{"id":5971,"date":"2021-12-07T09:32:21","date_gmt":"2021-12-07T08:32:21","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.docfinder.farm\/ratgeber\/?post_type=article&#038;p=5971"},"modified":"2023-02-17T08:52:46","modified_gmt":"2023-02-17T07:52:46","slug":"dekubitus","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/dekubitus\/","title":{"rendered":"Dekubitus"},"content":{"rendered":"<h2>&nbsp;<strong>Was ist Dekubitus?<\/strong><\/h2>\n<p>Der Begriff Dekubitus leitet sich&nbsp; vom lateinischen \u201edecumbere\u201c (deutsch: sich niederlegen) ab, was schon darauf hindeutet, dass es sich dabei um ein Problem handelt, das durch h\u00e4ufiges, langes, unbewegliches Sitzen oder Liegen zustande kommt. Man spricht daher auch von Wundliegen oder Druckgeschw\u00fcr, und es scheint klar, dass der Dekubitus ein gro\u00dfes Problem in der pflegerisch-medizinischen Versorgung ist.<br \/>\nMan geht davon aus, dass rund 13 Prozent aller im Krankenhaus behandelten Patienten ein oder mehrere Druckgeschw\u00fcre unterschiedlicher Schweregrade entwickeln, und bei \u00e4lteren Patienten sind sogar bis zu 30 Prozent und mehr betroffen. Das Problem stellt sich aber auch im h\u00e4uslichen Umfeld, wenn wenn jemand pflegebed\u00fcrftig ist und unter Bewegungseinschr\u00e4nkungen leidet, und Dekubitus kann auch S\u00e4uglinge und Kinder treffen, deren Haut besonders zart und empfindlich ist und die Druck noch nicht wahrnehmen und sich dazu \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Definitionsgem\u00e4\u00df handelt es sich beim Dekubitus um eine lokal begrenzte Sch\u00e4digung der Haut und\/oder des darunter liegenden Gewebes, das typischerweise \u00fcber kn\u00f6chernen Vorspr\u00fcngen infolge von Druck oder von Druck in Verbindung mit Scherkr\u00e4ften entsteht. Besonders gef\u00e4hrdet sind K\u00f6rperstellen wie Ohren, Hinterkopf, Schultergelenk, Schulterblatt, Wirbels\u00e4ule, Ellenbogen, Beckenkamm, Sitzbein, Kniegelenk, Fersen und Fu\u00dfkn\u00f6chel.<\/p>\n<p>Ein Dekubitus kann unterschiedlich gro\u00df und tief sein, z\u00e4hlt zu den chronischen Wunden und infiziert sich in der Regel. Dadurch braucht es f\u00fcr die Heilung oft Monate. Bei sehr tiefen Geschw\u00fcren muss manchmal auch chirurgisch vorgegangen bzw. m\u00fcssen auch&nbsp;<a title=\"Was ist eine Nekrose?\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/was-ist-eine-nekrose-5709\">Nekrosen<\/a>&nbsp;(abgestorbenes Gewebe) entfernt werden.<\/p>\n<p>Wie lange es dauert, bis jemand einen Dekubitus entwickelt, ist individuell unterschiedlich und h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab. Dazu z\u00e4hlen unter anderem das Alter des Patienten, sein Ern\u00e4hrungszustand und die Ursache der Bettl\u00e4gerigkeit. Bei manchen Menschen entsteht schon innerhalb weniger Stunden ein Dekubitus.<\/p>\n<p>Druckgeschw\u00fcre gehen mit gro\u00dfer psychischer Belastung einher und verursachen permanente Schmerzen, daher ben\u00f6tigen Betroffene oft auch eine ad\u00e4quate Schmerztherapie.