00e4hlen:<\/p>\n<ul>\n<li>Verzicht auf Nikotin<\/li>\n<li>wenig bis kein Alkohol<\/li>\n<li>gesunde Ern\u00e4hrung<\/li>\n<li>viel Bewegung<\/li>\n<li>Normalisierung des K\u00f6rpergewichts<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2447,2436,2449,2409,2457],"tags":[838,3091,776,914,3090,839,268,841,2462],"class_list":["post-8591","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-angiologie","category-geriatrie","category-intensivmedizin","category-kardiologie","category-krankheit","tag-angina-pectoris","tag-brustenge","tag-herz","tag-herz-kreislauf","tag-herzenge","tag-herzkranzgefase","tag-kardiologie","tag-khk","tag-krankheit"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8591","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8591\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9764,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8591\/revisions\/9764"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8594"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8591"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8591"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8591"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}