{"id":6742,"date":"2024-06-03T09:03:44","date_gmt":"2024-06-03T07:03:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=6742"},"modified":"2026-02-09T13:38:34","modified_gmt":"2026-02-09T12:38:34","slug":"nierensteine","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/nierensteine\/","title":{"rendered":"Nierensteine"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Was sind Nierensteine? <\/strong><\/h2>\n<p>Der menschliche Urin enth\u00e4lt gel\u00f6ste Abfallstoffe wie Harnstoff, Kreatinin, Harns\u00e4ure oder Fremdstoffe, die zum Beispiel aus Medikamenten stammen. Diese Substanzen k\u00f6nnen unter bestimmten Umst\u00e4nden Kristalle bilden und sich schlie\u00dflich als Steine im Nierensystem ablagern.<\/p>\n<p>Meistens bestehen die Ablagerungen aus calcium- oder phosphathaltigen Stoffen, und oft durchwandert ein Nierenstein die Harnwege und wird dann nach seiner jeweiligen Position Harnleiterstein, Harnblasenstein oder Harnr\u00f6hrenstein genannt. Der Oberbegriff f\u00fcr alle diese Steine lautet Harnsteine.<\/p>\n<p>Manche Steine sind nur stecknadelkopfgro\u00df, andere f\u00fcllen das gesamte Nierenbecken aus. Kleine Kristalle k\u00f6nnen oft unbemerkt mit dem Harn ausgeschieden werden, ohne ein Symptom zu verursachen, und zu Beschwerden kommt es meist erst dann, wenn die Steine in die G\u00e4nge der Niere oder in den Harnleiter wandern. Ab einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe k\u00f6nnen die Steine die ableitenden Harnwege nicht mehr passieren und blockieren den Harnfluss. In diesem Fall kann aufgrund der Gewebedehnung eine Nierenkolik mit heftigen, krampfartigen Schmerzen entstehen.<\/p>\n<p>Nierensteine gelten in Industriel\u00e4ndern als Wohlstandskrankheit, die vor allem durch eiwei\u00dfreiche Ern\u00e4hrung, \u00dcberern\u00e4hrung, Adipositas und Bewegungsmangel gef\u00f6rdert wird. Laut Sch\u00e4tzungen leiden f\u00fcnf bis zehn Prozent der Bev\u00f6lkerung hierzulande mindestens einmal im Leben an einem Nierenstein. Das R\u00fcckfallrisiko ist hoch, und M\u00e4nner sind dreimal so h\u00e4ufig wie Frauen betroffen.<\/p>\n<h2>Welche Zusammensetzung haben Nierensteine?<\/h2>\n<p>Nierensteine bestehen aus verschiedenen Arten von kristallinen Materialien, die jeweils durch die Anh\u00e4ufung von bestimmten Chemikalien im Urin gebildet werden. Die h\u00e4ufigsten Arten von Nierensteinen sind:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Kalziumoxalat-Steine<\/strong>: Diese sind die am weitesten verbreiteten (ca 80% haben diese Steinart) und bestehen haupts\u00e4chlich aus Kalziumoxalat, manchmal auch aus Kalziumphosphat. Die Farbe der Steine ist gelblich bis schwarz.<\/li>\n<li><strong>Struvit-Steine<\/strong>: Diese bilden sich oft als Reaktion auf eine Infektion der Harnwege und bestehen aus Struvit, einem Mineral. Diese Steine sind deutlich seltener.<\/li>\n<li><strong>Harns\u00e4ure-Steine<\/strong>: Sie entstehen, wenn der Urin zu sauer ist, was oft durch eine hohe Aufnahme von tierischen Proteinen oder bestimmte metabolische St\u00f6rungen verursacht wird. M\u00e4nner haben diese Form \u00f6fter als Frauen.<\/li>\n<li><strong>Cystin-Steine<\/strong>: Diese sind sehr selten und entstehen aufgrund einer angeborenen Sotffwechselerkrankung. Die Steine bestehen aus der Aminos\u00e4ure Cystin.<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Welche Ursachen und Risikofaktoren haben Nierensteine?<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>Grunds\u00e4tzlich bilden sich Harnsteine, wenn bestimmte Mineralsalze im Urin so hoch konzentriert sind, dass sie auskristallisieren und sich als Steine ablagern. Dies geschieht beispielsweise, wenn der K\u00f6rper zu wenig Fl\u00fcssigkeit durch ausreichendes Trinken bekommt oder zu viel Fl\u00fcssigkeit durch Schwitzen verliert. Dann konzentrieren sich die Salze im Urin und k\u00f6nnen sich nicht mehr l\u00f6sen. Die Ursachen daf\u00fcr sind vielf\u00e4ltig und liegen h\u00e4ufig in lebensstilbedingten Faktoren.