{"id":2462,"date":"2020-11-17T09:36:50","date_gmt":"2020-11-17T09:36:50","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/schilddruesenkrebs\/"},"modified":"2023-02-16T22:10:38","modified_gmt":"2023-02-16T21:10:38","slug":"schilddruesenkrebs","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/schilddruesenkrebs\/","title":{"rendered":"Schilddr\u00fcsenkrebs"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Schilddr\u00fcsenkrebs?<\/h2>\n<p>Bei Schilddr\u00fcsenkrebs (Schilddr\u00fcsenkarzinom) handelt es sich um einen b\u00f6sartigen Tumor, der von den Zellen der Schilddr\u00fcse ausgeht. Erkrankungen und Knoten (kn\u00f6tchenf\u00f6rmige, herdf\u00f6rmige Ver\u00e4nderungen des Schilddr\u00fcsengewebes) im Bereich der Schilddr\u00fcse sind relativ h\u00e4ufig, allerdings ist nur ein geringer Teil der Knoten in der Schilddr\u00fcse b\u00f6sartig \u2013 laut Angaben der Statistik Austria waren im Jahr 2017 in \u00d6sterreich zwei Prozent der j\u00e4hrlichen Krebsneuerkrankungen auf b\u00f6sartige Neubildungen der Schilddr\u00fcse zur\u00fcckzuf\u00fchren. Frauen sind h\u00e4ufiger von einem Schilddr\u00fcsenkarzinom betroffen als M\u00e4nner.<\/p>\n<h2>Formen<\/h2>\n<p>Abh\u00e4ngig davon, von welchem Bereich des Schilddr\u00fcsengewebes der Tumor ausgeht und von anderen Faktoren werden verschiedene Formen von Schilddr\u00fcsenkrebs unterschieden, darunter:<\/p>\n<h3>Papill\u00e4res Schilddr\u00fcsenkarzinom<\/h3>\n<p>Das papill\u00e4re Schilddr\u00fcsenkarzinom macht mit etwa 60 Prozent* den gr\u00f6\u00dften Teil aller F\u00e4lle von Schilddr\u00fcsenkrebs aus. Das papill\u00e4re Schilddr\u00fcsenkarzinom bildet mitunter mehrere Tumorherde in einem oder in beiden Schilddr\u00fcsenlappen. Die Metastasierung (Prozess einer Metastasenbildung) bei dieser Form von Schilddr\u00fcsenkrebs erfolgt vor allem \u00fcber das Lymphsystem (lymphogene Metastasierung). Lymphogene Metastasen (Tochtergeschwulste bzw. Tumorabsiedelungen) besiedeln zumeist die region\u00e4ren Lymphknoten, sodass h\u00e4ufig auch die Lymphknoten am Hals betroffen sind. Bei entsprechender Behandlung ist die Prognose des papill\u00e4ren Schilddr\u00fcsenkarzinoms h\u00e4ufig sehr gut.<\/p>\n<h3>Follikul\u00e4res Schilddr\u00fcsenkarzinom<\/h3>\n<p>Mit etwa 30 Prozent ist das follikul\u00e4re Schilddr\u00fcsenkarzinom die zweith\u00e4ufigste Form von Schilddr\u00fcsenkrebs; es kommt verh\u00e4uft in Jodmangelgebieten vor. Das follikul\u00e4re Karzinom bildet meist nur einzelne Knoten aus, die Metastasierung erfolgt vorwiegend auf dem Blutweg (h\u00e4matogene Metastasierung), Metastasen finden sich u. a. in Lungen, Knochen, Gehirn und Leber. Auch bei dieser Form von Schilddr\u00fcsenkrebs ist die Prognose bei entsprechender Therapie in vielen F\u00e4llen g\u00fcnstig.