{"id":3145,"date":"2021-07-06T08:01:43","date_gmt":"2021-07-06T08:01:43","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/stottern-was-nun\/"},"modified":"2023-02-17T09:16:32","modified_gmt":"2023-02-17T08:16:32","slug":"stottern-was-nun","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/stottern-was-nun\/","title":{"rendered":"Stottern &#8211; was nun?"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Was ist Stottern? <\/strong><\/h2>\n<p>Sprechunfl\u00fcssigkeiten kommen entwicklungsbedingt bei fast jedem Kind im Alter zwischen zwei und f\u00fcnf Jahren vor. Dabei kommt es zu lockeren Wiederholungen vor allem von Silben und W\u00f6rtern. Im Gegensatz dazu versteht man unter Stottern eine St\u00f6rung im Redefluss, die sich in Form von h\u00f6rbaren oder stummen Blockaden (Gar&#8212;-ten, &#8212;&#8211;Kiste), Wiederholungen oder Dehnungen von Lauten, Silben oder Wortteilen (k-k-k-k-kalt, wwwwarm) \u00e4u\u00dfert. Betroffene m\u00fcssen sich beim Sprechen h\u00e4ufig \u00fcberm\u00e4\u00dfig anstrengen, und diese Anstrengung kann auch in auffa\u0308lligen Verkrampfungen der Gesichtsmuskulatur oder in zus\u00e4tzlichen Bewegungen von Kopf, Arm oder Oberk\u00f6rper sichtbar werden. Viele Stotternde leiden auch unter Err\u00f6ten oder Schwitzen, wenn sie stottern, oder haben Angst vor dem Sprechen oder vor bestimmten W\u00f6rtern. Vielfach nutzen sie F\u00fcllw\u00f6rter und leichter zu sprechende W\u00f6rter statt jenen, die ihnen Schwierigkeiten bereiten, um ihr Stottern zu verschleiern.<\/p>\n<p>Im Moment des Stotterns wissen Stotternde genau, was sie sagen wollen, sind aber nicht in der Lage dazu, es st\u00f6rungsfrei auszusprechen. Es kommt zu St\u00f6rungen des Sprechablaufs, des Sprechrhythmus, der Sprechbewegung, der Sprechatmung, der Aussprache und der Stimme. Stottern tritt unbeabsichtigt und wiederholt auf und kann willentlich nicht unterdr\u00fcckt werden. Es ist sehr individuell, und die Schwere der St\u00f6rung kann je nach Situation, W\u00f6rtern, Gef\u00fchlslage oder k\u00f6rperlicher Verfassung stark schwanken.<\/p>\n<p>Experten unterscheiden auch zwischen origin\u00e4rem Stottern und erworbenem Stottern. Origin\u00e4rem oder gew\u00f6hnlichem Stottern liegt eine genetische Disposition zugrunde, und es ist mit strukturellen und funktionellen Hirnver\u00e4nderungen verbunden. Eine Sonderform ist hier das origin\u00e4r neurogen syndromale Stottern, das im Rahmen der Trisomie 21 auftritt. Was das erworbene Stottern betrifft, so kann eine Hirnsch\u00e4digung (etwa nach einem Schlaganfall) dazu f\u00fchren, oder es handelt sich um ein \u2013 seltenes &#8211; psychogenes Stottern, bei dem eine psychiatrische Grunderkrankung oder ein Psychotrauma dahinter steht.<\/p>\n<p>Stottern beginnt meist ohne offensichtlichen Anlass im Alter zwischen zwei und f\u00fcnf Jahren, nur selten auch noch sp\u00e4ter. Etwa doppelt so viele Buben wie M\u00e4dchen sind von Stottern betroffen. Bei vielen Kindern verliert sich das Stottern bis zur Pubert\u00e4t und sie sprechen wieder fl\u00fcssig. Bei Erwachsenen sch\u00e4tzt man, dass ein Prozent stottert, und bei ihnen kommt es meist zu keiner vollst\u00e4ndigen Wiederherstellung des ungest\u00f6rten Redeflusses.