{"id":2528,"date":"2021-04-24T21:29:17","date_gmt":"2021-04-24T21:29:17","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/medikamentenabhaengigkeit\/"},"modified":"2023-09-29T10:15:38","modified_gmt":"2023-09-29T08:15:38","slug":"medikamentenabhaengigkeit","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/medikamentenabhaengigkeit\/","title":{"rendered":"Medikamentenabh\u00e4ngigkeit"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Medikamentenabh\u00e4ngigkeit?<\/h2>\n<p>Wir alle sind es gewohnt, bei Beschwerden zu Medikamenten zu greifen \u2013 etwa gegen Schlaflosigkeit, Schmerz, Allergien oder Verdauungsprobleme. In der Regel werden diese Medikamente \u2013 oft gro\u00dfz\u00fcgig &#8211; von \u00c4rzten verordnet beziehungsweise verlangen wir in bestimmten Situationen schnell nach solchen Rezepten oder medikalisieren uns selbst mit verschreibungsfreien Substanzen, um m\u00f6glichst rasch wieder zu funktionieren.<br \/>\nImmer \u00f6fter f\u00fchrt der gebr\u00e4uchliche Griff nach Arzneimitteln zu Missbrauch und Abh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, dass Betroffene Medikamente auch ohne entsprechende medizinische Notwendigkeit, in unangemessen hohen Dosen und \u00fcber unangemessen lange Zeitr\u00e4ume verwenden. Das wiederum kann rasch nicht nur zu k\u00f6rperlichen und psychischen Sch\u00e4den, sondern auch zu Abh\u00e4ngigkeit von diesen Substanzen f\u00fchren, wobei diese Abha\u0308ngigkeit oft \u00fcber Jahre oder sogar Jahrzehnte unbemerkt bleibt: Betroffene fallen im Vergleich zu anderen Suchtkranken sozial nicht auf, weil es bei Medikamenten meist keinen offensichtlichen Rauschzustand gibt. Deshalb spricht man im Zusammenhang mit der Medikamentenabh\u00e4ngigkeit auch von einer stillen Sucht, und das obwohl die Zahl der Betroffenen sehr hoch ist und kontinuierlich steigt.*<\/p>\n<p><strong>Dritth\u00e4ufigste Sucht<\/strong><br \/>\nSch\u00e4tzungen zufolge verwenden in \u00d6sterreich rund 150.000 Menschen Medikamente missbr\u00e4uchlich beziehungsweise sind davon abh\u00e4ngig. Schon jetzt ist die Medikamentenabh\u00e4ngigkeit (nach Nikotin- und Alkoholabh\u00e4ngigkeit) die dritth\u00e4ufigste Sucht in \u00d6sterreich, und was die Dunkelziffer betrifft, so liegt die Zahl der diesbez\u00fcglich Abh\u00e4ngigen noch wesentlich h\u00f6her und wird von f\u00fchrenden Experten mit bis zu 300.000 angegeben.<br \/>\nFrauen sind doppelt so h\u00e4ufig wie M\u00e4nner von Medikamentenabha\u0308ngigkeit betroffen, einen sehr gro\u00dfen Anteil an Arzneimittelabh\u00e4ngigen findet man auch unter alten Menschen. So erh\u00e4lt ein Drittel der \u00fcber 70-j\u00e4hrigen so genannte psychotrope Substanzen, die \u00fcber die Zentralnerven Einfluss auf die Psyche des Menschen nehmen und insbesondere Wahrnehmung, Denken, F\u00fchlen und Handeln ver\u00e4ndern. Weitere Hochrisikogruppen sind Patienten mit anderen Abh\u00e4ngigkeitserkrankungen und sonstigen psychischen St\u00f6rungen sowie drogenerfahrene Jugendliche.<\/p>\n<p>In Summe besitzen vier bis f\u00fcnf Prozent aller h\u00e4ufig bis sehr h\u00e4ufig verordneten Medikamente ein Potenzial f\u00fcr Missbrauch und Abh\u00e4ngigkeit. Dazu z\u00e4hlen vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel, opiath\u00e4ltige Schmerzmittel und so genannte Psychostimulanzien, welche die Leistungs- und Konzentrationsf\u00e4higkeit verbessern, M\u00fcdigkeit und Schlafbed\u00fcrfnis vermindern, Hungergef\u00fchle unterdr\u00fccken und dar\u00fcber hinaus zu positiver Stimmung bis zur Euphorie f\u00fchren.