{"id":7176,"date":"2022-04-07T08:28:35","date_gmt":"2022-04-07T06:28:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=7176"},"modified":"2024-10-08T10:02:49","modified_gmt":"2024-10-08T08:02:49","slug":"praeeklampsie","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/praeeklampsie\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4eklampsie"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Was ist eine Pr\u00e4eklampsie?<\/strong><\/h2>\n<p>Die Pr\u00e4eklampsie z\u00e4hlt zu den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen. Hauptsymptom ist eine Hypertonie (erh\u00f6hter Blutdruck). Treten zus\u00e4tzlich zum hohen Blutdruck Zeichen von Organsch\u00e4digungen auf, die sich in Form von Proteinurie (vermehrte Eiwei\u00dfausscheidung durch die Niere) oder Erh\u00f6hung der Leberwerte im Blut zeigen, wird von einer Pr\u00e4eklampsie gesprochen.<\/p>\n<p>Als fr\u00fche Pr\u00e4eklampsie wird das Auftreten vor der 34. Schwangerschaftswoche bezeichnet. Treten die Symptome erst danach auf, handelt es sich um eine sp\u00e4te Form der Erkrankung. Kommt es zu einem fr\u00fchen Auftreten, kann es zu einer Unterversorgung des F\u00f6tus (F\u00f6tale Wachstumsrestriktion) durch die Plazenta kommen, wodurch die Kinder zu klein auf die Welt kommen und \u00f6fter auf Neugeborenenstationen versorgt werden m\u00fcssen. Im schlimmsten Fall kann es auch zu einem Absterben des F\u00f6tus kommen<\/p>\n<h2><strong>Wie entsteht Pr\u00e4eklampsie?<\/strong><\/h2>\n<p>Meist tritt sie erst in der zweiten Schwangerschaftsh\u00e4lfte auf, d\u00fcrfte ihre Ursachen aber in der Fehlleitung bestimmter Botenstoffe der Plazenta, die die Gef\u00e4\u00dfbildung steuern (angiogenetische Faktoren) haben. Dadurch werden verschiedene m\u00fctterliche Gef\u00e4\u00dfe und Organe gesch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Auch die Pr\u00e4disposition (Eigenschaften, die zur Entwicklung einer Krankheit beitragen) der Mutter ist entscheidend f\u00fcr die Entwicklung eines Bluthochdrucks w\u00e4hrend der Schwangerschaft. Als Risikofaktoren gelten u.a. ein bereits vor der Schwangerschaft erh\u00f6hter Blutdruck, eine Pr\u00e4eklampsie in einer vorangegangenen Schwangerschaft, Diabetes, Nierenerkrankungen, Adipositas, Autoimmunerkrankungen oder auch Mehrlingsschwangerschaften. Ein Alter der Schwangeren unter 18 und \u00fcber 35 Jahren sowie eine k\u00fcnstliche Befruchtung z\u00e4hlen ebenso zu den Risikofaktoren<\/p>\n<h2><strong>Gibt es vorbeugende Ma\u00dfnahmen?<\/strong><\/h2>\n<p>Liegen Risikofaktoren bei der Mutter vor, kann die Einnahme von niedrig-dosierter Acetylsalicyls\u00e4ure (ASS, 150 mg\/Tag) schon vor der 16. Schwangerschaftswoche bis zur 37. Woche das Risiko f\u00fcr die Entwicklung einer Pr\u00e4eklampsie um bis zu 60 Prozent vermindern.<\/p>\n<h2><strong>Wie wird eine Pr\u00e4eklampsie festgestellt?<\/strong><\/h2>\n<p>Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen w\u00e4hrend der Schwangerschaft wird auch auf Anzeichen eines Schwangerschaftsbluthochdrucks und anderer Erkrankungen geachtet. Schwangeren Frauen ist daher anzuraten, der \u00c4rztin\/dem Arzt von jeglichen ungew\u00f6hnlichen Ver\u00e4nderungen im K\u00f6rper zu berichten. Auch wenn sich die vermeintlichen Krankheitssymptome als harmlos herausstellen, ist es auch f\u00fcr die Frau selbst beruhigend zu wissen, ob alles in Ordnung ist.<\/p>\n<p><strong>Typische Symptome sind:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Erh\u00f6hter Blutdruck<\/strong> (mehr als 140\/90 mm mmHg). Dieser tritt aufgrund der Engerstellung der Gef\u00e4\u00dfe auf, die auch zu einer schlechteren Versorgung der Plazenta f\u00fchrt.