{"id":2434,"date":"2020-12-03T08:00:27","date_gmt":"2020-12-03T08:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/alkoholismus\/"},"modified":"2023-09-29T10:18:27","modified_gmt":"2023-09-29T08:18:27","slug":"alkoholismus","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/alkoholismus\/","title":{"rendered":"Alkoholismus: die untersch\u00e4tzte Sucht"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Alkoholismus\/Alkoholabh\u00e4ngigkeit?<\/h2>\n<p>Der Konsum von Alkohol geh\u00f6rt seit Jahrtausenden zu den gesellschaftlichen Ritualen vieler V\u00f6lker und Kulturen und ist auch in unserer gegenw\u00e4rtigen Gesellschaft gang und g\u00e4be. Die Grenzen zwischen unbedenklichem, problematischem oder missbr\u00e4uchlichem Konsum und Alkoholabh\u00e4ngigkeit sind nicht leicht zu ziehen. Tatsache ist aber auch, dass alkoholabh\u00e4ngige Menschen sehr oft stigmatisiert werden, und ihr Umgang mit Alkohol wird h\u00e4ufig mit Charakterschw\u00e4che bzw. mangelnder Willensst\u00e4rke in Verbindung gebracht.<br \/>\nDemgegen\u00fcber steht die Tatsache und wissenschaftliche Erkenntnis, dass die Alkoholabh\u00e4ngigkeit eine hochkomplexe chronische Suchtkrankheit und Folge biologischer, genetischer, psychologischer Prozesse sowie sozialer Einfl\u00fcsse ist. Alkoholabh\u00e4ngigkeit ist mit zahlreichen k\u00f6rperlichen und psychischen Krankheiten vergesellschaftet und mit gro\u00dfem Leid f\u00fcr Betroffene und ihre Angeh\u00f6rigen verbunden.<br \/>\nM\u00e4nner sind deutlich h\u00e4ufiger betroffen als Frauen, und auch die Gef\u00e4hrdungsgrenzen sind f\u00fcr beide Geschlechter unterschiedlich:<\/p>\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"20%\"><\/td>\n<td width=\"40%\"><strong>Unbedenklicher Konsum<\/strong><\/td>\n<td width=\"40%\"><strong>Gesundheitsgef\u00e4hrdender Konsum<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"20%\"><strong>Frauen<\/strong><\/td>\n<td width=\"40%\">Bis 16 Gramm Alkohol pro Tag = ca. 0,4 Liter Bier\/ca. 0,2 Liter Wein<\/td>\n<td width=\"40%\">Ab 40 Gramm Alkohol pro Tag = ca. 1 Liter Bier\/ca. 0,5 Liter Wein<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"20%\"><strong>M\u00e4nner<\/strong><\/td>\n<td width=\"40%\">Bis 24 Gramm Alkohol pro Tag = ca. 0,6 Liter Bier\/ ca. 0,3 Liter Wein<\/td>\n<td width=\"40%\">Ab 60 Gramm Alkohol pro Tag = ca 1,5 Liter Bier\/ca. 0,75 Liter Wein<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Zudem werden zwei alkoholfreie Tage pro Woche sowohl Frauen als auch M\u00e4nnern empfohlen.<\/p>\n<p>Nach epidemiologischen Berechnungen sind f\u00fcnf Prozent der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung alkoholabha\u0308ngig und zw\u00f6lf Prozent gef\u00e4hrdet. Das hei\u00dft, dass mehr als 1,2 Millionen \u00d6sterreicher Alkohol in einem riskanten Ausma\u00df konsumieren, von diesen erf\u00fcllen 350.000 die Kriterien einer Alkoholabha\u0308ngigkeit und weitere 850.000 die Kriterien eines missbra\u0308uchlichen Konsums. Allerdings erh\u00e4lt derzeit nur eine Minderheit dieser Menschen eine suchtspezifische Therapie \u2013 nicht zuletzt deshalb, weil sich wegen der starken Stigmatisierung der Alkoholkrankheit nur sehr wenige Betroffene f\u00fcr die Inanspruchnahme einer Behandlung entscheiden.