{"id":6117,"date":"2022-01-11T08:32:16","date_gmt":"2022-01-11T07:32:16","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.docfinder.farm\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=6117"},"modified":"2022-01-11T08:32:16","modified_gmt":"2022-01-11T07:32:16","slug":"erste-hilfe-bei-erfrierung","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/erste-hilfe-bei-erfrierung\/","title":{"rendered":"Erste Hilfe bei Erfrierung"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Was ist eine Erfrierung?<\/strong><\/h2>\n<p>Eine Erfrierung ist ein lokaler Gewebeschaden, der durch anhaltende K\u00e4lteeinwirkung entsteht. Dabei kommt es zu einer Mangeldurchblutung des Gewebes. In weiterer Folge werden die Zellen nicht ausreichend versorgt, und das Gewebe wird gesch\u00e4digt oder stirbt sogar ab. Besonders anf\u00e4llig f\u00fcr Erfrierungen sind die so genannten Akren, also Nase, Ohren, Finger und Zehen, aber auch Hautareale, die normalerweise nicht abgedeckt werden, also Wangen und Kinn. Je l\u00e4nger die K\u00e4lte einwirkt, desto ausgedehnter und schwerwiegender ist die Sch\u00e4digung. Aber auch bei kurzem Kontakt mit einem extrem kalten Gegenstand oder Substanzen wie Metall, Trockeneis oder fl\u00fcssigem Stickstoff kann es zu einer Erfrierung kommen. Man spricht dann von einer so genannten K\u00e4lteverbrennung.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich unterscheidet man oberfl\u00e4chliche und tiefe Erfrierungen:<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Oberfl\u00e4chliche Erfrierungen <\/strong>betreffen nur die oberen Hautschichten. Sie k\u00f6nnen meist mit einfachen Erste-Hilfe-Ma\u00dfnahmen behandelt werden und die Symptome verschwinden in der Regel nach kurzer Zeit von selbst, wenn die betroffenen Hautstellen entsprechend gesch\u00fctzt und gew\u00e4rmt werden.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Tiefe Erfrierungen<\/strong> hingegen k\u00f6nnen auch tiefere Hautschichten, Muskeln, Sehnen oder Knochen betreffen. Sie m\u00fcssen so rasch wie m\u00f6glich im Krankenhaus behandelt werden, um betroffene K\u00f6rperteile m\u00f6glichst erhalten zu k\u00f6nnen. Im schlimmsten Fall muss eine Amputation durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Erfrierungen gehen oft mit einer<strong> Unterk\u00fchlung<\/strong> einher. Doch w\u00e4hrend eine Erfrierung lokal begrenzt ist und nur einzelne K\u00f6rperteile betrifft, ist die Unterk\u00fchlung eine Ganzk\u00f6rperreaktion auf zu gro\u00dfe K\u00e4lte. Kann sich der K\u00f6rper nicht mehr ausreichend warmhalten, sinkt die K\u00f6rperkerntemperatur auf unter 35 \u00b0C ab. Es kommt zun\u00e4chst zu K\u00e4ltezittern, schneller Atmung und beschleunigtem Herzschlag, sp\u00e4ter h\u00f6rt das Zittern meist auf, die Atmung verringert sich, der Herzschlag verlangsamt und es kann zu Apathie und Kreislaufversagen bis hin zum Koma kommen. Eine schwere Unterk\u00fchlung ist im Gegensatz zur Erfrierung lebensbedrohlich und erfordert <strong>sofortige Erste Hilfe-Ma\u00dfnahmen und die Verst\u00e4ndigung von Rettung (144) oder Bergrettung (140). <\/strong><\/p>\n<h2><strong>Ursachen und Risikofaktoren<\/strong><\/h2>\n<p>Erfrierungen werden vor allem durch anhaltende K\u00e4lteeinwirkung hervorgerufen. Dabei spielt aber nicht nur die Temperatur eine Rolle, sondern auch Faktoren wie Luftfeuchtigkeit und Wind, denn K\u00e4ltesch\u00e4den k\u00f6nnen auch bei starkem Wind oder bei Lufttemperaturen oberhalb des Gefrierpunkts entstehen. N\u00e4sse verst\u00e4rkt den K\u00e4lteeffekt zus\u00e4tzlich. Zudem gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die eine Erfrierung beg\u00fcnstigen k\u00f6nnen.