{"id":7680,"date":"2022-06-02T08:26:00","date_gmt":"2022-06-02T06:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=7680"},"modified":"2026-02-09T14:40:59","modified_gmt":"2026-02-09T13:40:59","slug":"multiples-myelom","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/multiples-myelom\/","title":{"rendered":"Multiples Myelom (Plasmozytom)"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Was ist ein Multiples Myelom? <\/strong><\/h2>\n<p>Das Multiple Myelom (auch Plasmozytom oder Kahler Krankheit) ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems, bei der Plasmazellen b\u00f6sartig entarten. Normalerweise betr\u00e4gt der Plasmazellanteil im Knochenmark des Menschen weniger als f\u00fcnf Prozent. Liegt aber ein Multiples Myelom vor, so vermehren sich die entarteten Plasmazellen \u00fcberschie\u00dfend im Knochenmark und reagieren nicht mehr auf die Kontrollmechanismen des K\u00f6rpers.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass die Paraproteine (dysfunktionale Antik\u00f6rper oder deren Bruchst\u00fccke, auch Leichtketten genannt), die die entarteten Plasmazellen produzieren, in der Regel funktionsuntu\u0308chtig sind und ihre Aufgabe in der Infektionsabwehr nicht erf\u00fcllen. Menschen, die am Multiplen Myelom erkrankt sind, sind deshalb trotz einer erh\u00f6hten Menge an Antiko\u0308rpern vermehr anf\u00e4llig f\u00fcr Infektionen. Zudem verdr\u00e4ngt die gr\u00f6\u00dfere Menge an Plasmazellen das Wachstum der gesunden blutbildenden Zellen im Rest des Knochenmarks. Betroffene k\u00f6nnen daher unter entsprechenden Beschwerden wie <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/chronisches-erschoepfungssyndrom-chronisches-fatigue-syndrom\/\">M\u00fcdigkeit<\/a>, Schw\u00e4che, gesteigerter Infektanf\u00e4lligkeit, <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/nasenbluten\/\">Nasen<\/a>&#8211; und <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/parodontose\/\">Zahnfleischbluten<\/a>, blauen Flecken, Haut- und Schleimhautblutungen leiden.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem bilden die entarteten Plasmazellen Substanzen, die knochenabbauende Zellen, die so genannten Osteoklasten, im Knochen aktivieren. Kommt es dabei zu einer \u00dcberaktivierung, so d\u00fcnnen die Knochen vor allem in Wirbelsa\u0308ule, Becken, Rippen und Sch\u00e4del aus und werden sp\u00e4ter por\u00f6s (<a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/osteoporose\/\">Osteoporose<\/a>). In noch sp\u00e4teren Krankheitsstadien k\u00f6nnen Knochendefekte (Osteolysen) und in der Folge Knochenbr\u00fcche und\/oder -schmerzen entstehen. Auch die Kalziumwerte im Blut k\u00f6nnen gef\u00e4hrlich ansteigen, da Kalzium freigesetzt wird, wenn Osteoklasten die Knochen zersetzen. Das kann zu Bewusstseinssto\u0308rungen und Nierenscha\u0308den bis hin zum<a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/risikorechner-fur-drohendes-nierenversagen\/\"> Nierenversagen<\/a> f\u00fchren.<\/p>\n<p>Weiters kann der Eiwei\u00dfgehalt des Blutes stark ansteigen, wenn sich gro\u00dfe Mengen von Paraproteinen bilden. Dieses Eiwei\u00df kann die Nierenkan\u00e4lchen verstopfen und die Nierenfunktion stark beeintra\u0308chtigen. Selten kann es auch dazu kommen, dass sich die Paraproteine, die von den Plasmazellen produziert wurden, \u201efehlfalten\u201c und sich als Eiwei\u00dfe in inneren Organen und peripheren Nerven ablagern. Betroffene leiden dann unter Herzschwa\u0308che, Nieren- und Leberversagen, Verdauungsproblemen, Gewichtsverlust, Missempfindungen in H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen sowie einer vergro\u0308\u00dferten Zunge.<\/p>\n<p>Ein Multiples Myelom kann sich \u00fcber Jahre hinweg unbemerkt entwickeln. Symptome treten in der Regel erst nach l\u00e4ngerer Zeit auf.<\/p>\n<h2><strong>Ursachen und Risikofaktoren <\/strong><\/h2>\n<p>Die genauen Ursachen f\u00fcr die Entstehung eines Multiplen Myeloms sind bis heute weitgehend ungekl\u00e4rt. Risikofaktoren f\u00fcr die Entwicklung eines Plasmozytoms sind hohes Lebensalter, m\u00e4nnliches Geschlecht, afroamerikanische Herkunft und die so genannte monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz (<strong>MGUS<\/strong>). Letzteres ist eine Plasmazellerkrankung oder besser gesagt eine Laborwertauff\u00e4lligkeit, bei der nur eine geringe Menge von Paraproteinen im Serum sowie ein Plasmazellanteil im Knochenmark unter zehn Prozent vorliegen. Die MGUS verl\u00e4uft meist gutartig, kann aber in ein Multiples Myelom \u00fcbergehen.