<\/p>\n<p>Weitere Risikofaktoren:<\/p>\n<ul>\n<li>St\u00f6rungen des Harns\u00e4urestoffwechsels (z.B. <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/gicht\/\">Gicht<\/a>)<\/li>\n<li>Erkrankungen der Nebenschilddr\u00fcse, die zu einem gesteigerten Ausscheiden von Kalzium \u00fcber den Urin f\u00fchren<\/li>\n<li>\u00fcberm\u00e4\u00dfiger Fleisch- und Wurstkonsum<\/li>\n<li>\u00fcberm\u00e4\u00dfiger Konsum von Nahrungsmitteln, die viel Oxals\u00e4ure enthalten (z.B. Spinat, Kakao, Schokolade, schwarzer und gr\u00fcner Tee)<\/li>\n<li>schnelle Gewichtsreduktion ohne ausreichend Fl\u00fcssigkeitszufuhr<\/li>\n<li>Bettl\u00e4gerigkeit (Abbau von Kalzium aus den Knochen)<\/li>\n<li>h\u00e4ufige Harnwegs- und <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/nierenschmerzen\/\">Nierenbeckeninfektionen<\/a><\/li>\n<li>vermindertes Ausscheiden von die Steinbildung hemmenden Substanzen wie Zink, Magnesium, Zitrat,\u2026<\/li>\n<li>Erkrankungen, die den Harnabfluss behindern (z.B. Nierenfehlbildungen)<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Welche Symptome verursachen Nierensteine?<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sind die Symptome von Lage, Gr\u00f6\u00dfe, Form und Beweglichkeit der Harnsteine abh\u00e4ngig. Kleine Steine oder grie\u00dfartige K\u00f6rner verursachen meist keine oder nur leichte Beschwerden und k\u00f6nnen wieder aus den Harnwegen herausgesp\u00fclt werden, wenn der Patient seine Trinkmenge erh\u00f6ht. Auch Steine, die ruhig in der Niere liegen, sind in der Regel symptomlos und werden oft nur zuf\u00e4llig, etwa im Rahmen einer Ultraschall- oder R\u00f6ntgenuntersuchung entdeckt. Manchmal kann auch ein Ziehen oder Dr\u00fccken in der Flankengegend oder eine kleine Menge Blut im Urin auf einen Nierenstein hindeuten.<\/p>\n<p>Gr\u00e4\u00dfere Nierensteine, die den Harnfluss in den Harnwegen blockieren, k\u00f6nnen sie sehr heftige Schmerzen verursachen, denn wenn das Nierenbecken oder der Harnleiter versperrt ist oder die Steine in Bewegung kommen und in den Harnleiter rutschen, kann es zu einer Nierenkolik kommen. Diese beginnt meist ganz pl\u00f6tzlich und verursacht folgende Symptome:<\/p>\n<ul>\n<li>krampf- und anfallsartige Schmerzen im Bereich der Nieren, die bis zu Genitalien, Oberschenkeln und Leistenregion ausstrahlen<\/li>\n<li>\u00dcbelkeit und Erbrechen<\/li>\n<li>Angst und Unruhe<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine Nierenkolik kann einige Minuten, aber auch Stunden andauern und muss so rasch wie m\u00f6glich \u00e4rztlich behandelt werden, damit eine bleibende Sch\u00e4digung der Nieren und Harnwege verhindert werden kann.<\/p>\n<p>Eine weitere Komplikation in diesem Zusammenhang ist der komplette Harnleiterverschluss. Dabei produziert die Niere zwar vorerst weiter Urin, aber die gefilterten Giftstoffe sammeln sich im angestauten Urin innerhalb der Niere an und sch\u00e4digen das Nierengewebe. Zudem k\u00f6nnen aufgrund des aufgestauten Urins Bakterien in die Harnwege eindringen und sich dort festsetzen. Im schlimmsten Fall gelangen durch Urinstau und Infektion Bakterien in den Blutkreislauf, was zu einer lebensbedrohlichen Uro<a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/blutvergiftung-sepsis\/\">sepsis<\/a> (akute Infektion mit Bakterien aus dem Urogenitaltrakt) f\u00fchren kann. In manchen F\u00e4llen kommt es auch zu Schrumpfnieren (verkleinerte Nieren), wobei Nierengewebe zerst\u00f6rt wird.<\/p>\n<h2><strong>Wie wird die Diagnose von Nierensteinen gestellt?\u00a0<\/strong><\/h2>\n<p>Die Diagnose eines Nierensteins kann oft aufgrund des Krankheitsverlaufs, der Schmerzen und der Klopfempfindlichkeit des Nierenbereichs gestellt werden. Weiters wird der Urin untersucht, um Blut im Harn, eventuelle Infektionen oder Anzeichen von Nierensch\u00e4den nachweisen zu k\u00f6nnen. Ein Blutbild erlaubt\u00a0 die Bestimmung der Werte f\u00fcr Kalzium, Harns\u00e4ure und andere Substanzen und die Beurteilung der Nierenfunktion.<br \/>\nZudem k\u00f6nnen eine Ultraschalluntersuchung bzw. eine Computertomografie die Diagnose sichern, und ein R\u00f6ntgen von Niere, Harnleiter, Blase und Prostata kann zur Steindiagnostik herangezogen werden. Gegebenenfalls kommt auch eine R\u00f6ntgenuntersuchung von Harnleiter und Nierenbecken mithilfe eines Kontrastmittels zum Einsatz. Eine Analyse der chemischen Zusammensetzung des Steins sollte immer durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h2><strong>Wie werden Nierensteine behandelt?