<br \/>\nDazu z\u00e4hlen unter anderem:<\/p>\n<ul>\n<li>Erkrankungen, die mit einer Minderdurchblutung einhergehen (z.B. <a href=\"https:\/\/staging.docfinder.farm\/wissensmagazin\/diabetes\/\">Diabetes<\/a>, <a href=\"https:\/\/staging.docfinder.farm\/wissensmagazin\/periphere-arterielle-verschlusskrankheit-pavk\/\">PAVK)<\/a><\/li>\n<li>Zust\u00e4nde, in denen die K\u00e4lteeinwirkung schlechter wahrgenommen wird (z.B. Ersch\u00f6pfung, Alkoholeinfluss, <a href=\"https:\/\/staging.docfinder.farm\/wissensmagazin\/demenz\/\">Demenz<\/a>,\u2026)<\/li>\n<li>Rauchen<\/li>\n<li>Wassermangel<\/li>\n<li>unzureichende bzw. feuchte Kleidung<\/li>\n<li>enge Schuhe<\/li>\n<li>alte Frostsch\u00e4den<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Symptome der Erfrierung<\/strong><\/h2>\n<p>Die Symptome einer Erfrierung sind abh\u00e4ngig vom Grad der Erfrierung. Man unterscheidet dabei drei Stadien:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Grad 1:<\/strong> Das Gewebe ist blass, (grau)-wei\u00df, kalt und geringf\u00fcgig geschwollen. Es besteht kein Schmerz, aber eine Gef\u00fchlsst\u00f6rung (Taubheit). Nach dem Erw\u00e4rmen ist die Haut ger\u00f6tet, sp\u00e4ter auch br\u00e4unlich verf\u00e4rbt und sch\u00fcrft nach einigen Tagen ab. Bei Erfrierungen vom Grad 1 kommt es in der Regel zur vollst\u00e4ndigen Heilung, eventuell kann jedoch eine lokale K\u00e4lteempfindlichkeit bestehen bleiben.<\/li>\n<li><strong>Grad 2:<\/strong> Es bilden sich Blasen, die mit Blut gef\u00fcllt sein k\u00f6nnen, und die erfrorene Stelle wird rot-bl\u00e4ulich. Es besteht Infektionsgefahr und es kann zu Zerst\u00f6rungen im Haut- und Unterhautgewebe kommen. Die genaue Beurteilung der Sch\u00e4den kann erst nach ein bis drei Tagen erfolgen.<\/li>\n<li><strong>Grad 3:<\/strong> Es kommt zu arteriellen Gef\u00e4\u00dfverschl\u00fcssen und tiefen Gewebszerst\u00f6rungen, Entz\u00fcndungen und Schwellungen. Typisch sind harte, gefrorene Gewebsschichten sowie v\u00f6llige Gef\u00fchllosigkeit und eine starke Schwellung nach dem Auftauen. Sp\u00e4ter entwickelt sich eine blauschwarze Verf\u00e4rbung und eine Mumifizierung mit scharfer Abgrenzung vom gesunden Gewebe sowie eine Absto\u00dfungsreaktion. Die genaue Beurteilung des Ausma\u00dfes der Sch\u00e4den ist erst nach ein bis zwei Wochen m\u00f6glich, die Abheilung kann Monate dauern.<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Wie wird eine Erfrierung diagnostiziert? <\/strong><\/h2>\n<p>Ob ein K\u00f6rperteil erfroren ist, kann der Arzt nach der Anamnese anhand der jeweiligen Symptome feststellen \u2013 etwa anhand von Verf\u00e4rbungen der Haut, Blasenbildung, Schwellungen und Schmerzen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich erfolgt eine Anamnese und es werden k\u00f6rperliche Untersuchungen durchf\u00fchrt. Da jede Erfrierung zu Beginn wie eine Erfrierung ersten Grades aussieht und ihr tats\u00e4chliches Ausma\u00df erst nach nach Tagen oder Wochen sichtbar wird, ist eine fortlaufende Beobachtung n\u00f6tig.