{"id":2419,"date":"2021-01-04T07:08:24","date_gmt":"2021-01-04T07:08:24","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/haemangiom-blutschwamm\/"},"modified":"2023-02-16T22:23:46","modified_gmt":"2023-02-16T21:23:46","slug":"haemangiom-blutschwamm","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/haemangiom-blutschwamm\/","title":{"rendered":"H\u00e4mangiom (Blutschwamm)"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist ein H\u00e4mangiom?<\/h2>\n<p>Ein H\u00e4mangiom ist ein gutartiger Tumor der Blutgef\u00e4\u00dfe, der bei Neugeborenen und S\u00e4uglingen vorkommt. Ein H\u00e4mangiom wird umgangssprachlich auch als Blutschwamm oder Erdbeerfleck bezeichnet und macht sich h\u00e4ufig als roter und erhabener Fleck bemerkbar. Prinzipiell kann ein H\u00e4mangiom an allen K\u00f6rperstellen auftreten, bevorzugt betroffen sind Kopf und Hals. H\u00e4mangiome bilden keine Metastasen, ab einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe k\u00f6nnen sie jedoch gegen Organe oder andere Strukturen dr\u00fccken und so diverse Symptome verursachen. Dar\u00fcber hinaus stellen sie h\u00e4ufig ein kosmetisches Problem dar.<\/p>\n<p>H\u00e4mangiome sind die h\u00e4ufigsten gutartigen Tumoren des Kindesalters. Die Blutschw\u00e4mmchen treten bei etwa drei Prozent aller reifgeborenen und zehn Prozent aller fr\u00fchgeborenen Kinder auf*, M\u00e4dchen sind h\u00e4ufiger betroffen als Jungen. Ist der Blutschwamm von Geburt an vorhanden, handelt es sich um ein kongenitales H\u00e4mangiom, entsteht es im Laufe der ersten Lebenswochen, ist von einem infantilen H\u00e4mangiom die Rede. Letztgenanntes kommt \u00f6fter vor als das kongenitale H\u00e4mangiom.<\/p>\n<h2>Warum hat mein Kind einen Blutschwamm?<\/h2>\n<p>Zusammengefasst entstehen H\u00e4mangiome durch Ver\u00e4nderungen im Bereich der Blutgef\u00e4\u00dfe. Die einem H\u00e4mangiom zugrunde liegenden Ursachen sind bislang nicht vollst\u00e4ndig bekannt, angenommen wird, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. Als Risikofaktoren gelten u. a. Fr\u00fchgeburtlichkeit (bei fr\u00fchgeborenen Kindern kommen H\u00e4mangiome h\u00e4ufiger vor), Mehrlingsschwangerschaft, Alter der Mutter \u00fcber 30 Jahre und geringes Gewicht bei der Geburt (unter 2.500 Gramm).<\/p>\n<h2>Wie verl\u00e4uft die Erkrankung?<\/h2>\n<p>Infantile H\u00e4mangiome treten typischerweise in den ersten Tagen oder Wochen nach der Geburt auf. Sie machen sich als rote bzw. r\u00f6tlich-bl\u00e4uliche Punkte, Flecken oder Knoten, die flach oder erhaben sein k\u00f6nnen bemerkbar. Die Anzahl, Ausdehnung und Lokalisation von H\u00e4mangiomen k\u00f6nnen sehr unterschiedlich sein. Sie k\u00f6nnen lokal auftreten oder sich fl\u00e4chig ausbreiten und nach au\u00dfen stark hervortreten, auch k\u00f6nnen sie in die Tiefe wachsen oder alles gleichzeitig. Kopf und Hals sind u. a. jene Stellen, an welchen H\u00e4mangiome bevorzugt auftreten, was aus \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden h\u00e4ufig einen zus\u00e4tzlichen Leidensdruck bedeutet.<\/p>\n<p>In der Regel durchl\u00e4uft ein H\u00e4mangiom mehrere Phasen, darunter u. a. eine Wachstumsphase, w\u00e4hrend welcher das H\u00e4mangiom in Bezug auf Ausbreitung und Gr\u00f6\u00dfe unterschiedlich schnell zunimmt, eine Stillstandsphase und eine R\u00fcckbildungsphase. Die R\u00fcckbildungsphase verl\u00e4uft je nach Lokalisation und Gr\u00f6\u00dfe des H\u00e4mangioms unterschiedlich schnell und ist nicht selten erst im Alter von neun bis zehn Jahren abgeschlossen. In manchen F\u00e4llen zeigen H\u00e4mangiome keine Tendenz zur R\u00fcckbildung.<\/p>\n<h2>Sind Blutschw\u00e4mme gef\u00e4hrlich?<\/h2>\n<p>H\u00e4mangiome k\u00f6nnen, m\u00fcssen jedoch nicht zwangsl\u00e4ufig Komplikationen verursachen. H\u00e4ufig verursachen H\u00e4mangiome keine weiteren Beschwerden \u2013 kleinere H\u00e4mangiome, die beispielsweise im Bereich vom Rumpf oder der Extremit\u00e4ten auftreten und nicht oder nur sehr langsam wachsen gehen in vielen F\u00e4llen mit keinen weiteren Beeintr\u00e4chtigungen oder Komplikationen einher.