{"id":2508,"date":"2022-12-20T09:36:18","date_gmt":"2022-12-20T08:36:18","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/depression-bei-kindern\/"},"modified":"2023-02-17T14:39:39","modified_gmt":"2023-02-17T13:39:39","slug":"depression-bei-kindern","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/depression-bei-kindern\/","title":{"rendered":"Depression bei Kindern"},"content":{"rendered":"<h2>Was sind Depressionen bei Kindern und Jugendlichen?<\/h2>\n<p>Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Dennoch k\u00f6nnen auch sie eine Depression entwickeln, und das nicht selten. In der wissenschaftlichen Literatur wird berichtet, dass junge Menschen bis zu 8,9 Prozent von depressiven Erkrankungen betroffen sind. Das bedeutet auch, dass Depressionen zu den h\u00e4ufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen z\u00e4hlen, und sie k\u00f6nnen sich als leichte depressive Verstimmungen \u00e4u\u00dfern, aber auch als schwere Depressionen. Wichtig zu wissen ist auch, dass sich die Symptome der Depression bei den kleinen Patienten von denjenigen bei Erwachsenen unterscheiden k\u00f6nnen, und: Kinder k\u00f6nnen \u00fcber ihr Seelenleben oft noch nicht so gut berichten.<\/p>\n<p>Daher zeigt sich eine Depression bei ihnen eher durch ein ver\u00e4ndertes Verhalten, etwa durch Spielunlust, schnelle Entmutigung, verminderten oder gesteigerten Appetit oder in verminderter Mimik und Gestik. Oft verbirgt sich die Depression bei ihnen auch hinter scheinbar rein k\u00f6rperlichen Beschwerden wie Bauchweh oder Kopfschmerzen. Zudem kommt es h\u00e4ufig vor, dass die Depression von weiteren psychischen Erkrankungen wie etwa Essst\u00f6rungen, ADHS oder Angstst\u00f6rungen begleitet wird. Was noch hinzukommt ist, dass viele Kinder und Jugendliche im Lauf ihrer Entwicklung Phasen des \u201eDeprimiertseins\u201c oder einer schlechten Stimmung erleben und dass dies f\u00fcr die Eltern wie auch f\u00fcr Fachleute oft nicht leicht von einer echten Depression abzugrenzen ist. Und: Kinder, die an einer Depression leiden, haben im Vergleich zu Erwachsenen ein erh\u00f6htes R\u00fcckfallrisiko.<\/p>\n<p>Dennoch ist die Depression auch bei ihnen gut behandelbar, wobei Medikamente (Antidepressiva) nicht so h\u00e4ufig wie bei Erwachsenen zum Einsatz kommen sollen, da die meisten dieser Substanzen bei Minderj\u00e4hrigen altersspezifische Nebenwirkungen wie das so genannte Aktivierungs-Syndrom haben, und das kann zu einer erh\u00f6hten Suizidalit\u00e4t f\u00fchren.<\/p>\n<p>Wichtig f\u00fcr Eltern ist, \u201eschlechte\u201c Phasen ihrer Kinder ernst zu nehmen, sie zu beobachten, Hilfe und Begleitung anzubieten und sich an einen Facharzt f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie oder eine Kinder- und Jugendpsychotherapeutin zu wenden.<\/p>\n<h2>Depression bei Kindern \u2013 welche Ursachen gibt es?<\/h2>\n<p>Eine Depression entsteht aus einem Zusammenspiel von genetisch-biologischen und psycho-sozialen Faktoren, und diese beeinflussen auch den Verlauf der Erkrankung. Vor allem bei schweren und fr\u00fch beginnenden Depressionen d\u00fcrften genetische Ursachen eine wichtige Rolle spielen, und zudem wei\u00df man heute, dass ein Mangel der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn die Entwicklung und den Verlauf einer Depression mitbestimmen. Weiters k\u00f6nnen ung\u00fcnstige psychische und soziale Faktoren die Depression beeinflussen.<\/p>\n<p>Das sind zum Beispiel:<\/p>\n<ul>\n<li>&nbsp;fehlende positive Erlebnisse<\/li>\n<li>ein negatives Selbst-, Umwelt- und Zukunftsbild<\/li>\n<li>die \u00dcberzeugung, dass man Ereignisse nicht selbst beeinflussen kann<\/li>\n<li>belastende Lebensereignisse (z.B. Tod von Mutter oder Vater, Missbrauch, Konflikte zwischen den Eltern)<\/li>\n<li>ung\u00fcnstige Beziehungsmuster (z.B. Eltern, die ihrem Kind wenig Zuneigung zeigen, h\u00e4ufige Konflikte)<\/li>\n<li>Probleme mit Peers<\/li>\n<li>Schulschwierigkeiten<\/li>\n<\/ul>\n<h2><\/h2>\n<h2>Depression bei Kindern und Jugendlichen \u2013 was sind typische Symptome?