{"id":2484,"date":"2021-01-05T11:00:29","date_gmt":"2021-01-05T11:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/mariendistel-arzneipflanze-des-jahres\/"},"modified":"2023-02-27T13:30:24","modified_gmt":"2023-02-27T12:30:24","slug":"mariendistel-arzneipflanze-des-jahres","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/mariendistel-arzneipflanze-des-jahres\/","title":{"rendered":"Mariendistel &#8211; Arzneipflanze des Jahres"},"content":{"rendered":"<p>Die Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA) &#8211; bestehend aus ExpertInnen der pharmazeutischen Institute der Universit\u00e4ten Graz, Innsbruck und Wien &#8211; k\u00fcrt j\u00e4hrlich nach strengen Auswahlkriterien die Arzneipflanze des Jahres in \u00d6sterreich. F\u00fcr 2021 fiel die Wahl auf die Mariendistel (Silybum marianum [L.] Gaertn.). Wissenschaftliche Studien belegen unter anderem die lebersch\u00fctzenden Effekte des Wirkstoffkomplexes Silymarin.<\/p>\n<h2>Wirkstoffkomplex Silymarin<\/h2>\n<p>&#8220;Die im mediterranen Raum und Vorderen Orient beheimatete Mariendistel ist ein krautiger, bis \u00fcber zwei Meter hoher, in Mitteleuropa meist nicht winterharter Vertreter der Korbbl\u00fctler&#8221;, erl\u00e4utert em. o. Univ.-Prof. Dr. Chlodwig Franz, Vizepr\u00e4sident der HMPPA, Abt. Funktionelle Pflanzenstoffe, Vetmeduni Wien. Die Pflanze besitzt eine Pfahlwurzel und charakteristisch wei\u00df marmorierte, dornig bewehrte Laubbl\u00e4tter.<\/p>\n<p>Auch die H\u00fcllbl\u00e4tter der Bl\u00fctenk\u00f6pfe enden in Dornen. Die etwa 200 R\u00f6hrenbl\u00fcten pro Bl\u00fctenkorb sind purpurrot bis violett, selten wei\u00df und bilden je eine dunkelbraun gl\u00e4nzende, weizenkorngro\u00dfe Frucht aus, die mit einem Pappus als Flugorgan zur Samenverbreitung (\u00e4hnlich dem L\u00f6wenzahn) versehen ist. Die braunen Fr\u00fcchte enthalten in ihrer Schale den als &#8220;Lebermittel&#8221; bekannten Wirkstoffkomplex Silymarin.<\/p>\n<p>Als Arzneipflanze ist die Mariendistel schon seit dem Altertum bekannt. Seit dem 19. Jhd. konzentriert sich die medizinische Verwendung auf Zubereitungen der &#8220;Samen&#8221; (Fr\u00fcchte) bei Leber- und Galleleiden (Madaus 1938), was schlie\u00dflich zur systematischen Inkulturnahme der Mariendistel und ihrer z\u00fcchterischen Bearbeitung f\u00fchrte.<\/p>\n<p>DI Rudolf Marchart, \u00d6sterreichischer Verband f\u00fcr Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzenbau, St. P\u00f6lten: &#8220;In \u00d6sterreich stellt Mariendistel eine der drei wichtigsten gro\u00dffl\u00e4chig kultivierten Arzneipflanzen dar, die Anbaugebiete liegen in Nieder\u00f6sterreich &#8211; vor allem im Waldviertel, teilweise im Weinviertel. Hier befindet sich auch ein international viel beachtetes Kompetenzzentrum zur Mariendistelverarbeitung f\u00fcr die nachfolgende Silymaringewinnung im Umfang von 3.500 bis 4.000 Tonnen K\u00f6rnerdroge als durchschnittliche Jahresproduktion.<\/p>\n<h2>Zur Behandlung der Knollenbl\u00e4tterpilzvergiftung<\/h2>\n<p>&#8220;Die Inhaltsstoffe der Fr\u00fcchte der Mariendistel sind schon sehr gut untersucht,&#8221; erl\u00e4utert Univ.-Prof. Dr.Dr.h.c. Rudolf Bauer, Vizepr\u00e4sident der HMPPA, Institut f\u00fcr Pharmazeutische Wissenschaften, Universit\u00e4t Graz. &#8220;F\u00fcr die Wirksamkeit ist das in der Fruchtwand lokalisierte Gemisch an Flavonolignanen, welches als &#8216;Silymarin&#8217; bezeichnet wird, von besonderer Bedeutung.&#8221;<\/p>\n<p>Es setzt sich aus Silibinin, Isosilibinin, Silychristin und Silydianin zusammen. Au\u00dferdem sind Flavonoide, fettes \u00d6l und Phytosterole enthalten. Das Europ\u00e4ische Arzneibuch fordert f\u00fcr Mariendistelfr\u00fcchte einen Gehalt von mindestens 1,5 % Silymarin, berechnet als Silibinin. F\u00fcr einen eingestellten gereinigten Mariendistelfr\u00fcchtetrockenextrakt wird ein Gehalt von 30 bis 65 % Silymarin gefordert. F\u00fcr die Behandlung der Knollenbl\u00e4tterpilzvergiftung wird das gereinigte Hemisuccinatdinatriumsalz des Silibinins verwendet.