<\/p>\n<p>Was genetische Faktoren betrifft, so haben erstgradige Verwandte von Betroffenen zwar ein geringfu\u0308giges Risiko selbst zu erkranken, das Multiple Myelom ist aber keine Erbkrankheit im eigentlichen Sinn.<\/p>\n<p>Zudem ist bei etwa der H\u00e4lfte der Plasmozytomzellen die Anzahl und Art der Chromosomen im Erbgut ver\u00e4ndert. Ein allgemeiner Risikofaktor, der Ver\u00e4nderungen im Erbgut der Zellen ausl\u00f6sen kann, sind ionisierende Strahlen, die etwa bei Atomkatastrophen oder R\u00f6ntgenuntersuchungen vorkommen, wobei es bei letzteren keine Hinweise darauf gibt, dass die Strahlendosis das Erkrankungsrisiko f\u00fcr das Multiple Myelom erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Weiters wurde nachgewiesen, dass angeborene Immundefektsyndrome und bestimmte Autoimmunerkrankungen wie etwa die <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/rheuma\/\">rheumatoide Arthritis<\/a> das Risiko f\u00fcr Gammopathien erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Vermutet werden auch Zusammenh\u00e4nge zu viralen und bakteriellen Erkrankungen, die das Immunsystem schw\u00e4chen (zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/hiv-aids\/\">HIV<\/a>).<\/p>\n<h2><strong>Symptome der Erkrankung<\/strong><\/h2>\n<p>Die Symptome eines Multiplen Myeloms sind nicht nur f\u00fcr diese, sondern auch f\u00fcr zahlreiche andere Erkrankungen charakteristisch und treten oft erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien auf. Die wichtigsten sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Abnahme der k\u00f6rperlichen Leistungsfa\u0308higkeit<\/li>\n<li>Abgeschlagenheit<\/li>\n<li>M\u00fcdigkeit<\/li>\n<li>Schw\u00e4che<\/li>\n<\/ul>\n<p>seltener auch:<\/p>\n<ul>\n<li>Appetitlosigkeit<\/li>\n<li>\u00dcbelkeit<\/li>\n<li>Erbrechen<\/li>\n<li>Gewichtsverlust<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weitere Krankheitszeichen umfassen:<\/p>\n<ul>\n<li>Knochenschmerzen<\/li>\n<li>Osteoporose<\/li>\n<li>Nachlassen der Nierenfunktion<\/li>\n<li>Blutbildver\u00e4nderungen<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/anaemie\/\">Blutarmut<\/a><\/li>\n<li>erh\u00f6hte Infektanf\u00e4lligkeit<\/li>\n<li>Atem- und <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/was-tun-bei-einer-blasenentzuendung\/\">Harnwegsinfekte<\/a><\/li>\n<li>erh\u00f6hte Blutungsneigung<\/li>\n<li>Ver\u00e4nderung des Nervensystems (z.B. L\u00e4hmungen, Funktionsst\u00f6rungen von Blase und\/oder Mastdarm)<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Multiples Myelom: Diagnose <\/strong><\/h2>\n<p>Zur Diagnostik eines Multiplen Myeloms wird der Arzt zun\u00e4chst die Anamnese erheben und eine gr\u00fcndliche k\u00f6rperliche Untersuchung durchf\u00fchren, um etwaige schon aufgetretene Symptome zu erheben. Blut- und Urinproben erlauben es, die Art und Menge der Immunglobuline sowie weitere krankheitstypische Blutwerte zu bestimmen. Mit R\u00f6ntgen- und MRT-Untersuchungen k\u00f6nnen ein fr\u00fcher Befall der Wirbelsa\u0308ule und Weichteilherde des Multiplen Myeloms nachgewiesen bzw. abgegrenzt weisen. Die Computertomographie dient dazu, osteolytische Bezirke genauer zu beurteilen.<\/p>\n<p>Die endg\u00fcltige Diagnose kann nur durch eine Knochenmarkpunktion gesichert werden, da die Blutbildung im Knochenmark stattfindet. Dabei werden wenige Milliliter Blut aus dem Beckenknochen sowie ein kleines Knochenstu\u0308ckchen entnommen.<\/p>\n<h2><strong>Behandlung des Plasmozytoms<\/strong><\/h2>\n<p>Das Ziel jeder Behandlung eines Multiplen Myeloms ist die vollsta\u0308ndige Vernichtung schadhafter Zellen. Leider ist dies beim Plasmozytom nicht operativ m\u00f6glich, da die Erkrankung meist verteilt im Knochenmark besteht.