{"id":6627,"date":"2022-01-26T15:00:19","date_gmt":"2022-01-26T14:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=6627"},"modified":"2025-03-04T10:18:12","modified_gmt":"2025-03-04T09:18:12","slug":"covid-19-welche-therapien-helfen","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/covid-19-welche-therapien-helfen\/","title":{"rendered":"Covid-19: Welche Therapien helfen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Covid-Impfung bleibt das Um und Auf der Bek\u00e4mpfung der Pandemie: \u201eDas Wichtigste ist immer die Impfung. Danach kommt lange nichts, dann wieder nichts \u2013 und dann erst Medikamente\u201c, erkl\u00e4rt der Infektiologe Florian Thalhammer von der Universit\u00e4t Wien in einem Round-Table-Gespr\u00e4ch der Allgemeinmedizin-Initiative AM Plus in Wien. Und doch werden in absehbarer Zeit neue Arzneimittel zur Behandlung einer akuten Covid-19-Infektion zur Verf\u00fcgung stehen. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf neuen antiviralen Arzneimitteln sowie\u00a0Antik\u00f6rpertherapien.<\/p>\n<h2><strong>Antivirale Arzneimittel<\/strong><\/h2>\n<p>Diese Arzneimittel haben das Ziel, die Virusvermehrung zu stoppen. Indem diese bereits am Eindringen gehindert werden oder indem die Virenvermehrung in der Zelle blockiert wird. F\u00fcr zwei Substanzen l\u00e4uft derzeit ein Rolling Review Verfahren bei der Europ\u00e4ischen Arzneimittelagentur (EMA). Experten rechnen mit einer baldigen Zulassung dieser Arzneimittel.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Molnupiravir\u00a0<\/strong><br \/>\nHier handelt es sich um ein Kombinationspr\u00e4parat zwischen einem \u00e4lteren HIV-Medikament und einem neu entwickelten Pr\u00e4parat. Die Wirkstoffkombination verhindert die Vermehrung der Viren, indem diesen falsche RNA-Bausteine angeboten werden, was zu einem Abbruch der Replikation f\u00fchrt<\/li>\n<li><strong>Paxlovid\u00a0<\/strong><br \/>\nDie Behandlung mit diesem Medikament hemmt ein wichtiges Protease-Enzym der Viren, so dass Reifung und Infektiosit\u00e4t der Covid-Erreger unterdr\u00fcckt werden<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Vorteile beider Therapien:<\/strong><br \/>\nDie Medikamente werden oral in Tablettenform eingenommen und k\u00f6nnen deshalb auch au\u00dferhalb des Krankenhauses angewendet und vom Hausarzt verschrieben werden. Sie wirken auch gegen Omikron und in klinischen Studien zeigten die Therapien eine Reduktion der H\u00e4ufigkeit von Spitalsaufnahmen. Bei Paxlovid wurde in Studien sogar eine Reduktion der Hospialisierungsrate um bis zu neunzig Prozent nachgewiesen.<br \/>\nBeide Substanzen befinden sich bei der europ\u00e4ischen Arzneimittelbeh\u00f6rde (EMA) in Begutachtung und die Beh\u00f6rden wollen in K\u00fcrze \u00fcber eine Zulassung dieses Medikaments entscheiden. An zahlreichen weiteren Wirkstoffen wird derzeit noch geforscht und viele davon befinden sich in fr\u00fchen Phasen der klinischen Erprobung.<br \/>\nAnmerkung: Paxlovid wurde am 27.Januar 2022 zur Behandlung zugelassen.<\/p>\n<p><strong>Nachteile dieser Therapien:<\/strong><br \/>\nAuch wenn sich mit den neuen Arzneimitteln teilweise signifikante klinische Ergebnisse erzielen lassen, erf\u00fcllen die Medikamente nicht immer die in sie gesetzten Erwartungen. Um zu wirken, m\u00fcssen die Arzneimittel etwa sehr fr\u00fch im Krankheitsverlauf eingenommen werden, am besten sofort nach dem Auftreten der ersten Symptome (idealerweise in den ersten f\u00fcnf Tagen) und bei Nachweis einer akuten Sars-CoV-Infektion. Die Medikamente sind auch relativ teuer und um sie frei verschreib- und verf\u00fcgbar zu machen, m\u00fcssen die Produktionsmengen erst an den wachsenden Bedarf angepasst werden.