{"id":5702,"date":"2021-10-21T11:19:45","date_gmt":"2021-10-21T09:19:45","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.docfinder.farm\/ratgeber\/?post_type=article&#038;p=5702"},"modified":"2021-10-21T11:19:45","modified_gmt":"2021-10-21T09:19:45","slug":"hypochondrie-krankheitsangst","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/hypochondrie-krankheitsangst\/","title":{"rendered":"Hypochondrie &#8211; Krankheitsangst"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Was ist Hypochondrie?<\/strong><\/h2>\n<p>Krankheits\u00e4ngste sind an sich etwas Allt\u00e4gliches, das jeder Mensch schon erlebt hat. Normalerweise verschwinden diese Gedanken von alleine wieder oder nach einem kl\u00e4renden Besuch beim Arzt, wenn dessen Befund ergibt, dass kein Anlass zur Sorge besteht. Bei Menschen, die unter einer hypochondrischen St\u00f6rung leiden, ist das anders. Sie haben \u00fcberm\u00e4\u00dfige Angst oder die \u00dcberzeugung, an einer ernsthaften Krankheit zu leiden, deuten verschiedene k\u00f6rperliche Missempfindungen, die an sich nichts Krankheitswertiges haben, als Zeichen einer solchen Krankheit und besch\u00e4ftigen sich konstant mit der M\u00f6glichkeit, schwer krank zu sein. Wie wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben, sind es vor allem Krebserkrankungen gefolgt von kardiovaskul\u00e4ren und neurologischen Krankheiten, die von Betroffenen gef\u00fcrchtet werden.<\/p>\n<p>Bei Menschen mit einer hypochondrischen St\u00f6rung besteht eine Fixierung der Aufmerksamkeit auf den K\u00f6rper und seine Prozesse, und die Wahrscheinlichkeit, schwer erkrankt zu sein, wird von ihnen \u00fcbersch\u00e4tzt. In der Regel bleiben die \u00c4ngste auch dann bestehen, wenn medizinische Untersuchungen gegen das Vorliegen einer befu\u0308rchteten Krankheit sprechen bzw. tauchen sie nach kurzer Zeit wieder auf, und im Laufe der St\u00f6rung kommt es zunehmend zu so genannten sicherheitssuchenden Verhaltensweisen, die ein kurzfristiges \u201eGesundheitsgefu\u0308hl\u201c suggerieren oder die Krankheitsangst reduzieren.<br \/>\nDas bedeutet, dass Betroffene sich immer wieder bei \u00c4rzten, bei anderen Personen und in den Medien \u201er\u00fcckversichern\u201c und st\u00e4ndig den eigenen K\u00f6rper und seine Funktionen kontrollieren. H\u00e4ufig kommt es zum Doctor-Hopping und zum rastlosen Suchen nach Informationen \u00fcber die bef\u00fcrchtete Krankheit im Internet. Andererseits zeigt sich oft auch ein Vermeidungsverhalten: Manche von einer hypochondrischen St\u00f6rung Betroffene meiden zum Beispiel die Konfrontation mit \u00c4rzten und Krankenh\u00e4usern oder bestimmten B\u00fcchern oder Filmen, in denen es um Krankheit geht. Langfristig f\u00fchren beide Verhaltensweisen aber zu einer Aufrechterhaltung oder Verschlimmerung der Krankheitsangst.<\/p>\n<p>Was die Belastung durch diese Bef\u00fcrchtungen betrifft, so reicht sie von leichten Beeintr\u00e4chtigungen bis hin zu Arbeitsunf\u00e4higkeit und schweren depressiven Zust\u00e4nden als Folgest\u00f6rung, und Hypochondrie-Patienten sind h\u00e4ufig auch von Komorbidit\u00e4ten betroffen: Zus\u00e4tzlich zur hypochondrischen St\u00f6rung leiden sie oft auch an anderen psychischen Erkrankungen \u2013 vor allem\u00a0<a title=\"Depression \u2013 Symptome, Diagnose, Behandlung, Selbsthilfe\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/depression-symptome-ursachen-selbsthilfe-1209\">Depressionen<\/a>\u00a0und\u00a0<a title=\"Angstst\u00f6rungen \u2013 Was ist das? Welche Formen gibt es?\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/angststoerungen-was-ist-das-welche-formen-gibt-es-5272\">Angststo\u0308rungen.