{"id":7141,"date":"2022-03-29T08:15:43","date_gmt":"2022-03-29T06:15:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=7141"},"modified":"2026-02-09T13:19:09","modified_gmt":"2026-02-09T12:19:09","slug":"hepatitis-e-haeufig-aber-wenig-beachtet","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/hepatitis-e-haeufig-aber-wenig-beachtet\/","title":{"rendered":"Hepatitis E \u2013 h\u00e4ufig, aber wenig beachtet"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Das \u201ekleine A-B-C\u201c der Virushepatitis<\/strong><\/h2>\n<p>Als <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/hepatitis-leberentzuendung\/\">Hepatitis<\/a> wird eine Entz\u00fcndung der Leber bezeichnet, die unter anderem durch Hepatitis-Viren ausgel\u00f6st werden kann. Weitl\u00e4ufig bekannt sind die Hepatitis A, Hepatitis B und die <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/hepatitis-c\/\">Hepatitis C<\/a>. Hepatitis A wird geh\u00e4uft durch verunreinigtes Wasser, oder durch Verzehr von infizierten Lebensmitteln wie bsp. Muscheln \u00fcbertragen, und f\u00fchrt in aller Regel zu einer harmlosen akuten Entz\u00fcndung der Leber einhergehend mit \u00dcbelkeit, Erbrechen oder Durchfall.<\/p>\n<p>Hepatitis B und C Viren werden vor allem \u00fcber das Blut \u00fcbertragen, zum Beispiel durch Nadeln (intraven\u00f6ser Drogenkonsum, <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/tattoos-im-medizincheck\/\">T\u00e4towierungen<\/a> oder Piercings, etc.) oder \u00fcber Transfusion von Blutprodukten vor 1991. Hepatitis B (und seltener auch Hepatitis C) k\u00f6nnen auch sexuell \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<p>Hepatitis B und C f\u00fchren meist zu einer chronischen Entz\u00fcndung der Leber (chronische Hepatitis), mit den schwerwiegenden Folgen der Entstehung einer <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/leberzirrhose\/\">Leberzirrhose<\/a> und dem Risiko f\u00fcr Leberkrebs und sind weltweit f\u00fcr eine sehr hohe Zahl an Todesf\u00e4llen verantwortlich. Hepatitis D k\u00f6nnen nur Menschen bekommen, die auch eine Hepatitis B haben. Ein neues, weit verbreitetes aber noch wenig beachtetes Virus ist das Hepatitis E Virus.<\/p>\n<h2><strong>Hepatitis E &#8211; eine untersch\u00e4tzte Gefahr<\/strong><\/h2>\n<p>Das Hepatitis E Virus kommt weltweit vor und f\u00fchrt zu einer Entz\u00fcndung der Leber. Hepatitis E wurde lange Zeit als prim\u00e4re Reise- oder Tropenerkrankung verstanden, die vor allem in Afrika und Asien beheimatet ist. Mittlerweile wissen wir aber, dass Hepatitis E auch in Europa sehr weit verbreitet ist. Gem\u00e4\u00df aktuellen Infektionszahlen (aus \u00d6sterreich und Deutschland) ist Hepatitis E mittlerweile die h\u00e4ufigste akute viral bedingte Leberentz\u00fcndung.<\/p>\n<p>Die Jahresstatistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigte zuletzt eine deutliche Zunahme an gemeldeten F\u00e4llen (in Deutschland circa 2000 F\u00e4lle pro Jahr). Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass die Seropr\u00e4valenz in der Bev\u00f6lkerung (die Rate an Menschen die Antik\u00f6rper gegen das Virus in sich tragen) bei ca. 20 Prozent, in einzelnen Regionen bei bis zu 30 Prozent liegt. Das hei\u00dft, dass jeder F\u00fcnfte, teils sogar jeder Dritte schon einmal Kontakt mit dem Hepatitis E Virus hatte. In jedem Falle einer unklaren Erh\u00f6hung der Leberwerte, sollte Ihr behandelnder Arzt daher auch auf Hepatitis E testen.