<\/p>\n<h3><strong>Weitere antiviral wirksame Behandlungskonzepte<\/strong><\/h3>\n<p>Weiterhin zur Anwendung bei Risikopatienten kommt das urspr\u00fcnglich gegen das Ebolavirus entwickelte antiviral wirksame Medikament <strong>Remdesivir.<\/strong> Besonders Erkrankte mit einer Lungenentz\u00fcndung profitieren von dieser Behandlung. Die Verabreichung erfolgt intraven\u00f6s als Kurzinfusion.<\/p>\n<p>Geforscht wird auch an antiviralen Medikamenten, die Viren schon in den oberen Atemwegen abfangen sollen. So befinden sich etwa Nasensprays mit Algenextrakten, Stickstoffmonoxid-freisetzenden L\u00f6sungen oder antiallergischen Substanzen (Antihistaminika) in klinischer Erprobung.<\/p>\n<p>Ein weiterer Therapieansatz besteht in der Anwendung des Antidepressivums <strong>Fluoxetin.<\/strong> Dieser Wirkstoff regelt eine Reihe von Prozessen im K\u00f6rper, unter anderem bewirkt er auch einer Hemmung der Produktion von Entz\u00fcndungsstoffen (Zytokine). \u00dcberschiessende Entz\u00fcndungsreaktionen spielen im Krankheitsverlauf einer Covid-19-Erkrankung eine wichtige Rolle.<\/p>\n<h2><strong>Monoklonale Antik\u00f6rper<\/strong><\/h2>\n<p>Antik\u00f6rper, die \u00fcblicherweise im Rahmen einer Impfung entstehen und bei einer m\u00f6glichen Infektion gegen diese vorgehen, k\u00f6nnen auch biotechnologisch hergestellt und Infizierten verabreicht werden (passive Immunisierung). Die Antik\u00f6rper binden und neutralisieren das Virus und unterst\u00fctzen so das eigene Immunsystem. Derzeit kommen h\u00e4ufig Kombinationen aus Antik\u00f6rpern wie etwa <strong>Casirivimab<\/strong> plus <strong>Imdevimab<\/strong> oder <strong>Etesevimab <\/strong>plus <strong>Bamlanivimab<\/strong> zum Einsatz.<\/p>\n<p>Neuere Tests zeigen jedoch, dass diese Therapien, die sich vor allem gegen fr\u00fchere Varianten des Coronavirus richten, gegen Omikron weitgehend wirkungslos sind. Die Hoffnungen liegen nun auf neuen Antik\u00f6rper-(Kombi)Pr\u00e4paraten wie <strong>Sotrovimab <\/strong>und <strong>Evusheld,<\/strong> die sich Studien zufolge auch gegen Omikron als wirksam erwiesen haben. Eingesetzt werden die Therapien bereits bei PatientInnen mit leichtem Krankheitsverlauf, die aber ein hohes Risiko f\u00fcr einen Krankenhausaufenthalt haben. Dazu z\u00e4hlen \u00e4ltere Menschen, Menschen mit Immunschw\u00e4che oder chronischen Krankheiten wie chronischer Niereninsuffizienz oder schweren Herz -Kreislauf-Erkrankungen. Eine Behandlung mit Antik\u00f6rpern stellt jedoch in keinem Fall einen Ersatz f\u00fcr die Impfung dar, betonen Fachleute.<\/p>\n<p>Viele Forschungsgruppen arbeiten derzeit bereits an neuen und den Viren noch besser angepassten Antik\u00f6rper-Versionen. Unter anderem mit statt gentechnisch hergestellten Antik\u00f6rpern auch mit gew\u00f6hnlichen Antik\u00f6rpern, sogenannten <strong>Nanobodies.<\/strong> Das sind kleinere Antik\u00f6rper, die von Lamas und Alpakas erzeugt werden. Sie sind leichter herzustellen und besser wirken, zus\u00e4tzlich lassen sie sich auch l\u00e4ngere Zeit bei Raumtemperatur lagern.<\/p>\n<h2><strong>Welche Medikamente helfen bei einem schweren Verlauf?<\/strong><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Kortikosteroide und Interleukin-Antagonisten<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Kortikosteroide wie <strong>Dexamethason <\/strong>z\u00e4hlen seit Beginn der Pandemie zur Standardbehandlung bei schweren Krankheitsverl\u00e4ufen. Sie bek\u00e4mpfen \u00fcberschie\u00dfende Entz\u00fcndungsreaktionen, die in der Regel mit schweren Cov-Erkrankungsf\u00e4llen einhergehen. Urspr\u00fcglich ebenfalls bei rheumatischen Erkrankungen verabreicht, blockieren Interleukin-Antagonisten Entz\u00fcndungsreaktionen. Zu diesen z\u00e4hlen die bisher als Arthritis-Medikamente eingesetzen Interleukin-6-Antagonisten <strong>Tocilizumab<\/strong> und<strong> Sarilumab<\/strong>.