{"id":856,"date":"2022-04-04T11:10:34","date_gmt":"2022-04-04T09:10:34","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/diabetes\/"},"modified":"2026-02-10T11:11:36","modified_gmt":"2026-02-10T10:11:36","slug":"diabetes-mellitus","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/diabetes-mellitus\/","title":{"rendered":"Diabetes mellitus"},"content":{"rendered":"\n<p>Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist der Oberbegriff f\u00fcr eine Gruppe chronischer Erkrankung des Stoffwechsels, bei der der Blutzuckerspiegel erh\u00f6ht ist. In \u00d6sterreich leiden ca. 800.000 Menschen darunter, wobei rund 90 Prozent davon von Typ-2-Diabetes betroffen sind. Weitere Formen sind Typ-1-Diabetes, Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) und andere spezifische Typen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-wie-entsteht-diabetes\"><strong>Wie entsteht Diabetes?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Um arbeiten zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigen alle Zellen des K\u00f6rpers Zucker (Glukose), der aus dem Darm aus der Nahrung aufgenommen wird und von dort ins Blut gelangt. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel. Das k\u00f6rpereigene Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldr\u00fcse produziert wird, sorgt daf\u00fcr, dass die Glukose aus dem Blut in die Zellen gelangt. In den Zellen wird die Glukose in Energie umgewandelt. Wird diese nicht sofort ben\u00f6tigt, wird sie in den Leber- oder Muskelzellen als Fett oder St\u00e4rke gespeichert.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Aufnahme des Zuckers in die Zellen f\u00e4llt der Zuckerspiegel im Blut wieder. Wird der Blutzuckerspiegel von Gesunden im n\u00fcchternen Zustand (etwa acht bis zehn Stunden nach der letzten Mahlzeit) gemessen, liegt dieser meist unter 100 mg\/dl. Der Gelegenheitsblutzucker, der fr\u00fchestens zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit, aber auch nicht komplett n\u00fcchtern, gemessen wird, sollte unter 140 mg\/dl liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wird zu wenig oder kein Insulin produziert bzw. wenn die K\u00f6rperzellen schlechter auf das Insulin ansprechen, steigt der Blutzuckerspiegel. Liegt der Wert des N\u00fcchternblutzuckers \u00fcber 126mg\/dl oder der Gelegenheitsblutzucker sogar \u00fcber 200 mg\/dl ein Diabetes mellitus vor. Bei N\u00fcchternwerten zwischen 100 und 125 mg\/dl wird von einem <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/gefaehrlicher-praediabetes\/\">Pr\u00e4diabetes<\/a> gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-wie-wird-ein-diabetes-festgestellt\"><strong>Wie wird ein Diabetes festgestellt?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Um einen Diabetes mellitus zu diagnostizieren, gibt es mehrere Messmethoden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst erfolgen mindestens zwei Messungen des N\u00fcchternblutzuckers. Liegen die Werte beider Tage \u00fcber 126 mg\/dl, gilt das als Nachweis eines manifesten Diabetes.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei unklaren Werten oder auch in der Schwangerschaft kann auch ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) durchgef\u00fchrt werden. Hierzu trinkt der\/die n\u00fcchterne PatientIn 250 ml Wasser mit 75 g Traubenzucker. Vor dem Trinken und anschlie\u00dfend eine und zwei Stunden danach wird der Blutzucker im Blut gemessen. Sind der N\u00fcchternblutzucker und der Zwei-Stunden-Wert erh\u00f6ht (\u00fcber 200 mg\/dl) spricht das f\u00fcr ein Vorliegen eines Diabetes.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem kann das \u201eBlutzuckerged\u00e4chtnis\u201c gemessen werden. Dabei wird der Langzeit-Blutzuckerwert (HbA<sub>1c<\/sub>-Wert) im Blut gemessen, der die Glukosewerte der vorangegangenen vier bis sechs Wochen widerspiegelt. Je h\u00f6her und je l\u00e4nger der Blutzucker erh\u00f6ht ist, desto h\u00f6her sind auch die HbA<sub>1c<\/sub>-Werte. Diese werden auch zur \u00dcberpr\u00fcfung des Erfolges der Therapie ermittelt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-ist-diabetes-typ-1\"><strong>Was ist Diabetes Typ 1?