<\/li>\n<li><strong>Proteinurie<\/strong>, also die vermehrte Eiwei\u00dfausscheidung \u00fcber den Urin (&gt; 300 mg in 24 Stunden), ist Zeichen f\u00fcr eine gest\u00f6rte Nierenfunktion.<\/li>\n<li><strong>\u00d6deme<\/strong>: Diese Wassereinlagerungen im Gewebe, die sich durch geschwollene H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe deutlich bemerkbar machen, treten zwar unabh\u00e4ngig von der Pr\u00e4eklampsie bei etwa 80 Prozent der Schwangeren im letzten Trimester auf, doch sie k\u00f6nnen auch ein Hinweis auf eine Nierenfunktionsst\u00f6rung und Hypertonie sein. Treten sie auch im Gesicht auf und sind mit einer starken Gewichtszunahme (\u00b3 1 kg\/Woche im letzten Trimester) verbunden, k\u00f6nnen sie ein Hinweis auf eine Pr\u00e4eklampsie sein.<\/li>\n<li>Auch eine <strong>verminderte Harnmenge<\/strong> trotz normaler Fl\u00fcssigkeitsaufnahme ist Anzeichen daf\u00fcr, dass die Nieren nicht st\u00f6rungsfrei arbeiten.<\/li>\n<li>Weitere Symptome sind Sehst\u00f6rungen (verschwommenes oder getr\u00fcbtes Sehverm\u00f6gen und Augenflimmern), starke <strong>Oberbauch- und Kopfschmerzen<\/strong> sowie <strong>\u00dcbelkeit und Erbrechen<\/strong> k\u00f6nnen Warnsignale sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Neben der Erhebung der Symptome wie Hypertonie, Proteinurie etc. kann auch anhand bestimmter Werte im Blut (angiogene und anti-angiogene Marker) festgestellt werden, ob eine Pr\u00e4eklampsie vorliegt oder sich entwickeln k\u00f6nnte. Dazu geh\u00f6ren vor allem die Faktoren PlGF sowie sFlt-1.<\/p>\n<h3><strong><em>Exkurs: Der sFlt-1\/PlGF-Test<\/em><\/strong><\/h3>\n<p><em>Bei normal verlaufenden Schwangerschaften steigt PlGF (Placental Growth Factor) normalerweise w\u00e4hrend der ersten beiden Trimester an und f\u00e4llt zum Ende hin ab. Der Anti-Angiogenesefaktor sFlt-1 (soluble Fms-like Tyrosinkinase-1), der Gef\u00e4\u00dfbildungen unterdr\u00fcckt, steigt hingegen erst gegen Ende der Schwangerschaft, zuvor bleibt er konstant.<\/em><\/p>\n<p><em>Liegt eine Pr\u00e4eklampsie vor, sind die PlGF-Werte erniedrigt und die sFlt-1-Werte erh\u00f6ht. Die Berechnung des Quotienten aus den beiden Faktoren macht eine zuverl\u00e4ssige Diagnose der Pr\u00e4eklampsie m\u00f6glich. Da diese Dysbalance schon am Ende des 1. und im 2. Trimester im Blut nachweisbar sind, noch bevor Symptome auftreten, eignen sich die Faktoren, um eine pr\u00e4ventive Behandlung mit Aspirin einzuleiten.<\/em><\/p>\n<h2><strong>Was ist eine Eklampsie?<\/strong><\/h2>\n<p>Eine Eklampsie ist eine lebensbedrohliche Komplikation der Pr\u00e4eklampsie, die zu einem generalisierten Krampfanfall f\u00fchrt. Tritt eine Eklampsie auf, muss die Schwangere sofort in ein Krankenhaus gebracht werden. Weitere Komplikationen sind Hirn\u00f6deme, Thrombosen, Netzhautsch\u00e4den und Hirnblutungen. Da eine Eklampsie lebensbedrohlich f\u00fcr Mutter und das ungeborene Kind ist, wird die Schwangerschaft nach M\u00f6glichkeit rasch durch einen Kaiserschnitt beendet.<\/p>\n<h2><strong>Was ist das HELLP-Syndrom?<\/strong><\/h2>\n<p>Das HELLP-Syndrom tritt bei ein bis zwei von zehn Frauen mit schwerer Pr\u00e4eklampsie und Eklampsie auf. Es kann sich binnen einer Stunde voll auspr\u00e4gen. Oft geht ein Anstieg des Blutdrucks voran, es kann aber in seltenen F\u00e4llen auch ohne Bluthochdruck auftreten.<\/p>\n<p>Die typischen Symptome eines HELLP-Syndroms sind \u00dcbelkeit, Erbrechen, sehr starke Schmerzen im Oberbauch und eventuell Durchfall.