{"id":2486,"date":"2021-01-01T12:14:33","date_gmt":"2021-01-01T12:14:33","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/covid-19-strikte-impfempfehlung-fuer-krebspatienten\/"},"modified":"2025-07-09T20:21:27","modified_gmt":"2025-07-09T18:21:27","slug":"covid-19-strikte-impfempfehlung-fuer-krebspatienten","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/covid-19-strikte-impfempfehlung-fuer-krebspatienten\/","title":{"rendered":"Strikte Impfempfehlung f\u00fcr Krebspatienten"},"content":{"rendered":"<p>Menschen mit Krebs haben aufgrund ihrer Erkrankung oder ihrer Tumortherapie ein geschw\u00e4chtes Immunsystem und tragen deshalb ein hohes Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken. Wie es Krebspatienten und Patientinnen in der Pandemie ergangen ist und ob die neuen COVID-19-Schutzimpfungen auch bei Krebs wirksam und sicher sind, dazu wurden &#8211; kurz vor dem Weltkrebstag am 4. Februar &#8211; zwei Experten, Dominik Wolf und Christian Marth von der Universit\u00e4tsklinik Innsbruck gefragt.<\/p>\n<p><strong>Im ersten Lockdown wurden aufgrund nicht wahrgenommener Vorsorgeuntersuchungen weniger Krebsdiagnosen gestellt. Hat sich diese Entwicklung fortgesetzt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Marth:<\/strong>\u00a0W\u00e4hrend des ersten Lockdowns verzeichneten wir eine 50%ige Reduktion bei den Neudiagnosen, das hat sich dann \u00fcber den Sommer wieder normalisiert, jetzt im dritten Lockdown gibt es etwa 20 Prozent weniger Diagnosen, wobei im April vergangenen Jahres ja auch die Mobilit\u00e4t stark eingeschr\u00e4nkt war und die medizinische Infrastruktur zum Teil nicht zur Verf\u00fcgung stand. Auch die Angst vor Ansteckung im Krankenhaus spielte wohl eine Rolle, wobei das absolut unbegr\u00fcndet ist, denn Hygiene ist Teil des Klinikalltags. Ich appelliere daher, Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen in jedem Fall wahrzunehmen, denn eine versp\u00e4tete Diagnose bedeutet meist auch eine schlechtere Prognose. Eine fr\u00fche Diagnose ist vor allem bei Karzinomen ohne eindeutige Symptome, wie etwa dem mit einer hohen Mortalit\u00e4t verbundenen Eierstockkrebs, essentiell.<\/p>\n<p><strong>Gab es unter den KrebspatientInnen auch F\u00e4lle, die an COVID-19 erkrankten und auch schwere Verl\u00e4ufe hatten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Marth:<\/strong>\u00a0Patientinnen und Patienten, die unter einer Krebstherapie stehen, haben etwa ein doppelt so hohes Risiko f\u00fcr einen schweren COVID-19-Verlauf, wobei man hier nach Krebsart und Therapie differenzieren muss, wie das Dominik Wolf best\u00e4tigen wird. Unter den Patientinnen mit gyn\u00e4kologischen Tumoren hatten wir nur sehr wenige COVID-19-Erkrankte bzw. gar keinen schweren Verlauf. Wir wissen, dass Krebspatientinnen und -patienten grunds\u00e4tzlich gut \u00fcber Infektionsgefahren aufgekl\u00e4rt sind und sich sehr vorsichtig verhalten.<\/p>\n<p><strong>Wolf:<\/strong>\u00a0Wir haben zum Verhalten der Krebspatientinnen und -patienten und wie es ihnen in der ersten Welle der Pandemie erging eine Studie gemacht und waren \u00fcberrascht, wie resilient sie schon im Fr\u00fchjahr mit der Situation umgegangen sind. Zu ihrer Grundeinstellung, sich gegen\u00fcber der Umwelt und damit auch gegen Infektionen sch\u00fctzen zu wollen, gesellte sich bei vielen auch die Haltung: \u201eJetzt hab ich schon Krebs, was kann mich da noch umhauen?\u201c In dieser Lebensqualit\u00e4tsstudie, die wir gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Innsbrucker Psychiatrie II und der Strahlentherapie durchgef\u00fchrt haben, k\u00f6nnen wir auch sehen, dass der in der Regel gut \u00fcber seine Krankheit informierte Krebspatient die Pandemie-Situation weniger bedrohlich empfand. Bei uns an der Klinik gab es neben F\u00e4llen im Pflegebereich und der \u00c4rzteschaft auch mehrere Patienten, die sich im h\u00e4uslichen Umfeld infiziert haben und dann an COVID-19 erkrankten. Die meisten haben die Infektion auch gut \u00fcberstanden und wir erfassen diese Patienten in einem gemeinsamen \u00f6sterreichischen Register mit Univ.-Prof. Preusser am AKH Wien und auch in europ\u00e4ischen Registern der European Hematology Association (EHA), um mehr \u00fcber die Verl\u00e4ufe in gro\u00dfen Patientenkohorten zu lernen.