{"id":8103,"date":"2022-07-11T15:22:56","date_gmt":"2022-07-11T13:22:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=8103"},"modified":"2022-07-11T15:22:57","modified_gmt":"2022-07-11T13:22:57","slug":"patientenverfuegung-ihr-recht-auf-selbstbestimmung","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/patientenverfuegung-ihr-recht-auf-selbstbestimmung\/","title":{"rendered":"Patientenverf\u00fcgung \u2013 ihr Recht auf Selbstbestimmung"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-ist-eine-patientenverfugung\"><strong>Was ist eine Patientenverf\u00fcgung?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In manchen Lebenssituationen \u2013 besonders wenn man schwer krank wird oder an der Grenze zwischen Leben und Tod &#8211; kann es passieren, dass man die F\u00e4higkeit zur selbstbestimmten Entscheidung verliert. Die moderne Medizin kann vielen Menschen mit ihren Mitteln helfen und Leben retten, aber nicht jeder w\u00fcnscht sich eine Lebensverl\u00e4ngerung um jeden Preis. Deshalb regelt das Patientenverf\u00fcgungsgesetz (PatVG) die M\u00f6glichkeit, eine Patientenverf\u00fcgung zu errichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einer Patientenverf\u00fcgung kann man bestimmte medizinische Behandlungen im Voraus ablehnen und so sein Recht auf Selbstbestimmung wahrnehmen. So kann darin zum Beispiel festgehalten werden, dass man bei schwerer Dauersch\u00e4digung des Gehirns eine Wiederbelebung ablehnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verf\u00fcgung gilt erst dann, wenn eine Person ihren Willen aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht mehr ausdr\u00fccken kann \u2013 zum Beispiel, weil er oder sie nicht mehr kommunizieren kann oder nicht mehr \u00fcber die daf\u00fcr notwendigen geistigen F\u00e4higkeiten verf\u00fcgt. Solange man aber selbstst\u00e4ndig entscheiden kann, gelten die aktuellen Willens\u00e4u\u00dferungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Verbindliche und sonstige, formfreie Patientenverf\u00fcgung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Patientenverf\u00fcgungsgesetz (PatVG) unterscheidet zwischen verbindlichen Patientenverf\u00fcgungen und so genannten beachtlichen bzw. sonstigen, formfreien Patientenverf\u00fcgungen, die zwar nicht verbindlich sind, aber trotzdem den Willen des Patienten erkennen lassen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Verbindliche Patientenverf\u00fcgung:<\/strong> Dabei gibt es sehr genaue Formvorschriften, wie die Best\u00e4tigung der \u00e4rztlichen Aufkl\u00e4rung und die Errichtung vor einem Notar, Rechtsanwalt oder rechtskundigen Patientenvertreter. Die verbindliche Patientenverf\u00fcgung muss alle acht Jahre unter diesen Bedingungen erneuert werden. Au\u00dferdem kann sie jederzeit widerrufen werden. Sie ist vor allem dann sinnvoll, wenn der Patient genau wei\u00df, welche medizinischen Ma\u00dfnahmen er oder sie ablehnt und m\u00f6chte, dass diese Ma\u00dfnahmen unter allen Umst\u00e4nden unterbleiben.<\/li><li><strong>Sonstige, formfreie Patientenverf\u00fcgung:<\/strong> Dabei gibt es keine strengen Errichtungsvorschriften. Die formfreie Patientenverf\u00fcgung ist vor allem dann sinnvoll, wenn sich f\u00fcr den Patienten ein konkreter Krankheitsverlauf abzeichnet und je genauer m\u00f6gliche schwierige Situationen beschrieben werden k\u00f6nnen. Dieses Dokument ist vor allem auch dann zu empfehlen, wenn der Patient nur eine gewisse Orientierungshilfe f\u00fcr den Arzt erstellen will und keine genauen Vorstellungen davon hat, welche Ma\u00dfnahmen er oder sie im konkreten Fall ablehnen m\u00f6chte.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Eine Patientenverf\u00fcgung muss in jedem Fall gut \u00fcberlegt werden und sollte nicht auf die Schnelle erstellt werden. Fachleute raten dazu, eine Patientenverf\u00fcgung sowohl mit Experten als auch mit den einem nahestehenden Menschen zu besprechen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Patientenverf\u00fcgung und Selbstbestimmung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Beide Formen der Patientenverf\u00fcgung sind wichtige Instrumente, die die Selbstbestimmung der Patienten st\u00e4rken und m\u00fcssen in jedem Fall vom Arzt beachtet werden, je nach Form aber in unterschiedlicher Weise. Bei der verbindlichen Patientenverf\u00fcgung <em>muss <\/em>sich der Arzt, wenn der Patient nicht mehr einsichts- und urteilsf\u00e4hig und\/oder \u00e4u\u00dferungsf\u00e4hig ist, an die in der Verf\u00fcgung festgehaltenen W\u00fcnsche des Patienten halten und darf die von ihm oder ihr abgelehnten Ma\u00dfnahmen <em>keinesfalls<\/em> durchf\u00fchren. (Patienten k\u00f6nnen auch lebensrettende Ma\u00dfnahmen ablehnen, und das auch dann, wenn diese Entscheidung unter Umst\u00e4nden zu seinem oder ihrem Tod f\u00fchrt.)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Errichtung einer Patientenverf\u00fcgung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Voraussetzung f\u00fcr die Errichtung einer verbindlichen Patientenverf\u00fcgung ist eine umfassende \u00e4rztliche Aufkl\u00e4rung, die auch die Information \u00fcber das Wesen und die Folgen dieses Dokuments f\u00fcr die medizinische Behandlung beinhaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine verbindliche Patientenverf\u00fcgung muss schriftlich mit Angabe des Datums vor einem Rechtsanwalt, einer Notarin oder einem rechtskundigen Mitarbeiter einer Patientenanwaltschaft (Patientenvertretung) errichtet werden und bleibt acht Jahre lang verbindlich (au\u00dfer, wenn der Patient eine k\u00fcrzere Frist festgelegt hat). Danach muss sie wieder best\u00e4tigt werden, und es muss auch wieder eine \u00e4rztliche Aufkl\u00e4rung erfolgen. Danach beginnt die Frist von acht Jahren wieder zu laufen (au\u00dfer, wenn der Patient eine k\u00fcrzere Frist festlegt, die Patientenverf\u00fcgung ge\u00e4ndert oder erg\u00e4nzt hat).