<\/p>\n<h2>Risikofaktoren<\/h2>\n<p>F\u00fcr die Entstehung der Alkoholkrankheit ist aus heutiger Sicht eine so genannte multifaktorielle Genese verantwortlich. Das hei\u00dft, dass es biologische, psychologische und soziale Faktoren gibt, die zusammenwirken und so zur Entwicklung einer Abha\u0308ngigkeit f\u00fchren.<br \/>\nFaktoren, die demgem\u00e4\u00df eine Rolle spielen sind:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>genetische Faktoren<\/strong>: Wenn beide Eltern alkoholabh\u00e4ngig sind, entwickeln rund 30 Prozent der Kinder sp\u00e4ter ebenfalls eine Alkoholkrankheit; Eineiige Zwillinge haben ein deutlich erh\u00f6htes Risiko alkoholkrank zu werden, wenn ein Zwilling betroffen ist.<\/li>\n<li><strong>Umgang mit Alkohol in der Familie und im Freundeskreis<\/strong>: Kinder lernen das Muster von Eltern, die Alkohol zur Bew\u00e4ltigung von Problemen oder als Muntermacher einsetzen. Wenn sp\u00e4ter im Freundeskreis viel getrunken wird, verst\u00e4rkt sich der Effekt.<\/li>\n<li><strong>traumatische oder belastende Erfahrungen<\/strong>: Vor allem Missbrauch oder Verluste nahestehender Personen stehen oft am Anfang der Entwicklung einer Abha\u0308ngigkeit. Auch Kinder, deren M\u00fctter nicht auf ihre Bed\u00fcrfnisse eingehen oder die ohne feste Bezugspersonen sind, werden sp\u00e4ter anf\u00e4lliger f\u00fcr die Alkoholkrankheit.<\/li>\n<li><strong>Alkohol als \u201eMedikament\u201c<\/strong>: Da unter Einfluss von Alkohol \u00c4ngste und Hemmungen kurzfristig reduziert werden, steigt f\u00fcr alle, die diesem Muster folgen, vor allem in schwierigen Lebenssituationen die Gefahr des Alkoholmissbrauchs und der Abha\u0308ngigkeit.<\/li>\n<li><strong>Alkohol als \u201eBelohnung\u201c<\/strong>: Alkohol erh\u00f6ht die Freisetzung des Neurotransmitters Dopamin, der das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert und Gl\u00fccksgef\u00fchle erzeugt. Menschen, die das bewusst und h\u00e4ufig einsetzen, werden unempfindlicher gegen Dopamin, brauchen mit der Zeit immer gr\u00f6\u00dfere Mengen an Alkohol und entwickeln ein heftiges Verlangen danach, wenn sie weniger oder nicht trinken.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Wann ist man alkoholabh\u00e4ngig?<\/h2>\n<p>Die Alkoholabh\u00e4ngigkeit entwickelt sich in der Regel nicht innerhalb kurzer Zeit, sondern ist ein schleichender Prozess, den viele Betroffene selbst zun\u00e4chst gar nicht wahrnehmen. Am Anfang steht oft gesellschaftlich motiviertes Trinken, und viele sp\u00e4tere Alkoholkranke beginnen auch zu trinken, weil sie glauben mit Alkohol ihre Probleme besser l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Ob jemand einen problematischen Alkoholkonsum pflegt, erkennt man auch daran, dass das Trinken von Alkohol f\u00fcr Betroffene eine Funktion \u00fcbernimmt: Man trinkt zum Stressabbau, zum Abschalten, um die Stimmung zu verbessern, um sich zu beruhigen, um Angst oder Schmerz zu l\u00f6sen,&#8230;<br \/>\nVon Alkoholabh\u00e4ngigkeit spricht man dann, wenn irgendwann w\u00e4hrend des vergangenen Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig aufgetreten sind:<\/p>\n<ul>\n<li>zwanghaftes Trinken<\/li>\n<li>Verlust der Kontrolle \u00fcber die aufgenommene Alkoholmenge<\/li>\n<li>Auftreten von Entzugssymptomen, wenn der Alkoholkonsum eingeschr\u00e4nkt wird<\/li>\n<li>Entstehen einer Toleranz: Es sind immer h\u00f6here Mengen an Alkohol n\u00f6tig um die gew\u00fcnschte Wirkung zu erzielen.