<\/p>\n<h2><strong>Zu den Ursachen des Stotterns&nbsp;<\/strong><\/h2>\n<p>Die genaue Ursache des Stotterns ist bis heute nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. Vorurteile wie etwa jenes, dass Stotternde besonders nerv\u00f6s oder \u00e4ngstlich sind oder dass der Umgang der Eltern mit dem Kind eine urs\u00e4chliche Rolle spielt, sind aber widerlegt. Vieles spricht hingegen f\u00fcr eine starke erbliche Komponente beim Stottern: Viele stotternde Menschen haben stotternde Eltern. Au\u00dferdem gibt es Hinweise darauf, dass beim Stottern das neurophysiologische Zusammenspiel zwischen Sprechplanung, Wortwahl und Aussprache beeintra\u0308chtigt ist, und dass die daf\u00fcr ben\u00f6tigten Hirnregionen und Nervenbahnen nicht so reibungslos zusammenarbeiten wie bei fl\u00fcssigen Sprechern.<\/p>\n<p>Hinzukommen k\u00f6nnen dann noch ausl\u00f6sende und aufrechterhaltende Faktoren aus dem psychischen, sprachlichen und sozialen Bereich, und in der weiteren Entwicklung des Stotterns versuchen viele Betroffene, die Redeflussst\u00f6rung mit gro\u00dfer Anstrengung zu vermeiden. Daraus kann sich ein Teufelskreis aus Angst und Vermeidung entwickeln, und das Stottern wird dann erst recht aufrechterhalten bzw. kann umso schwerer ver\u00e4ndert werden, je l\u00e4nger es andauert.<\/p>\n<h2><strong>Diagnostik des Stotterns <\/strong><\/h2>\n<p>In der Diagnostik geht es nicht nur um die Erfassung der offen erkennbaren Symptome, sondern auch um jene der verdeckten, um die Auswirkungen der St\u00f6rung auf die Lebensqualit\u00e4t und die bisherigen Bew\u00e4ltigungsstrategien der Betroffenen. Bei einem Kind muss auch oft gepr\u00fcft werden, ob die Sprechunfl\u00fcssigkeiten noch ein normales Sprachentwicklungsgeschehen sind oder ob es sich tats\u00e4chlich um Stottern handelt. Neben dem anamnestischen Gespr\u00e4ch werden daher auch freie Sprech- und Leseproben erhoben, bei j\u00fcngeren Kindern auch eine Spontanspracherhebung und gegebenenfalls eine Sprachentwicklungsuntersuchung. Dabei kann festgestellt werden, welche Symptome auftreten und wann fl\u00fcssiges Sprechen gelingt. Wichtig bei Kindern ist auch die Miteinbeziehung der Eltern, die viel dazu beitragen k\u00f6nnen, dass die Redeflussst\u00f6rung nicht zu einer tiefen Verunsicherung bei ihrem Kind f\u00fchrt. Eltern k\u00f6nnen es dabei unterstu\u0308tzen, nicht gegen das Stottern anzuk\u00e4mpfen, indem sie es in seiner Art zu sprechen, akzeptieren und gelassen zuh\u00f6ren, ohne die W\u00f6rter oder S\u00e4tze selbst zu erg\u00e4nzen. Zeit geben ist hier die Devise.<\/p>\n<h2><strong>Therapie des Stotterns&nbsp;<\/strong><\/h2>\n<p>Von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die weitere Sprechentwicklung von Stotternden ist eine fr\u00fch einsetzende Therapie. Sie kann dazu f\u00fchren, dass sich ein stotterndes Kind ganz normal sprechflu\u0308ssig weiterentwickeln kann. Aber auch Erwachsene und chronisch stotternde Menschen k\u00f6nnen durch eine ad\u00e4quate Therapie viel an der Symptomatik und den Auswirkungen der St\u00f6rung auf ihren Alltag ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die meisten Stottertherapien finden ambulant ein bis mehrmals pro Woche bei niedergelassenen Sprachtherapeutinnen oder Logop\u00e4dinnen statt. Daneben gibt es auch stationa\u0308re und intensivtherapeutische Angebote. Die Therapien k\u00f6nnen einzeln oder in Gruppen gef\u00fchrt werden. Ziele sind die Beseitigung oder Reduktion von Stottersymptomen und das Gelingen eines nat\u00fcrlichen Sprechens mit motorischer und mentaler Leichtigkeit ohne st\u00e4ndige Selbstkontrolle. Au\u00dferdem sollen Begleitsymptome und die psychische Belastung abgebaut werden.