<\/p>\n<p>Wie bei anderen Krebserkrankungen kommen auch hier <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wie-funktioniert-eine-strahlentherapie\/\">Strahlenbehandlung<\/a>, systemische <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/was-passiert-bei-einer-chemotherapie\/\">Chemotherapie<\/a>, der zus\u00e4tzliche Einsatz neuer Substanzen, eine Stammzelltransplantation oder eine Kombination dieser Verfahren zum Einsatz. Wenn der Tumor nur an einer Stelle auftritt, was selten das Fall ist, kann eine Strahlentherapie gut helfen. Eine vollsta\u0308ndige Heilung des Multiplen Myelons ist aber nicht m\u00f6glich. Die Therapie zielt daher darauf ab, das Leben zu verl\u00e4ngern und die Lebensqualita\u0308t zu verbessern.<\/p>\n<p>Die Therapien im Einzelnen:<\/p>\n<p><strong>Chemotherapie und neue Substanzen:<\/strong> Die chemotherapeutische Behandlung eines Multiplen Myeloms muss nicht sofort beginnen. Oft handelt es sich um um ein \u201eschwelendes Myelom\u201c, bei dem \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum zun\u00e4chst nur der Befund kontrolliert und abgewartet werden kann.<\/p>\n<p>Bei der Chemotherapie selbst werden bestimmte Zytostatika mit Kortisonpr\u00e4paraten kombiniert. Weiters werden mehrere&nbsp; neue Medikamente wie etwa Ixazomib (ein Proteasom-Inhibitor kombiniert mit&nbsp; einem Immunmodulator) oder Elotuzumab (monoklonale Antik\u00f6rper die sich gegen Plasma- und Immunzellen richten) in verschiedenen Kombinationen mit Kortison, klassischen Chemotherapeutika oder anderen Medikamenten eingesetzt. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass Patienten mit einem Plasmozytom sehr infektionsgefa\u0308hrdet sind und dass sich das Infektionsrisiko durch die Chemotherapie zus\u00e4tzlich erh\u00f6ht. Deshalb sollten Betroffene bei Infektionsanzeichen umgehend einen Arzt konsultieren, um den Infekt behandeln zu lassen bzw. selbst Vorsorge treffen, um Infektionen zu vermeiden.<\/p>\n<p><strong>Hochdosis-Chemotherapie und autologe Stammzelltransplantation<\/strong> (R\u00fcckgabe eigener Stammzellen): Die Kombination dieser Verfahren kann die Zeit bis zur vollsta\u0308ndigen Erholung der Blutbildung deutlich verk\u00fcrzen, und die Infektionsgefahr ist dadurch geringer.<\/p>\n<p><strong>Allogene Stammzelltransplantation<\/strong> (\u00dcbertragung fremder Stammzellen): Dieses Verfahren stellt derzeit die einzige Heilungsmo\u0308glichkeit f\u00fcr Patienten mit Multiplem Myelom dar. Dabei erh\u00e4lt der Patient gespendete Stammzellen nach einer Chemotherapie. Die allogene Stammzelltransplantation kann aber teilweise zu schwerwiegenden Komplikationen f\u00fchren, denn zum einen ist die Infektionsgefahr erh\u00f6ht, und zum anderen besteht das Risiko einer so genannten Tranplantat-gegen-Wirt-Reaktion (GvHD).<\/p>\n<p><strong>Strahlentherapie:<\/strong> F\u00fcr die Bestrahlung werden spezielle Ger\u00e4te \u2013 so genannte Linearbeschleuniger \u2013 und neueste Techniken eingesetzt. Die Strahlentherapie hat das Ziel, die bei Betroffenen oft massiven Knochenschmerzen zu behandeln. Eine Radiotherapie kann zudem Knochenbru\u0308chen in den Knochenabschnitten vorbeugen und bereits vorhandene Knochenbru\u0308che stabilisieren. Die Strahlentherapie lindert die Knochenschmerzen bei fast allen Betroffenen deutlich.<\/p>\n<h2><strong>Prognose des multiplen Myeloms<\/strong><\/h2>\n<p>Die Prognose ist eher ung\u00fcnstig, da in der Regel nicht mit einer dauerhaften Heilung zu rechnen ist. Die Krankheit kann jedoch relativ lange symptomarm verlaufen, und unter Therapie sind mehrere vor\u00fcbergehende l\u00e4ngerandauernde Remissionen m\u00f6glich. Die Entwicklung neuer Therapien (wie etwa der CAR-T-Zellthekrapie ) k\u00f6nnte die Prognose in Zukunft deutlich verbessern.<\/p>\n","protected":false},"author":41,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[2436,2417,2422,2448,2457,2440],"tags":[2041,231,710,3237,216,1027,75,2982],"class_list":["post-7680","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-geriatrie","category-haematologie","category-immunologie","category-innere-medizin","category-krankheit","category-schmerzmedizin","tag-blut","tag-geriatrie","tag-haematologie","tag-innere-medizin-u-haematologie-u-internistische-onkologie","tag-krebs","tag-multiples-myelom","tag-onkologie","tag-plasmozytom"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7680\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9306,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7680\/revisions\/9306"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7709"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}