<\/li>\n<li>Vernachl\u00e4ssigung von Freizeitaktivit\u00e4ten und erh\u00f6hter Zeitaufwand f\u00fcr Beschaffung, Konsum und Erholung von Alkohol<\/li>\n<li>Anhaltender Alkoholkonsum trotz des Wissens um negative Folgen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Von sch\u00e4dlichem Gebrauch von Alkohol spricht man, wenn nachweislich eine sowohl k\u00f6rperliche als auch psychische sch\u00e4digende Wirkung durch Alkohol, nicht aber eine tats\u00e4chliche Abha\u0308ngigkeit vorliegt.<\/p>\n<h2>\u00c4u\u00dfere Symptome einer Alkoholabha\u0308ngigkeit<\/h2>\n<p>Menschen, die schon seit l\u00e4ngerer Zeit einen erh\u00f6hten Alkoholkonsum pflegen, fallen oft durch leicht erkennbare Symptome bzw. durch k\u00f6rperliche und psychische Merkmale auf, die allerdings auch andere Ursachen haben k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6ren etwa:<\/p>\n<ul>\n<li>Alkoholgeruch bzw. Alkoholfahne<\/li>\n<li>akuter Rauschzustand<\/li>\n<li>Zittern der H\u00e4nde<\/li>\n<li>starkes Schwitzen<\/li>\n<li>Hautver\u00e4nderungen<\/li>\n<li>Gangunsicherheit<\/li>\n<li>Bluthochdruck<\/li>\n<li>depressive Verstimmungen<\/li>\n<li>sexuelle Funktionsst\u00f6rungen<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Phasen der Alkoholabh\u00e4ngigkeit<\/h2>\n<p>Nicht alle Alkoholerkrankungen verlaufen gleich, aber es gibt auff\u00e4llige \u00c4hnlichkeiten. Deshalb haben Wissenschaftler (vor allem der US-amerikanische Physiologe Elvin Morton Jellinek) schon in den 1950er Jahren das Modell eines Phasenverlaufs entwickelt und beschrieben. Das Modell Jellineks gibt auch heute noch einen groben \u00dcberblick \u00fcber den Verlauf einer Alkoholsucht. Die einzelnen Phasen dieses Modells k\u00f6nnen unterschiedlich lange andauern bzw. k\u00f6nnen verschiedene Symptome auch gleichzeitig auftreten. Sicher ist auch, dass im Lauf der Erkrankung die Folgesch\u00e4den immer weiter zunehmen. Jellinek unterscheidet folgende Phasen:<\/p>\n<h3>Voralkoholische Phase<\/h3>\n<p>Es kommt zu gelegentlichem oder dauerhaftem Erleichterungstrinken, und Alkohol wird immer mehr dazu eingesetzt, Spannungen abzubauen und Probleme zu \u201ebew\u00e4ltigen\u201c. Die Trinkh\u00e4ufigkeit nimmt zu.<\/p>\n<h3>Anfangsphase<\/h3>\n<p>Infolge des hohen Alkoholkonsums treten Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen oder Blackouts auf, und auch das Verhalten \u00e4ndert sich. Die Betroffenen beginnen heimlich zu trinken und haben dabei ein schlechtes Gewissen.<\/p>\n<h3>Kritische Phase<\/h3>\n<p>Es besteht keine Kontrolle mehr \u00fcber das Trinken, und andere Interessen werden zugunsten des Alkohols vernachl\u00e4ssigt. Wenn nicht getrunken wird, treten k\u00f6rperliche Entzugserscheinungen wie Zittern oder Schwei\u00dfausbr\u00fcche auf. Die Betroffenen versuchen, gegen die Erkrankung anzuk\u00e4mpfen, scheitern dabei aber immer wieder. Es kommt zu Konflikten mit Familie, Freunden und am Arbeitsplatz sowie zum R\u00fcckzug der Betroffenen.<\/p>\n<h3>Chronische Phase<\/h3>\n<p>Alkohol dominiert das Leben der Betroffenen und oft auch das ihrer Angeh\u00f6rigen. Ein Leben oder Arbeiten ohne Alkohol ist nicht mehr m\u00f6glich. Oft sind die Alkoholkranken in dieser Phase tagelang im Rausch oder haben permanent einen hohen Alkoholspiegel ohne die Auff\u00e4lligkeit eines Rausches. Toleranzverlust kann einsetzen, das hei\u00dft, dass Alkohol nicht mehr so wie vorher vertragen wird, und dass geringe Mengen ausreichen, um betrunken zu werden. Pers\u00f6nlichkeitsver\u00e4nderungen zeigen sich, das soziale Leben ist stark beeintr\u00e4chtigt, und K\u00f6rper und Psyche nehmen erheblichen Schaden.