{"id":3141,"date":"2021-06-21T12:10:45","date_gmt":"2021-06-21T12:10:45","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/was-passiert-bei-einer-chemotherapie\/"},"modified":"2023-02-17T09:18:51","modified_gmt":"2023-02-17T08:18:51","slug":"was-passiert-bei-einer-chemotherapie","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/was-passiert-bei-einer-chemotherapie\/","title":{"rendered":"Was passiert bei einer Chemotherapie?"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Zum Begriff Chemotherapie<\/strong><\/h2>\n<p>Unter einer Chemotherapie versteht man im Zusammenhang mit Krebs die Behandlung einer Krebserkrankung mit so genannten Zytostatika. Diese Medikamente hemmen das Wachstum, die Teilung und auch die Vermehrung von Krebszellen. Das Ziel einer solchen Therapie ist es, den Tumor zu verkleinern bzw. zum Verschwinden zu bringen und Krebszellen, die sich bereits im K\u00f6rper ausgebreitet haben, abzut\u00f6ten.<\/p>\n<p>Die meisten Chemotherapien wirken im ganzen K\u00f6rper und werden in der Regel in Form von Infusionen, Spritzen oder Tabletten gegeben. Bei dieser als <strong>systemische Therapie<\/strong> bezeichneten Methode verteilen sich die Wirkstoffe der Medikamente \u2013 anders als bei lokal wirksamen Methoden wie Operation oder Strahlentherapie \u2013 auch in den verschiedenen Organen und erreichen dadurch auch m\u00f6gliche verstreute Tumorzellen und zerst\u00f6ren sie.&nbsp; Eine Ausnahme bildet dabei nur das Gehirn, in das aufgrund der so genannten Blut-Hirn-Schranke nur bestimmte Zytostatika vordringen k\u00f6nnen. Durch eine systemische Chemotherapie k\u00f6nnen auch fortgeschrittene Krebsstadien, in denen sich bereits Metastasen gebildet haben, behandelt werden.<\/p>\n<p>In selteneren F\u00e4llen kommt eine <strong>regionale<\/strong> oder <strong>lokale Chemotherapie<\/strong> zum Einsatz. So k\u00f6nnen etwa K\u00f6rperh\u00f6hlen mit einer Chemotherapiel\u00f6sung gesp\u00fclt oder oberfl\u00e4chliche Tumoren der Haut mit&nbsp; einer wirkstoffh\u00e4ltigen Salbe behandelt werden.<\/p>\n<p>Wenn eine Chemotherapie nicht alleine, sondern gemeinsam mit einer Operation, einer Strahlentherapie oder beidem zur Anwendung kommt, spricht man von einer adjuvanten, einer additiven oder einer neoadjuvanten Chemotherapie.<br \/>\nDie<strong> adjuvante Chemotherapie<\/strong> wird im Anschluss an eine Operation, bei der der b\u00f6sartige Tumor komplett entfernt wurde, durchgef\u00fchrt und soll verhindern, dass sich eventuell im K\u00f6rper verbliebene Krebszellen (Mikrometastasen) weiter vermehren und es zu einem neuerlichen Ausbruch der Krebserkrankung kommt.<br \/>\nDie <strong>additive Chemotherapie<\/strong> wird dann eingesetzt, wenn es nicht gelungen ist, das Tumorgewebe komplett durch eine Operation zu entfernen. Sie soll den Tumor verkleinern und eine weitere Ausbreitung der Krebserkrankung verhindern.<br \/>\nDie <strong>neoadjuvante Chemotherapie<\/strong> kommt zum Einsatz, wenn ein Tumor etwa aufgrund seiner Gr\u00f6\u00dfe nicht vollst\u00e4ndig entfernt werden kann. Sie soll den Tumor so verkleinern, sodass anschlie\u00dfend eine chirurgische Entfernung m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Eine besondere Therapieform ist die so genannte <strong>Hochdosischemotherapie<\/strong> mit Stammzellentransplantation bei Leuk\u00e4mien. Dabei wird das erkrankte Knochenmark des Patienten mit einer besonders intensiven Chemotherapie zerst\u00f6rt, und anschlie\u00dfend werden gesunde blutbildende Stammzellen eines Spenders oder eigene, von den kranken Zellen gereinigte Stammzellen an den Patienten (zur\u00fcck)gegeben. Ziel der Behandlung ist, dass sich nur gesunde Zellen im Knochenmark ansiedeln und vermehren.<\/p>\n<p>Experten unterscheiden au\u00dferdem noch zwischen einer kurativen und einer palliativen Chemotherapie. Von einer <strong>kurativen Therapie<\/strong> ist die Rede, wenn eine vollst\u00e4ndige Heilung des Patienten m\u00f6glich ist. Von einer <strong>palliativen Behandlung<\/strong> spricht man, wenn die Krebserkrankung schon zu weit fortgeschritten ist und nicht mehr vollst\u00e4ndig geheilt werden kann. Diese Art der Chemotherapie soll helfen, Metastasen zu verkleinern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, die Lebenserwartung des Patienten zu verl\u00e4ngern und seine Lebensqualit\u00e4t zu verbessern. Dabei sollten die Nebenwirkungen geringer ausfallen als jene Beschwerden, welche die Krebserkrankung unbehandelt hervorrufen w\u00fcrde.