<\/p>\n<h2><strong>Ursachen und Risikofaktoren<\/strong><\/h2>\n<p>Die Hauptursache f\u00fcr die Entwicklung eines Druckgeschw\u00fcrs ist die eingeschr\u00e4nkte Bewegungsf\u00e4higkeit. Dadurch entsteht langanhaltender Druck auf das Hautgewebe, den der oder die Betroffene nicht durch Ausgleichsbewegungen verlagern kann. Somit kann die Haut an den Auflagefl\u00e4chen nicht ausreichend durchblutet werden, was wiederum zur Unterversorgung des Hautgewebes, das in der Folge Sch\u00e4den nimmt, f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Laut Experten f\u00fchrt langes unbewegliches Liegen oder Sitzen fast zwangsl\u00e4ufig zu einem Druckgeschw\u00fcr, und es gibt weitere Risikofaktoren, die bei l\u00e4ngerer Unbeweglichkeit die Entstehung eines Dekubitus beg\u00fcnstigen. Dazu z\u00e4hlen etwa:<\/p>\n<ul>\n<li>Hautsch\u00e4den (zum Beispiel durch Feuchtigkeit,&nbsp;<a title=\"Inkontinenz: Diagnose und Behandlung\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/inkontinenz-diagnose-und-behandlung-1826\">Inkontinenz,<\/a>&nbsp;Pergamenthaut oder unzureichende Hautpflege im Alter)<\/li>\n<li><a title=\"Adipositas \u2013 Fettleibigkeit\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/adipositas-fettleibigkeit-6262\">\u00dcber<\/a>&#8211; und Untergewicht<\/li>\n<li>Mangelern\u00e4hrung und Fl\u00fcssigkeitsmangel<\/li>\n<li>L\u00e4hmungen<\/li>\n<li>Erkrankungen wie<a title=\"Was ist Diabetes (Diabetes mellitus, Zuckerkrankheit)\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/diabetes-1191\">&nbsp;Diabetes<\/a>,&nbsp;<a title=\"Arthrose (Gelenksabnutzung) \u2013 Definition, Ursache, Symptome, Diagnose\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/arthrose-erkennen-und-behandeln-1713\">Arthrose&nbsp;<\/a>oder&nbsp;<a title=\"Rheuma \u2013 Formen, Symptome, Behandlung\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/rheuma-3741\">Rheuma<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Zudem erh\u00f6hen etwa Katheter das Risiko eines Dekubitus, weil sie an der Haut reiben oder darauf Druck aus\u00fcben, und es ist sehr wichtig, einen bewegungseingeschr\u00e4nkten Patienten richtig zu bewegen, denn Ziehen oder Zerren kann dazu f\u00fchren, dass die Haut durch so genannte Scherkr\u00e4fte verletzt wird.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem spielen weitere Bedingungen eine Rolle dabei, ob und in welchem Ausma\u00df ein Dekubitus entsteht. Das betrifft zum Beispiel die Beschaffenheit der Matratze oder des Stuhls, die Dauer der Druckeinwirkung und die Risikofaktoren des oder der Betroffenen.<\/p>\n<h2><strong>Dekubitus-Stadieneinteilung<\/strong><\/h2>\n<p>Was den Schweregrad eines Dekubitus betrifft, so richtet er sich nach der Ausdehnung der Wunde in die Tiefe des Gewebes. In der Regel werden vier verschiedene Stadien bzw. Kategorien voneinander unterschieden:<\/p>\n<p><strong>Stadium\/Kategorie I:<\/strong>&nbsp;Es kommt bei Fingerdruck zu einer nicht abblassenden, umschriebenen Hautr\u00f6tung, wobei die Haut intakt ist. Weitere Zeichen k\u00f6nnen \u00d6dembildung, Verh\u00e4rtung, lokale \u00dcberw\u00e4rmung und Verf\u00e4rbung der Haut sein. In diesem Stadium verschwindet die Hautr\u00f6tung nach einigen Stunden bis Tagen, wenn eine kontinuierliche Druckentlastung stattfindet. Geschieht das nicht, so kommt es zur verst\u00e4rkten Einlagerung von Fl\u00fcssigkeit mit anschlie\u00dfender Blasenbildung.<\/p>\n<p><strong>Stadium\/Kategorie II:<\/strong>&nbsp;Es kommt zu einem Teilverlust der Haut. Die Epidermis bzw. auch Anteile der Dermis sind gesch\u00e4digt. Der Druckschaden ist oberfl\u00e4chlich und zeigt sich als Blase, Hautabsch\u00fcrfung oder flaches Geschw\u00fcr. Insgesamt entsteht ein n\u00e4ssender, sehr infektionsanf\u00e4lliger Hautdefekt.