<\/p>\n<h2>Alkoholikertypologie<\/h2>\n<p>Es gibt mehrere Klassifikationssysteme, die versuchen, Menschen, die einen problematischen Alkoholkonsum aufweisen, einzuteilen. Die bekannteste und in der Medizin h\u00e4ufig noch immer gebr\u00e4uchliche Alkoholikertypologie stammt von Elvin Morton Jellinek. Er unterscheidet f\u00fcnf Typen von \u201eAlkoholikern\u201c:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Alpha-Trinker (Problemtrinker)<\/strong>: Diese Menschen trinken, um seelische Belastungen leichter zu ertragen. Es besteht keine k\u00f6rperliche, wohl aber eine psychische Abha\u0308ngigkeit. Das Trinkverhalten ist undiszipliniert, es kommt aber nicht zu einem Kontrollverlust. Gesundheitssch\u00e4den und soziale Auff\u00e4lligkeiten k\u00f6nnen auftreten, und ein \u00dcbergang in die Alkoholabha\u0308ngigkeit vom Gamma-Typ (siehe weiter unten) ist h\u00e4ufig.<\/li>\n<li><strong>Beta-Trinker (Gelegenheitstrinker)<\/strong>: Diese Menschen trinken, weil sie damit gesellschaftliche Konsummuster \u00fcbernehmen. Sie sind zwar weder k\u00f6rperlich noch psychisch abh\u00e4ngig, aber leicht zum Konsum zu verleiten und zeigen aufgrund des Trinkens unverantwortliche Handlungsmuster, mit denen sie ihre Gesundheit sch\u00e4digen. Beta-Trinker gelten als suchtgef\u00e4hrdet. Es kommt h\u00e4ufig zum \u00dcbergang in die Alkoholabha\u0308ngigkeit vom Delta-Typ.<\/li>\n<li><strong>Gamma-Trinker (Suchttrinker)<\/strong>: Diese Menschen trinken und erfahren dabei Kontrollverlust. Der erste Schluck Alkohol l\u00f6st bei ihnen zunehmend ein scheinbar unstillbares Verlangen nach immer mehr Alkohol aus. Trinkexzesse und unauff\u00e4llige Phasen wechseln einander ab. Gamma-Trinker sind psychisch st\u00e4rker abh\u00e4ngig als k\u00f6rperlich.<\/li>\n<li><strong>Delta-Trinker (Spiegeltrinker)<\/strong>: Diese Menschen ben\u00f6tigen eine bestimmte Mindestmenge an Alkohol, um sich gut zu f\u00fchlen. Ohne Alkohol leiden sie h\u00e4ufig unter unerwartet heftigen Entzugserscheinungen wie Zittern, Durchfall und Schlaflosigkeit, und sie fallen sozial eher auf. Delta-Trinker sind k\u00f6rperlich st\u00e4rker abh\u00e4ngig als psychisch.<\/li>\n<li><strong>Epsilon-Trinker (Quartalstrinker)<\/strong>: Diese Menschen k\u00f6nnen \u00fcber Monate abstinent sein, haben aber immer wieder Episoden exzessiven Alkoholkonsums, in denen sie auch Kontrollverlust erfahren. Die Trinkexzesse k\u00f6nnen tagelang andauern und zu vor\u00fcbergehendem Ged\u00e4chtnisschwund (Blackouts) und illusion\u00e4rer Verkennung f\u00fchren. Nach einer solchen Phase folgt in der Regel wieder eine Phase der Abstinenz. Epsilon-Trinker sind psychisch abh\u00e4ngig.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Diagnose der Alkoholabha\u0308ngigkeit<\/h2>\n<p>Die Diagnose der Alkoholabha\u0308ngigkeit ist oft schwierig, nicht zuletzt deshalb, weil viele Betroffene aufgrund der starken Stigmatisierung der Krankheit ihren Alkoholkonsum vor sich selbst, ihren Angeh\u00f6rigen und auch ihren \u00c4rzten herunterspielen oder sogar versuchen, ihn ganz zu verheimlichen.