<\/p>\n<p>Rund 70 Prozent der Medikamentens\u00fcchtigen sind von Benzodiazepinen abh\u00e4ngig. Das sind hoch potente Beruhigungsmittel, die sedieren und angstl\u00f6send wirken. Bei diesen und auch anderen Substanzen, die h\u00e4ufig verordnet und konsumiert werden, kann bei missbr\u00e4uchlicher Verwendung schon innerhalb weniger Wochen eine manifeste Abha\u0308ngigkeit entstehen. Viele Menschen, die medikamentens\u00fcchtig sind, haben ein bestimmtes Medikament urspr\u00fcnglich etwa zur Behandlung ihrer Schlafst\u00f6rung oder Schmerzen eingenommen. Nicht wenige (vor allem Patienten mit chronischen Schmerzen) brauchen solche Medikamente \u00fcber lange Zeit. Der K\u00f6rper aber gew\u00f6hnt sich an die im Medikament enthaltenen Substanzen und verlangt daher nach einiger Zeit eine h\u00f6here Dosis, um wieder die gleiche lindernde Wirkung zu erreichen. Dadurch entsteht die k\u00f6rperliche Abh\u00e4ngigkeit, und Versuche, das Medikament wegzulassen oder zu reduzieren, sind dann h\u00e4ufig mit deutlichen Entzugserscheinungen verbunden. Trotzdem erkennen Betroffene oft nicht, dass sich ihre Situation durch die Einnahme der Medikamente zwar kurzzeitig, aber nicht dauerhaft verbessert, und sp\u00e4testens wenn die Wirkung des Medikaments nachl\u00e4sst, versp\u00fcren sie auch die Symptome wieder, gegen die sie mit dem Arzneimittel ank\u00e4mpfen wollen. Sie empfinden die Beschwerden dann oft als noch schlimmer und nehmen daher noch mehr Medikamente ein: Der Kreis der Medikamentensucht ist geschlossen.<br \/>\nMenschen, die medikamentenabh\u00e4ngig sind, ben\u00f6tigen in der Regel \u00e4rztliche Hilfe bei der Therapie. Nur ein ganz geringer Prozentsatz schafft den Entzug ohne \u00e4rztliche Unterst\u00fctzung und Behandlung.<\/p>\n<p><em>*Alle Untersuchungen zur Medikamentenabh\u00e4ngigkeit belegen eine erhebliche Zunahme des Medikamentenmissbrauchs und gehen von einem weltweiten Anstieg dieses Problems in den n\u00e4chsten Jahrzehnten aus.<\/em><\/p>\n<h2>Ursache der Medikamentenabha\u0308ngigkeit<\/h2>\n<p>\u00c4hnlich wie bei Missbrauch und Abha\u0308ngigkeit von Alkohol oder Drogen entsteht die Abh\u00e4ngigkeit von Medikamenten durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Meist werden die Arzneien zun\u00e4chst vom Arzt verordnet, um psychische oder k\u00f6rperliche Beschwerden wie Schlafst\u00f6rungen oder Schmerzen zu lindern. Manche Verschreibungen erfolgen dabei recht schnell und manchmal auch gro\u00dfz\u00fcgig.<br \/>\nIn der Folge k\u00f6nnen bestimmte psychische und soziale Faktoren wie etwa starke psychische Belastungen dazu beitragen, dass das Medikament l\u00e4nger als urspr\u00fcnglich beabsichtigt eingenommen wird. Zudem spielen genetische Faktoren eine Rolle dabei, wie stark jemand dazu neigt, eine Abha\u0308ngigkeit zu entwickeln. Nicht zu untersch\u00e4tzen ist weiters die Vorbildwirkung der Eltern bzw. des sozialen Umfelds im Umgang mit Medikamenten. Bei \u00e4lteren Menschen, die oft unter zahlreichen Erkrankungen leiden und die viele Medikamente ,wie zum Beispiel Schmerz- oder Beruhigungsmittel verordnet bekommen, kann eine Sucht auch leicht aus fehlender Kontrolle entstehen.