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>\u00a0<\/strong>In \u00d6sterreich sind\u00a0derzeit etwa 30.000 Menschen\u00a0vom <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/diabetes-typ-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Diabetes mellitus Typ 1<\/a> betroffen. Die Erkrankung entsteht im Normalfall vor dem 40. Lebensjahr, h\u00e4ufig schon unter 20 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Insulin-produzierenden Zellen (Betazellen) in der Bauchspeicheldr\u00fcse angreift und zerst\u00f6rt. Infolge der Zerst\u00f6rung der Betazellen kommt es zu einem Insulinmangel im Blut, wodurch die Glukose nicht mehr in den K\u00f6rperzellen aufgenommen werden kann und der Blutzuckerspiegel steigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die h\u00e4ufigsten Symptome, von denen Typ-1-Diabetiker betroffen sind, sind starker Durst und h\u00e4ufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust, M\u00fcdigkeit und Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit oder Hei\u00dfhungerattacken und starker Geruch nach Azeton, der durch die \u00dcbers\u00e4uerung des Blutes entsteht. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer schwerwiegenden Stoffwechselentgleisung, der diabetischen Ketoazidose, die lebensbedrohlich ist. Hierbei kommt es infolge eines schweren Insulinmangels zur \u00dcbers\u00e4uerung des K\u00f6rpers. Typische Symptome sind beschleunigte Atmung, nach Azeton riechende Atemluft, \u00dcbelkeit und Bewusstlosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Entstehung des Diabetes Typ 1 sind vermutlich erbliche Veranlagung gemeinsam mit \u00e4u\u00dferen Faktoren (Virusinfektionen und Ern\u00e4hrungsfaktoren) verantwortlich. Die Antik\u00f6rper, die sich gegen die Betazellen richten, lassen sich schon Monate oder Jahre vor Ausbruch der Erkrankung im Blut nachweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Behandlung ist eine lebenslange Insulintherapie notwendig. Wie viel Insulin ben\u00f6tigt wird, h\u00e4ngt von Essgewohnheiten, Alter und Lebensweise der PatientInnen ab. Auch eine Schulung ist f\u00fcr den Therapieerfolg von entscheidender Bedeutung. Der Blutzuckerwert muss mehrmals t\u00e4glich gemessen werden, um die passende Insulinmenge zu ermitteln. Zu wenig Insulin (Hyperglyk\u00e4mie) sch\u00e4digt die Organe, zu viel (Hypoglyk\u00e4mie) f\u00fchrt zu \u00dcbelkeit,&nbsp;&nbsp;Schwitzen, Herzklopfen, Hei\u00dfhunger aber auch Bewusstlosigkeit und Kr\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-ist-diabetes-typ-2\"><strong>Was ist Diabetes Typ 2?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die mit Abstand h\u00e4ufigste Diabetesform ist der <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/diabetes-typ-2\/\">Typ-2-Diabetes<\/a>. Anders als bei Typ 1 wird hier zwar Insulin produziert, aber die Wirkung ist vermindert. Die K\u00f6rperzellen werden zunehmend unempfindlich gegen\u00fcber Insulin und nehmen weniger Glukose auf (Insulinresistenz). Durch die hohen Blutzuckerspiegel wird mehr Insulin produziert, um die Aufnahme der Zellen zu erh\u00f6hen. Die Bauchspeicheldr\u00fcse kann diese \u00dcberproduktion von Insulin nur \u00fcber eine begrenzte Zeit aufrechterhalten. Wenn sie ersch\u00f6pft ist, kommt es zu Insulinmangeln und damit wieder zu erh\u00f6hten Blutzuckerwerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ursache f\u00fcr die Entstehung dieser Diabetesform sind vor allem \u00dcbergewicht und Bewegungsmangel. Auch die Vererbung spielt eine wichtige Rolle, f\u00fchrt aber nur mit den genannten Faktoren gemeinsam zur Entwicklung des Diabetes mellitus Typ 2.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erkrankung verl\u00e4uft oft schleichend und wird erst nach Jahren erkannt, wenn die ersten Folgeerkrankungen aufgetreten sind. Der chronische Blutzucker\u00fcberschuss beg\u00fcnstigt Ablagerungen in den Blutgef\u00e4\u00dfen, wodurch viele Organe betroffen sein k\u00f6nnen. H\u00e4ufige Komplikationen sind Arteriosklerose, Herz- und Gef\u00e4\u00dferkrankungen (Herzrhythmusst\u00f6rungen bis hin zu Herzinfarkt), diabetische Retinopathie (Erkrankungen der Netzhaut des Auges) mit Erblindung, diabetische Nephropathie (Erkrankungen der Niere), diabetische Neuropathie (Empfindungsst\u00f6rungen) sowie das diabetische Fu\u00dfsyndrom.