<br \/>\nWichtig ist daher die Einf\u00fchlsamkeit des Arztes bei der genauen k\u00f6rperlichen Untersuchung und dem ausf\u00fchrlichen Anamnesegespr\u00e4ch, in dem er auch auf typische k\u00f6rperliche und psychische Anzeichen (siehe dazu auch Symptome) achten und eventuell Aussagen von Angeh\u00f6rigen mitber\u00fccksichtigen muss. Hilfreich f\u00fcr die Diagnostik sind weiters spezifische Frageb\u00f6gen wie der AUDIT oder der CAGE-Fragebogen, die helfen k\u00f6nnen abzusch\u00e4tzen, ob eine Abha\u0308ngigkeit vorliegt.<br \/>\nWas die k\u00f6rperliche Untersuchung betrifft, so werden auch bestimmte Laborparameter genutzt. Dazu z\u00e4hlen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>die Bestimmung von Gamma-GT<\/strong>: Das ist ein Enzym, das vor allem in der Leber, aber auch in den Nieren, Galleng\u00e4ngen und im Darm vorkommt und Hinweise auf entsprechende Erkrankungen liefert. Bei chronischem Alkoholkonsum kommt es zu einer GGT-Erh\u00f6hung.<\/li>\n<li><strong>die Bestimmung von CDT (Carbohydrate Deficient Transferrin rel.)<\/strong>: Das ist ein in der Leber gebildeter Bluteiwei\u00dfstoff. Eine Erh\u00f6hung von CDT ist fast nur bei chronischem Alkoholkonsum gegeben. CDT wird auch bestimmt, um einen R\u00fcckfall nach einer Alkoholentzugstherapie nachzuweisen.<\/li>\n<li><strong>die Bestimmung von MCV (Mittleres Zellvolumen)<\/strong>: Es beziffert das durchschnittliche Volumen der roten Blutk\u00f6rperchen. Dieser Wert ist bei chronischem Alkoholmissbrauch erh\u00f6ht.<\/li>\n<li><strong>die Bestimmung weiterer Leberwerte wie GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase) und GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase)<\/strong>: Auch diese Werte liefern Hinweise auf etwaige bereits bestehende Lebersch\u00e4digungen.<\/li>\n<li>Zudem wird die Bestimmung von EtG (Ethylglucuronid) in Haaren und PEth (Phosphatidylethanol) im Blut zur Diagnostik herangezogen. Das sind so genannte direkte Zustandsmarker f\u00fcr Alkoholkonsum.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Diagnose der Alkoholabha\u0308ngigkeit erfolgt in Europa nach dem so genannten ICD-10 und umfasst folgende Punkte:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren<\/strong>: Man spricht hier auch von Craving, und dieses Craving hat nichts mit dem \u201eGusto\u201c oder der Vorfreude auf einen bestimmten Konsum zu tun, sondern stellt ein fast unstillbares Verlangen, Alkohol zu sich zu nehmen, dar.<\/li>\n<li><strong>verminderte Kontrollf\u00e4higkeit bez\u00fcglich Beginn, Beendigung und Menge des Alkoholkonsums<\/strong>: Das hei\u00dft, dass Alkoholkranke sich zwar oft vornehmen, weniger und seltener zu trinken, aber es gelingt ihnen in der Regel nicht mehr.<\/li>\n<li>Alkoholkonsum mit dem Ziel der Linderung von Entzugssymptomen und der Wiederherstellung der entsprechenden positiven Erfahrung<\/li>\n<li><strong>ein k\u00f6rperliches Entzugssyndrom<\/strong>: Das Entzugssyndrom tritt meist bei einem regelm\u00e4\u00dfigen bzw. t\u00e4glichen Konsum auf, \u00e4u\u00dfert sich vor allem durch Zittern, Schwitzen und Schlaflosigkeit sowie innere Unruhe, morgendliche \u00dcbelkeit bis zum Erbrechen und findet vorerst rasch Linderung durch neuerlichen Alkoholkonsum. Das Entzugssyndrom kann unbehandelt in ein lebensbedrohliches Alkoholentzugsdelir \u00fcbergehen. Dabei handelt es sich um einen Zustand der psychomotorischen Unruhe, Orientierungsst\u00f6rungen und optische Halluzinationen.