<\/p>\n<h2><strong>Wirkweise einer Chemotherapie<\/strong><\/h2>\n<p>Die Behandlung einer Krebserkrankung mit Chemotherapie hat das Ziel, Tumorzellen abzut\u00f6ten und eine vollsta\u0308ndige R\u00fcckbildung von Krebsgewebe zu erreichen, wobei die gesunden K\u00f6rperzellen so gut wie m\u00f6glich geschont werden sollen. Die meisten Chemotherapien greifen in erster Linie jene Krebszellen an, die sich gerade teilen, und sch\u00e4digen sie an bestimmten Strukturen. Das bewirkt, dass diese Zellen an der Teilung gehindert werden bzw. absterben. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom programmierten Zelltod. In der Folge erkennt das Immunsystem die durch die Chemotherapie gesch\u00e4digten und inaktiv gewordenen Tumorzellen und baut sie gezielt ab. Ihre Abbauprodukte entsorgt der Stoffwechsel ebenso wie er es mit allen gealterten oder funktionslos gewordenen Zellen tut.<\/p>\n<p>Die Zytostatika k\u00f6nnen aber nicht zwischen gesunden und erkrankten Zellen unterscheiden. Sie wirken relativ unspezifisch gegen alle Zellen, besonders aber auf jene, die sich h\u00e4ufig teilen. Das tun Krebszellen in der Regel, aber auch manche gesunde Zellen, zum Beispiel jene des Blut- und Immunsystems, der Haut, Schleimhaut und Haarzellen. Diese unerwu\u0308nschte Wirkung auf das normale Gewebe erkl\u00e4rt einen Teil der typischen Nebenwirkungen vieler Chemotherapeutika.<\/p>\n<h2><strong>Ablauf einer Chemotherapie<\/strong><\/h2>\n<p>In der Regel erh\u00e4lt man bei einer Standard-Chemotherapie, Zytostatika und Medikamente zur Vorbeugung von Nebenwirkungen als Infusion \u00fcber einen Venenzugang ins Blut. Dabei gibt es unterschiedliche Zug\u00e4nge wie die Venenverweilkan\u00fcle f\u00fcr einmalige oder nur sehr wenige Zytostatika-Infusionen oder den zentralen Venenkatheter und den Portkatheter, wenn mehrere Infusionen gegeben werden m\u00fcssen. Letzterer wird heute vielfach verwendet, da dadurch vermieden werden kann, dass Zytostatika die Venen&nbsp; zu sehr reizen und belasten.<\/p>\n<p>Wie und mit welchen Medikamenten eine Chemotherapie durchgefu\u0308hrt wird, muss f\u00fcr jeden Patienten individuell festgelegt werden. Oft wird nicht nur ein einziges Medikament gegeben, sondern eine Kombination mehrerer Zytostatika mit unterschiedlichen Wirkprinzipien (Kombinationstherapie).<\/p>\n<p>Eine Chemotherapie wird in&nbsp;<strong>Zyklen<\/strong> durchgefu\u0308hrt. Dabei wechseln Behandlungsphasen mit Behandlungspausen ab. Normalerweise werden die Medikamente in einem Zyklus an einem oder mehreren Tagen nacheinander gegeben. Danach folgt eine Behandlungspause von mehreren Tagen, Wochen oder Monaten. In dieser Zeit hat der K\u00f6rper die M\u00f6glichkeit, angegriffenes normales Gewebe zu regenerieren. Im Schnitt werden vier bis sechs Zyklen durchgefu\u0308hrt. Hintergrund daf\u00fcr ist, dass sich dadurch auch solche Tumorzellen zerst\u00f6ren lassen, die sich w\u00e4hrend vorangegangener Zyklen gerade nicht teilten und deshalb nicht durch die Zytostatika beeinflusst werden konnten.<\/p>\n<p>Die Behandlung selbst kann ambulant oder station\u00e4r stattfinden. Eine einzelne Therapiesitzung dauert zwischen einer halben Stunde und mehreren Stunden. In vielen F\u00e4llen kann die Chemotherapie ambulant verabreicht werden. Zu Beginn einer neuen Therapie oder bei manchen aufw\u00e4ndigeren Therapieformen kann auch ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein, die aber bei guter Vertra\u0308glichkeit sp\u00e4ter oft auf eine ambulante Behandlung umgestellt werden kann.