<\/p>\n<h2>Gut f\u00fcr die Leber<\/h2>\n<p>Silymarin besitzt eine lebersch\u00fctzende Wirkung. Silibinin interagiert mit spezifischen Leber-Transportproteinen, wodurch Giftstoffe wie a-Amanitin und Phallaoidin nicht mehr in die Zelle eindringen k\u00f6nne. Es konnten auch antioxidative und antiinflammatorische Effekte nachgewiesen werden. Silymarin kann sowohl die DNA- als auch die Lipid- und Proteinoxidation unterbinden und damit Zellsch\u00e4den verhindern.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem f\u00f6rdert Silymarin \u00fcber eine Stimulierung der Polymerase I die Zellregeneration, wodurch sich die gesch\u00e4digte Leber schneller erholen kann. \u00dcber eine Hemmung der RNA Polymerase verhindert Silibinin laut in vitro Daten auch die Replikation des Hepatitis-C-Virus. Tierversuche zeigten, dass Silymarin auch den Zuckerstoffwechsel positiv beeinflusst und cholesterinsenkend wirkt. Somit k\u00f6nnte es auch f\u00fcr die Behandlung des metabolischen Syndroms Bedeutung haben.<\/p>\n<p>Neueste Untersuchungen ergaben, dass Silibinin den programmierten Zelltod (Apoptose) von Krebszellen induziert. Daraus k\u00f6nnten sich in der Zukunft auch neue Anwendungen im Bereich der Krebstherapie ergeben.<\/p>\n<h2>Anwendungsbereiche von Mariendistel<\/h2>\n<p>In der t\u00e4glichen naturheilkundlichen Praxis findet die Mariendistel bei Leberkrankungen, insbesondere bei den Lebensstil-bedingten Fettlebererkrankungen (NAFLD) Anwendung. Die Pr\u00e4valenz der NAFLD liegt in der Normalbev\u00f6lkerung bei 14 bis 27 %. &#8220;Daneben werden Patienten mit chronischer viraler Hepatitis &#8211; Hepatitis B und C &#8211; und Chemotherapie-induzierter Hepatitis&nbsp; behandelt&#8221;, so Dr. med. Annette J\u00e4nsch, Fach\u00e4rztin f\u00fcr Innere Medizin Naturheilkunde, Abteilung Naturheilkunde, Immanuel Krankenhaus Berlin, Standort Berlin-Wannsee. Einige Studien zeigen auch eine schnellere Abheilung einer akuten Hepatitis A unter Mariendisteltherapie.<\/p>\n<p>Bei der nichtalkoholischen Fettleber (NAFL) verbessert Mariendistel signifikant die Transaminasenaktivit\u00e4t und die Aktivit\u00e4t der Gamma-GT. Neben der Verbesserung der Laborparameter sind die Patienten weniger m\u00fcde, leistungsf\u00e4higer und weisen eine bessere Schlafqualit\u00e4t auf. In Studien ist die Wirksamkeit standardisierter Mariendistel-Extrakte bei Lebersch\u00e4den gut dokumentiert. &#8220;Daher kann diese Arzneipflanze bei NAFL, Chemotherapie-bedingter Hepatotoxizit\u00e4t, chronischer Hepatitis und bei Amatoxin-bedingter Pilzvergiftung als ideales Therapeutikum empfohlen werden&#8221;, res\u00fcmiert Dr. J\u00e4nsch.<\/p>\n","protected":false},"author":41,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,66,2424,2457],"tags":[520,521,94,707,522,216,523,429,524,525,424,527],"class_list":["post-2484","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gesundheitsnews","category-hepatologie","category-krankheit","tag-arzneipflanze-2021","tag-fettleber","tag-hepatitis","tag-hepatologie","tag-knollenblatterpilzvergiftung","tag-krebs","tag-leber","tag-lebererkrankung","tag-mariendistel","tag-nafld","tag-schlafstorung","tag-silymarin"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2484\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9844,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2484\/revisions\/9844"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2485"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}