<\/li>\n<li><strong>Nachweis einer Toleranz<\/strong>: Um die urspr\u00fcnglich durch niedrige Dosen hervorgerufene Wirkung zu erreichen, sind zunehmend h\u00f6here Dosen erforderlich, die bei Konsumenten ohne Toleranzentwicklung zu schweren Beeintr\u00e4chtigungen oder sogar zum Tod f\u00fchren w\u00fcrden.<\/li>\n<li><strong>ein eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit Alkohol<\/strong>: Das ist zum Beispiel die Tendenz, sich nicht an gesellschaftlich \u00fcbliche Abstinenzzeiten zu halten und immer den gleichen Umgang mit Alkohol zu pflegen.<\/li>\n<li>fortschreitende Vernachl\u00e4ssigung anderer Vergn\u00fcgungen und Interessen<\/li>\n<li>anhaltender Alkoholkonsum trotz Nachweis eindeutig sch\u00e4dlicher Folgen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr die Diagnose Abha\u0308ngigkeit m\u00fcssen nach dieser Klassifikation w\u00e4hrend des letzten Jahres mindestens drei der genannten Kriterien zutreffen.<\/p>\n<h2>Behandlung der Alkoholabha\u0308ngigkeit<\/h2>\n<p>In der Behandlung der Alkoholabha\u0308ngigkeit hat in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel stattgefunden. War fr\u00fcher das Therapieziel immer absolute Abstinenz, so geht man heute davon aus, dass es in bestimmten F\u00e4llen m\u00f6glich ist, die Patienten zu einem kontrollierten, das hei\u00dft gesundheitlich und sozial angemessenen Alkoholkonsum heranzuf\u00fchren. Fachleute sprechen hier auch von reduziertem oder moderatem Trinken und sehen die Gruppe der Menschen mit hochproblematischem Trinkverhalten, die aber noch nicht k\u00f6rperlich abh\u00e4ngig sind, als Hauptzielgruppe daf\u00fcr. Bei k\u00f6rperlicher und starker psychischer Abh\u00e4ngigkeit bleibt hingegen nur die Abstinenz als Therapieziel.<\/p>\n<p>Die konkrete Behandlung der Alkoholsucht findet meist in vier aufeinanderfolgenden Phasen statt:<\/p>\n<h3>Vorbereitungsphase<\/h3>\n<p>Hier geht es darum, die Therapie vorzubereiten und vor allem auch eine Motivation aufzubauen, die eine Behandlung grunds\u00e4tzlich erst erm\u00f6glicht. Schl\u00fcsselpersonen in dieser Phase sind Haus\u00e4rzte, Suchtberatungsstellen, Psychologen und Psychotherapeuten.<\/p>\n<h3>Entzugs- oder Entgiftungsphase<\/h3>\n<p>In dieser Phase, die nur wenige Tage dauert, findet der k\u00f6rperliche Alkoholentzug statt. Da in dieser Zeit oft starke k\u00f6rperliche Entzugserscheinungen auftreten, wird der Entzug meist station\u00e4r und mit Unterst\u00fctzung von Medikamenten durchgef\u00fchrt. Die Substanzen, die dabei eingesetzt werden, sind beruhigende Antidepressiva, Neuroleptika und Benzodiazepine (Beruhigungsmittel). In leichteren F\u00e4llen kann der Entzug auch ambulant geschehen, wobei die Patienten etwa durch einen niedergelassenen Facharzt betreut werden.<\/p>\n<h3>Entw\u00f6hnungs- und Rehabilitationsphase<\/h3>\n<p>In dieser Phase, die l\u00e4ngere Zeit in Anspruch nimmt, geht es darum, die Patienten k\u00f6rperlich, psychisch und sozial zu stabilisieren. Schl\u00fcsselpersonen sind hier meist Psychotherapeuten, Sozialtherapeuten und medizinische Fachkr\u00e4fte, die eng zusammenarbeiten und die Betroffenen mit Hilfe umfassender, individueller Ma\u00dfnahmen unterst\u00fctzen. Diese Ma\u00dfnahmen richten sich nach der Schwere der Abha\u0308ngigkeit und der Motivation der Patienten, und die Behandlung kann entweder station\u00e4r, teilstation\u00e4r oder ambulant erfolgen.