<\/p>\n<p>In anderen F\u00e4llen f\u00fchrt ein H\u00e4mangiom allerdings zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen. Deren Art und Schwere ist von der Lokalisation des H\u00e4mangioms und anderen Faktoren abh\u00e4ngig. Beispielsweise kann ein Blutschwamm im Bereich des Augenlids die Augen\u00f6ffnung beeintr\u00e4chtigen und zu Sehbehinderungen f\u00fchren, im Bereich des Mundes kann es zu Problemen bei der Nahrungsaufnahme oder zu Deformierungen der Lippen kommen. Wachsen H\u00e4mangiome an Stellen, an welchen Hautfl\u00e4chen \u00f6fter (aneinander) reiben (z. B. Achseln, Windelbereich) kann es zu offenen Wunden, bakteriellen Infektionen und Schmerzen kommen. Allgemein gehen im Kopf- und Gesichtsbereich lokalisierte H\u00e4mangiome wie beispielsweise Oberlippenh\u00e4mangiome, Glabellah\u00e4mangiome (H\u00e4mangiome in der Region zwischen den Augenbrauen), periorbitale H\u00e4mangiome (H\u00e4mangiome im Bereich der Augenh\u00f6hle) oder H\u00e4mangiome der Nase mit einer Gef\u00e4hrdung der Entwicklung von Sinnesorganen einher. Unter Umst\u00e4nden k\u00f6nnen H\u00e4mangiome auch zu Atemwegskomplikationen, einer Herz-Kreislauf-Belastung oder zur Beeintr\u00e4chtigung anderer wichtiger Organsysteme f\u00fchren.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sind Blutschw\u00e4mme oft kosmetisch st\u00f6rend. Viele sind an sich zwar unbedenklich, werden aufgrund ihrer Lage jedoch als problematisch oder gar als starke \u00e4sthetische Beeintr\u00e4chtigung empfunden, was f\u00fcr Eltern und sp\u00e4ter auch f\u00fcr die betroffenen Kinder einen zus\u00e4tzlichen Leidensdruck bedeutet.<\/p>\n<p>In vielen F\u00e4llen bilden sich infantile H\u00e4mangiome von selbst zur\u00fcck. Bei kleineren H\u00e4mangiomen bleiben h\u00e4ufig keine Restsymptome zur\u00fcck, bei gr\u00f6\u00dferen Blutschw\u00e4mmen k\u00f6nnen sichtbar erweiterte Hautgef\u00e4\u00dfe, Areale ausged\u00fcnnter Haut und Pigmentver\u00e4nderungen zur\u00fcckbleiben. Allgemein gilt, dass die m\u00f6glicherweise zur\u00fcckbleibenden Restsymptome bzw. sichtbaren Ver\u00e4nderungen sp\u00e4ter umso ausgepr\u00e4gter sind, je gr\u00f6\u00dfer das H\u00e4mangiom in seiner maximalen Ausdehnung war.<\/p>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Symptome und m\u00f6glichen Komplikationen dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom Anzeichen f\u00fcr eine andere Erkrankung sein. Im Zweifelsfall sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Welche Untersuchungen sind n\u00f6tig?<\/h2>\n<p>Ansprechpartner bei Hautver\u00e4nderungen und bei Verdacht auf ein H\u00e4mangiom bei Kindern ist der <a href=\"\/suche\/kinderarzt\">Kinderarzt<\/a>. Zu Beginn steht die Anamnese, im Rahmen welcher sich der Arzt nach der Krankengeschichte des Kindes, den Hautver\u00e4nderungen (Dauer des Bestehens, m\u00f6gliche Gr\u00f6\u00dfenver\u00e4nderungen etc.), m\u00f6glichen Beschwerden und anderen Punkten erkundigt. Im Anschluss erfolgt eine k\u00f6rperliche Untersuchung, bei welcher u. a. die Hautver\u00e4nderungen inspiziert werden und die restliche Haut genau untersucht wird. Eine Vermessung und Fotodokumentation der Hautver\u00e4nderungen bzw. des Blutschwamms erm\u00f6glichen es, Ver\u00e4nderungen \u00fcber die Zeit festzustellen und festzuhalten. Unter Umst\u00e4nden k\u00f6nnen noch weitere Untersuchungen (z. B. Ultraschalluntersuchung, Magnetresonanztomographie) notwendig sein, etwa um H\u00e4mangiome im Bereich der Organe nachzuweisen. Welche Untersuchungen durchgef\u00fchrt werden und wie sich die Abkl\u00e4rung genau gestaltet richtet sich nach der individuellen Situation des Patienten.<\/p>\n<h2>Mu\u00df ein H\u00e4mangiom behandelt werden?