{"id":7015,"date":"2022-03-22T08:05:52","date_gmt":"2022-03-22T07:05:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=7015"},"modified":"2022-03-21T12:28:47","modified_gmt":"2022-03-21T11:28:47","slug":"trigeminusneuralgie","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/trigeminusneuralgie\/","title":{"rendered":"Trigeminusneuralgie"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Was ist eine Trigeminusneuralgie? <\/strong><\/h2>\n<p>Unter einer Trigeminusneuralgie versteht man einen blitzartig einschie\u00dfenden einseitigen Gesichtsschmerz. Der Schmerz ist extrem stark und geht vom Nervus trigeminus (Trigeminusnerv) aus. Dieser Nerv versorgt \u00fcber drei \u00c4ste Gesicht, Stirn, Augen, Kinn, Ober- und Unterkiefer und leitet Empfindungen weiter. Ist dieser gesch\u00e4digt, meldet er starke Gesichtsschmerzen an das Gehirn. Der Schmerz kann in Ruhe auftreten oder durch Triggerfaktoren wie Kauen oder eine Ber\u00fchrung ausgel\u00f6st werden, h\u00e4lt nur einige Sekunden an, kann aber bis zu hundert Mal am Tag auftreten. Zu Beginn sind die Schmerzattacken oft nur leicht, sie k\u00f6nnen aber so stark werden, dass Betroffene aus Angst vor den Attacken etwa nichts mehr essen. Der Trigeminusschmerz tritt periodisch auf, was bedeutet, dass sich Wochen und Monate ohne Beschwerden mit Phasen h\u00e4ufiger Attacken abwechseln.<\/p>\n<p>Die Erkrankung trifft vor allem Menschen ab 50 Jahren, Frauen sind etwas h\u00e4ufiger betroffen als M\u00e4nner. Sie muss von anderen Kopfschmerzen wie etwa Spannungskopfschmerzen, <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/migraene-ursache-diagnose-behandlung\/\">Migr\u00e4ne<\/a> oder Cluster-Kopfschmerz abgegrenzt werden, und Fachleute unterscheiden eine h\u00e4ufige klassische Form, bei der ein pathologischer Kontakt zwischen dem Trigeminusnerv und einem Gef\u00e4\u00df gegeben ist, von der weitaus selteneren symptomatischen Trigeminusneuralgie, die etwa im Rahmen von <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/multiple-sklerose\/\">Multipler Sklerose<\/a> auftritt.<\/p>\n<p>Behandelt wird die Erkrankung vor allem medikament\u00f6s, aber auch Operationen, Hitze- oder Bestrahlungstherapien kommen zum Einsatz.<\/p>\n<p>Eine Trigeminusneuralgie kann psychisch sehr belastend sein, und viele Betroffene leiden auch an <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/depression-symptome-ursachen-selbsthilfe\/\">depressiven Verstimmungen<\/a>.<\/p>\n<h2><strong>Ursachen der Erkrankung<\/strong><\/h2>\n<p>Je nachdem, welche Art der Trigeminusneuralgie vorliegt, sind die Ursachen unterschiedlich:<\/p>\n<p><strong>Klassische Trigeminusneuralgie<\/strong>: Hier ist eine Reizung des Nerven an seiner Austrittsstelle aus dem Hirnstamm durch ein benachbartes Blutgef\u00e4\u00df gegeben. Der Druck, der dadurch entsteht, f\u00fchrt zum Verlust der Nervenh\u00fclle an der betroffenen Stelle, was innerhalb des Nerven zu Kurzschl\u00fcssen f\u00fchren kann, bei denen Impulse des sensiblen Teils auf schmerzleitende Nervenfasern \u00fcberspringen. Als Folge kommt es zu den typischen Schmerzattacken, die meist durch Ber\u00fchrungen oder Bewegungen des Gesichts ausgel\u00f6st werden. Das kann zum Beispiel beim Z\u00e4hneputzen, Rasieren, Kauen oder Sprechen passieren, und manchmal gen\u00fcgt auch schon ein kalter Luftzug, um die Symptome auszul\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Symptomatische Trigeminusneuralgie<\/strong>: Sie wird durch andere neurologische Grunderkrankungen hervorgerufen, wobei Ausl\u00f6ser <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/schlaganfall\/\">Schlaganf\u00e4lle<\/a> im Hirnstamm, Tumoren, Gef\u00e4\u00dffehlbildungen oder eine Multiple Sklerose sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2><strong>Symptome einer Trigeminusneuralgie<\/strong><\/h2>\n<p>Der einseitig auftretende Gesichtsschmerz ist sehr heftig und wird oft als Elektroschock-\u00e4hnlich, schie\u00dfend, stechend oder scharf beschrieben. Er kann f\u00fcr Sekunden oder bis zu zwei Minuten anhalten und tritt in der Regel wiederholt auf. Manche Patienten haben mehrmals t\u00e4glich solche Schmerzattacken, andere wiederum nur einmal im Jahr. Zwischen den Attacken sind die Patienten meist schmerzfrei.<\/p>\n<p>Zu den Leitsymptomen z\u00e4hlen:<\/p>\n<ul>\n<li>blitzartig einschie\u00dfende, heftige, einseitige Gesichtsschmerzen<\/li>\n<li>als einzelne Attacke oder in Serien bis zu 100 Mal am Tag<\/li>\n<li>spontan ausgel\u00f6st oder durch Trigger wie Kauen, Sprechen, Ber\u00fchrungen des Gesichts<\/li>\n<li>betroffen sind meist der zweite oder dritte Trigeminusast<\/li>\n<li>manchmal reflektorisches Anspannen der mimischen Muskulatur<\/li>\n<li>im Verlauf dumpfer Dauerschmerz zwischen den Attacken m\u00f6glich<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Wie wird Trigeminusneuralgie diagnostiziert?