<\/p>\n<p><strong>KrebspatientInnen z\u00e4hlen aufgrund ihres geschw\u00e4chten Immunsystems zur Hochrisikogruppe. Gibt es Unterschiede in den Infektionsverl\u00e4ufen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wolf:<\/strong>\u00a0Grunds\u00e4tzlich richtet sich das Risiko eines schweren Verlaufs nach dem Grad der Immunsuppression durch die jeweilige Therapie, angefangen von der lokalen Strahlentherapie bei einem Lymphom bis hin zur allogenen Stammzelltherapie, die am st\u00e4rksten immunsuppressiv wirkt, wodurch die Patienten h\u00f6chst vulnerabel sind. Es gibt auch einen gro\u00dfen Unterschied zwischen h\u00e4matologischen Krebsformen \u2013 dazu z\u00e4hlen Lymphome, die Chronisch lymphatische Leuk\u00e4mie (CLL) und Myelome \u2013 und soliden Tumoren. H\u00e4matologische Patientinnen und Patienten haben ein erheblich erh\u00f6htes Sterberisiko, weil ihre Erkrankung selbst schon aus den Immunzellen kommt und die Therapien deshalb stark immunsupprimierend, sprich gegen B- und T-Zellen gerichtet, sind. Aber auch onkologische Patientinnen und Patienten unter Therapie oder mit fortgeschrittenen Erkrankungen haben ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr schwere Verl\u00e4ufe. Dank gutem Management und der ausgezeichneten Zusammenarbeit von H\u00e4mato-Onkologen und Infektiologen konnten wir das aber gut meistern. Unter den wenigen t\u00f6dlichen Verl\u00e4ufen waren vor allem \u00e4ltere h\u00e4matologische Patienten mit Begleiterkrankungen. Wir haben in dieser Zeit auch etwas sehr Spannendes gelernt: Medikamente, die wir in der Inneren Medizin und Onkologie einsetzen, zeigen auch bei schweren COVID-19-Verl\u00e4ufen ihre Wirkung. Neben sogenannten JAK-Inhibitoren sind das etwa das Leuk\u00e4mie-Medikament Ibrutinib oder das bei rheumatologischen Erkrankungen eingesetzte Tozilizumab.<\/p>\n<p><strong>Derzeit sind in Europa zwei mRNA-Vakzine zugelassen. Ist die COVID-19-Impfung f\u00fcr KrebspatientInnen zu empfehlen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Marth:<\/strong>\u00a0Wir sprechen eine definitive Impfempfehlung aus! Patientinnen und Patienten unter Tumortherapie sind Hochrisikopatienten, die schon in der ersten Phase ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen. Zwar k\u00f6nnte es unter Umst\u00e4nden zu einer schw\u00e4cheren Immunantwort kommen, durch eine Impf-Wiederholung k\u00f6nnte man aber die Wirkung verst\u00e4rken. Idealerweise sollte noch vor Beginn der Therapie oder wenige Monate nach Therapieabschluss geimpft werden. Weil Krebspatienten nicht in den Zulassungsstudien eingeschlossen waren, ist es nat\u00fcrlich notwendig, die Impfwirkungen und -nebenwirkungen zu dokumentieren. Diese Daten werden auch von der Europ\u00e4ischen Gesellschaft f\u00fcr medizinische Onkologie erfasst. Wir favorisieren f\u00fcr Krebspatienten mRNA-Vakzine.<\/p>\n<p><strong>Wolf:<\/strong>\u00a0mRNA-Impfstoffe sind ja in der Onkologie eine h\u00f6chst innovative und vielversprechende Therapieform, die sich derzeit in klinischer Entwicklung befinden. Das von Christoph Huber* mitbegr\u00fcndete Unternehmen BioNTech ist f\u00fchrend in diesem Feld und entwickelt schon seit vielen Jahre sehr erfolgreich mRNA-Wirkstoffe f\u00fcr die individualisierte Krebstherapie. Es ist eine Jahrhundert-Pionierleistung dieser Menschen, dieses Know-how so schnell in die Impfstoffentwicklung gegen SARS-CoV-2 zu \u00fcbertragen. Neben all den negativen Nachrichten, den Todesmeldungen und den Folgen f\u00fcr unsere Gesellschaft und die Wirtschaft, hat die Pandemie uns daher auch gezeigt, wie zentral und bedeutend biomedizinische Forschung ist.<\/p>\n<p><em>*Anm.: Der geb\u00fcrtige Tiroler Christoph Huber, f\u00fchrender Wissenschafter in den Bereichen Immunologie von Tumoren, Gentherapie b\u00f6sartiger Erkrankungen und der Stammzellbiologie und Stammzelltransplantation, war nach seinem Medizin-Studium in Innsbruck und mehreren Forschungsaufenthalten in Schweden und den USA u.a. Leiter der Knochenmarktransplantationseinheit in Innsbruck und Direktor der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik an der Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t in Mainz.<\/em><\/p>\n<p><strong>Dominik Wolf<\/strong>\u00a0ist Direktor der Univ.-Klinik f\u00fcr Innere Medizin V (Schwerpunkte: H\u00e4matologie und Onkologie) und ausgewiesener Experte auf den Gebieten Immunonkologie, Myeloische Neoplasien und Stammzell-Transplantation.<\/p>\n<p><strong> Christian Marth<\/strong>\u00a0ist Direktor der Univ.-Klinik f\u00fcr Gyn\u00e4kologie und Geburtshilfe, Sprecher des Comprehensive Cancer Centers Innsbruck (CCCI) und forscht seit vielen Jahren zur Therapie von gyn\u00e4kologischen Tumoren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":41,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[2417,2422,2430,2411],"tags":[313,508,509,14,710,216,528,529,75,17,530,531],"class_list":["post-2486","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-haematologie","category-immunologie","category-infektiologie","category-onkologie","tag-corona","tag-corona-schutzimpfung","tag-coronaimpfung","tag-covid-19","tag-haematologie","tag-krebs","tag-krebserkrankung","tag-mrna-vakzin","tag-onkologie","tag-pandemie","tag-pravention","tag-vorsorge"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2486","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2486\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5159,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2486\/revisions\/5159"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2487"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2486"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2486"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2486"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}