<\/p>\n<h3>Medull\u00e4res Schilddr\u00fcsenkarzinom<\/h3>\n<p>Das medull\u00e4re Schilddr\u00fcsenkarzinom, auch C-Zell-Karzinom genannt, kommt deutlich seltener vor als das papill\u00e4re und follikul\u00e4re Schilddr\u00fcsenkarzinom. Das medull\u00e4re Schilddr\u00fcsenkarzinom entwickelt sich aus sogenannten C-Zellen. Hierbei handelt es sich um spezialisierte Zellen der Schilddr\u00fcse, die das Hormon Calcitonin bilden, welches sehr wichtig f\u00fcr die Regulation des Calcium- und Phosphathaushalts des K\u00f6rpers ist. Calcitonin senkt den Calciumspiegel im Blut. Medull\u00e4re Schilddr\u00fcsenkarzinome produzieren Calcitonin, was wiederum zu einem erniedrigten Calciumwert im Blut f\u00fchrt \u2013 dieser Umstand erm\u00f6glicht es, ein medull\u00e4res Schilddr\u00fcsenkarzinom im Gegensatz zu anderen Schilddr\u00fcsenkarzinomen im Blut nachzuweisen. Medull\u00e4re Schilddr\u00fcsenkarzinome metastasieren auf dem Blutweg und \u00fcber das Lymphsystem.<\/p>\n<p>Daneben gibt es noch weitere Formen (anaplastisches Schilddr\u00fcsenkarzinom, undifferenzierte Karzinome), die ebenfalls selten sind.<\/p>\n<h2>Ursachen und Risikofaktoren<\/h2>\n<p>Die genauen Ursachen f\u00fcr die Entstehung von Schilddr\u00fcsenkrebs sind bislang nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. In Hinblick auf die Entstehung von papill\u00e4ren Schilddr\u00fcsenkarzinomen wird angenommen, dass ionisierende Strahlung\/Bestrahlung im Halsbereich, besonders im Kindesalter, das Risiko f\u00fcr die Erkrankung erheblich erh\u00f6ht. So hat sich beispielsweise die Rate an Schilddr\u00fcsenkrebs nach dem Atomreaktorunfall in Tschernobyl erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Follikul\u00e4re Schilddr\u00fcsenkarzinome treten besonders h\u00e4ufig in Jodmangelgebieten auf. Bei etwa 20 bis 25 Prozent* aller medull\u00e4ren Karzinome ist wiederum eine famili\u00e4re H\u00e4ufig festzustellen, was bedeutet, dass die Erkrankung auf einen Gendefekt zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann. Die Genver\u00e4nderungen finden sich im sogenannten RET-Gen auf Chromosom 11 und k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass ein Schilddr\u00fcsenkarzinom auftritt, unter Umst\u00e4nden auch in Kombination mit verschiedenen anderen Erkrankungen (MEN II Syndrom, multiple endokrine Neoplasie).<\/p>\n<p>Daneben werden noch andere Faktoren diskutiert, u. a. hormonelle Faktoren, da Frauen wesentlich \u00f6fter von verschiedenen Formen von Schilddr\u00fcsenkrebs betroffen sind als M\u00e4nner. Gesicherte und angenommene\/diskutierte Risikofaktoren von Schilddr\u00fcsenkrebs sind zusammengefasst u. a.: Aufnahme von radioaktivem Jod, Bestrahlung der Kopf-Hals-Region, genetische Veranlagung, Jodmangel und weibliches Geschlecht (ungekl\u00e4rt).<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>In fr\u00fchen Stadien verursacht Schilddr\u00fcsenkrebs zumeist keine sp\u00fcrbaren Symptome, fr\u00fche Anzeichen der Erkrankung sind in der Regel also selten. Auff\u00e4llig werden Tumoren der Schilddr\u00fcse h\u00e4ufig durch ihr verdr\u00e4ngendes Wachstum: Die Schilddr\u00fcse liegt in der N\u00e4hre der Luft- und Speiser\u00f6hre und des Kehlkopfs \u2013 durch die enge Lagebeziehung kann es sein, dass wachsende bzw. gr\u00f6\u00dfere Tumoren auf diese Strukturen dr\u00fccken, was zu verschiedenen Beschwerden f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Beschwerden sind u. a. Druckgef\u00fchl im Halsbereich, Schluckbeschwerden (wenn der Tumor auf die Speiser\u00f6hre dr\u00fcckt bzw. diese einengt), anhaltende