<\/p>\n\n\n\n<p>Die verbindliche Patientenverf\u00fcgung wird in einem Register erfasst, und der Rechtsanwalt bzw. Notar ist dazu verpflichtet, auch eine ihm zur Kenntnis gebrachte Erneuerung, Erg\u00e4nzung oder \u00c4nderung nach Ma\u00dfgabe der technischen M\u00f6glichkeiten im jeweiligen Register zu vermerken.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein Patient eine Patientenverf\u00fcgung nicht erneuern kann, weil er oder sie nicht entscheidungsf\u00e4hig ist, so beh\u00e4lt sie trotz des Ablaufs von acht Jahren bzw. der vom Patienten festgelegten k\u00fcrzeren Frist ihre Verbindlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Patientenverf\u00fcgung verliert ihre Wirksamkeit, wenn sie nicht frei oder ernstlich zustande gekommen ist, wenn ihr Inhalt strafrechtlich nicht zul\u00e4ssig ist und vor allem auch dann, wenn sich der Stand der Medizin im Vergleich zum Inhalt der Patientenverf\u00fcgung wesentlich ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls kann die Patientenverf\u00fcgung jederzeit vom Patienten selbst widerrufen werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Patientenverf\u00fcgung f\u00fcr blinde Menschen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Blinde Menschen brauchen f\u00fcr bestimmte Vertr\u00e4ge einen so genannten Notariatsakt. Das ist eine von einem Notar verfasste schriftliche Urkunde. Es besteht aber die M\u00f6glichkeit, gem\u00e4\u00df Notariatsaktsgesetz auf die Einhaltung der Form des Notariatsakts zu verzichten. In diesem Fall kann man auch als blinder Mensch vor der Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft (WPPA) eine verbindliche Patientenverf\u00fcgung errichten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zur Erneuerung der Patientenverf\u00fcgung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die verbindliche Patientenverf\u00fcgung verliert, wie bereits erl\u00e4utert, nach Ablauf von acht Jahren ab der Errichtung ihre Verbindlichkeit, wenn der Patient nicht eine k\u00fcrzere Frist festgelegt hat. Sie kann nach entsprechender \u00e4rztlicher Aufkl\u00e4rung erneuert werden. Dadurch beginnt die Frist von acht Jahren oder eine vom Patienten k\u00fcrzer festgelegte Frist erneut zu laufen. Bei der Erneuerung ist keine juristische Belehrung mehr notwendig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Patientenverf\u00fcgung: die <strong>Kosten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Bei der Wiener Pflege- Patientinnen und Patientenanwaltschaft (<a href=\"https:\/\/www.wien.gv.at\/gesundheit\/einrichtungen\/patientenanwaltschaft\/\">WPPA<\/a>) kann eine verbindliche Patientenverf\u00fcgung kostenfrei beglaubigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die \u00e4rztliche und rechtsanwaltliche oder notarielle Beratung fallen Kosten an.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Formale Hilfestellungen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Experten empfehlen, f\u00fcr das Erstellen einer Patientenverf\u00fcgung das \u00f6sterreichweit gebr\u00e4uchliche, standardisierte Formular zu verwenden. So kann man sicher sein, dass das Dokument alle notwendigen formalen Kriterien erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hinweis auf die Verf\u00fcgung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Hat man eine Patientenverf\u00fcgung errichtet, so ist es wichtig, den Hinweis darauf leicht erreichbar aufzubewahren. Empfohlen wird, eine entsprechende Hinweiskarte st\u00e4ndig bei sich zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Krankenhausaufenthalt sollte man die behandelnden \u00c4rzte auf die eigene Patientenverf\u00fcgung hinweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4here Informationen, Formulierungshilfen, wichtige Adressen und \u00f6sterreichweite Kontaktdaten, finden Sie hier: <a href=\"https:\/\/www.wien.gv.at\/gesundheit\/einrichtungen\/patientenanwaltschaft\/pdf\/ratgeber-patientenverfuegung-bf.pdf\">https:\/\/www.wien.gv.at\/gesundheit\/einrichtungen\/patientenanwaltschaft\/pdf\/ratgeber-patientenverfuegung-bf.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,5,2436,66,2449,7,2411],"tags":[108,231,813,3024,75,3026,3027,3025],"class_list":["post-8103","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-familie","category-geriatrie","category-gesundheitsnews","category-intensivmedizin","category-leben","category-onkologie","tag-allgemeinmedizin","tag-geriatrie","tag-leben","tag-medizinrecht","tag-onkologie","tag-patientenrecht","tag-patientenverfuegung","tag-recht"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8103","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8103\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8233,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/8103\/revisions\/8233"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8125"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8103"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8103"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8103"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}