<\/p>\n<h2><strong>Erste Hilfe-Ma\u00dfnahmen<\/strong><\/h2>\n<p>Wenn eine Erfrierung fr\u00fch genug und richtig behandelt wird, hat dies gro\u00dfen Einfluss auf den weiteren Verlauf. Entscheidend kann auch die Durchf\u00fchrung korrekter Erste Hilfe-Ma\u00dfnahmen sein:<\/p>\n<p><strong>Do\u00b4s: <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Rufen Sie die die Rettung (144) oder die Bergrettung (140)<\/li>\n<li>\u00d6ffnen Sie enganliegende Kleidung und Schuhwerk<\/li>\n<li>Versuchen Sie eine Erw\u00e4rmung durch Ihre eigene K\u00f6rperw\u00e4rme (Achtung: nicht bei hart gefrorenen K\u00f6rperteilen)<\/li>\n<li>Fordern Sie den oder die Betroffene auf, Gliedma\u00dfen zu bewegen<\/li>\n<li>Bedecken Sie erfrorene K\u00f6rperareale m\u00f6glichst locker mit einem Verbandtuch<\/li>\n<li>Versuchen Sie, erneute K\u00e4lteeinwirkung zu vermeiden<\/li>\n<li>Geben Sie warme, gezuckerte Getr\u00e4nke zu trinken<\/li>\n<li>Beruhigen und beobachten Sie den oder die Betroffene bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Dont\u00b4s: <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Bewegen Sie erfrorene K\u00f6rperregionen nicht<\/li>\n<li>F\u00fchren Sie keine aktive W\u00e4rme \u2013 etwa durch Reiben oder eine W\u00e4rmflasche &#8211; zu<\/li>\n<li>Geben Sie dem oder der Betroffenen keinen Alkohol zu trinken<\/li>\n<li>\u00d6ffnen Sie Blasen nicht<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Behandlung einer Erfrierung<\/strong><\/h2>\n<p>Bei der nachfolgenden Behandlung einer Erfrierung m\u00fcssen die betroffenen K\u00f6rperteile zun\u00e4chst schonend aufgew\u00e4rmt werden, damit die Blutzirkulation im gesch\u00e4digten Gewebe wiederhergestellt werden kann. Empfohlen wird das Auftauen der erfrorenen K\u00f6rperteile in einem Wasserbad, das bei 10\u2009\u00b0C begonnen und schrittweise auf maximal 40\u2009\u00b0C erw\u00e4rmt werden soll. Dabei soll der Betroffene aktiv Finger oder Zehen bewegen. Das Auftauen kann sehr schmerzhaft sein und kann durch die Gabe von Schmerzmitteln gelindert werden \u2013 m\u00f6glichst unter \u00e4rztlicher Kontrolle. Das Bad selbst sollte maximal 30 Minuten dauern. Im Idealfall ist das Gewebe dann ganz aufgetaut und Bewegungen sind wieder m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Ab einer Erfrierung zweiten Grades m\u00fcssen die Patienten in station\u00e4re Behandlung, eine Erfrierung dritten Grades erfordert den schnellstm\u00f6glichen Transport in eine Klinik. Auch dort wird zun\u00e4chst mit dem m\u00f6glichst raschen Auftauen im k\u00f6rperwarmen Wasserbad gearbeitet und es werden Schmerzmittel (Analgetika inklusive Opioide) gegeben, da der Schmerz beim Auftauen sehr stark sein kann. Das weitere Vorgehen ist unter anderem abh\u00e4ngig davon, ob und welche Blasen sich gebildet haben, ob eine Infektionsgefahr besteht und wie gro\u00df der K\u00e4lteschaden ist.<\/p>\n<p>Bei schweren Erfrierungen dritten Grades l\u00e4sst sich eine Amputation nicht immer umgehen, allerdings geschieht das erst, nachdem es zur Spontanabsto\u00dfung des zerst\u00f6rten Gewebes gekommen ist. Dies kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Nach einer Amputation kann auch eine rekonstruktiv chirurgische Versorgung durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,25,66,2405,2449],"tags":[108,254,2810,722,348,1662],"class_list":["post-6117","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-chirurgie","category-gesundheitsnews","category-haut-und-geschlechtskrankheiten","category-intensivmedizin","tag-allgemeinmedizin","tag-dermatologie","tag-erfrierung","tag-intensivmedizin","tag-kalte","tag-winter"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/6117","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/6117\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6447,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/6117\/revisions\/6447"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6119"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}