<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>Viele Nierensteine werden spontan mit dem Urin ausgeschieden. Das kann unter Umst\u00e4nden mit \u00e4rztlicher Unterst\u00fctzung sogar nach einer Nierenkolik der Fall sein. Zur Schmerzbehandlung kommen lokale W\u00e4rme (Vollb\u00e4der, W\u00e4rmeflaschen, feucht-warme Umschl\u00e4ge), k\u00f6rperliche Bewegung (Treppensteigen, H\u00fcpfen,\u2026) und vermehrte Fl\u00fcssigkeitszufuhr in Betracht.<\/p>\n<p>Auch Schmerzmittel oder entz\u00fcndungs- und schmerzhemmende Medikamente (NSAR) k\u00f6nnen zum Einsatz kommen. Eine solche konservative Therapie ist aber nicht angezeigt bzw. muss abgebrochen werden, wenn:<\/p>\n<ul>\n<li>w\u00e4hrenddessen Koliken oder Infektionen auftreten<\/li>\n<li>der Durchmesser der Steine mehr als acht Millimeter betr\u00e4gt<\/li>\n<li>starke Koliken durch Medikamente nicht kontrollierbar sind<\/li>\n<li>ein Harnstau auftritt<\/li>\n<li>ein fiebriger Harnwegsinfekt auftritt<\/li>\n<\/ul>\n<p>In diesen F\u00e4llen gibt es unterschiedliche Methoden der aktiven Steinentfernung:<\/p>\n<p><strong>Extrakorporale Sto\u00dfwellenlithotripsie:<\/strong> Dabei werden die Nierensteine ohne operativen Eingriff durch Anwendung von Sto\u00dfwellen\u00a0 zertr\u00fcmmert und die Tr\u00fcmmer auf nat\u00fcrlichem Weg ausgeschieden.<\/p>\n<p><strong>Minimalinvasive Steinbehandlung:<\/strong> Hier gibt es verschiedene Methoden, die perkutan, endoskopisch oder laparoskopisch sein k\u00f6nnen und sehr schonende Techniken darstellen. Wenn weder Sto\u00dfwellentherapie noch die endoskopische Steinentfernung erfolgreich sind, wird die laparoskopische Methode angewendet. Dabei werden die Operationsinstrumente \u00fcber die Bauchh\u00f6hle eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Chirurgische Steinentfernung:<\/strong> Diese Methode \u00fcber eine offene Operation kommt heute nur sehr selten zum Einsatz, zum Beispiel bei sehr gro\u00dfen Steinen, die etwa das Nierenhohlsystem komplett ausf\u00fcllen.<\/p>\n<h2><strong>Wie kann man Nierensteine vorbeugen?<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>Da Nierensteine immer wieder neu auftreten k\u00f6nnen, ist die Vorsorge besonders wichtig. Folgende Ma\u00dfnahmen helfen, Nierensteinen vorzubeugen bzw. R\u00fcckf\u00e4lle zu verhindern:<\/p>\n<ul>\n<li>Vermeiden Sie <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/abnehmen\/\">\u00dcbergewicht<\/a><\/li>\n<li>Nehmen Sie wenig tierische Eiwei\u00dfe zu sich<\/li>\n<li>Trinken Sie ausreichend (vor allem auch nach starkem Schwitzen)<\/li>\n<li>Verwenden Sie Salz sparsam<\/li>\n<li>Treiben Sie regelm\u00e4\u00dfig Sport<\/li>\n<\/ul>\n<h2>An welchen Arzt kann ich mich bei Verdacht auf Nierensteine wenden?<\/h2>\n<p>Sie k\u00f6nnen sich zur Abkl\u00e4rung Ihrer Beschwerden entweder an einen <a href=\"\/suche\/praktischer-arzt\">Arzt oder \u00c4rztin f\u00fcr Allgemeinmedizin<\/a>, oder an einen <a href=\"\/suche\/urologe\">Facharzt oder eine Fach\u00e4rztin f\u00fcr Urologie<\/a> wenden.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[25,2457,2429,2455],"tags":[187,2855,310,663,2854,2617,190],"class_list":["post-6742","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-chirurgie","category-krankheit","category-nephrologie","category-urologie","tag-chirurgie","tag-lithotripsie","tag-nephrologie","tag-niere","tag-nierenkolik","tag-nierensteine","tag-urologie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/6742","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/6742\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17413,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/6742\/revisions\/17413"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6747"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6742"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6742"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6742"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}