{"id":3143,"date":"2021-06-28T19:59:48","date_gmt":"2021-06-28T19:59:48","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/chronisches-schmerzsyndrom\/"},"modified":"2023-02-17T09:17:11","modified_gmt":"2023-02-17T08:17:11","slug":"chronisches-schmerzsyndrom","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/chronisches-schmerzsyndrom\/","title":{"rendered":"Chronisches Schmerzsyndrom"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Was ist Schmerz und wie entsteht er?<\/strong><\/h2>\n<p>Schmerz ist nach der Erkl\u00e4rung der Weltschmerzorganisation International Association for the Study of Pain (IASP) ein unangenehmes Sinnes- und Gef\u00fchlserlebnis, das mit einer tats\u00e4chlichen oder drohenden Gewebesch\u00e4digung verkn\u00fcpft ist oder mit Begriffen einer solchen Sch\u00e4digung beschrieben wird. Doch die Empfindung von Schmerz geh\u00f6rt zum Menschsein \u2013 genauso wie die von Hunger, Durst, Hitze oder K\u00e4lte, und normalerweise ist Schmerz ein Warnsignal des K\u00f6rpers. Er zeigt an, dass etwas nicht stimmt, dass also etwa Reizungen, Wunden oder Entz\u00fcndungen entstanden sind und sich m\u00f6glicherweise ausbreiten. Derartige akute Schmerzen empfindet man beispielsweise bei Prellungen, Schnittverletzungen, Sonnenbrand, Zahnproblemen oder Muskelverspannungen. Kommt es zu einem solchen schmerzhaften Reiz, so entstehen elektrische Impulse, die \u00fcber bestimmte Nervenfasern zum R\u00fcckenmark weitergeleitet werden. Dort werden die Impulse an eine weitere, auf die Wahrnehmung von Schmerz spezialisierte Nervenzelle weitergereicht und die Schmerzsignale anschlie\u00dfend an verschiedene Gehirnzentren weitergeleitet. In der Regel klingen die Schmerzen von selbst ab, sobald die ausl\u00f6sende Ursache geheilt oder beseitigt wurde.<\/p>\n<h2><strong>Was ist chronischer Schmerz?<\/strong><\/h2>\n<p>Im Gegensatz zu diesem akuten Schmerz stehen chronische Schmerzen. Sie sind oft mit chronischen Erkrankungen wie etwa rheumatischen Leiden, Durchblutungsst\u00f6rungen bei Diabetes oder Tumorerkrankungen verbunden. Abgesehen davon kann Schmerz selbst zu einer eigenst\u00e4ndigen Erkrankung werden, die auch dann bestehen kann, wenn keine k\u00f6rperliche Ursache (mehr) f\u00fcr den Schmerz vorhanden ist. In diesem Fall hat der Schmerz auch seine biologisch sinnvolle Warnfunktion verloren und sich zu einem eigenst\u00e4ndigen Krankheitsbild entwickelt.Man spricht dann auch vom chronischen Schmerzsyndrom.<\/p>\n<p>Was den Zeitraum betrifft, ab dem man einen Schmerz als chronisch bezeichnet, so werden in wissenschaftlichen Studien meist drei bis zu sechs Monate angegeben. Aktuell geht man davon aus, dass Schmerzen dann als chronisch bezeichnet werden, wenn ihre Dauer \u00fcber das Ausma\u00df einer akuten, frisch aufgetretenen Ursache hinaus nicht nachvollziehbar lange anh\u00e4lt.<\/p>\n<h2><strong>Das Schmerzged\u00e4chtnis<\/strong><\/h2>\n<p>Heute wei\u00df man auch, dass starke und l\u00e4nger andauernde Schmerzreize die Nervenzellen von R\u00fcckenmark und Gehirn sensibler f\u00fcr nachfolgende Schmerzreize machen k\u00f6nnen. Das kann dazu f\u00fchren, dass sp\u00e4ter bereits leichte Reize wie eine sanfte Ber\u00fchrung, m\u00e4\u00dfige Hitze oder Druck pl\u00f6tzlich als starker Schmerz empfunden werden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Schmerzged\u00e4chtnis, das in weiterer Folge zu Ver\u00e4nderungen der Nervenzellstrukturen im Gehirn f\u00fchrt. Dabei kann eine regelrechte Schmerz-\u00dcberempfindlichkeit entstehen, und es kann sein, dass die \u00fcberempfindlich gewordenen Nervenzellen auch dann Schmerzsignale vom R\u00fcckenmark ans Gehirn senden, wenn etwa aus einem verspannten Muskel gar keine Schmerzsignale mehr im R\u00fcckenmark eintreffen, weil die eigentliche Schmerzursache bereits beseitigt wurde. So wird, was als akuter Schmerz begonnen hat, zu einem chronischen Schmerz.<\/p>\n<h2><strong>Bio-psycho-sozialer Schmerz<\/strong><\/h2>\n<p>Dass Schmerzen chronisch werden, ist nicht bei allen Menschen gleicherma\u00dfen gegeben, selbst dann nicht, wenn vergleichbare Krankheitsbilder vorliegen. Anf\u00e4llig f\u00fcr die Chronifizierung von Schmerzen sind zum einen diesbez\u00fcglich genetisch Veranlagte, zum anderen sind aber auch vor allem psychosoziale Faktoren daf\u00fcr ma\u00dfgeblich, ob und wie stark sich eine Schmerzerkrankung ausbildet. So sind etwa Menschen mit psychischen Vorerkrankungen wie Depressionen oder \u00c4ngsten in dieser Hinsicht st\u00e4rker gef\u00e4hrdet als psychisch Gesunde. Aber auch dauerhafte Alltagsbelastungen, Konflikte in Beruf und Familie sowie ung\u00fcnstige Formen der Schmerzbew\u00e4ltigung wie ein ausgepr\u00e4gt \u00e4ngstliches Schon- und Vermeidungsverhalten oder ein extremer Durchhaltewille sind Risikofaktoren f\u00fcr die Entstehung von chronischem Schmerz. Experten sprechen deshalb im Zusammenhang mit Schmerz auch vom bio-psycho-sozialen Schmerz, den jeder Mensch anders empfindet.