Heiserkeit und Atemnot (wenn der Tumor die Luftr\u00f6hre an einer bestimmten Stelle einengt). Auch tastbare und\/oder sichtbare Knoten, die sich hart anf\u00fchlen, schlecht verschiebbar sind und sich rasch entwickelt haben k\u00f6nnen unter Umst\u00e4nden ein Hinweis sein. In weiter fortgeschrittenen Stadien kann es zum Horner-Syndrom kommen, bei welchem die Pupille verengt ist (Miosis), der Augapfel scheinbar zur\u00fcckgesunken ist (Enopthalmus) und das Oberlid herabh\u00e4ngt (Ptosis).<\/p>\n<p>Daneben k\u00f6nnen die jeweiligen Schilddr\u00fcsenformen spezifische Symptome verursachen. Beispielsweise kommt es beim medull\u00e4ren Schilddr\u00fcsenkarzinom zu einer \u00dcberproduktion des Hormons Calcitonin und zu einem erniedrigten Kalziumspiegel, was wiederum u. a. mit Gef\u00fchlsst\u00f6rungen (z. B. Kribbeln, Ameisenhaufen) und Muskelkr\u00e4mpfen einhergehen kann. Beim papill\u00e4ren Schilddr\u00fcsenkarzinom die Metastasen die region\u00e4ren Lymphknoten besiedeln, wodurch die Lymphknoten am Hals gegebenenfalls geschwollen sind.<\/p>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom Anzeichen f\u00fcr andere Erkrankungen sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Symptom bei Schilddr\u00fcsenkrebs auftreten. Im Zweifelsfall sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Ansprechpartner bei Schilddr\u00fcsenproblemen sind der <a href=\"\/suche\/praktischer-arzt\">Arzt f\u00fcr Allgemeinmedizin<\/a>, welcher den Patienten bei Bedarf an einen Facharzt zuweist, der Facharzt f\u00fcr Innere Medizin und der Facharzt f\u00fcr Nuklearmedizin.<\/p>\n<p>Zu Beginn der Abkl\u00e4rung stehen die Anamnese und Tastuntersuchung des Halsbereichs. Im Rahmen der Anamnese wird u. a. genau auf die Vorgeschichte und m\u00f6gliche Beschwerden eingegangen \u2013 Antworten auf Fragen nach bekannten Schilddr\u00fcsenerkrankungen in der Familie, einer m\u00f6glichen therapeutischen Bestrahlung in der Vergangenheit, m\u00f6glichen Schluck- oder Atembeschwerden und anderen Auff\u00e4lligkeiten sowie weitere Informationen erm\u00f6glichen es dem Arzt, sich ein erstes Bild zu verschaffen. Weiters werden Laboruntersuchungen inklusive Bestimmung der Schilddr\u00fcsenhormone (T3, T4, Thyreoidea-stimulierendes-Hormon\/TSH) veranlasst. Eine weitere wichtige Untersuchung ist die Ultraschalluntersuchung der Schilddr\u00fcse. Sie erm\u00f6glicht es u. a., Gr\u00f6\u00dfen- und Strukturver\u00e4nderungen der Schilddr\u00fcse festzustellen, zu erkennen, ob sich Knoten in der Schilddr\u00fcse befinden und Gr\u00f6\u00dfe, Art und Ausma\u00df der knotigen Ver\u00e4nderungen zu beurteilen.<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrend kann eine sogenannte Szintigraphie (nuklearmedizinische Untersuchungsmethode) durchgef\u00fchrt werden um auff\u00e4llige Knoten weiter abzukl\u00e4ren. Bei dieser Untersuchung werden radioaktive Substanzen (Tracer; z. B. Natrium-99mTechnetium-Pertechnetat) in eine Vene injiziert, welche sich im Schilddr\u00fcsengewebe anreichern, was durch eine spezielle Kamera (Gammakamera) aufgezeichnet werden kann. Je aktiver Schilddr\u00fcsenzellen sind, umso mehr Tracer nehmen sie auf. Schilddr\u00fcsenkarzinome reichern in der Regel wenig Tracer an (kalter Knoten). Die jeweiligen Aktivt\u00e4ten werden farblich unterschiedlich dargestellt, wodurch man ein Bild der Schilddr\u00fcse erh\u00e4lt und den Stoffwechsel der Schilddr\u00fcse und einzelner Knoten beurteilen kann.