<\/p>\n<p>In tropischen und subtropischen L\u00e4ndern in Afrika und Asien, aber auch in S\u00fcdamerika, wo die Hepatitis E Virustypen Genotyp 1 und 2 vorkommen, sind reduzierte hygienische Bedingungen und kontaminiertes Trinkwasser der Haupt\u00fcbertragungsweg. Bei uns hingegen, wo die Virus-Unterart Genotyp 3 verbreitet ist, wird das Virus vor allem durch Verzehr von rohem, oder nicht ausreichend erhitztem Schweinefleisch \u00fcbertragen. Eine Untersuchung an Hausschweinen bzw. Wildschweinen in \u00d6sterreich zeigte, dass sich in 6 bzw. 23 Prozent aller untersuchten Fleischproben das Hepatitis E Virus nachweisen lie\u00df.<\/p>\n<p>Aber auch andere Lebensmittel,\u00a0 vor allem Wildfleisch, Hase, Muscheln, Erdbeeren und die sehr gefragten Meeresalgen (Wakame) k\u00f6nnen als \u00dcbertr\u00e4ger der Infektion dienen. Ein Erhitzen \u00fcber 70 Grad, \u00fcber einen Zeitraum von mindestens 10 Minuten t\u00f6tet die Viren ab.<\/p>\n<p>Ganz besonders achtgeben sollten Menschen mit einer Immunschw\u00e4che. Es empfiehlt sich keine Fleischprodukte zu essen, die nicht ausreichend gekocht bzw. vollst\u00e4ndig durchgebraten sind; hierzu z\u00e4hlen auch Rohw\u00fcrste, Leberwurst, ger\u00e4ucherte oder geselchte Schweinefleisch- oder Wildfleischprodukte.<\/p>\n<h2><strong>Leberentz\u00fcndung: Immungeschw\u00e4chte sind gef\u00e4hrdet<\/strong><\/h2>\n<p>Die Hepatitis E verl\u00e4uft bei einem Gro\u00dfteil der Infizierten als stille und beinahe unbemerkte (weitestgehend asymptomatische) Infektion der Leber. Bei einem kleinen Teil der Betroffenen kann sie jedoch auch mit einer akuten Hepatitis einhergehen (Gelbf\u00e4rbung der Augen und der Haut, Bauchschmerzen, ggf. <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/fieber-senken-wann-und-wie\/\">Fieber<\/a> und Abgeschlagenheit). Bei gesunden Menschen, ohne Schw\u00e4chung des Immunsystems, heilt diese Entz\u00fcndung in aller Regel auch wieder von selbst aus, und bedarf keiner spezifischen Therapie. Nur ein kleiner Teil der Betroffenen, hier vor allem \u00e4ltere M\u00e4nner oder Patienten mit einer vorbestehenden Lebererkrankung, k\u00f6nnen aber eine sehr schwere Hepatitis bis hin zum akuten Leberversagen erleiden.<\/p>\n<p>V\u00f6llig anders verh\u00e4lt es sich bei Patienten mit chronischer Immunschw\u00e4che (angeboren oder erworben), wie beispielsweise bei Patienten mit einer <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/hiv-aids\/\">HIV-Erkrankung<\/a>, Patienten die eine <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/was-passiert-bei-einer-chemotherapie\/\">Chemotherapie<\/a> ben\u00f6tigen oder etwa auf Grund einer Organtransplantation oder bei schwerer <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/rheuma\/\">rheumatischer Erkrankung<\/a> spezifische Medikamente (Immunsuppressiva) einnehmen m\u00fcssen. Immungeschw\u00e4chte Patienten haben ein sehr hohes Risiko (bis zu 50 Prozent) eine chronische Entz\u00fcndung der Leber zu erleiden, die zu Leberzirrhose, Leberkrebs und letztlich auch zum Tode f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Definitionsgem\u00e4\u00df spricht man von einer chronischen Hepatitis E Infektion wenn das Virus \u00fcber eine Dauer von mindestens drei Monaten im K\u00f6rper nachweisbar ist. In diesem Fall ist eine Vorstellung bei einem ausgewiesenen Experten f\u00fcr Lebererkrankungen sowie eine umgehende Therapie und \u00dcberwachung indiziert.