<\/p>\n<p><strong>Stadium\/Kategorie III:<\/strong>&nbsp;Es kommt zum Verlust aller Hautschichten und zu einer Sch\u00e4digung oder Nekrose (abgestorbenes Gewebe) des subkutanen Gewebes, die bis auf den darunter liegenden Muskel reichen kann. Insgesamt zeigt sich ein tiefes, offenes Geschw\u00fcr.<\/p>\n<p><strong>Stadium\/Kategorie IV:<\/strong>&nbsp;Es kommt zum Verlust aller Hautschichten mit ausgedehnter Zerst\u00f6rung, Gewebsnekrose oder Sch\u00e4digung von Muskeln, Knochen oder Sehnen und Gelenkkapsel.<\/p>\n<h2><strong>Abgrenzung von \u00e4hnlichen Krankheitsbildern<\/strong><\/h2>\n<p>Es gibt Wunden, die einem Dekubitus \u00e4hneln, wobei vor allem die Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD) eine diesbez\u00fcglich h\u00e4ufige Diagnose ist, die vom Dekubitus abgegrenzt werden muss, um die jeweils richtige Therapie einleiten zu k\u00f6nnen. Was die Unterscheidungskriterien zwischen Dekubitus und IAD betrifft, so tritt Dekubitus an prominenten Knochenstellen auf (z.B. Kreuzbein), die Wunde ist scharf abgegrenzt, der Wundgrund schlecht durchblutet, und es kommt h\u00e4ufig zu trockenen oder feuchten Nekrosen. Die IAD hingegen tritt geh\u00e4uft an Hautfalten (z.B. Stei\u00dfbein) auf, ist fl\u00e4chig verteilt, oberfl\u00e4chlich und gut durchblutet.<\/p>\n<h2><strong>Dekubitus &#8211; Behandlung<\/strong><\/h2>\n<p>Jeder Dekubitus ist eine Wunde und muss von einem Arzt und einer Pflegefachkraft, die idealerweise Wundexperten sind, behandelt werden. Das Wundmanagement beim Druckgeschw\u00fcr ist sehr komplex, denn es heilt nur sehr langsam und schwer, und Betroffene leiden h\u00e4ufig auch unter Schmerzen, die ebenfalls therapiert werden m\u00fcssen. All das ist in einer genauen Dokumentation festzuhalten. Die Therapie richtet sich nach der Kategorie des Dekubitus, und die Grundlage jeder Behandlung ist die umgehende Druckentlastung und -verteilung. Dadurch kommt die Durchblutung wieder in Gang, besch\u00e4digte Zellen k\u00f6nnen sich regenerieren und die Versorgung des Gewebes stabilisiert sich.<\/p>\n<p>Wichtige Ma\u00dfnahmen im Wundmanagement eines Dekubitus sind unter anderem:<\/p>\n<ul>\n<li>die Positionierung des Patienten<\/li>\n<li>die Auswahl der passenden Lagerungshilfsmittel (Spezial-Matratzen und Auflagen)<\/li>\n<li>die Festlegung des individuellen Zeitintervalls f\u00fcr die regelm\u00e4\u00dfige Umpositionierung des Patienten<\/li>\n<li>die individuell angepasste Wundbehandlung (Reinigung, Abdeckung, ggf. chirurgische Entfernung von abgestorbenem Gewebe)<\/li>\n<li>das Management bzw. die Verminderung oder Beseitigung von Risikofaktoren (z.B. Mangelern\u00e4hrung, Behandlung von Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma etc.)<\/li>\n<li>die F\u00f6rderung der Mobilit\u00e4t des Patienten<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Wie l\u00e4\u00dft sich Dekubitus vermeiden?<\/strong><\/h2>\n<p>Damit ein Dekubitus erst gar nicht entsteht, m\u00fcssen gezielte Ma\u00dfnahmen zur Dekubitusprophylaxe getroffen werden. Dazu ist es vorerst wichtig, die Risikofaktoren zu kennen. In der Folge geht es um die richtige Lagerung sowie die Erhaltung der Bewegungsf\u00e4higkeit bzw. das Vermeiden weiterer Bewegungseinschr\u00e4nkungen, wenn die Beweglichkeit des Patienten schon eingeschr\u00e4nkt ist.