<\/a><\/p>\n<p>Im Gegensatz zur landl\u00e4ufigen Meinung, nach der Menschen mit Hypochondrie dauernd \u00fcber k\u00f6rperliche Beschwerden klagen und jeden mit ihren Gesundheitssorgen belasten, ist das Leiden f\u00fcr Betroffene in der Regel sehr schambesetzt, und es dauert oft viele Jahre, bis sie ihre Krankheits\u00e4ngste einem Psychotherapeuten anvertrauen. Sie sind auch keine Simulanten, sondern haben ein tats\u00e4chliches, oft stark belastendes Leiden. Auch darum meidet man heute den Begriff Hypochonder, der oft abwertend verwendet wird, und man spricht immer h\u00e4ufiger von Krankheitsangst anstelle von Hypochondrie.<\/p>\n<h2><strong>Ursachen der Hypochondrie<\/strong><\/h2>\n<p>Was die Ursachen der hypochondrischen St\u00f6rung betrifft, so sind sie nicht g\u00e4nzlich gekl\u00e4rt, und anders als bei anderen psychischen St\u00f6rungen d\u00fcrfte der genetische Faktor geringer ausgepr\u00e4gt sein, w\u00e4hrend \u00e4u\u00dfere Faktoren oft eine entscheidende Rolle spielen. Experten unterscheiden dabei Risikofaktoren, Ausl\u00f6sefaktoren und die St\u00f6rung aufrechterhaltende Faktoren. Risikofaktoren sind beispielsweise Erfahrungen von Gewalt, Missbrauch und Vernachl\u00e4ssigung in der Kindheit, \u00c4ngstlichkeit und ein bestimmter Erziehungsstil der Eltern, eine \u00e4ngstlich-nerv\u00f6se Pers\u00f6nlichkeit der Betroffenen oder negative Erfahrungen mit Krankheit und Tod. Ausl\u00f6sefaktoren k\u00f6nnen besonders belastende Ereignisse oder starke, unerwartete Ver\u00e4nderungen sein, auch wenn sie nicht immer unmittelbar mit Krankheit zu tun haben. Aufrechterhaltende Faktoren sind die Aufmerksamkeit auf den eigenen K\u00f6rper und eine Tendenz, bedrohliche Annahmen dar\u00fcber zu haben sowie die \u201eSicherheitssuche\u201c, die aber immer nur der kurzfristigen Verringerung der Krankheits\u00e4ngste dient.<\/p>\n<h2><strong>Diagnostik von Krankheits\u00e4ngsten<\/strong><\/h2>\n<p>Um die Diagnose Hypochondrie stellen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen folgende Kriterien erf\u00fcllt sein:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00fcberm\u00e4\u00dfige Besch\u00e4ftigung mit der Angst oder \u00dcberzeugung, eine ernsthafte Krankheit zu haben oder zu bekommen.<\/li>\n<li>die Besch\u00e4ftigung mit den Krankheits\u00e4ngsten bleibt auch dann bestehen, wenn eine medizinische Abkl\u00e4rung und R\u00fcckversicherung durch den Arzt erfolgt ist.<\/li>\n<li>es treten spezifische Gedanken und Verhaltensweisen auf, etwa das intensive Nachdenken \u00fcber die bef\u00fcrchtete Krankheit oder die Bedeutung von k\u00f6rperlichen Missempfindungen, Selbstkontrolle, Informationssuche, \u2026.<\/li>\n<li>die Krankheits\u00e4ngste verursachen Leiden oder Beeintr\u00e4chtigungen in verschiedenen wichtigen Lebensbereichen<\/li>\n<li>die Krankheits\u00e4ngste bestehen mindestens seit sechs Monaten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zudem muss die hypochondrische St\u00f6rung von anderen psychischen St\u00f6rungen abgrenzbar sein. Erkrankungen, die manchmal mit einer \u00e4hnlichen Symptomatik einhergehen, sind\u00a0<a title=\"Depression \u2013 Symptome, Diagnose, Behandlung, Selbsthilfe\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/depression-symptome-ursachen-selbsthilfe-1209\">Depression<\/a>,\u00a0<a title=\"Schizophrenie \u2013 Ursache, Verlauf, Behandlung\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/schizophrenie-3640\">Schizophrenie<\/a>,\u00a0<a title=\"Angstst\u00f6rungen \u2013 Was ist das? Welche Formen gibt es?\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/angststoerungen-was-ist-das-welche-formen-gibt-es-5272\">Angststo\u0308rung<\/a>,\u00a0<a title=\"Zwangsst\u00f6rung \u2013 Definition, Ursache, Symptome und Behandlung\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/zwangsstoerung-5398\">Zwangsst\u00f6rung<\/a>\u00a0und der hypochondrische Wahn, bei dem die \u00dcberzeugung, krank zu sein, dauerhaft besteht und sich nicht kurzfristig durch R\u00fcckversicherungen korrigieren l\u00e4sst.