<br \/>\nBei Missbrauch und Abha\u0308ngigkeit bestehen oft gleichzeitig weitere psychische St\u00f6rungen wie etwa Angstst\u00f6rungen, Depressionen und Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen. Es kann sein, dass genau diese St\u00f6rungen schon vorher manifest und Grund f\u00fcr die Medikamenteneinnahme waren. Es kann aber auch sein, dass sie eine Folge des Medikamentenmissbrauchs bzw. der Medikamentenabh\u00e4ngigkeit sind.<\/p>\n<h2>Medikamente mit Suchtpotenzial<\/h2>\n<p>Man geht davon aus, dass bis zu f\u00fcnf Prozent aller h\u00e4ufig verordneten rezeptpflichtigen Medikamente ein gewisses Suchtpotenzial aufweisen. Am h\u00e4ufigsten zu Abha\u0308ngigkeit f\u00fchren Schlaf- und Beruhigungsmittel, Schmerz- und Bet\u00e4ubungsmittel sowie Anregungsmittel und Appetitz\u00fcgler (Psychostimulanzien).<\/p>\n<p><strong>Schlaf- und Beruhigungsmittel<\/strong><br \/>\nHochwirksam und stark erleichternd bei Angsterkrankungen, Schlafst\u00f6rungen oder gro\u00dfen Lebensbelastungen stellen diese Medikamente, die angstl\u00f6send, entspannend und beruhigend wirken, auch eine besonders gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr die Entwicklung einer Abha\u0308ngigkeit dar. Rund 70 Prozent aller F\u00e4lle von Medikamentensucht entfallen auf die Abha\u0308ngigkeit von verschreibungspflichtigen Beruhigungsmitteln aus der Gruppe der so genannten Benzodiazepine, auch bekannt als Tranquilizer. Ihre Einnahme mildert zun\u00e4chst den subjektiven Leidensdruck des Patienten und lindert die Symptomatik, aber die dahinter liegenden Probleme bleiben oft bestehen und chronifizieren. Viele Betroffene tendieren dazu, sich mit Hilfe dieser Medikamente weiterhin Beschwerdefreiheit und Sorglosigkeit zu verschaffen \u2013 h\u00e4ufig auch deshalb, weil sie nicht wissen, dass und wie rasch hier eine Abha\u0308ngigkeit entstehen kann. Gleiches gilt f\u00fcr so genannte Z-Drugs. Das sind neue Schlafmittel, deren Wirkstoffnamen alle mit dem Buchstaben Z beginnen, und von denen man urspr\u00fcnglich annahm, dass sie nicht zu Abha\u0308ngigkeit f\u00fchren. Dies ist heute widerlegt. Rezeptpflichtige Schlaf- und Beruhigungsmittel sollten grunds\u00e4tzlich nicht l\u00e4nger als vier Wochen eingenommen werden.<\/p>\n<p><strong>Schmerz- und Bet\u00e4ubungsmittel (Analgetika)<\/strong><br \/>\nBei sehr starken und chronischen Schmerzen kommen Opioide zum Einsatz. Diese Morphiumabk\u00f6mmlinge sind hochwirksam und haben zudem stimmungshebende Wirkung. Ihr Suchtpotenzial ist hoch und sie f\u00fchren bei falscher Dosierung oder Anwendungsdauer zu psychischer und k\u00f6rperlicher Abha\u0308ngigkeit sowie zu Toleranzentwicklung. Das hei\u00dft, dass sie immer h\u00f6her dosiert werden m\u00fcssen, um die vorhergehende Wirkung zu erzielen. Davon abgesehen k\u00f6nnen sie, wenn sie zu h\u00e4ufig eingenommen werden, Dauerkopfschmerz erzeugen.<\/p>\n<p><strong>Anregungsmittel und Appetitz\u00fcgler (Psychostimulanzien)<\/strong><br \/>\nDie antriebssteigernden und appetitz\u00fcgelnden Medikamente unterdr\u00fccken M\u00fcdigkeit und Hungergef\u00fchle und erh\u00f6hen die Leistungs- und Konzentrationsf\u00e4higkeit. Sie werden vor allem bei Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivit\u00e4ts-St\u00f6rungen (ADHS) bei Kindern sowie bei Narkolepsie (&#8220;Schlafkrakheit&#8221;), einer seltenen neurologischen Erkrankung, verordnet. Werden sie aber missbr\u00e4uchlich als Aufputschmittel (Amphetamine) oder Appetitz\u00fcgler eingenommen, besteht bei l\u00e4ngerer Einnahme eine hohe Gefahr, abha\u0308ngig zu werden.