<\/p>\n<p>Das HELLP-Syndrom l\u00e4sst sich anhand charakteristischer Laborver\u00e4nderungen diagnostizieren, die auch namensgebend sind:<\/p>\n<ul>\n<li>H\u00e4molyse (Blutzerfall): Dabei kommt es zu einem vermehrten Abbau roter Blutk\u00f6rperchen<\/li>\n<li>Erh\u00f6hte Werte von Leberenzymen (englisch: <strong>E<\/strong>levated <strong>L<\/strong>iver function tests): diese deuten auf Lebersch\u00e4den hin<\/li>\n<li>Geringe Thrombozytenzahl (englisch:<strong> L<\/strong>ow <strong>P<\/strong>latelet counts): Die Anzahl der Blutpl\u00e4ttchen ist vermindert, wodurch auch die Gerinnungsf\u00e4higkeit des Blutes mangelhaft ist. Dadurch besteht ein st\u00e4rkeres Blutungsrisiko vor und w\u00e4hrend der Geburt.<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Wie wird eine Pr\u00e4eklampsie behandelt?<\/strong><\/h2>\n<p>Zun\u00e4chst wird versucht, mittels k\u00f6rperlicher Ruhe und Schonung bzw. durch eine Lebensumstellung eine Besserung der Werte zu erreichen. Auch die Einnahme von blutdrucksenkenden Mitteln kann erforderlich sein.<\/p>\n<p>Steigt der Blutdruck allerdings weiter an (&gt; 150\/100 mmHg), sollte die Behandlung im Krankenhaus fortgesetzt werden, um das Risiko f\u00fcr Mutter und Kind zu minimieren. Die Patientin sollte in einer reizarmen Umgebung liegen und bekommt Medikamente zur Senkung des Blutdrucks. Auch eine hochdosierte Magnesium-Infusion kann gegeben werden, wenn die Gefahr von Kr\u00e4mpfen zu hoch ist.<\/p>\n<p>Im Falle einer schweren Form der Pr\u00e4eklampsie muss auch \u00fcber eine Beendigung der Schwangerschaft nachgedacht werden, da die Erkrankung f\u00fcr Mutter und Kind lebensbedrohlich werden kann. Nach der 37. Schwangerschaftswoche wird in der Regel zu einer Entbindung geraten. Mit Beendigung der Schwangerschaft verschwinden auch die Symptome innerhalb weniger Tage.<\/p>\n<p>Dank der Vorsorgeuntersuchungen und der fr\u00fchen Behandlung von M\u00fcttern mit Symptomen sind Sch\u00e4den an den betroffenen Kindern sehr selten geworden. Daher ist es umso wichtiger, alle Untersuchungstermine in der Schwangerschaft wahrzunehmen, um das Risiko f\u00fcr sich selbst und das Ungeborene zu minimieren.<\/p>\n<h2><strong>Achtung: Wann muss eine Schwangere ins Krankenhaus?<\/strong><\/h2>\n<p>Treten folgende Symptome auf, sollte sofort ein Krankenhaus aufgesucht werden:<\/p>\n<ul>\n<li>starke Kopfschmerzen<\/li>\n<li>\u00dcbelkeit\/Erbrechen<\/li>\n<li>Schwindel<\/li>\n<li>Lichtempfindlichkeit<\/li>\n<li>Sehst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Verwirrtheit, Schl\u00e4frigkeit oder Rastlosigkeit<\/li>\n<li>Krampfanf\u00e4lle bis hin zum Koma<\/li>\n<li>Schmerzen im rechten Oberbauch<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":42,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2459,2457],"tags":[363,2912,2911,900,2913,2910,179],"class_list":["post-7176","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-frauenheilkunde","category-krankheit","tag-bluthochdruck","tag-eklampsie","tag-hellp-syndrom","tag-hypertonie","tag-oedem","tag-proteinurie","tag-schwangerschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7176","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/42"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7176\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15742,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7176\/revisions\/15742"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7181"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7176"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7176"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7176"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}