<\/p>\n<h2><strong>Behandlung hypochondrischer St\u00f6rungen<\/strong><\/h2>\n<p>Zur Therapie der hypochondrischen St\u00f6rung kommt vor allem die kognitive\u00a0<a title=\"Verhaltenstherapie\" href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/verhaltenstherapie-6990\">Verhaltenstherapie<\/a>\u00a0zum Einsatz, wobei die Motivation dazu oft die erste H\u00fcrde darstellt, denn viele Betroffene sind zun\u00e4chst unsicher dar\u00fcber, ob Psychotherapie \u00fcberhaupt \u201edas Richtige\u201c f\u00fcr ihr Problem ist. In der Folge geht es unter anderem darum, dem Patienten zu helfen, alternative Erkl\u00e4rungen \u00fcber seine oder ihre Missempfindungen zu finden, die Wahrscheinlichkeit der Krankheitsannahmen zu ver\u00e4ndern, das Sicherheit suchende Verhalten zu reduzieren und die Lebensqualit\u00e4t zu verbessern.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Teil der Therapie besteht darin, dem Patienten aufzuzeigen, welche K\u00f6rpervorg\u00e4nge und -empfindungen v\u00f6llig normal und unbedenklich sind \u2013 so etwa Herzschlag, Schwei\u00dfbildung oder Bewegungen des Verdauungsapparats, und er oder sie soll verstehen lernen, welche k\u00f6rperlichen Begleiterscheinungen etwa Stress und Angst haben. Das kann dann als alternative Erkl\u00e4rung f\u00fcr Missempfindungen begriffen werden. Weiters geht es um eine Anleitung zur realistischen Abw\u00e4gung der Wahrscheinlichkeit, ernsthaft erkrankt zu sein, und man versucht, die angstbesetzten Gedanken der Betroffenen zu hinterfragen. In konkreten \u00dcbungen k\u00f6nnen die Patienten lernen, auf ihre Art des Sicherheit suchenden Verhaltens weitgehend zu verzichten oder sie gezielt einzuschr\u00e4nken. Dazu werden etwa die paradoxe Intensivierung des Verhaltens, das F\u00fchren von Protokollen oder die bewusste Reduzierung von Arztbesuchen und von R\u00fcckversicherungen eingesetzt.<br \/>\nExperten empfehlen oft auch die Einbindung von behandelnden \u00c4rzten zur Unterst\u00fctzung der Therapie. Sie k\u00f6nnen best\u00e4tigen, dass eine ausreichende medizinische Diagnostik durchgef\u00fchrt wurde und sie k\u00f6nnen mithelfen, die R\u00fcckversicherungen der Patienten und wiederholte diagnostische Ma\u00dfnahmen zu reduzieren. Auch Angeh\u00f6rige k\u00f6nnen den Therapieprozess unterst\u00fctzen, indem sie etwa \u00fcbertriebene F\u00fcrsorge f\u00fcr und Schonung der Betroffenen unterlassen und stattdessen selbstwirksame Gedanken und Handlungen st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Nur fallweise werden auch Medikamente zur Therapie der hypochondrischen St\u00f6rung eingesetzt. Dabei handelt es sich in der Regel um Antidepressiva vom Typ SSRI.<\/p>\n<p>R\u00fcckf\u00e4lle sind bei diesem St\u00f6rungsbild h\u00e4ufig, und es kann nicht von einer vollsta\u0308ndigen Heilung der Erkrankung ausgegangen werden. Die Therapie endet daher in der Regel dann, wenn die Patienten zumindest in der Lage sind, \u00c4ngste und Beschwerden besser zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2457,2444,2413],"tags":[575,2776,2777,189,413],"class_list":["post-5702","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-krankheit","category-psychiatrie","category-psychologie","tag-depression","tag-hypochondrie","tag-hypochondrische-storung","tag-psychiatrie","tag-psychologie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/5702","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/5702\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5704,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/5702\/revisions\/5704"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5703"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5702"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5702"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5702"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}