{"id":7478,"date":"2022-05-04T08:01:13","date_gmt":"2022-05-04T06:01:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=7478"},"modified":"2024-02-13T13:09:58","modified_gmt":"2024-02-13T12:09:58","slug":"schwangerschaftsdiabetes","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/schwangerschaftsdiabetes\/","title":{"rendered":"Schwangerschaftsdiabetes"},"content":{"rendered":"<p>Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) ist eine St\u00f6rung des Zuckerstoffwechsels, die w\u00e4hrend der Schwangerschaft auftritt und danach (in den meisten F\u00e4llen) schnell wieder abklingt. Diese Form des Diabetes ist keine Seltenheit und l\u00e4sst sich einfach behandeln, wenn eine rechtzeitige Diagnose erfolgt. Um das sicherzustellen, ist im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen f\u00fcr jede Schwangere in \u00d6sterreich ein Zuckerbelastungstest vorgesehen. Unerkannt oder unbehandelt kann Schwangerschaftsdiabetes gef\u00e4hrlich f\u00fcr Mutter und Kind werden.<\/p>\n<h2>Wie entsteht Schwangerschaftsdiabetes?<\/h2>\n<p>Grunds\u00e4tzlich wird unter dem Begriff \u201eDiabetes\u201c eine Reihe von Zuckerstoffwechselerkrankungen zusammengefasst. Am bekanntesten sind Diabetes Typ 1, bei dem zu wenig oder gar kein Insulin produziert werden kann, und Diabetes Typ 2, bei dem es zu einer Insulinresistenz (also einem schlechten Ansprechen auf Insulin) kommt. Insulin ist ein Hormon, das den Blutzuckerwert senkt, indem es mit der Nahrung aufgenommen Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen transportiert (genauere Informationen finden Sie im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/diabetes-mellitus\/\">Diabetes mellitus<\/a>).<\/p>\n<p>Gestationsdiabetes entsteht, weil die Schwangerschaftshormone zu einem erh\u00f6hten Insulinbedarf f\u00fchren. Besonderes in der zweiten Schwangerschaftsh\u00e4lfte steigen die Hormone rasch an und stellen sicher, dass ausreichend Zucker im Blut der Mutter vorhanden ist, um die Versorgung des ungeborenen Kindes zu sichern. Allerdings kommt es durch die hormonelle Umstellung gleichzeitig zu einer zunehmenden Insulinresistenz. Die Bauchspeicheldr\u00fcse, in der das Insulin produziert wird, erh\u00f6ht sich nun, um die erh\u00f6hten Blutzuckerspiegel zu senken. Kann jedoch der erh\u00f6hte Insulinbedarf nicht abgedeckt werden, steigt der Blutzuckerspiegel \u00fcber ein gesundes Ma\u00df hinaus. Wenn dieses Problem vor der Schwangerschaft noch nicht bestanden hat (etwa unerkannt in Form eines <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/gefaehrlicher-praediabetes\/\">Pr\u00e4diabetes<\/a>), spricht man von einem Schwangerschaftsdiabetes. Im Normalfall verschwindet diese Diabetesform nach der Geburt schnell wieder von selbst.<\/p>\n<p>Steigen die Blutzuckerwerte allerdings schon im ersten Drittel der Schwangerschaft an und normalisieren sich nach der Geburt nicht, liegt eher ein Typ-2-Diabetes vor.<\/p>\n<h2><strong>Welche Risikofaktoren gibt es?<\/strong><\/h2>\n<p>Beim Gro\u00dfteil der schwangeren Frauen bleiben die Blutzuckerwerte im Normalbereich. Daten aus Deutschland zeigen, dass etwa 5 Prozent der Schwangeren einen Gestationsdiabetes entwickeln. Obwohl grunds\u00e4tzlich jede Frau betroffen sein kann, gibt es doch eine Reihe an Faktoren, die das Risiko erh\u00f6hen. Dazu z\u00e4hlen:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00dcbergewicht vor der Schwangerschaft: umso h\u00f6her das Gewicht, umso gr\u00f6\u00dfer das Risiko f\u00fcr die Entwicklung eines Gestationsdiabetes<\/li>\n<li>Starke Gewichtszunahme w\u00e4hrend der Schwangerschaft<\/li>\n<li>H\u00f6heres Alter der werdenden Mutter: die Altersangaben in der Literatur schwanken zwar stark zwischen 25 und 35 Jahren, allerdings steigt das Risiko mit zunehmendem Alter<\/li>\n<li>Famili\u00e4re Vorbelastung (enge Verwandte mit Typ-2-Diabetes)<\/li>\n<li>Gestationsdiabetes in einer vorangegangenen Schwangerschaft<\/li>\n<li>Bluthochdruck (Hypertonie)<\/li>\n<li>Ethnizit\u00e4t: Kaukasierinnen haben das niedrigste Risiko, Frauen aus dem Mittleren Osten, S\u00fcd- und Ostasien und Afrika haben das h\u00f6chste Risiko<\/li>\n<li>Vitamin-D-Mangel<\/li>\n<li>Vorangegangene Fehlgeburten (mehr als drei)<\/li>\n<li>Vorangegangene Totgeburt<\/li>\n<li>Geburt eines Kindes mit einem Gewicht \u00fcber 4500 g<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Wie wird ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt?<\/strong><\/h2>\n<p>Meistens wird ein Schwangerschaftsdiabetes im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen diagnostiziert. Seit 2011 ist der Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest, OGTT) zwischen der 24. und 28. Woche verpflichtend&nbsp; durchzuf\u00fchren. Daf\u00fcr wird zun\u00e4chst der N\u00fcchternblutzuckerwert durch Blutabnahme aus der Vene bestimmt (mind. Acht Stunden zuvor keine Nahrungsaufnahme). Anschlie\u00dfend muss die Schwangere 75 g Glukose, die in 300 ml Wasser aufgel\u00f6st wurde, trinken, wodurch der Blutzuckerspiegel ansteigt. Wenn der Zuckerstoffwechsel der Schwangeren problemlos arbeitet, sinkt der Zuckerspiegel rasch wieder in den Normalbereich. Liegt jedoch ein Schwangerschaftsdiabetes vor, kann der Zucker nicht ausreichend verwertet werden und die Werte im Blut bleiben hoch.<\/p>\n<p>Um das festzustellen, wird eine und zwei Stunden nach Einnahme der Glukosel\u00f6sung nochmals Blut abgenommen. Bis dahin darf nichts gegessen oder getrunken werden und die Schwangere sollte sich m\u00f6glichst wenig bewegen.<\/p>\n<p>Gestationsdiabetes besteht, wenn:<\/p>\n<ul>\n<li>der N\u00fcchternblutzuckerwert \u00fcber 92 mg\/dl liegt,<\/li>\n<li>der Ein-Stunden-Wert \u00fcber 180 mg\/dl liegt und<\/li>\n<li>der Zwei-Stunden-Wert \u00fcber 153 mg\/dl liegt.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Wie wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt?<\/h2>\n<p>Schwangerschaftsdiabetes ist gut behandelbar. In den meisten F\u00e4llen reicht schon eine Ern\u00e4hrungsumstellung aus. Auch mehr Bewegung ist sinnvoll. Ob diese Ma\u00dfnahmen ausreichen, um die Zuckerwerte zu senken, k\u00f6nnen die betroffenen Frauen kontrollieren, indem sie regelm\u00e4\u00dfig ihre Blutzuckermessungen durchf\u00fchren. Werte im Normbereich sind:<\/p>\n<ul>\n<li>N\u00fcchtern\/vor dem Fr\u00fchst\u00fcck: 65 bis 96 mg\/dl<\/li>\n<li>Eine Stunde nach dem Essen: &lt; 140 mg\/dl<\/li>\n<li>Zwei Stunden nach dem Essen: &lt; 120 mg\/dl<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nur wenn die Blutzuckerwerte trotz der Lebensstilma\u00dfnahmen erh\u00f6ht bleiben, muss Insulin gespritzt werden.<\/p>\n<p><strong>Ern\u00e4hrung<\/strong><\/p>\n<p>Welche Art von Ern\u00e4hrungsumstellung sinnvoll ist, kann mit dem Arzt\/der \u00c4rztin oder bei einer Ern\u00e4hrungsberaterin individuell f\u00fcr jede Frau festgestellt werden. Grunds\u00e4tzlich sollte die Ern\u00e4hrung ausgewogen sein. Eine Begrenzung der Kohlehydratmenge auf 40 bis 50 Prozent verringert die Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten. Das Essen sollte aber auf jeden Fall ausgewogen sein und Ballaststoffe, Fette und Eiwei\u00dfe enthalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ern\u00e4hrungsumstellung gilt au\u00dferdem, dass es besser ist, mehrere kleine statt wenige gro\u00dfe Mahlzeiten zu essen. Bis zu sechs Mahlzeiten in Form von drei Haupt- und drei kleineren Zwischenmahlzeiten \u00fcber den Tag verteilt halten den Blutzuckerspiegel konstant und k\u00f6nnen noch dazu gegen Schwangerschafts\u00fcbelkeit helfen. Nimmt man mehr Nahrung auf einmal zu sich, steigt der Blutzuckerspiegel st\u00e4rker an.<\/p>\n<p>Da der Blutzuckeranstieg morgens am gr\u00f6\u00dften ist, weil die Insulinwirkung schlechter als unter Tags ist, sollte die Kohlehydratmenge zum Fr\u00fchst\u00fcck niedriger als bei den anderen Hauptmahlzeiten sein. Eine kohlehydratreiche Sp\u00e4tmahlzeit hingegen verhindert eine \u00fcberschie\u00dfende Ketonbildung (Keton wird gebildet, wenn der K\u00f6rper Fett statt Zucker verbrennt. Das passiert bei Hungerzust\u00e4nden oder absolutem Insulinmangel und kann zu einem lebensgef\u00e4hrlichen diabetischen Koma f\u00fchren) in der Nacht und beugt so hohen N\u00fcchternwerten in der Fr\u00fch vor.