<\/strong><\/h2>\n<p>Die Diagnose der Trigeminusneuralgie wird meist anhand der Krankengeschichte und der dabei vom Patienten geschilderten typischen Symptome gestellt. Weiters wird eine neurologische Untersuchung durchgef\u00fchrt. Bei vermutetem Vorliegen einer anderen Grunderkrankung k\u00f6nnen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) notwendig werden. Eventuell wird im Rahmen einer Lumbalpunktion Nervenwasser entnommen. In bestimmten F\u00e4llen werden elektrophysiologische Messungen der elektrischen Aktivit\u00e4t des Trigeminusnervs durchgef\u00fchrt, und in manchen F\u00e4llen kann eine HNO-\u00e4rztliche Abkl\u00e4rung Hinweise auf m\u00f6gliche Ursachen liefern.<\/p>\n<h2><strong>Behandlung der stechenden Gesichtsschmerzen<\/strong><\/h2>\n<p>Grunds\u00e4tzlich wird die Trigeminusneuralgie entweder mit Medikamenten oder mittels operativer Eingriffe therapiert. Medikamente kommen vor allem bei der klassischen Trigeminusneuralgie zum Einsatz. Dabei werden in erster Linie Antikonvulsiva wie Carbamazepine verwendet. Sie unterbinden die Weiterleitung von Schmerzimpulsen. Eine Behandlung mit herk\u00f6mmlichen Schmerzmitteln ist in den meisten F\u00e4llen nicht effektiv, denn ihre Wirkung entfaltet sich f\u00fcr den pl\u00f6tzlich einschie\u00dfenden Schmerz zu sp\u00e4t, und manche dieser Schmerzmittel sind f\u00fcr die St\u00e4rke des Trigeminusschmerzes auch nicht ausreichend schmerzlindernd.<\/p>\n<p>Gelingt es nicht, den Schmerz mit Medikamenten zu lindern, sind die Nebenwirkungen der Antikonvulsiva nicht tolerabel oder liegt eine symptomatische Trigeminusneuralgie vor, so gibt es drei operative Verfahren, die angewendet werden k\u00f6nnen:<\/p>\n<ul>\n<li>Mikrovaskul\u00e4re Dekompression nach Jannetta: Dabei wird ein kleines St\u00fcckchen Kunststoff als Puffer zwischen dem Trigeminusnerv und dem ihn reizenden Gef\u00e4\u00df eingef\u00fcgt. Die Ergebnisse nach der Operation sind sehr gut: Rund drei Viertel aller so behandelten Patienten sind danach f\u00fcr viele Jahre schmerzfrei.<\/li>\n<li>Perkutane Radiofrequenzthermokoagulation: Dabei wird eine Sonde durch die Haut zum sogenannten Ganglion Gasseri, einer Ansammlung von Nervenzellk\u00f6rpern des Trigeminusnervs, geschoben. Dort werden dann die Schmerzfasern des Nervs durch lokale Hitzeanwendung, mechanisch mittels Druckballon oder chemisch mittels Glyzerin zerst\u00f6rt. Auch hier ist die Erfolgsrate zun\u00e4chst sehr hoch, aber nur bei etwa jedem Zweiten dauerhaft.<\/li>\n<li>Radiochirurgische Therapie: Dabei wird der Trigeminusnerv nahe am Hirnstamm einmalig mit einem speziellen Bestrahlungsger\u00e4t (Gamma-Knife) mit einer hohen Strahlendosis bestrahlt. Die Wirkung setzt erst nach einigen Wochen ein, die Langzeitergebnisse sind nicht so gut wie bei den operativen Verfahren. Der Vorteil dieser Methode besteht vor allem darin, dass sie nicht invasiv ist.<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Prognose der Erkrankung<\/strong><\/h2>\n<p>Was den Krankheitsverlauf bei der Trigeminusneuralgie betrifft, so ist er von Patient zu Patient sehr unterschiedlich, und die Abst\u00e4nde zwischen den Schmerzattacken sind kaum vorhersehbar. Die Erkrankung ist bislang nicht vollst\u00e4ndig heilbar, und viele Betroffene sind dadurch massiv in ihrer Lebensqualit\u00e4t eingeschr\u00e4nkt \u2013 einerseits durch die heftigen Schmerzattacken, andererseits durch die Angst vor der n\u00e4chsten Attacke. Deshalb leiden manche Patienten mit Trigeminusneuralgie auch an depressiven Verstimmungen, die ebenfalls behandelt werden sollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,24,25,2436,66,2416,2457,2408,2440],"tags":[106,187,2893,161,2462,475,188,211,1946,2894],"class_list":["post-7015","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-augenheilkunde","category-chirurgie","category-geriatrie","category-gesundheitsnews","category-hals-nasen-ohrenheilkunde","category-krankheit","category-neurologie","category-schmerzmedizin","tag-augenheilkunde","tag-chirurgie","tag-gesichtsschmerz","tag-hno","tag-krankheit","tag-nerven","tag-neurologie","tag-schmerz","tag-schmerzmedizin","tag-trigeminusneuralgie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7015","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7015\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9592,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/7015\/revisions\/9592"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7017"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7015"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7015"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}