<\/p>\n<h2><strong>Begleitende Beschwerden<\/strong><\/h2>\n<p>Chronische Schmerzen werden oft von weiteren Beschwerden begleitet \u2013 zum Beispiel Schlafst\u00f6rungen, Appetitmangel, gesteigerter Reizbarkeit und depressiven Verstimmungen. Zudem k\u00f6nnen sie massive Einschr\u00e4nkungen in Alltag, Beruf und Freizeitleben mit sich bringen.<\/p>\n<p>Lang anhaltende Schmerzen f\u00fchren oft auch zu einem hohen Schmerzmittelverbrauch, der auf l\u00e4ngere Sicht neben Magen-Darm-Beschwerden und Nierensch\u00e4den mit sich bringen kann. Und: Ein hoher Schmerzmittelkonsum kann die Aufrechterhaltung von Schmerzen beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<h2><strong>1,5 Millionen Betroffene<\/strong><\/h2>\n<p>Laut der Plattform Allianz Chronischer Schmerz \u00d6sterreich leben hierzulande 1,5 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen. 50 Prozent von ihnen sind dadurch unmittelbar in ihrem Berufsleben beeintr\u00e4chtigt, und mindestens elf Prozent arbeitsunf\u00e4hig. Fatal ist zudem, dass im Schnitt 2,5 Jahre bis zur Erstellung einer korrekten Diagnose und \u00fcber drei Jahre bis zu einer ad\u00e4quaten Behandlung vergehen.<\/p>\n<h2><strong>Schmerzarten, die h\u00e4ufig chronifizieren<\/strong><\/h2>\n<p>Zu den h\u00e4ufigsten Schmerzformen, die einen chronischen Verlauf nehmen k\u00f6nnen, geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/kopfschmerzen-4902\">Kopfschmerzen<\/a> (z.B. chronische <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/migraene-ursache-diagnose-behandlung-4286\">Migr\u00e4ne<\/a>, chronische Spannungskopfschmerzen)<\/li>\n<li>R\u00fcckenschmerzen (z.B. chronische Kreuzschmerzen)<\/li>\n<li>Muskelschmerzen (z.B. bei <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/fibromyalgie-2-4276\">Fibromyalgie,<\/a> einer chronischen Schmerzerkrankung, die Muskeln, Sehnen und Gelenke betrifft)<\/li>\n<li>Gelenkschmerzen (z.B. bei <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/arthrose-erkennen-und-behandeln-1713\">Arthrose<\/a> oder rheumatoider Arthritis<\/li>\n<li>Tumorschmerzen<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Therapie chronischer Schmerzen<\/strong><\/h2>\n<p>Chronische Schmerzen sind leider oft nur schwer bzw. eingeschr\u00e4nkt therapierbar. Die Behandlung kann langwierig sein, und nicht immer bringt der erste Therapieversuch den gew\u00fcnschten Erfolg. Das liegt unter anderem daran, dass die genauen Ursachen von chronischen Schmerzen oft schwierig herauszufinden sind, weil sie sehr unterschiedlich sein k\u00f6nnen. In der Therapie geht es daher oft nicht nur um die Verordnung von Medikamenten oder operative Eingriffe. Die moderne Schmerztherapie umfasst idealerweise einen multimodalen Ansatz. Das bedeutet, dass nicht nur \u00e4rztliche Schmerzspezialisten, sondern auch andere, auf Schmerz spezialisierte Berufsgruppen wie Psychologinnen, Pflegepersonen, Physio- und Sporttherapeuten, Bewegungs- und Ergotherapeutinnen sowie Sozialarbeiter&nbsp; in das Therapiekonzept miteingebunden werden. Bei der multimodalen Schmerztherapie geht es darum, dass der Patient seine Alltagst\u00e4tigkeiten wieder aufnimmt, dass seine Arbeitsf\u00e4higkeit wieder hergestellt, k\u00f6rperliche Schw\u00e4chen abgebaut und Bewegungs\u00e4ngste verringert werden. Zudem wird das Augenmerk darauf gelegt, dass Schmerzpatienten ihr Risikoverhalten ver\u00e4ndern und zum Beispiel ihr Schon- oder Durchhalteverhalten aufgeben. Auch Verfahren wie psychologische Schmerzbew\u00e4ltigung, Entspannungs\u00fcbungen, Stressbew\u00e4ltigungsprogramme und physikalische und manuelle Therapiemethoden kommen zum Einsatz.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,25,2436,66,2457,7,2408,2411,2446,2413,2439,2440],"tags":[796,197,292,798,799,188,671,189,246,800],"class_list":["post-3143","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-chirurgie","category-geriatrie","category-gesundheitsnews","category-krankheit","category-leben","category-neurologie","category-onkologie","category-orthopaedie","category-psychologie","category-rheumatologie","category-schmerzmedizin","tag-chronischer-schmerz","tag-gelenkschmerzen","tag-interne-medizin","tag-kopfschmerzen","tag-muskelschmerzen","tag-neurologie","tag-orthopade","tag-psychiatrie","tag-ruckenschmerzen","tag-tumorschmerzen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/3143","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/3143\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9694,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/3143\/revisions\/9694"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3144"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3143"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3143"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3143"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}