<\/p>\n<p>Auff\u00e4lligkeiten, die sich aus der klinischen Untersuchung, Ultraschalluntersuchung und Szintigraphie ergeben werden im Rahmen einer Feinnadelpunktion weiter abgekl\u00e4rt. Dabei wird mit einer feinen Nadel Probematerial (Gewebe) entnommen und im histologischen Labor feingeweblich untersucht. Weitere m\u00f6gliche Untersuchungen sind u. a. die Magnetresonanztomographie (MRT) und die Computertomographie (CT). Der genaue Ablauf der weiterf\u00fchren Abkl\u00e4rung richtet sich nach der individuellen Situation des Patienten.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Wie sich die Behandlung gestaltet h\u00e4ngt von der Art des Karzinoms (papill\u00e4res, follikul\u00e4res, medull\u00e4res, anaplastisches Schilddr\u00fcsenkarzinom), vom Schweregrad\/der Ausbreitung der Erkrankung (Metastasierung) und von anderen Faktoren ab und wird individuell festgelegt.<\/p>\n<p>In der Regel wird die Schilddr\u00fcse im Rahmen einer Operation vollst\u00e4ndig oder teilweise entfernt (Thyreoidektomie); abh\u00e4ngig von der Gr\u00f6\u00dfe und Ausdehnung des Karzinoms k\u00f6nnen auch die Lymphknoten am Hals operiert werden. Die fehlende Schilddr\u00fcsenfunktion in Folge der operativen Entfernung der Schilddr\u00fcse werden durch die lebenslange Einnahme von Schilddr\u00fcsenhormonen in Form von Tabletten ersetzt. Beim papill\u00e4ren und follikul\u00e4ren Schilddr\u00fcsenkarzinom soll mit einer nach einigen Wochen nach der Operation anschlie\u00dfenden Radiojodtherapie m\u00f6glicherweise verbliebenes Karzinomgewebe zerst\u00f6rt werden. Im Rahmen der Therapie wird Jod-131 verabreicht, welches sich gezielt in verbliebenem Schilddr\u00fcsengewebe anreichert und zum Untergang des Gewebes f\u00fchrt. Daneben k\u00f6nnen, je nach Art des Karzinoms, noch weitere Behandlungsma\u00dfnahmen zum Einsatz kommen.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Nachsorge werden regelm\u00e4\u00dfige Kontrollen durchgef\u00fchrt (Ultraschalluntersuchungen, Laboruntersuchungen etc.). Die Heilungschancen bei Schilddr\u00fcsenkrebs h\u00e4ngen von der Art des Karzinoms, von der Ausbreitung und anderen Faktoren ab; in vielen F\u00e4llen ist die Prognose sehr gut.<\/p>\n<p>*Angaben variieren in der Literatur.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[66,2416,2457,2411],"tags":[161,75,2530,451,452],"class_list":["post-2462","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-gesundheitsnews","category-hals-nasen-ohrenheilkunde","category-krankheit","category-onkologie","tag-hno","tag-onkologie","tag-schilddruse","tag-schilddrusenkarzinom","tag-schilddrusenkrebs"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2462","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2462\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5208,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2462\/revisions\/5208"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}