<\/h2>\n<p>Ein H\u00e4mangiom muss nicht zwangsl\u00e4ufig behandelt werden. Ob eine Behandlung erforderlich bzw. ratsam ist h\u00e4ngt von der Lokalisation, Gr\u00f6\u00dfe und Ausdehnung des H\u00e4mangioms ab.<\/p>\n<p>Bei kleineren und unproblematisch liegenden H\u00e4mangiomen sind zumeist Abwarten und regelm\u00e4\u00dfige Kontrollen die \u201cTherapie\u201c der Wahl, denn in vielen F\u00e4llen bilden sich H\u00e4mangiome von alleine zur\u00fcck. Anders ist die Situation bei stark wachsenden oder gro\u00dffl\u00e4chigen Blutschw\u00e4mmen, bei H\u00e4mangiomen, die eine starke \u00e4sthetische Beeintr\u00e4chtigung darstellen und funktionsbeeintr\u00e4chtigenden H\u00e4mangiomen bzw. solchen, die aufgrund ihrer Lage zu Beschwerden und Komplikationen f\u00fchren k\u00f6nnen.<br \/>\nHierzu z\u00e4hlen z. B. sehr gro\u00dfe H\u00e4mangiome, die zu einer Herz-Kreislauf-Belastung f\u00fchren k\u00f6nnen, H\u00e4mangiome am Auge, die zu einer Sehbehinderung f\u00fchren k\u00f6nnen, H\u00e4mangiome, welche die Ohren beeintr\u00e4chtigen oder zu Problemen bei der Nahrungsaufnahme, Verformungen im Kieferbereich oder Atembeschwerden f\u00fchren k\u00f6nnen sowie H\u00e4mangiome in der Anogenitalregion, die durch Infektionen und Blutungen problematisch werden k\u00f6nnen \u2013 solche H\u00e4mangiome bed\u00fcrfen zumeist einer m\u00f6glichst fr\u00fchzeitigen Behandlung.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Therapie stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verf\u00fcgung, darunter medikament\u00f6se Therapie, lokale Therapiema\u00dfnahmen wie Kryotherapie und Lasertherapie sowie die operative Therapie.<\/p>\n<p>Die medikament\u00f6se Therapie erfolgt mit dem Betablocker Propranol. Im Rahmen der Therapie wird die anf\u00e4ngliche Dosis langsam gesteigert. F\u00fcr den Therapiebeginn sind meistens eine station\u00e4re Aufnahme f\u00fcr einige Tage und eine \u00dcberwachung mittels EKG und Herzechountersuchung erforderlich. Im weiteren Behandlungsverlauf werden regelm\u00e4\u00dfige Dosisanpassungen und Kontrollen durchgef\u00fchrt und der Behandlungserfolg wird mittels Fotos dokumentiert. Die Therapie erfolgt meist f\u00fcr mehrere Monate. Als Anwendungsbereiche der medikament\u00f6sen Therapie gelten u. a. gr\u00f6\u00dfere und funktionsbedrohende H\u00e4mangiome, H\u00e4mangiome im Gesichts- und Anogenitalbereich und solche, die eine gro\u00dfe \u00e4sthetische Beeintr\u00e4chtigung darstellen. Bei einer Kryotherapie (K\u00e4ltetherapie) wird der Blutschwamm vereist. Die Therapie eignet sich f\u00fcr kleinere und sehr oberfl\u00e4chliche H\u00e4mangiome, ebenso wie die Lasertherapie. Chirurgische Verfahren kommen u. a. bei kosmetisch st\u00f6renden Restzust\u00e4nden und bei akut drohenden Funktionseinschr\u00e4nkungen durch das H\u00e4mangiom in Frage.<\/p>\n<p>Welche Therapie zum Einsatz kommt h\u00e4ngt von der Lokalisation, Form, Gr\u00f6\u00dfe, Ausdehnung und Entwicklungsphase des H\u00e4mangioms, vom Alter des Patienten, von m\u00f6glichen Gegenanzeigen gegen eine bestimmte Behandlung und anderen Faktoren ab und wird im Vorfeld genau besprochen und individuell entschieden.<\/p>\n<p>*Angaben variieren in der Literatur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,66,23,2457],"tags":[99,337,338,339,340,341,342,343,179],"class_list":["post-2419","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gesundheitsnews","category-kinder-und-jugendheilkunde","category-krankheit","tag-baby","tag-benigner-tumor","tag-blutgefasse","tag-blutschwamm","tag-erdbeerfleck","tag-fruhgeburt","tag-hamangiom","tag-neugeborenes","tag-schwangerschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2419","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2419\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5152,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2419\/revisions\/5152"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2420"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}