<\/h2>\n<p>Kinder und Jugendliche leiden im Lauf ihrer Entwicklung immer wieder unter traurigen, niedergeschlagenen oder verzweifelten Stimmungen. Wenn diese Stimmungen l\u00e4nger andauern und st\u00e4rker als normal sind, sollte man auch an eine Depression denken. Das sollte man auch, wenn das Kind sich anders verh\u00e4lt als sonst. Was die genaue Symptomatik betrifft, so gibt es altersabh\u00e4ngig unterschiedliche Symptome.<\/p>\n<p>Das sind:<\/p>\n<p><strong>bei Kindern unter eins und bis zu drei Jahren (S\u00e4ugling und Kleinkind):<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>traurig wirken<\/li>\n<li>ausdrucksarmes Gesicht<\/li>\n<li>erh\u00f6hte Reizbarkeit<\/li>\n<li>selbststimulierendes Verhalten (z.B. \u00fcberm\u00e4\u00dfiges Daumenlutschen, Schaukeln des K\u00f6rpers)<\/li>\n<li>Teilnahmslosigkeit<\/li>\n<li>Spielunlust<\/li>\n<li>Spielen mit reduzierter Kreativit\u00e4t und Ausdauer<\/li>\n<li>gest\u00f6rtes Essverhalten<\/li>\n<li>Schlafst\u00f6rungen<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>bei Kindern im Vorschulalter (drei bis sechs Jahre):&nbsp;<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: revert; color: initial; font-family: -apple-system, BlinkMacSystemFont, 'Segoe UI', Roboto, Oxygen-Sans, Ubuntu, Cantarell, 'Helvetica Neue', sans-serif;\">trauriges Gesicht<\/span><\/li>\n<li>verminderte Gestik und Mimik<\/li>\n<li>leichte Irritierbarkeit, Stimmungslabilit\u00e4t<\/li>\n<li>mangelnde F\u00e4higkeit, sich zu freuen<\/li>\n<li>weniger Interesse an Bewegung<\/li>\n<li>nach innen gekehrtes oder aggressives Verhalten<\/li>\n<li>ver\u00e4ndertes Essverhalten mit Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme<\/li>\n<li>Schlafst\u00f6rungen (z.B. Albtr\u00e4ume, Probleme beim Ein- und Durchschlafen)<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>&nbsp;bei Kindern im Schulalter:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>verbale Berichte \u00fcber Traurigkeit<\/li>\n<li>Schulleistungsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Gef\u00fchl, von den Eltern nicht gen\u00fcgend beachtet zu werden<\/li>\n<li>suizidale Gedanken<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>bei Kindern in Pubert\u00e4t und Jugendalter:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>depressive Symptome wie in den Diagnosekriterien<\/li>\n<li>weniger Selbstvertrauen<\/li>\n<li>\u00c4ngste, Konzentrationsschwierigkeiten, Gleichg\u00fcltigkeit<\/li>\n<li>Leistungsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>tageszeitabh\u00e4ngige Befindlichkeitsschwankungen<\/li>\n<li>psychosomatische Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen)<\/li>\n<li>Suizidhandlungen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Experten verweisen auch darauf, dass eine kindliche Depression meist einen k\u00fcrzeren Verlauf hat als eine Depression bei Erwachsenen. Oft kommt es auch zu einer vollst\u00e4ndigen Remission (R\u00fcckbildung), aber depressive Jugendliche haben h\u00e4ufiger R\u00fcckf\u00e4lle als Erwachsene, und die Betroffenen tragen ein erh\u00f6htes Risiko, auch sp\u00e4ter, wenn sie erwachsen sind, unter Depressionen zu leiden.<\/p>\n<p>Wichtig zu wissen ist weiters, depressive Kinder und Jugendliche durch die Erkrankung bei vielen altersgem\u00e4\u00dfen Spielen oder Treffen nicht mitmachen k\u00f6nnen und soziale Kontakte sich dadurch verringern. Deshalb kann es mitunter zu Verz\u00f6gerungen in der Entwicklung kommen, und manche depressiven Jugendlichen greifen aufgrund ihrer Erkrankung auch zu Alkohol und Drogen, was die&nbsp; depressive Symptomatik weiter bef\u00f6rdern kann.<\/p>\n<h2>Welche weiteren psychischen St\u00f6rungen k\u00f6nnen gleichzeitig auftreten?<\/h2>\n<p>Wenn ein Kind oder Jugendlicher depressiv ist, kommt es oft auch zum Auftreten weiterer psychischer St\u00f6rungen. Bis zu 75 Prozent der jungen Menschen, die depressiv sind, leiden auch an Angstst\u00f6rungen, bis zu 50 Prozent an einer St\u00f6rung des Sozialverhaltens, und etwa 25 Prozent missbrauchen Alkohol oder Drogen. Auch psychosomatische St\u00f6rungen, Zwangsst\u00f6rungen, Essst\u00f6rungen oder die Aufmerksamkeits-Hyperaktivit\u00e4tsst\u00f6rung (ADHS) treten bei Kinder und Jugendlichen oft gleichzeitig mit einer Depression auf.<\/p>\n<h2>Wie kann man eine Depression bei Kindern und Jugendlichen diagnostizieren?