<\/p>\n<p>Davon abgesehen gibt es noch weitere Substanzen, die zwar keine klassische Medikamentensucht verursachen, weil sie nicht auf die Psyche wirken, die bei Missbrauch aber genauso s\u00fcchtig machen k\u00f6nnen. Das sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Nasentropfen und -sprays mit abschwellender Wirkung<\/li>\n<li>Abf\u00fchrmittel<\/li>\n<li>Wachstums- und Sexualhormone<\/li>\n<li>alkoholhaltige Arzneimittel<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Symptome der Medikamentenabha\u0308ngigkeit<\/h2>\n<p>Bei einer Medikamentenabha\u0308ngigkeit treten Symptome oft nur dann auf, wenn die gewohnte Dosis reduziert oder ausgesetzt wird. Der K\u00f6rper reagiert darauf\u00a0 mit Entzugserscheinungen. Viele dieser Beschwerden \u00e4hneln den Symptomen, deretwegen die Betroffenen urspr\u00fcnglich mit der Einnahme der jeweiligen Medikamente begonnen haben.<\/p>\n<p><strong>Symptome bei Abha\u0308ngigkeit von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln:<\/strong> Typisch sind Leistungseinbu\u00dfen, eine Verflachung der Interessen und eine allm\u00e4hliche Ver\u00e4nderung der Pers\u00f6nlichkeit. Die Wirksamkeit der Medikamente nimmt im Laufe der Zeit ab, sodass die Dosis erh\u00f6ht werden muss, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Bei abruptem Absetzen kommt es zu Schlafsto\u0308rungen, Angst, innerer Unruhe, \u00dcbelkeit, Kopfschmerzen, Zittern, Reizbarkeit und Krampfanf\u00e4llen. M\u00f6glich ist auch das Ph\u00e4nomen der Wirkungsumkehr. Das hei\u00dft, dass Betroffene auf das Medikament nicht mehr m\u00fcde und beruhigt, sondern im Gegenteil \u00fcbererregt und euphorisiert werden.<\/p>\n<p><strong> Symptome bei Abha\u0308ngigkeit von opioidh\u00e4ltigen Schmerzmitteln:<\/strong> Bei sehr h\u00e4ufiger Einnahme k\u00f6nnen diese Medikamente einen Dauerkopfschmerz erzeugen. Entzugssymptome sind ebenfalls Kopfschmerzen, Zittern, Schlafst\u00f6rungen, Unruhe, Verspannung und Bewusstseinsst\u00f6rungen.<\/p>\n<p><strong>Symptome bei Abha\u0308ngigkeit von Anregungsmitteln und Appetitz\u00fcglern:<\/strong> Typische Entzugssymptome sind M\u00fcdigkeit, Verlangsamung, Unruhe, Schlafsto\u0308rungen und schwere Depressionen bis hin zur Suizidneigung.<\/p>\n<h2>Diagnose der Medikamentenabha\u0308ngigkeit<\/h2>\n<p>Missbrauch oder Abha\u0308ngigkeit im Zusammenhang mit Medikamenten werden h\u00e4ufig nicht bzw. sehr lange nicht erkannt \u2013 weder von \u00c4rzten noch von Patienten, denen dies selbst oft gar nicht bewusst ist. Im Besonderen gilt dies f\u00fcr die so genannte Niedrigdosis-Abh\u00e4ngigkeit. Darunter versteht man eine Abh\u00e4ngigkeit bei geringer Dosis, die aber \u00fcber einen langen Zeitraum eingenommen wird. Typisches Warnzeichen f\u00fcr eine Niedrigdosis-Abh\u00e4ngigkeit ist eine nachlassende Wirkung der Medikamente. Das Ph\u00e4nomen ist vor allem bei Beruhigungsmitteln vom Typ Benzodiazepine bekannt.