<\/p>\n<h2><strong>Wirksamkeit von Chemotherapien<\/strong><\/h2>\n<p>Ob ein Patient auf eine Chemotherapie anspricht, h\u00e4ngt von der Art des Tumors, dem Allgemeinzustand des Patienten und zahlreichen anderen Faktoren ab. Was die Effektivit\u00e4t dieser Therapie betrifft, so l\u00e4sst sich diese generell nicht beziffern. Einen Einblick in dieser Hinsicht&nbsp; liefern aber die so genannten relativen<strong> 5-Jahres-\u00dcberlebensraten<\/strong>, die ein Ma\u00df f\u00fcr die \u00dcberlebenschancen von Krebspatienten im Vergleich mit der Allgemeinbev\u00f6lkerung gleichen Alters und gleichen Geschlechts geben. Auch sie sind stark von der Tumorart abh\u00e4ngig und liegen bei unter 20 Prozent f\u00fcr b\u00f6sartige Tumoren der <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/lungenkrebs-stadien-symptome-diagnose-behandlung-5210\">Lunge,<\/a> Leber und Bauchspeicheldr\u00fcse bis hin zu \u00fcber 90 Prozent f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/melanom-3715\">maligne Melanom der Haut,<\/a> den Hodenkrebs und den Prostatakrebs.<\/p>\n<blockquote><p>Ein relatives 5-Jahres-\u00dcberleben von beispielsweise 90 Prozent bedeutet, dass f\u00fcnf Jahre nach einer Krebsdiagnose der Anteil der \u00dcberlebenden 90 Prozent des Anteils betr\u00e4gt, der in der Gesamtbev\u00f6lkerung gleichen Alters und Geschlechts im gleichen Zeitraum beobachtet wird.<\/p><\/blockquote>\n<h2><strong>Nebenwirkungen der Chemotherapie<\/strong><\/h2>\n<p>Da Zytostatika zumeist im ganzen K\u00f6rper wirken, k\u00f6nnen auch gesunde Zellen, die sich nat\u00fcrlicherweise schnell teilen, gesch\u00e4digt werden. Das betrifft zum Beispiel Zellen der Schleimhaut, der Haarwurzeln oder des Knochenmarks. Daraus resultieren oft Nebenwirkungen wie folgende:<\/p>\n<ul>\n<li>Entz\u00fcndungen der Mundschleimhaut<\/li>\n<li>\u00dcbelkeit<\/li>\n<li>Erbrechen<\/li>\n<li>Appetitlosigkeit<\/li>\n<li>Durchfall<\/li>\n<li>Bauchschmerzen<\/li>\n<li>Ver\u00e4nderungen der Blutwerte mit Blutarmut (An\u00e4mike)<\/li>\n<li>Blutgerinnungsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>ein erh\u00f6htes Infektionsrisiko<\/li>\n<li>Haarausfall<\/li>\n<li>anhaltende Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nde (Fatigue)<\/li>\n<li>St\u00f6rungen des Konzentrationsverm\u00f6gens<\/li>\n<li>Beeintr\u00e4chtigung des Ged\u00e4chtnisses<\/li>\n<li>St\u00f6rungen des Menstruationszyklus bei Frauen<\/li>\n<li>Sch\u00e4digung der Keimdr\u00fcsen und St\u00f6rung der Fortpflanzungsf\u00e4higkeit bei Frauen und M\u00e4nnern<\/li>\n<li>Steigerung des Risikos f\u00fcr weitere Krebserkrankungen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nebenwirkungen k\u00f6nnen mitunter binnen weniger Stunden oder Tage nach dem Behandlungsbeginn, aber auch erst nach Monaten oder sogar Jahren auftreten. Unter welcher Nebenwirkung man als Krebspatient in welchem Ausma\u00df leidet, h\u00e4ngt davon ab, welche Zytostatika in welcher Dosierung eingesetzt werden und wie lange die Behandlung dauert. Zudem spielt der gesundheitliche Allgemeinzustand des Patienten mit hinein.<br \/>\nWichtig zu wissen ist, dass viele Nebenwirkungen heute durch geeignete Ma\u00dfnahmen, durch so genannte Supportivtherapien verhindert oder zumindest gelindert werden k\u00f6nnen. So gibt es etwa inzwischen Medikamente, die \u00dcbelkeit und Erbrechen unterbinden oder die Regeneration von Blutzellen unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Mehr zum Thema: <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/krebs-alle-vorsorgeuntersuchungen-auf-einen-blick-6278\">Krebs &#8211; alle Vorsorgeuntersuchungen auf einen Blick<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4,2411],"tags":[758,216,793,794,75,688],"class_list":["post-3141","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-fachbereich","category-onkologie","tag-chemotherapie","tag-krebs","tag-krebsbehandlung","tag-nebenwirkung","tag-onkologie","tag-tumor"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/3141","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/3141\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9697,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/3141\/revisions\/9697"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3142"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3141"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3141"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3141"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}