<\/p>\n<h2><strong>Eine medikament\u00f6se Therapie ist m\u00f6glich<\/strong><\/h2>\n<p>Auch wenn bis dato keine spezifische medikament\u00f6se Therapie zur Behandlung der Hepatitis E zugelassen ist, ist eine Behandlung der chronischen Hepatitis E m\u00f6glich und sollte keinesfalls verz\u00f6gert werden. Einerseits kann versucht werden, die immunsuppressive Therapie, das hei\u00dft die bewusste Unterdr\u00fcckung des Immunsystems, ein wenig zu reduzieren, sodass der K\u00f6rper selbst eine Chance bekommt das Virus abzuwehren und in Schach zu halten. Andererseits kann ein Medikament (Ribavirin), welches wir aus der Hepatitis C Therapie kennen, als \u201eoff-label Therapie\u201c verabreicht werden. Die in der Regel mehrw\u00f6chige Behandlung mit Ribavirin f\u00fchrt in bis zu ca. 90 Prozent der F\u00e4lle zu einer Ausheilung der chronischen Hepatitis E.<\/p>\n<p>Eine Impfung gegen Hepatitis E gibt es seit 2011, diese ist jedoch nur in China zugelassen. Unklar bleibt zudem, ob der Impfstoff auch gegen die hier verbreitete Virusart (Genotyp) wirksam ist.<\/p>\n<h2><strong>Virus vermehrt sich auch au\u00dferhalb der Leber\u00a0<\/strong><\/h2>\n<p>Erst j\u00fcngst konnte nachgewiesen werden, dass sich Hepatitis E Viren auch au\u00dferhalb der Leber vermehren k\u00f6nnen. Dies kann auch abh\u00e4ngig vom Genotyp und somit der jeweiligen geographischen Region sein: Der Hepatitis E Virus Genotyp 1, der vor allem in Asien verbreitet ist, scheint mit dem Auftreten von <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/bauchspeicheldruesenentzuendung\/\">Pankreatitis<\/a> (Entz\u00fcndung der Bauchspeicheldr\u00fcse) in Verbindung zu stehen.<\/p>\n<p>Der in Europa verbreitete Genotyp 3 ist mit neurologischen Erkrankungen, wie dem Guillaine Barre Syndrome, einer seltenen Nervenentz\u00fcndung (Polyradikulitis), oder der neuralgischen Schulteramyotrophie, einer L\u00e4hmung der Schulter- und Armmuskulatur, verbunden.<\/p>\n<p>Das Virus, welches sich vor allem in der Leber vermehrt und \u00fcber die Galle ausgeschieden wird, l\u00e4sst sich in aller Regel im Blut und auch im Stuhl von Betroffenen nachweisen. In einer aktuellen Studie konnte wir das Virus auch erstmalig im Ejakulat von chronisch infizierten M\u00e4nnern nachweisen, und zwar in viel h\u00f6herer Menge als im Blut. Dies ist insofern von besonderem Interesse, als dass der Hoden einen R\u00fcckzugsort und eine Nische darstellen k\u00f6nnte, in denen sich die Viren vor dem Immunsystem verstecken oder so lange Zeit unbemerkt im K\u00f6rper verbleiben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Gastautor:<br \/>\n<strong>Dr.med.univ., Dr.scient.med. Thomas Horvatits<\/strong>, Facharzt f\u00fcr Innere Medizin und Gastroenterologie<\/p>\n","protected":false},"author":16,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,66,2424,2430,2448,2457,6],"tags":[3231,94,2901,707,545,176,3230,2462,523,93,784],"class_list":["post-7141","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gesundheitsnews","category-hepatologie","category-infektiologie","category-innere-medizin","category-krankheit","category-sexualitaet","tag-gastroenterologie-u-hepatologie","tag-hepatitis","tag-hepatitis-e","tag-hepatologie","tag-infektiologie","tag-infektion","tag-innere-medizin-u-gastroenterologie-u-hepatologie","tag-krankheit","tag-leber","tag-leberzirrhose","tag-sexualitat"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7141","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7141\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9477,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7141\/revisions\/9477"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7144"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7141"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7141"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7141"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}