<br \/>\nIm Gegensatz dazu spricht man von Hochdosis-Abh\u00e4ngigkeit, wenn Betroffene die Dosis \u2013 oft ohne R\u00fccksprache mit dem Arzt \u2013 erh\u00f6hen, weil ihre Beschwerden nicht zur\u00fcckgehen und sie nicht erkennen, dass sie durch die Medikamente selbst sogar noch verst\u00e4rkt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Die Kriterien, anhand derer man eine Medikamentenabha\u0308ngigkeit diagnostizieren kann, sind:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>wiederholter Konsum, sodass wichtige Verpflichtungen in Arbeit, Schule oder zu Hause vernachl\u00e4ssigt werden<\/li>\n<li>wiederholter Konsum in Situationen, in denen es aufgrund des Konsums zu einer k\u00f6rperlichen Gef\u00e4hrdung kommen kann<\/li>\n<li>wiederholter Konsum trotz st\u00e4ndiger oder wiederholter sozialer oder zwischenmenschlicher Probleme<\/li>\n<li>Toleranzentwicklung, gekennzeichnet durch Dosissteigerung oder verminderte Wirkung<\/li>\n<li>Entzugssymptome oder Substanzkonsum, um Entzugssymptome zu vermeiden<\/li>\n<li>l\u00e4ngerer Konsum oder in gr\u00f6\u00dferer Menge als geplant (Kontrollverlust)<\/li>\n<li>anhaltender Kontrollwunsch oder erfolglose Versuche der Kontrolle<\/li>\n<li>hoher Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von der Wirkung des Konsums zu erholen<\/li>\n<li>Aufgabe oder Reduzierung von Aktivit\u00e4ten zugunsten des Substanzkonsums<\/li>\n<li>fortgesetzter Gebrauch, obwohl k\u00f6rperliche oder psychische Probleme bekannt sind<\/li>\n<li>starkes Verlangen oder Drang, die Substanz zu konsumieren (Craving)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sind in den vergangenen zw\u00f6lf Monaten zwei bis drei dieser Kriterien erf\u00fcllt, spricht man von einer leichten Abha\u0308ngigkeit, bei vier bis f\u00fcnf erf\u00fcllten Kriterien liegt eine moderate St\u00f6rung vor, bei mehr als sechs eine schwere Abha\u0308ngigkeit.<\/p>\n<h2>Behandlung der Medikamentenabha\u0308ngigkeit<\/h2>\n<p>Die Behandlung der Medikamentenabha\u0308ngigkeit verl\u00e4uft nach den Prinzipien der allgemeinen Suchttherapie, muss aber ber\u00fccksichtigen, dass diese Patienten meist erst sehr sp\u00e4t diagnostiziert werden und h\u00e4ufig nur schwer zur Therapie zu motivieren sind, weil gerade bei dieser stillen Sucht viel Verdr\u00e4ngung und Widerstand gegeben ist, und weil das Ph\u00e4nomen, dass gerade jene Tabletten, die urspr\u00fcnglich als Heilmittel zur Erleichterung eingenommen wurden, nun f\u00fcr eine Gesundheitsst\u00f6rung verantwortlich sind, tats\u00e4chlich schwer zu verstehen ist.<\/p>\n<p>Die Therapie selbst umfasst einerseits den Entzug der Substanz, andererseits je nach Schwere des Falls psychosoziale Ma\u00dfnahmen wie Beratung, Psychotherapie oder eine stationa\u0308re Entzugsbehandlung. Als g\u00fcnstig erweist sich oft die gleichzeitige Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe.<\/p>\n<p>Beim Entzug muss die Dosis der Medikamente \u00fcber mehrere Wochen oder Monate schrittweise reduziert werden, das Absetzen darf keinesfalls abrupt erfolgen, da es sonst zu starken und eventuell gef\u00e4hrlichen Nebenwirkungen kommen kann. Die k\u00f6rperlichen Entzugssymptome k\u00f6nnen beim langsamen Ausschleichen der Substanzen therapeutisch gut abgefedert werden (mit Antiepileptika, Antidepressiva sowie niedrig potenten Neuroleptika) und sind bei Medikamenten ohne Depotwirkung oft schon nach wenigen Tagen \u00fcberwunden. Allerdings k\u00f6nnen bei Medikamenten wie Benzodiazepinen noch Monate oder Jahre sp\u00e4ter Entzugssymptome auftreten, daher ist es wichtig, dass Betroffene dar\u00fcber Bescheid wissen.