<\/p>\n<p><strong>Bewegung<\/strong><\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfige k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t oder Sportarten, die kein Verletzungsrisiko f\u00fcr die Schwangere darstellen (wie Ball- oder Kampfsportarten), senken das Risiko f\u00fcr einen Schwangerschaftsdiabetes und erh\u00f6hen die Belastbarkeit in der Schwangerschaft und w\u00e4hrend der Geburt. Schon regelm\u00e4\u00dfiges schnelleres Gehen f\u00fcr 20 bis 30 Minuten nach einer Hauptmahlzeit kann den Blutzuckerspiegel senken. Geeignete Sportarten in der Schwangerschaft sind auch Nordic Walking, Schwimmen und Radfahren.<\/p>\n<p>Von einer zu starken Gewichtsabnahme wird auch bei Gestationsdiabetes abgeraten. Allerdings ist es ratsam, die Gewichtszunahme im Auge zu behalten. Als Richtwert f\u00fcr die Zunahme gilt:<\/p>\n<ul>\n<li>Bei Untergewicht (BMI &lt; 18,5): 12,5\u201318 kg<\/li>\n<li>Bei Normalgewicht (BMI 18,5\u201324,9): 11,5\u201316 kg<\/li>\n<li>Bei leichtem \u00dcbergewicht (BMI 25\u201329,9): 7\u201311,5 kg<\/li>\n<li>Bei starkem \u00dcbergewicht (BMI ab 30): 5\u20139 kg<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Welche Gefahren bestehen f\u00fcr Mutter und Kind?<\/h2>\n<p>Unbehandelt geht ein Schwangerschaftsdiabetes mit einer Reihe von Komplikationen einher. Betroffene Frauen haben ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Harnwegsinfekte und Pilzinfektionen. Ebenso ist das Risiko f\u00fcr Bluthochdruck, <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/praeeklampsie\/\">Pr\u00e4eklampsie<\/a> und Fr\u00fchgeburten deutlich erh\u00f6ht. Auch wenn ein Schwangerschaftsdiabetes nach der Geburt wieder verschwindet, besteht f\u00fcr die Frau eine erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit, sp\u00e4ter an Typ-2-Diabetes zu erkranken.<\/p>\n<p>Ist der Blutzucker der Mutter erh\u00f6ht, wird \u00fcber die Plazenta auch mehr Zucker zum Kind transportiert und dessen Blutzuckerspiegel steigt ebenfalls an. In der Bauchspeicheldr\u00fcse des Kindes wird daraufhin vermehrt Insulin gebildet, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Da Insulin aber nicht nur den Blutzucker reguliert, sondern auch ein Wachstumshormon ist, werden die ungeborenen Kinder deutlich gr\u00f6\u00dfer und schwerer als Kinder gesunder M\u00fctter. Dieses \u00fcberm\u00e4\u00dfige Wachstum betrifft besonders Bauch, Brustkorb und Schulterbereich. Die Organe und Arme und Beine hingegen k\u00f6nnen Entwicklungsverz\u00f6gerungen aufweisen.<\/p>\n<p>Durch das h\u00f6here Gewicht der Kinder erh\u00f6ht sich wiederum die H\u00e4ufigkeit von Kaiserschnitten bzw. f\u00fcr Probleme w\u00e4hrend der Geburt. Das Kind k\u00f6nnte nicht durch den Geburtskanal passen oder mit der Schulter stecken bleiben (Schulterdystokie).<\/p>\n<p>Werden die Kinder spontan (also ohne Kaiserschnitt) geboren, ist f\u00fcr M\u00fctter das Risiko f\u00fcr h\u00f6hergradige Geburtsverletzungen und starke Blutungen nach der Geburt erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Die Neugeborenen leiden durch die Stoffwechselumstellung h\u00e4ufiger unter Hypoglyk\u00e4mien, Anpassungsproblemen und erh\u00f6htem Sauerstoffbedarf.<\/p>\n","protected":false},"author":42,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2953,2490,2459],"tags":[1392,897,1795,179],"class_list":["post-7478","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-themenspecialdiabetes","category-endokrinologie-und-diabetologie","category-frauenheilkunde","tag-blutzucker","tag-diabetes-mellitus","tag-insulin","tag-schwangerschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7478","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/42"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7478\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9352,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7478\/revisions\/9352"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7479"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7478"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7478"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7478"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}