<\/p>\n<p>Das methodische Angebot ist breit, und man unterscheidet:<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Verfahren der Sprechrestrukturierung<\/strong> (zum Beispiel Fluency Shaping oder Camperdown): Hier wird das gesamte Sprechmuster umgestellt, indem zun\u00e4chst auf der Silben- und Wortebene, sp\u00e4ter in gr\u00f6\u00dferen Sprecheinheiten eine neue Art des Sprechens trainiert wird. Die Methode erfordert viel \u00dcbung, Kontrolle und Konsequenz, gilt aber als sehr erfolgreich.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Verfahren der Stottermodifikation:<\/strong> Die Methoden arbeiten am auftretenden Stottersymptom und erfordern keine Umstellung des gesamten Sprechens. Man lernt, das einzelne Symptom zu mildern, indem man etwa Blockierungen aufl\u00f6st.<\/p>\n<p>Weiters gibt es unter anderem Kombinationen aus Sprechrestrukturierung und Stottermodifikation, das Lidcombe-Verfahren und indirekte Methoden, bei denen durch die Elternmitarbeit individuell erforderliche Bedingungen geschaffen werden, unter denen die Sprechfl\u00fcssigkeit beim Kind zunehmen soll. Solche Bedingungen sind zum Beispiel die Verlangsamung des Sprechvorbildes, linguistische Vereinfachungen und eine gelassene Reaktion auf das Stottern.<\/p>\n<p>Medikament\u00f6se Behandlungen sollen nicht angewendet werden.<\/p>\n<p>Empfohlen wird vielfach auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe.<\/p>\n<h2><strong>Positive Bedingungen f\u00fcr die Kommunikation mit stotternden Menschen<\/strong><\/h2>\n<ul>\n<li>Zeit, Zuwendung, Interesse und Aufmerksamkeit<\/li>\n<li>Zuh\u00f6ren und ausreden lassen<\/li>\n<li>Konzentration auf den Inhalt und weniger auf die Form<\/li>\n<li>ermutigende R\u00fcckmeldungen zum Gespr\u00e4chsinhalt<\/li>\n<li>nat\u00fcrlicher, wechselnder Blickkontakt<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>An wen kann kann man sich wenden?<\/strong><\/h2>\n<p>Erste Ansprechpartner bei Sprechproblemen sind der Allgemeinmediziner bzw. der Kinderarzt. Diese k\u00f6nnen an weitere Fachleute, die auf Stottern spezialisiert sind, verweisen. Dazu z\u00e4hlen etwa Logop\u00e4den, Sprachtherapeuten oder Kinder- und Jugendpsychiater. Sie sollten in jedem Fall herangezogen werden, wenn die Sprechst\u00f6rung bereits eine seelische Belastung f\u00fcr den Sprecher darstellt.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,5,66,23,2457,7],"tags":[177,803,806],"class_list":["post-3145","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-familie","category-gesundheitsnews","category-kinder-und-jugendheilkunde","category-krankheit","category-leben","tag-kinderheilkunde","tag-sprachentwicklung","tag-stottern"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/3145","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/3145\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9693,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/3145\/revisions\/9693"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3146"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}