<\/h2>\n<p>Da die Symptome einer Depression vor allem bei j\u00fcngeren Kindern oft nicht eindeutig sind, ist es wichtig, dass sich die Eltern bez\u00fcglich Diagnostik und professionelle Hilfe an einen Kinder- und Jugendpsychiater oder eine Kinder- und Jugendpsychotherapeutin wenden. Er oder sie wird ein ausf\u00fchrliches Anamnesegespr\u00e4ch mit dem Kind und den Eltern f\u00fchren, um Symptome, Entwicklung und Belastungsfaktoren in der Familie zu explorieren. Oft kommen dabei neben Depressionsfrageb\u00f6gen auch nonverbale Methoden wie etwa Zeichnen oder projektive Verfahren wie der Satzerg\u00e4nzungstest zum Einsatz. Eine k\u00f6rperliche und neurologische Untersuchung dient dazu, ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen, dass die depressiven Symptome auf eine k\u00f6rperliche Erkrankung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Au\u00dferdem ist es wichtig, eine Depression von anderen psychischen Erkrankungen abzugrenzen. Hier gilt es vor allem, eine bipolare St\u00f6rung oder andere affektive St\u00f6rungen, eine schizophrene Erkrankung, eine Zwangsst\u00f6rung und eine Anpassungsst\u00f6rung ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Experten stellen die Diagnose Depression, wenn die Symptome \u00fcber mindestens zwei Wochen lang fast jeden Tag und f\u00fcr die meiste Zeit des Tages vorhanden sind.<\/p>\n<h2>Wie kann man eine Depression bei Kindern und Jugendlichen behandeln?<\/h2>\n<p>Was die Therapie der Depression im Kindes- und Jugendalter betrifft, so sollte sie immer multimodal sein. Das hei\u00dft, dass Psychoedukation, Psychotherapie und bei Bedarf Medikamente zum Einsatz kommen. Die Experten betonen auch, dass die Behandlung \u00fcberwiegend ambulant erfolgen kann, dass aber bei schweren Depressionen und Suizidalit\u00e4t eine station\u00e4re Therapie notwendig ist. Bei einer leichten depressiven Episode wird in erster Linie Psychoedukation empfohlen. Das bedeutet, dass die Eltern und das Kind \u00fcber die Depression und alles damit in Verbindung Stehende aufgekl\u00e4rt und dar\u00fcber beraten werden, wie man Belastungsfaktoren verringern und Beziehungen positiv gestalten kann. Bessert sich die Symptomatik nach sechs bis acht Wochen nicht oder liegt eine m\u00e4\u00dfig schwere depressive Episode vor, so sollte Psychotherapie und eventuell eine medikament\u00f6se Behandlung mit Antidepressiva zum Einsatz kommen. Bei schweren depressiven Episoden empfehlen die Experten eine begleitende antidepressive Therapie.<\/p>\n<p>Was die Methoden der Psychotherapie betrifft, so profitieren die betroffenen Kinder vor allem von der kognitiven Verhaltenstherapie, der interpersonellen Therapie und der Familientherapie.<\/p>\n<p>Eine Therapie mit Antidepressiva wird derzeit vor allem mit dem Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Fluoxetin \u00fcber sechs Monate hindurch empfohlen.<\/p>\n<p>Achtung: SSRI k\u00f6nnen bei psychisch kranken Kindern und Jugendlichen h\u00e4ufiger als bei Erwachsenen ein so genanntes Aktivierungs-Syndrom ausl\u00f6sen. Das bedeutet, dass sich Gedanken daran, sich das Leben zu nehmen und das Risiko eines Suizids erh\u00f6hen. Deshalb m\u00fcssen junge Menschen, die mit Antidepressiva behandelt werden, besonders engmaschig von Fachleuten \u00fcberwacht werden.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,5,23,2457,2444,2413],"tags":[574,575,104,97,177,100,189,413,287,579],"class_list":["post-2508","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-familie","category-kinder-und-jugendheilkunde","category-krankheit","category-psychiatrie","category-psychologie","tag-antidepressiva","tag-depression","tag-familie","tag-kinder","tag-kinderheilkunde","tag-padiatrie","tag-psychiatrie","tag-psychologie","tag-psychotherapie","tag-verhalten"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2508","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2508\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9274,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2508\/revisions\/9274"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2509"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}