<\/p>\n<h3>Phase der Nachsorge<\/h3>\n<p>Nun geht es darum, die Behandlungserfolge zu stabilisieren. Das kann zum Beispiel die weitere Teilnahme an einer Psychotherapie, den regelm\u00e4\u00dfigen Besuch von Beratungsterminen bei einer Suchtberatungsstelle oder den ebenfalls regelm\u00e4\u00dfigen Austausch mit Gleichbetroffenen in einer Selbsthilfegruppe bedeuten und ist sehr wichtig, um langfristig abstinent zu bleiben oder das Therapieziel des reduzierten Trinkens einzuhalten.<\/p>\n<p>Bei Patienten, die \u201enur\u201c einen riskanten oder sch\u00e4dlichen Umgang mit Alkohol pflegen und nicht k\u00f6rperlich abh\u00e4ngig sind, entf\u00e4llt die Phase des Entzugs, und die Phasen der Entw\u00f6hnung und Nachsorge finden in der Regel ambulant statt \u2013 zum Beispiel in Form einer Psychotherapie oder regelm\u00e4\u00dfiger Einzel- oder Gruppengespr\u00e4che in einer Suchtberatungseinrichtung.<\/p>\n<p>Wichtig zu wissen ist auch, dass es selbst nach einer erfolgreichen Therapie h\u00e4ufig zu R\u00fcckf\u00e4llen kommen kann. Das betrifft etwa 50 bis 60 Prozent der Patienten, die an einer Therapie teilgenommen haben. Doch Untersuchungen an Alkoholabh\u00e4ngigen zeigen, dass nicht jeder einmalige \u201eAusrutscher\u201c automatisch zum R\u00fcckfall in die alten Verhaltensmuster f\u00fchrt. Manchen Betroffenen gelingt es durchaus, aus kleineren R\u00fcckf\u00e4llen selbst oder mit therapeutischer Unterst\u00fctzung wieder zur Abstinenz zu finden. Wichtig dabei ist unter anderem die Bewertung und Verarbeitung des Ausrutschers durch die Betroffenen selbst: Eine negative Bewertung mit Schuld- und Schamgef\u00fchlen erh\u00f6ht die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem vollst\u00e4ndigen R\u00fcckfall kommt; bei einer konstruktiven Verarbeitung des kleinen R\u00fcckfalls mit der Bereitschaft, es in Zukunft anders zu machen, ist diese Wahrscheinlichkeit geringer.<\/p>\n<h2>M\u00f6gliche Folgen der Alkoholabha\u0308ngigkeit<\/h2>\n<p>Menschen, die \u00fcber lange Zeit und in gro\u00dfen Mengen Alkohol konsumieren, haben eine deutlich verk\u00fcrzte Lebenserwartung und ein hohes Risiko, zahlreiche schwere k\u00f6rperliche und psychische Folgeerkrankungen zu entwickeln.<\/p>\n<h3>K\u00f6rperliche Folgeerkrankungen<\/h3>\n<p>Sehr h\u00e4ufig kommt es zu Erkrankungen der Leber: Sie vergr\u00f6\u00dfert sich zun\u00e4chst (Fettleber) und wird sp\u00e4ter chronisch gesch\u00e4digt (Leberzirrhose). Zudem k\u00f6nnen Entz\u00fcndungen der Bauchspeicheldr\u00fcse, Sch\u00e4digungen der Skelett- und Herzmuskulatur, St\u00f6rungen im Herz-Kreislaufsystem und Sch\u00e4digungen der Magen- und Darmschleimhaut auftreten.<\/p>\n<p>Auch das Risiko f\u00fcr bestimmte Krebserkrankungen wie Mund-, Rachen-, Speiser\u00f6hren- oder Brustkrebs ist bei chronisch \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Alkoholkonsum erh\u00f6ht.<br \/>\nWeiters kann es zu Potenzst\u00f6rungen sowie Blutbildungsst\u00f6rungen oder Blutarmut kommen.<br \/>\nAuch die Nervenzellen im Gehirn und die Nerven des K\u00f6rpers werden durch einen chronisch erh\u00f6hten Alkoholkonsum angegriffen: Mit der Zeit kommt es Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblemen, das Lernen f\u00e4llt schwer, und die Ged\u00e4chtnisf\u00e4higkeit ist gest\u00f6rt. Eine andere Folge der Nervensch\u00e4digung ist die Polyneuropathie: Dabei treten Empfindungsst\u00f6rungen, Kribbeln und sp\u00e4ter Bewegungseinschr\u00e4nkungen der Beine auf.