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgewogene Ern\u00e4hrung und regelm\u00e4\u00dfige Bewegung kann das Fortschreiten des Typ-2-Diabetes aufhalten. In manchen F\u00e4llen wird dadurch sogar die Einnahme von Medikamenten hinf\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei ausbleibendem Erfolg durch die Lebensumstellung bzw. wenn diese nicht gelingt, muss eine medikament\u00f6se Therapie eingeleitet werden. Wie stark der Blutzucker gesenkt wird, h\u00e4ngt vom Alter, dem allgemeinen Gesundheitszustand und eventuellen Begleiterkrankungen ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die medikament\u00f6se Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 verl\u00e4uft nach einem Stufenschema. Jede Stufe wird f\u00fcr drei bis sechs Monate beibehalten und der Erfolg wird durch die Messung der HbA<sub>1c<\/sub>-Werte ermittelt. Werden die individuellen Zielwerte nicht erreicht, wird die Therapiestufe gewechselt. Begonnen wird mit einer Monotherapie mit einem oralen Antidiabetikum. Mittel der Wahl ist Metformin. In der n\u00e4chsten Stufe werden zwei orale Antidiabetika kombiniert oder Insulin gegeben. Weitere Medikamente sind Sulfonylharnstoffe, Glinide, Alpha-Glukosidase-Hemmer, Glitazone, DPP4-Hemmer und SGLT-2-Hemmer. Bleibt auch diese Kombinationstherapie erfolglos, wird Insulin gemeinsam mit einem oralen Antidiabetikum gegeben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-ist-schwangerschaftsdiabetes\"><strong>Was ist Schwangerschaftsdiabetes?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/schwangerschaftsdiabetes\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schwangerschaftsdiabetes <\/a>(Gestationsdiabetes) ist eine St\u00f6rung des Zuckerstoffwechsels, die erstmals w\u00e4hrend der Schwangerschaft auftritt und danach wieder verschwindet. Etwa f\u00fcnf Prozent aller Schwangeren sind davon betoffen. Ursache ist der ver\u00e4nderter Hormonspiegel und Stoffwechsel w\u00e4hrend der Schwangerschaft, die zu einer zunehmenden Insulinresistenz f\u00fchren. Weitere Risikofaktoren sind \u00dcbergewicht und starke Gewichtszunahme w\u00e4hrend der Schwangerschaft, h\u00f6heres Alter der Mutter, eine vorbestehende Hypertonie und\/oder Fettstoffwechselst\u00f6rung, ein metabolisches Syndrom und eine positive Familienanamnese f\u00fcr Diabetes Typ 2. Etwa ab der H\u00e4lfte der Schwangerschaft beginnt der K\u00f6rper, vermehrt Insulin zu produzieren, um den erh\u00f6hten Blutzuckerspiegel auszugleichen. Steigt er weiter an, entsteht ein Schwangerschaftsdiabetes. Unbehandelt kann dies gesundheitliche Folgen f\u00fcr Mutter und Kind haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Um einen Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig zu erkennen und entgegenwirken zu k\u00f6nnen, ist ein oraler Glukoseintoleranztest im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen vorgesehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-sekundarer-diabetes\"><strong>Sekund\u00e4rer Diabetes<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Unter sekund\u00e4rem Diabetes werden unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst, bei denen der Glukosestoffwechsel gest\u00f6rt ist. Dazu z\u00e4hlen u.a. Pankreatitis (Entz\u00fcndung der Bauchspeicheldr\u00fcse), eine \u00dcberfunktion der Schilddr\u00fcse oder das Cushing-Syndrom uvm. Auch die jahrelange Einnahme bestimmter Medikamente z.B. von Kortisonpr\u00e4paraten k\u00f6nnen einen sekund\u00e4ren Diabetes beg\u00fcnstigen.<\/p>\n","protected":false},"author":42,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[2953,2490,2448,2457],"tags":[897,3233,2748],"class_list":["post-856","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-themenspecialdiabetes","category-endokrinologie-und-diabetologie","category-innere-medizin","category-krankheit","tag-diabetes-mellitus","tag-innere-medizin-u-endokrinologie-u-diabetologie","tag-zuckerkrankheit"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/856","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/42"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/856\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18480,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/856\/revisions\/18480"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15240"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=856"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=856"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=856"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}