<br \/>\nOberste Ziele sind dabei die Faktoren Druckentlastung, Druckverteilung und das Vermeiden von Scherkr\u00e4ften, die vor allem beim Transfer der Patienten auftreten k\u00f6nnen und die die Entstehung eines Druckgeschw\u00fcrs f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>F\u00fcr all diese Ma\u00dfnahmen gibt es Dekubitus-Hilfsmittel, die von einfachen Kissen \u00fcber Antidekubitus-Matratzen und -auflagen, Weichlagerungssystemen und Wechseldrucksystemen bis hin zu Mikrostimulationssystemen reichen. Wichtig ist weiters die regelm\u00e4\u00dfige Beobachtung der Haut und eine gute Hautpflege, bei der besonders Lotionen mit Wasser in \u00d6l zur Anwendung kommen sollten. Viele Experten empfehlen zur Dekubitusprophylaxe zudem, auf eine ausgewogene Ern\u00e4hrung des Patienten zu achten. Das kann zwar die Entstehung eines Dekubitus nicht verhindern, aber Risikofaktoren wie etwa einen schlechten Hautzustand positiv beeinflussen.<\/p>\n<h2><strong>Was k\u00f6nnen Angeh\u00f6rige tun?&nbsp;<\/strong><\/h2>\n<p>Pflegende Angeh\u00f6rige spielen beim Dekubitus-Management eine wichtige Rolle. Sie k\u00f6nnen sich aktiv an der Wundheilung beteiligen und auch etwas f\u00fcr die Dekubitus-Prophylaxe tun. Dazu ist es wichtig, \u00fcber das Dekubitus-Risiko und die damit verbundenen Folgen Bescheid zu wissen. In speziellen Schulungen und Kursen kann man auch lernen, wie man weiteres Wundliegen durch gezielte Positionierungen verhindern kann, oder wie man Mobilisationstechniken verbessert und den eigenen R\u00fccken schont.<br \/>\nHilfreich ist auch die Beratung durch geschultes Fachpersonal, das zum Beispiel geeignete Lagerungstechniken kennt und wei\u00df, worauf es beim Positionswechsel ankommt. Wichtig ist weiters, in der Pflege auf strenge&nbsp;<a title=\"Hygiene im Alltag\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/hygiene-im-alltag-1963\">Hygiene<\/a>&nbsp;zu achten und den Patienten und sich selbst vor Infektionen zu sch\u00fctzen. Au\u00dferdem sollte man die Haut des Patienten t\u00e4glich sehr genau beobachten, dabei auf die besonders gef\u00e4hrdeten Hautpartien achten und bei Dekubitus-Verdacht rasch handeln, und: Es ist hilfreich, sich darauf einzustellen, dass die Wundheilung bei einem einmal entstandenen Dekubitus oft l\u00e4ngere Zeit in Anspruch nimmt und von allen Beteiligten Geduld erfordert.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2436,66,2405,2448,2449,2457],"tags":[108,559,254,344,231,623,2735,1454],"class_list":["post-5971","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-geriatrie","category-gesundheitsnews","category-haut-und-geschlechtskrankheiten","category-innere-medizin","category-intensivmedizin","category-krankheit","tag-allgemeinmedizin","tag-arthrose","tag-dermatologie","tag-diabetes","tag-geriatrie","tag-haut","tag-inkontinenz","tag-rheuma"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/5971","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/5971\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9658,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/5971\/revisions\/9658"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5972"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5971"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5971"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5971"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}