<\/p>\n<h3><strong>Blutverd\u00fcnner<\/strong><\/h3>\n<p>Zur Thromboseprophylaxe, also um Thrombosen, Schlaganf\u00e4llen und Infarkten vorzubeugen, werden auch Blutverd\u00fcnner wie gerinnungshemmende<strong> Heparine<\/strong> oder auch mit Heparin strukturell nicht verwandte Gerinnungshemmer (Antikoagulantien) eingesetzt, da eine Infektion mit Sars-CoV-2 zu einer erh\u00f6hten Gerinnselbildung f\u00fchrt.<\/p>\n<h3><strong>Januskinase-Inhibitoren<\/strong><\/h3>\n<p>Bei PatientInnen mit schwerer oder kritischer Erkrankung k\u00f6nnen auch die immunsuppresiv wirksamen monoklonalen Antik\u00f6rper <strong>Baricitinib<\/strong> oder <strong>Tofacitinib <\/strong>zur Anwendung kommen. Diese Wirkstoffe wurden eigentlich f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Arthritis entwickelt, verbessern aber auch die \u00dcberlebensraten von an Covid-19 erkrankten Menschen, wenn sie in Kombination mit einem Kortikosteroid verabreicht werden. Sie verringern auch die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung.<\/p>\n<h2><strong>Welche Behandlungen zeigen keinen Erfolg?<\/strong><\/h2>\n<p>Zu trauriger Ber\u00fchmtheit schaffte es das zur Bek\u00e4mpfung von Milben und parasitischen Fadenw\u00fcrmern zugelassene Pr\u00e4parat<strong> Ivermectin<\/strong>. In klinischen Untersuchungen zeigten sich keine therapeutischen Erfolge. Das Mittel wurde \u00fcberdies au\u00dferhalb von kontrollierten Studien eingesetzt und f\u00fchrte in der Vergangenheit bereits zu schweren Vergiftungen mit Todesfolge.<\/p>\n<p>Nicht gegen Covid-19 bew\u00e4hrt haben sich auch ein \u00e4lteres HIV-Medikament mit der Wirkstoffkombination <strong>Lopinavir\/Ritonavir <\/strong>oder das Antibiotikum<strong> Azithromycin.<\/strong><br \/>\nKeine Verbesserung der klinischen Symptome zeigen Behandlungen mit Malaria-Medikamente mit den Wirkstoffen <strong>Chloroquin <\/strong>und <strong>Hydroxichloroquin<\/strong>, dessen kurzzeitige Notfallzulassung in den USA deshalb auch wieder aufgehoben wurde. Wirksamkeitsnachweise fehlen auch f\u00fcr supportive Therapien mit <strong>Mineralstoffen<\/strong> wie Zink oder bestimmten <strong>Vitaminen <\/strong>(C,D).<\/p>\n<p>Als nicht bzw. wenig wirksam hat sich inzwischen auch die Anwendung von <strong>Rekonvaleszentenplasma <\/strong>(Blutplasma bereits genesener Covid-19-Patienten) bei der Behandlung von Menschen mit moderater bis schwerer Covid-19-Infektion erwiesen.<\/p>\n","protected":false},"author":41,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,66,2416,2417,2424,2422,2430,2448,2449,2457,2429,2463,2481],"tags":[313,762,14,722,292,1092,170,550],"class_list":["post-6627","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gesundheitsnews","category-hals-nasen-ohrenheilkunde","category-haematologie","category-hepatologie","category-immunologie","category-infektiologie","category-innere-medizin","category-intensivmedizin","category-krankheit","category-nephrologie","category-pneumologie","category-virologie","tag-corona","tag-corona-impfung","tag-covid-19","tag-intensivmedizin","tag-interne-medizin","tag-monoklonaler-antikorper","tag-viren","tag-virologie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/6627","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/6627\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16334,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/6627\/revisions\/16334"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6629"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}