<\/p>\n<p>Die psychische Entw\u00f6hnung verl\u00e4uft oft wellenfo\u0308rmig und kann generell l\u00e4ngere Zeit in Anspruch nehmen. Dabei erweisen sich Gespra\u0308chs- und Verhaltenstherapie, soziales Kompetenztraining, Paar- und Familientherapie sowie kreative Verfahren als effizient. Ein besonders wichtiger Baustein der Therapie ist auch die Psychoedukation. Sie vermittelt unter anderem Wissen zu Wirkungen und Nebenwirkungen sowie Langzeitsch\u00e4den von Medikamenten und M\u00f6glichkeiten und Techniken der Selbstkontrolle.<\/p>\n<h2>Vorbeugung der Medikamentenabha\u0308ngigkeit<\/h2>\n<p>Missbrauch und Abha\u0308ngigkeit von Medikamenten k\u00f6nnen hintangehalten werden, wenn die potenziell s\u00fcchtig machenden Substanzen nur bei echtem Bedarf, in m\u00f6glichst niedriger Dosierung und \u00fcber maximal vier bis sechs Wochen verordnet werden.<br \/>\nWas Opiate betrifft, so hat die WHO ein Stufenschema f\u00fcr ihren Einsatz entwickelt. Es gibt Therapieregeln bei der Verwendung von stark wirksamen Opioiden sowie Kriterien, die festlegen, unter welchen Umst\u00e4nden auch bei starken Schmerzen keine Opioide verordnet werden sollten.<br \/>\n\u00c4rzte, sowie wir alle, sind zudem gefordert, neue Entwicklungen wie etwa das \u201eNeurodoping\u201c aufmerksam zu beobachten. Unter Neurodoping versteht man den Einsatz von Medikamenten zur Verbesserung der Hirnleistung bei Gesunden. Diese Praxis ist besonders unter Studenten,\u00a0 sp\u00e4ter auch am Arbeitsplatz weit verbreitet. Viele Menschen versuchen mit diesbez\u00fcglichen Substanzen ihr Arbeitstempo zu beschleunigen, ihre Stress-Resistenz zu erh\u00f6hen oder Burnout-Zust\u00e4nde zu bek\u00e4mpfen. Entwicklungen wie diese sollten wir alle kritisch hinterfragen.<\/p>\n<h2>Welcher Arzt behandelt Medikamentenabha\u0308ngigkeit?<\/h2>\n<p>Viele Medikamentenabha\u0308ngige werden von Allgemeinmedizinern, An\u00e4sthesisten, Orthopa\u0308den oder \u00c4rzten mit Zusatzqualifikationen \u2013 etwa in Schmerztherapie \u2013 behandelt. Weitere wichtige Behandler sind Psychotherapeuten und eine enge Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fach\u00e4rzten, Therapie- und Rehabilitationsstationen sowie Apothekern und Beratungsstellen ist oft erforderlich. Der stationa\u0308re Teil der Medikamentenentw\u00f6hnung wird in Suchtbehandlungszentren, oft aber auch in Allgemeinkrankenha\u0308usern durchgef\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,66,2457,7,2408,2444],"tags":[387,108,637,639,640,641,189,287,642,391,643],"class_list":["post-2528","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gesundheitsnews","category-krankheit","category-leben","category-neurologie","category-psychiatrie","tag-abhangigkeit","tag-allgemeinmedizin","tag-arzneimittelsucht","tag-beruhigungsmittel","tag-medikamentenabhangigkeit","tag-medikamentensucht","tag-psychiatrie","tag-psychotherapie","tag-schlafmittel","tag-sucht","tag-suchtbehandlung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2528","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2528\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12744,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2528\/revisions\/12744"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2531"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}