<\/p>\n<p>Eine sehr schwere, nicht selten t\u00f6dlich verlaufende Folgeerkrankung ist die so genannte Wernicke-Enzephalopathie, die sich in Augensymptomen, Gang- und Bewusstseinsst\u00f6rungen \u00e4u\u00dfert. Auch Herzrasen, Atembeschwerden und ein pl\u00f6tzlicher lebensgef\u00e4hrlicher Blutdruckabfall k\u00f6nnen auftreten. Selbst wenn Betroffene das aufgrund \u00e4rztlicher Intervention \u00fcberleben, leiden sie in Folge meist dauerhaft am Korsakow-Syndrom: Das bedeutet, dass sie zwar bewusstseinsklar, aber zeitlich und \u00f6rtlich desorientiert sind. Zudem bestehen schwere Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen, die oft mit so genannten Konfabulationen kompensiert werden. Darunter versteht man in der Medizin das Erz\u00e4hlen von frei erfundenen, objektiv falschen Begebenheiten oder Informationen, die keinen Zusammenhang zur Realit\u00e4t haben, die Betroffene aber in dem Moment f\u00fcr wahr halten.<\/p>\n<h3>Psychische St\u00f6rungen im Zusammenhang mit Alkoholismus<\/h3>\n<p>Die Alkoholproblematik tritt auch sehr h\u00e4ufig zusammen mit anderen psychischen St\u00f6rungen auf. Am h\u00e4ufigsten sind in diesem Zusammenhang depressive St\u00f6rungen, Angstst\u00f6rungen, Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen (vor allem Borderline-Typ) und Medikamentenmissbrauch. Viele dieser St\u00f6rungen k\u00f6nnen eine Folge des Alkoholproblems sein, aber sie k\u00f6nnen auch schon vorher bestanden und m\u00f6glicherweise das problematische Trinken ausgel\u00f6st haben.<\/p>\n<h3>Soziale Folgen<\/h3>\n<p>Auch die sozialen Folgen der Alkoholabha\u0308ngigkeit sind weitreichend und betreffen insbesondere die Bereiche Familie, Arbeit und \u00d6ffentlichkeit. Zerr\u00fcttete Familien, Arbeitsunf\u00e4lle, Entlassungen, Arbeitslosigkeit und delinquentes Verhalten m\u00fcssen dazu gez\u00e4hlt werden, und Angeh\u00f6rige von Alkoholkranken tragen in der Regel viel Leid mit.<\/p>\n<h2>Welcher Arzt behandelt Alkoholabha\u0308ngigkeit?<\/h2>\n<p>Erste Ansprechpartner sind oft <a href=\"\/suche\/praktischer-arzt\">Haus\u00e4rzte<\/a>, <a href=\"\/suche\/psychiater\">Psychiater<\/a>, Psychologen und Psychotherapeuten. Sie alle k\u00f6nnen auch in den Behandlungsprozess involviert sein. Die Therapie selbst erfolgt erfolgt meist in spezialisierten station\u00e4ren oder ambulanten Einrichtungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,5,78,66,2424,2448,2457,2408,2444,2413],"tags":[387,388,2528,2527,108,390,72,189,391,487],"class_list":["post-2434","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-familie","category-gastroenterologie","category-gesundheitsnews","category-hepatologie","category-innere-medizin","category-krankheit","category-neurologie","category-psychiatrie","category-psychologie","tag-abhangigkeit","tag-alkohol","tag-alkoholabhangigkeit","tag-alkoholismus","tag-allgemeinmedizin","tag-entzug","tag-genetik","tag-psychiatrie","tag-sucht","tag-vererbung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2434","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2434\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12747,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2434\/revisions\/12747"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2435"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2434"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2434"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2434"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}